apotheker.unverzichtbar.kompetent -Tagebuch

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unsere Initiative „apotheker.unverzichtbar.kompetent“ ist angelaufen. In diesem Blog informieren wir Sie den September über (während uns hoffentlich viele, viele Fragebögen erreichen) immer mal wieder über den aktuellen Stand.

Zur Initiative selbst mit den Zielen, Erläuterungen und für Sie vorbereiteten Fragebögen geht es hier.

Di 26.09.17: „Tolle Aktion…

deshalb haben wir auch mitgemacht“, schreibt uns eine Kollegin oder ein Kollege aus Neustadt. Inzwischen kommen regelmäßig Antworten bei uns an. Damit die Zahlen zur Kompetenz in unseren Apotheken richtig „einschlagen“ können, brauchen wir aber noch mehr Antworten. Und Sie können auch jetzt noch teilnehmen, zumindest mit dem allgemeinen Teil unserer Befragung. Auch diese Zahlen bringen uns alle voran. (Und Rückläufer, die uns in der ersten Oktoberwoche erreichen, fließen selbstverständlich auch mit in die Auswertung ein.)

Fr 22.09.2017: „Längst nicht so viel Arbeit…

…wie befürchtet 🙂 und zusammengekommen ist doch einiges. Hoffentlich machen viele Kollegen mit, dann können alle sehen, was wir so tagtäglich ‚zwischendurch‘ leisten!“ (D. Michel, Hamburg). Dieser Meinung sind wir auch!

Mi 20.09.2017: Ein guter Tipp

„In der Offizin haben wir die Strichliste in A5-Format auf die HV Tische geklebt. Das klappt super,“ schreibt H. Gnekow aus Hamburg. Herzlichen Dank für diesen Praxis-Tipp!

Mo 18.09.2017: Feedback

„Liebe Frau Dartsch, vielen Dank für Ihr Engagement!! Das ist eine tolle Idee.
Liebe Grüße Katja Renner“ (per Email) Gern geschehen, liebe Frau Renner, so startet es sich gut in die Woche.

Do., 07.09.17: Der erste Fragebogen ist zurückgekommen!

Wir werden sicher nicht jeden Rückläufer kommentieren (können), aber den ersten schon, denn natürlich freuen wir uns, dass wir auf erste Resonanz stoßen. Geantwortet hat uns ein Apotheker oder eine Apothekerin, der / die voll hinter den Aussagen steht, dass die Beratung sowohl die Patientensicherheit als auch die eigene Arbeitszufriedenheit erhöht und dass er oder sie sich dafür auch kompetent fühlt. Gut so! Und herzlichen Dank!

Mo 04.09.17: Die ABDA informiert

„Wir befürworten die Teilnahme an dieser Umfrage.“ Das freut uns sehr.

Fr., 01.09.17: Feedback

„Das ist ein schönes Projekt“ (Friedemann Schmidt, Leipzig). Dankeschön für diese positive Rückmeldung.

Do., 31.08.17: Die DAZ berichtet

„Apotheker können fundiert beraten – wichtig wäre nur, dass sich das auch mal rumspricht.“ So hat die DAZ Online unsere Idee sehr schön auf den Punkt gebracht.

 

Bild: © Andrey Popov / Fotolia

Newsletter Nr. 03/2017

Terminkalender

„apotheker.unverzichtbar.kompetent“: Über unsere Initiative, mit der wir die unverzichtbare Kompetenz der öffentlichen Apotheken in Deutschland sichtbar machen wollen, haben wir Sie im letzten Sonder-Newsletter informiert. Machen Sie mit: Zeigen Sie Ihre Kompetenz! Um Sie zwischenzeitlich auf dem Laufenden zu halten, haben wir einen Tagebuch-Blog zur Initiative angelegt. Dort finden Sie Nachrichten zum aktuellen Stand.

 

Wechselwirkungen mit Kaliumbindern: Das in Kaliumbindern enthaltene Natrium-Polystyrolsulfonat bindet auch andere Stoffe, so kann es auch die Bioverfügbarkeit von verordneten Wirkstoffen beeinflussen. Die FDA empfiehlt daher einen Einnahmeabstand von 3 Stunden einzuhalten. Welche Kaliumbinder mit Natrium-Polystyrolsulfonat bei uns auf dem Markt sind, lesen Sie auf unserer Webseite.

