Pokémon GO und körperliche Aktivität

„Lieber Weihnachtsmann, in diesem Jahr wünsche ich mir ein Handy mit Pokémon GO, weil ich soll ja mehr rausgehen, sagt Mama, und das mach ich dann auch regelmäßig, wenn ich dabei spielen kann.“

Kommt Ihnen bekannt vor? Dann lesen Sie erstmal die frisch veröffentlichte Studie von Howe et al. [1] und entscheiden Sie danach evidenzbasiert, ob Sie dem Weihnachtsmann für die Erfüllung das GO! geben wollen.

In dieser Studie wurde das Bewegungsmuster von 1182 Probanden zwischen 18 und 35 Jahren während 10 Wochen aufgezeichnet. Ab der 5. Woche nach Beginn der Aufzeichnung verfügten 560 der Probanden (47,4%) über das Spiel Pokémon GO. Das Bewegungsmuster aller Teilnehmer wurde mit einer geeigneten datensammelnden Uhr gemessen.

Alle Spieler nahmen freiwillig teil. Ethikvotum: Die Studie war nach Konsultation des  by Institutional Review Board der Harvard TH Chan School of Public Health (Protokoll No IRB 16-1243) nicht zustimmungs- oder anzeigepflichtig. Finanzielle oder sonstige Interessenkonflikte werden von den Autoren verneint.

Ergebnisse

In der Run-in-Phase, vor Beginn der Intervention unterschied sich die tägliche Schrittzahl in beiden Gruppen nicht und lag bei 4256 (± 2697) für spätere Spieler und 4126 (± 2930) für Dauer-Nicht-Spieler.

Nach Installation des Spiels stieg die tägliche Schrittzahl in der Spielergruppe zunächst eklatant an, auf 5123 (± 3371) Schritte während der ersten Woche. Dann aber nahm die tägliche Schrittzahl über die folgenden Wochen kontinuierlich auf 4994 (± 3374), 4693 (± 3104), 4499 (± 3077) und 4108 (± 2927) Schritte ab, um in Woche 6 bei 3985 (± 2888) Schritten pro Tag anzukommen. Der Verlauf entspricht in erster Näherung einer Kinetik 0. Ordnung.

Während der ersten Woche nach Spielbeginn lag die Differenz der täglichen Schrittzahl in den beiden Gruppen (Spieler vs. Nicht-Spieler) bei 955 (95%-Konfidenzintervall 697 – 1213), in Woche 6 war die Differenz aber bereits nicht mehr signifikant unterschiedlich: 130, 95%-KI −593 – 853.

Die Forscher untersuchten auch, ob Geschlecht, Alter, ethnischer Hintergrund, Körpergewicht, städtische vs. ländliche Wohnumgebung oder Eignung der Umgebung für Spaziergänge einen Einfluss auf die Ergebnisse hatten, aber es ließ sich keine Untergruppe mit abweichendem Nutzen identifizieren.

Die Studie erscheint valide, die Methodik ist angemessen, relevante Quellen für Bias lassen sich nicht erkennen. Mit anderen Worten: Pokémon GO hat nur einen transienten Benefit, der vermutlich keinen klinisch relevanten Nutzen bringt.

Ach so, Ihr Sprössling ist erst acht Jahre alt, und die Studienergebnisse sind wegen der systematisch unterschiedlichen Begeisterungsfähigkeit verschiedener Altersgruppen nicht übertragbar? Tja dann…

Quellen

[1] K Howe et al., Gotta catch’em all! Pokémon GO and physical activity among young adults: difference in differences study. BMJ 2016;355:i6270

Bildnachweis: © Kurhan / Fotolia.com

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