Hypoglykämierisiko bei Diabetestherapie

Hypoglykämierisiko in der Diabetestherapie

Sinkt der Blutzucker (physiologisch oder durch Arzneimittel bedingt), so werden im Körper verschiedene Reaktionen ausgelöst [1]:

  1. Ab ca. 4,5 mmol/l* Glukose wird die Insulinsekretion gedrosselt.
  2. Ab ca. 3.6-3.8 mmol/l werden vermehrt gegenregulatorische Hormone (Glucagon, Adrenalin, Wachstumshormon und Cortisol) sezerniert.
  3. Ab ca. 3,0 mmol/l treten Hypoglykämie-Symptome auf (Schwitzen, Zittern, schneller Herzschlag, Hunger, Angst, Reizbarkeit)
  4. Ab ca. 2.6 mmol/l werden durch Glukosemangel im Gehirn kognitive Funktionen zunehmend beeinträchtigt, außerdem treten Schleiersehen, Kribbeln und Schwäche auf.Bei weiterem Absinken wird der Patient bewusstlos.

(*Die Glukosekonzentrationen wurden in arterialisiertem venösen Blut gemessen.)

Das Hypoglykämierisiko lässt sich beispielsweise durch Befragung der Patienten oder auch durch Auswertung der Häufigkeit von Arztkontakten, Notfallaufnahmen und Klinikaufenthalten wegen Unterzuckerung abschätzen.

Insgesamt tritt ein solches Ereignis einer amerikanischen Studie zufolge im Schnitt 0,054 mal pro Patientenjahr auf [2]. Statistisch gesehen erleidet also jeder Diabetiker in den USA einmal in 20 Jahren eine Hypoglykämie. Übertragen auf eine Zahl von ca. 8 Mio Diabetikern in Deutschland würde das 432.000 Arztkontakte wegen Hypoglykämie pro Jahr bedeuten.

Die verfügbaren Therapieoptionen haben unterschiedliche Hypoglykämie-Risiken [3]:

Am höchsten ist es unter Insulin (in der intensivierten Therapie häufiger als in der konventionellen; 38,1% der Patienten haben ein- oder mehrmals pro Jahr eine Hypoglykämie), gefolgt von Sulfonylharnstoffen (allen voran Glibenclamid; 9,1%), gefolgt von Gliniden.

Acarbose, Thiazolidindione, Metformin und DPP-4-Hemmer haben allein kein nennenwertes Hypoglykämierisiko. Als Kombinationspartner von Sulfonylharnstoffen können sie aber trotzdem durchaus das Hypoglykämierisiko erhöhen.

Beratung:

MH900382936-zuckerstangenZumindest bei Patienten unter Insulin, Sulfonylharnstoffen oder Gliniden sowie auch in Kombinationstherapien dürfen die Hinweise auf das Hypoglykämierisiko, die Symptome einer Hypoglykämie, die Gegenmaßnahmen und Verhaltensregeln für die Teilnahme am Straßenverkehr und beim Bedienen von Maschinen in der Beratung nicht fehlen.

(Anm.: Auch in der Adventszeit sind Traubenzucker und zuckerhaltige Getränke wegen ihrer größeren Absorptionsgeschwindigkeit natürlich als Gegenmaßnahme besser geeignet als weihnachtliche Zuckerstangen!)

Problem wiederholter Hypoglykämien ist nicht nur die akute Gefährung des Patienten, sondern dass durch das wiederholte Auftreten die Symptome immer weniger spürbar werden.

Und passend zu dem Thema noch ein weiterer Artikel zur Optimierung der Diabetestherapie anhand der Co-Morbiditäten: Tschöpe et al.: The role of co-morbidity in the selection of antidiabetic pharmacotherapy in type-2 diabetes. Cardiovasc Diabetol. 2013; 12: 62.

Quellen:

[1] PE Cryer: Hierarchy of physiological responses to hypoglycemia: relevance to clinical hypoglycemia in type I (insulin dependent) diabetes mellitus. Horm Metab Res. 1997 Mar;29(3):92-6

[2] M Bron et al. Hypoglycemia, treatment discontinuation, and costs in patients with type 2  diabetes mellitus on oral antidiabetic drugs. Postgrad Med. 2012;124(1):124-32

[3] S Bolen et al.: Systematic Review: Comparative Effectiveness and Safety of Oral
Medications for Type 2 Diabetes Mellitus. Ann Intern Med. 2007;147:386-399

[4] AD Wright et al.: Hypoglycemia in Type 2 diabetic patients randomized to and maintained on monotherapy with diet, sulfonylurea, metformin, or insulin for 6 years from diagnosis: UKPDS73. J Diab Complications 2006; 20(6), 395-401

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