 

Metamizol-Update: Metamizol (Novaminsulfon) wird immer häufiger verordnet. Welche Auswirkung es auf die Blutgerinnung hat und welche unerwünschten Wirkungen das Analgetikum auch haben kann, haben wir für Sie zusammengefasst.

 

Parkinson-Management 2017: Parkinson gehört zu den komplexesten Syndromen in der Medizin. Jeder Parkinson-Patient braucht ein individuelles Therapiekonzept. Hierüber gibt ein aktueller Artikel des Journal of the American Medical Association einen Überblick. Wir haben das Wichtigste daraus extrahiert.

 

Infektionen richtig behandeln: Aus England kommt ein neuer Leitfaden für die Behandlung häufig vorkommender Infektionen. Er richtet sich u.a. an Apotheker und soll dazu beitragen, Resistenzentwicklung zu vermeiden. Weitere Details finden Sie auf unserer Website.

 

Deprescribing: Ärzte finden es leichter, Arzneimittel an- als abzusetzen. Ihre Gründe dafür wurden in einer Studie untersucht. Ein Beispiel: „Wenn ich z.B. ein Statin absetze und der Patient später einen Herzinfarkt bekommt, bin ich ein schlechter Arzt.“ Wir haben die Aussagen für Sie aufgelistet.

 

Der Seminarfahrplan 2018 ist da! Mit Frühbucherrabatt: Da ist er wieder: Unser Seminarkalender 2018 ist ab sofort online. Bis zum 30.10.17 erhalten Sie bei Ihrer verbindlichen Anmeldung 15% Rabatt auf jedes gebuchte Seminar.

Arzneimittelinteraktionen 18.01. – 14.02.
Angewandte Pharmakokinetik 12.04. – 09.05.
Interpretation von Laborparametern 10.05. – 06.06.
Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen 07.06. – 04.07.
Medizinische Literaturrecherche und Arzneimittelinformation 06.09. – 03.10.
Arzneimitteltherapie bei Patienten mit Eliminationsstörungen 11.10. – 07.11.
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen, Pharmakovigilanz 08.11. – 05.12.

Mit herzlichen Grüßen in den Herbst

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik)

Bildnachweis: © Andrey Popov | fotolia.com 

Deprescribing: Gegen den Strom

Die Haltung niedergelassener Ärzte gegenüber dem Deprescribing bei Patienten mit Polymedikation hat kürzlich eine Arbeitsgruppe der Universität von Auckland in semi-strukturierten Interviews untersucht [1]. Die in den Antworten der befragten Ärzte genannten Einflussfaktoren auf das Verordnungverhalten teilen die Autoren in drei Gruppen ein: 1. soziokulturelle, 2. persönliche und 3. systemorganisatorische Faktoren.

Unter die soziokulturellen Faktoren fallen Annahmen zur Erwartungshaltung von Patienten und Aspekte der Verordnungspraxis:

  • „Patienten erwarten von uns Ärzten, dass sie für ihre medizinischen Probleme ein Arzneimittel verordnet bekommen.“
  • „Es ist einfacher, immer neue Medikamente anzusetzen, als die Notwendigkeit der bestehenden Medikation zu überprüfen.“
  • „Für das Verordnen gibt es Kurse, für das Absetzen von Arzneimitteln nicht.“

Im Feld der persönlichen und Beziehungsfaktoren wurden Unsicherheit, Sorge vor unerwünschten Wirkungen des Absetzens, Sorge vor einer Verschlechterung des Verhältnisses zu Patienten und anderen Ärzten und Datenmangel genannt:

