Beeinflusst Calcium das Risiko für Knochenbrüche?

Medikation unter die Lupe nehmen (2)Immer mal wieder widmen sich Studien und systematische Auswertungen einer Überprüfung der Wirksamkeit von Therapien.

So geschehen auch in einer aktuellen Übersichtsarbeit [1], die der Frage nachgeht, ob die gezielte Aufnahme von Calcium (über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel, mit und ohne Vitamin D) bei Menschen über 50 Jahren das ohne weitere Maßnahmen bestehende Risiko für Knochenbrüche senkt. Dabei waren Studien mit Patienten, die außer Osteoporose gravierende chronische Erkrankungen hatten, ausgeschlossen, es ging also um weitgehend gesunde Menschen.

Die Autoren kommen zu den folgenden Ergebnissen:

In zwei randomisierten kontrollierten und 44 Kohortenstudien zum gezielten Konsum calciumreicher Nahrungsmittel zeigte sich insgesamt keine Assoziation mit der Häufigkeit von Knochenbrüchen. Ein solcher intensivierter Verzehr calciumreicher Lebensmittel hat demzufolge kein Wirkung.

In 26 randomisierten kontrollierten Studien zur Auswirkung von Calcium-Supplementen (mit und ohne Vitamin D, Calciumdosis mehrheitlich >1000mg/d) auf das Frakturrisiko wurde eine leichte Abnahme der Häufigkeit von Frakturen insgesamt sowie speziell von Wirbelsäulenfrakturen gefunden, während es keinen Einfluss auf Hüft- oder Armfrakturen gab. Die positive Wirkung auf das Frakturrisiko zeigte sich jedoch v.a. in Studien, deren Design nach Analyse der Autoren kaum Maßnahmen gegen Verzerrung (Bias) der Ergebnisse hatte, während solche Studien, die methodisch besser gegen Verzerrungen gewappnet waren, allenfalls per Trend einen geringfügigen Nutzen aufwiesen, die statistische Signifikanz fehlte jedoch.

Insgesamt muss dieser Studie nach der Nutzen einer Calcium-Substitution bei weitgehend gesunden älteren Menschen als allenfalls gering eingestuft werden.

Quellen

MJ Bolland et al.: Calcium intake and risk of fracture: systematic review. BMJ 2015;351:h4580

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