  • „Wir wissen nicht, welches zusätzliche Risiko die Kombination mehrerer Erkrankungen und Medikationen hervorruft.“
  •  „Man könnte als nachlässig, als schlechter Arzt, als inkompetent betrachtet werden, wenn man etwas absetzt und dann etwas passiert“, z.B. „ein Herzinfarkt, nachdem das Statin abgesetzt wurde.“
  • „Man setzt mehr an als man möchte, aber es ist schwierig, von den Leitlinien abzuweichen.“
  • „Wir brauchen mehr Forschung und mehr Zusammenarbeit auf dem Gebiet“ und „mehr Fortbildungen, um sicherer zu werden“.
  • „Es könnte so aussehen als habe man den Patienten aufgegeben – Sie werden ohnehin bald sterben, da helfen jetzt auch die Tabletten nicht mehr.“
  • „Es ist schwierig, etwas abzusetzen, das gerade erst angesetzt wurde, z.B. im Krankenhaus“ oder „vom Facharzt, von dem man annimmt, dass er besser Bescheid weiß als man selbst.“

Unter die systemorganisatorischen Faktoren fallen Zeitmangel, Abrechnungsfragen, Leitlinien und Computer-basierte Entscheidungs’hilfen‘, der Informationsfluss an Schnittstellen:

  • „Das sind komplexe Fälle, dafür ist einfach keine Zeit.“
  • „Bei Folgeverordnungen sieht man den Patienten gar nicht jedes Mal.“
  • „Man muss die Zeit, die man mit dem Patienten nicht wegen konkreter medizinischer Probleme, sondern mit der Verbesserung des Arzneimittelmanagements verbringt, bezahlt bekommen.“
  • „Abzusetzende Arzneimittel müssten im Computer angezeigt werden, dann könnte man dem Patienten sagen: ‚ich sehe hier, dass Sie zuviele Medikamente bekommen, schauen wir doch mal, was wir streichen können‚.“
  • Ich kenne ja nur einen Teil der Patientenhistorie. Vielleicht wurde ja schon versucht, was abzusetzen, und das musste wieder neu gestartet werden.“
  • „Ich würde gern einfach einen Fachkollegen anrufen und um Rat fragen. Oft emaile ich an einen Apotheker.“
  • „Leitlinien empfehlen immer nur, das Ansetzen.“ „Wir brauchen in jeder Leitlinie einen Absatz, unter welchen Bedingungen was abgesetzt werden soll.“ „Wir brauchen Leitlinien zur Multimorbidität, z.B. für Patienten, die chronische arthritische Schmerzen, Herzinsuffizeinz und Diabetes gleichzeitig haben.“
  • „Mit Patienten über Risiken zu sprechen, ist sehr schwierig.“
  • „Es würde die Sache erleichtern, wenn Patienten z.B. einmal jährlich eine Nachricht bekämen wie ‚Wenn Sie nächstes Mal beim Arzt sind, lassen Sie Ihre Medikation überprüfen‚.“

Einer der interviewten Ärzte erwähnte die App „MedStopper“. Sie hier verfügbar.

Die Antworten zeigen, wie schwierig es sein kann, Maßnahmen umzusetzen, von denen man grundsätzlich weiß, dass sie richtig sind. Sie zeigen auch, wie schwierig es ist, eine konkrete Entscheidung zu treffen, wenn sich die Folge nicht exakt einschätzen lässt – ganz besonders, wenn man dafür gewohnte Fahrwasser verlassen und sich evtl. sogar gegen die Erwartung anderer stellen muss.

So kann es sich auch bei der Beratung von Patienten in der Apotheke anfühlen. Gut zu wissen, dass es nicht nur uns so geht, oder?

Mit besten Grüßen

Dorothee Dartsch

Quelle

KA Wallis et al: Swimming Against the Tide: Primary Care Physicians’ Views on Deprescribing in Everyday Practice. Ann Fam Med 2017;15:341-34

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Behandlung häufiger Infektionen

Aus England kommt ein neuer Leitfaden für die Behandlung häufig vorkommender Infektionen. Er richtet sich an niedergelassene Allgemeinmediziner und Apotheker und soll durch einen „einfachen, effektiven, ökonomischen und empirischen Ansatz“ dazu beitragen, Resistenzentwicklung zu vermeiden.

In übersichtlichem Tabellenformat werden Wirkstoffe – ggf. auch Alternativen, z.B. bei Allergie oder Schwangerschaft – Dosierungen und Therapiedauer für obere und untere Atemwegs-,  urogenitale, gastrointestinale, Haut- und Weichteil- und Augeninfektionen angegeben. Dezidierte Hinweise enthalten auch Angaben dazu, wann keine antibiotische Therapie erfolgen sollte. Eine zweite Tabelle enthält zahnmedizinische Infektionen.

Im Anschluss folgen ausführliche Begründungen und Quellenangaben, die weiterführende Informationen enthalten, falls die Kurzfassung in der Tabelle nicht ausreicht.

Der Leitfaden ist hier zugänglich: Management and treatment of common infections. Antibiotic guidance for primary care: For consultation and local adaptation.

Bild: © beermedia / Fotolia

Parkinson-Therapie 2017

Parkinson gehört zu den komplexesten Syndromen in der Medizin. Die Langzeittherapie mit dopaminergen Wirkstoffen als zentraler Säule erfordert kontinuierliche Dosisanpassungen und oft zusätzliche  Maßnahmen – pharmakologische wie nicht-pharmakologische. Jeder Parkinson-Patient braucht ein individuelles Therapiekonzept. Hierüber gibt ein aktueller Artikel des Journal of the American Medical Association einen Überblick [1].

In der folgenden, dem Artikel entnommenen Grafik (zur Vergrößerung bitte anklicken) zeigen die Balken die ungefähren Laufzeiten der verschiedenen pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Therapieoptionen an.

 Die aktuelle deutsche Leitlinie ist die S3-Leitlinie „Idiopathisches Parkinson-Syndrom“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie [2] .

Quellen

[1] MS Okun: Management of Parkinson Disease in 2017 – Personalized Approaches for Patient-Specific Needs. JAMA 2017; 318(9): 971-2

[2] DGN S3-Leitlinie Idiopathisches Parkinson-Syndrom (2016)

 

Bild: © kebox / Fotolia

Wechselwirkungen mit Kaliumbindern

Patienten mit Niereninsuffizienz erhalten nicht selten Kaliumbinder, weil sie nicht genug Kalium ausscheiden. Das darin enthaltene Natrium-Polystyrolsulfonat bindet nicht nur Kaliumionen, sondern, wie die FDA gerade mitgeteilt hat, auch etliche häufig verordnete Wirkstoffe. In der Folge sinkt deren Bioverfügbarkeit, und die Wirkung nimmt ab.

Diese Fertigarzneimittel enthalten aktuell lt. MMI Pharmindex Plus Natrium-Polystyrolsulfonat als Wirkstoff:

  • Anti-Kalium Na Granulat
  • CPS-Pulber
  • Elutit®-Granulate und -Pulver
  • Resonium® A
  • Sorbisterit®

Die FDA empfiehlt, zwischen Kaliumbindern und allen anderen oral eingenommenen Arzneimitteln drei Stunden Einnahmeabstand einzuhalten, bei Patienten mit Gastroparese oder anderen Magenentleerungsstörungen sechs Stunden.

Quelle

FDA Drug Safety Communication, 6.9.17

Bild: A. Hartung / Fotolia

Initiative „apotheker.unverzichtbar.kompetent“

Sehr geehrte Kolleginnen und sehr geehrte Kollegen,

mit großer Freude informieren wir Sie ab heute über den Start unserer Initiative:

„apotheker.unverzichtbar.kompetent.“

Warum diese Initiative?

Seit fünf Jahren tragen wir mit unserem Campus Pharmazie dazu bei, dass Apothekerinnen und Apotheker Menschen kompetent zu Arzneimitteln beraten. Es ist auch für uns ein Schlag ins Gesicht, wenn unsere Berufsgruppe vom Medikationsplan ausgeschlossen bleibt und die patientenorientierte Beratungstätigkeit mit schlechteren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen quittiert wird.

Wir haben darum die Initiative „apotheker.unverzichtbar.kompetent“ enwickelt, mit der wir die Kompetenz und die Beratungsleistung der Apotheken nach außen darstellen möchten.

Um das faktenbasiert tun zu können, brauchen wir Ihre Unterstützung.

Wie unterstützen Sie uns dabei?

Dokumentieren Sie eine Woche lang, welche arzneimittelbezogenen Probleme Ihnen in Ihrem Apothekenalltag begegnen und wie diese gelöst werden konnten und beantworten Sie uns einige Fragen zu den Fort- und Weiterbildungsaktivitäten der Apothekerinnen und Apotheker in Ihrer Apotheke.

Wenn Sie können und wollen: Nutzen Sie unsere vorbereiteten Kurzfragebögen und holen Sie Feedback von Kunden / Patienten und Ärzten zu Ihrer pharmazeutischen Beratungsleistung ein.

Wir wollen realistisch darstellen, wie viel heilberufliche Sachverständigkeit und Kompetenz in den Apothekerinnen und Apothekern in Deutschland steckt. Je mehr Apotheken sich beteiligen, je vollständiger die arzneimittelbezogenen Probleme dokumentiert werden, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse.

Wie ist der Ablauf?

Hier sind die Bögen, die wir zu diesem Zweck entwickelt haben:

Bzgl. des Feedbacks zu Ihren Beratungsleistungen:

(Die Fragebögen an Ärzte und Patienten stellen wir im Word-Format zur Verfügung, so dass Sie die Formulierungen im Anschreiben verändern können.)

Der Aktionszeitraum ist der September 2017. Wählen Sie eine für Sie geeignete Woche im September, in der Sie dokumentieren, welchen arzneimittelbezogenen Problemen Sie begegnen.

Halten Sie auf dem Bogen fest, wie diese Probleme gelöst werden konnten. Schicken Sie die Dokumentations- und Fragebögen bis zum 10.10.17 per Post, Fax oder Email an uns zurück.

Wir zeigen die Ergebnisse auf der Website www.apotheker-unverzichtbar-kompetent.de und verbreiten sie in Pressemitteilungen innerhalb der Fachwelt und darüber hinaus.

Rückschlüsse auf Angaben der einzelnen Apotheke sind aus der Darstellung nicht möglich.

Haben Sie noch Fragen? Dann stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Schon jetzt danken wir Ihnen ganz herzlich fürs Mitmachen! Jeder soll es sehen: Sie sind
unverzichtbar.kompetent.

Mit kollegialem Gruß

Dorothee Dartsch und Jasmin Hamadeh

 

Bild: © wavebreakmedia / istock

Metamizol-Update

Metamizol (Novaminsulfon) erlebt seit ca. dem Jahr 2000 eine Verordnungs-Renaissance mit einer Steigerung von um die 9 Mio DDD pro Jahr vor 2000 auf 28 Mio DDD  im Jahr 2010 und ist nach Ibuprofen das am häufigsten verordnete Analgetikum [1,2].

ASS, Diclofenac, Ibuprofen et al. haben ihre Risiken im Bereich der Blutgerinnung sowie der gastrointestinalen  und renalen unerwünschten Wirkungen . Wie schneidet Metamizol im Vergleich ab?

Metamizol und die Blutgerinnung

Wie die NSAR hemmt Metamizol die Thrombozytenaggregation, die klinische Relevanz in Form vermehrter Blutungsvorfälle ist jedoch bisher nicht klar belegt [3]. Hingegen häufen sich die Hinweise, dass Metamizol wie Ibuprofen mit der Thrombozytenaggregationshemmung durch ASS interferiert und dessen kardioprotektive Wirkung vermindert, so dass es vermehrt zu unerwünschten kardiovaskulären Ereignissen kommen kann [4,5].

 Unerwünschte Wirkungen von Metamizol

Auch ein nephrotoxisches Potenzial ist erst kürzlich wieder in einer Studie beschrieben worden, in der unter Metamizol vermehrt ein akutes Nierenversagen verzeichnet wurde [6]. Am meisten gefürchtet ist die Metamizol-induzierte Agranulozytose. Sie ist zwar sehr selten, imponiert aber durch ihren u.U. schwerwiegenden Verlauf, und die Fallzahlen steigen parallel zu den wachsenden Verordnungszahlen an [7].

Metamizol im Vergleich zu anderen Analgetika

In der Summe scheint Metamizol nicht signifikant häufiger zu unerwünschten Wirkungen zu führen als andere nicht-opioide Analgetika [8]. International wird Metamizol kaum zur Schmerztherapie eingesetzt, und es ist auch nur in wenigen Ländern auf dem Markt.

Für eigene Literaturrecherchen: Der englische Begriff für Metamizol lautet „dipyrone“.

Quellen

[1] Glaeske & Schicktanz: BARMER GEK Arzneimittelreport 2011 S. 39. [Zugriff 15.05.2017]

[2] Wissenschaftliches Institut der AOK: Pressemitteilung vom 29.April 2014 [Zugriff 15.05.2017]

[3] G Geisslinger et al., The effects on platelet aggregation and prostanoid biosynthesis oft wo parenteral analgesics: ketorolac tromethamine and dipyrone. Throm Haemost 1996; 79:592-597

[4] A Schmitz et al.: Dipyrone (metamizole) markedly interferes with platelet inhibition by aspirin in patients with acute and chronic pain: A case-control study. Eur J Anaesthesiol 2017; 34(5):288-296

[5] A Achilles: Analgesic medication with dipyrone in patients with coronary artery disease: Relation to MACCE. Int J Cardiol 2017; 236:76-81

[6] T Stüber et al.: The use of dipyrone in the ICU is associated with acute kidney injury: A retrospective cohort analysis. Eur J Anaesthesiol 2017 Mar 16. doi: 10.1097/EJA.0000000000000627

[7] LS Blaser et al.: Hematological safety of metamizole: retrospective analysis of WHO and Swiss spontaneous safety reports. Eur J Clin Pharmacol. 2015; 71(2):209-17

[8] T Kötter et al.: Metamizole-Associated Adverse Events: A Systematic Review and Meta-Analysis. PLoS One. 2015; 10(4):e0122918

Bildnachweis: © Pixelot / Fotolia

Newsletter Nr. 01/2017

Hand einer jungen Frau vor weißem Hintergrund - Hand of a young woman isolated on white

Etabliert und gut vernetzt: Der Campus freut sich in seinem fünften Jahr über die zahlreichen mittlerweile fest etablierten Partnerschaften im offiziellen Netzwerk, über den intensiven und regelmäßigen Austausch mit Apotheken, Ärzten und vor allem natürlich mit den engagierten Apothekerinnen und Apothekern. Sie zeigen in unseren Online-Seminaren und sonstigen Veranstaltungen immer wieder, wie unverzichtbar kompetent unser Berufsstand agiert. Unser Jubiläumsjahr stellen wir daher ganz ins Zeichen dieser Unverzichtbarkeit. Mehr dazu im nächsten Newsletter.

 

Herzinsuffizienz und Eisenmangel treten gar nicht so selten gemeinsam auf und addieren sich in ihren ungünstigen Auswirkungen auf die Sauerstoffversorgung. Wie man Eisenmangel an Laborparametern erkennen kann, erfahren Sie auf unserer Website, was bei der Interpretation von Laborparametern allgemein wichtig ist, in unserem Seminar. Start: 25.05.2017; Last-Minute-Anmeldungen noch möglich.

 

Betablocker bei Asthma? Wann sollten Betablocker leitliniengemäß eingesetzt werden? Neue Studiendaten zum Risiko einer Verschlechterung des Asthmas durch Betablocker zeigen, in welchen Fällen die Kontraindikation in den Hintergrund treten darf. Die Verordnung kann aufgrund einer gut begründeten Nutzen-Risiko-Abwägung durchaus auch befürwortet werden. Wir haben für Sie die Erkenntnisse aus neun relevanten Quellen zusammengestellt.

 

Medikationsanalyse: Zum 4. Mal startet im Juli die gemeinsame Fortbildung mit unserem Netzwerkpartner Apothekerkammer Hamburg: „Medikationsanalyse, die Basis für das Medikationsmanagement“. Sie deckt die „Medikationsanalyse als Prozess“ gemäß BAK-Curriculum vollständig ab. Termine u.a. Details auf unserer Website.

 

Kompetenzkatalog: Was Apotheker in der direkten Patientenversorgung können sollen, hat das American College of Clinical Pharmacy neu formuliert. Der Kompetenzkatalog bezieht sich v. a. auf das Medikationsmanagement und beschreibt sehr gut, wie sich Apothekerinnen und Apotheker auch hierzulande nachhaltig als Heilberufler positionieren können. Für uns ist er eine kompakte Zusammenstellung der Ziele unserer Seminare und Case-Trainings. Wir haben den Katalog für Sie übersetzt und zusammengefasst.

 

Hypertonie-Therapie: ‚Je mehr, desto besser‘ gilt nicht. Eine sekundäre Auswertung zweier großer Studien zur Blutdrucksenkung mit Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Systems legt nahe, dass es ein Blutdruck-Optimum gibt, und zwar bei etwa 130/75mmHg. Die zentralen Ergebnisse haben wir für Sie zusammengefasst.

 

Mit Hoffnung auf einen unverzichtbaren Sommer grüßen

Jasmin Hamadeh         Dr. Dorothee Dartsch

(Mediendidaktik)           (Klinische Pharmazie)

 

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Blutdruck: Kommt die Untergrenze?

Die aktuell veröffentlichte sekundäre Auswertung [1] zweier großer Studien zu Herzkreislauferkrankungen – ONTARGET [2] und TRANSCEND [3] – kommt zu dem Schluss, dass es für den Blutdruck ein Optimum gibt, oder anders ausgedrückt: dass es falsch wäre zu sagen, je niedriger der Blutdruck, desto besser.

Beide Studien untersuchten den Einsatz von ACE-Hemmern bzw. Angiotensin-Rezeptorblockern (oder die Kombination, von der aufgrund der darunter aufgetretenen  höheren Mortalität seither abgeraten wird) und umfassten zusammen knapp 31.000 Patienten.

Ergebnisse

Bei den 4.052 Patienten, bei denen die Therapie den systolischen Druck auf Werte unter 120 mmHg senkte, war das Risiko sowohl für das Eintreten des zusammengesetzten kardiovaskulären Endpunkt als auch für herzkreislaufbedingte Todesfälle als auch für jegliche Todesfälle erhöht: Im Vergleich zu den Patienten, deren Blutdruck auf 120-140 mmHg eingestellt wurde, um Faktoren zwischen 1,14 und 1,3 (ausgedrückt als ‚adjusted hazard ratio‘, alle Grenzen der Konfidenzintervalle lagen oberhalb von ‚1‘; die Unterschiede gelten somit als signifikant). Das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder herzinsuffizienz-bedingte Krankenhauseinweisung war durch den niedrigen systolischen Blutdruck unverändert.

Anders sah es für den diastolischen Blutdruck aus: Mittlere Werte unter 70 mm Hg hatten nicht ’nur‘ ein erhöhtes Risiko für das Eintreten des zusammengesetzten kardiovaskulären Endpunktes und jeglicher Todesursache, sondern auch für Herzinfarkt und herzinsuffizienzbedingte Krankenhauseinweisung zur Folge,  und zwar um Faktoren zwischen 1,2 und 1,6 (auch hier lagen alle Konfidenzintervall-Grenzen oberhalb der ‚1‘).

Fazit für die Praxis

Als Blutdruck-Optimum geht aus der Auswertung hervor: 130/75 mmHg. Wenn prospektive randomisierte klinische Studien dieses Ergebnis betätigen, werden sich diese Richtwerte sicher irgendwann in den Leitlinien wiederfinden.

Quellen

[1] M Böhm et al.: Achieved blood pressure and cardiovascular outcomes in high-risk patients: results from ONTARGET and TRANSCEND trials. Lancet. 2017 Apr 5. pii: S0140-6736(17)30754-7

[2] The ONTARGET Investigators: Telmisartan, Ramipril, or Both in Patients at High Risk for Vascular Events. N Engl J Med. 2008; 358(15):1547-59

[3] The TRANSCEND Investigators: Effects of the angiotensin-receptor blocker telmisartan on cardiovascular events in highrisk patients intolerant to angiotensin-converting enzyme inhibitors: a randomised controlled trial. Lancet. 2008; 372(9644):1174-83

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