Unerwünschte Arzneimittelwirkungen durch Aufnahmemedikation

Medikation unter die Lupe nehmen (2)Unerwünschte Arzneimittelwirkungen im Krankenhaus bedeuten neben der Beeinträchtigung des Patienten auch zusätzliche diagnostische und therapeutische Maßnahmen, Komplikationen und verlängerte Verweilzeiten [1]. Ihre Vermeidung ist also aus medizinisch-ethischen wie ökonomischen Gründen erstrebenswert.

Welche Wirkstoffgruppen am häufigsten zu unerwünschten Wirkungen führen, hängt sowohl von der Verordnungshäufigkeit als auch von ihren pharmakologischen Eigenschaften ab [2]. Aber auch die Konstitution der Patienten und ihre Empfindlichkeit für unerwünschte Wirkungen spielt eine Rolle, wie die folgende Tabelle der Top5 der UAW-Auslöser in Abhängigkeit vom Patientenalter zeigt:

Rang Patienten unter 65 Jahre Patienten über 65 Jahre
1 Antibiotika Antibiotika
2 Laxanzien Corticosteriode
3 Lipidsenker Antikonvulsiva
4 Antikonvulsiva Laxanzien
5 Corticosteriode NSAIDs

Bei älteren Patienten erreichen unerwünschte Wirkungen zudem häufiger einen höheren Schweregrad. So waren bei Patienten über 65 in der genannten Studie 46% der durch kardiovaskulär wirkende Arzneimittel ausgelösten unerwünschten Wirkungen lebensbedrohlich oder tödlich, während bei jüngeren Patienten nur in 25% der Fälle diese Schweregrad erreicht wurde.

Diese Ergebnisse wurden im Rahmen der JADE-Studie [2] an knapp 3500 Erwachsenen erhoben, die bei ihrer Aufnahme ins Krankenhaus über 14.400 Verordnungen erhielten (im Mittel vier pro Kopf).

Fazit

Die Verordnung der genannten Arzneimittel ist nicht immer zu vermeiden, aber wenn sie verordnet werden, sollten die Patienten engmaschig hinsichtlich der Symptome potenzieller unerwünschter Wirkungen beobachtet werden, damit rechtzeitig und richtig reagiert werden kann.

Quelle

[1] LM Khan: Comparative epidemiology of hospital-acquired adverse drug reactions in adults and children and their impact on cost and hospital stay–a systematic review. Eur J Clin Pharmacol. 2013 Dec;69(12):1985-96

[2] Sakuma et al.: Frequency and Severity of Adverse Drug Events by Medication Classes: The JADE Study. J Patient Saf. 2015 Aug 13

Neurologische unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Gerade bei neurologischen UAW ist es schwierig, diese als UAW zu erkennen, weil die neurologischen Veränderungen so viele Gesichter haben können (s. Tabelle).

140506-neurologische-UAW

Wird die Störung nicht als UAW erkannt, sondern für eine neue Erkrankung gehalten, und folglich medikamentös behandelt, entstehen Verordnungskaskaden, die wiederum das Risiko für weitere UAW durch die neuen Wirkstoffe und ihre Interaktionen erhöhen. Am Ende stehen nicht selten komplexe Therapieschemata, die nicht mehr zu überblicken sind, die Lebensqualität der Patienten einschränken und hohe Kosten verursachen.

Typische Auslöser der o.g. Störungen sind:

Cerebrovaskuläre Erkrankungen:

  • Cerebellarsyndrom:  Phenytoin, Lithium, Carbamazepin, manchen Zytostatika, Aminoglykosidantibiotika
  • Schlaganfall infolge von Thromboembolie: Estrogene, Progestagene
  • (cerebro-)vaskuläre Effekte: atypische Antipsychotika

Kognitive Beeinträchtigungen: Anticholinergika und Wirkstoffe mit anticholinergen UAW (H1-Antihistaminika der 1. Generation, z.B. Diphenhydramin, Parkinsonmedikamente, Muskelrelaxanzien, trizyklische Antidepressiva), außerdem Neuroleptika, atypische Antipsychotika, Benzodiazepine

Malignes neuroleptisches Syndrom: Neuroleptika (z.B. Chlorpromazin, Haloperidol), Dopaminantagonisten (z.B. MCP), abruptes Absetzen von Dopaminagonisten

Bewegungsstörungen: dopaminantagonistische Antipsychotika (z.B. Risperidon), Dopaminantagonisten

Krampfanfälle: Alkohol-, Opioid-, Benzodiazepinentzug; Antiarrhythmika, Cephalosporine, Imipenem, alkylierende Zytostatika, Methotrexat, Chlorpromazin, Lithium, Fentanyl, Tramadol, in supratherapeutischer Dosis: trizyklische Antidepressiva, Theophyllin, Clozapin; arzneimittelinduzierte Störungen des Natrium- oder Glucosehaushalts

Serotoninsyndrom: selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer, Triptane, manche Opioide, Dextromethorphan

Schlafstörungen: Antidepressiva, Kortikoide, Betamimetika, Parkinsonmedikamente, Sedativa wie Diphenhydramin, Benzodiazepine

Quelle:

Demler TL: Drug-induced neurologic conditions, US Pharmacist 2014, 39(1):47-52

Newsletter Nr. 08/2013

Medikation unter der Lupe

Pertuzumab: Warum in fixer Dosis? Die meisten Krebstherapeutika werden individuell dosiert – entweder nach Körpergewicht oder nach Körperoberfläche. Nicht so Pertuzumab (Perjeta®). Hier ist die Dosis auf initial 840mg und anschließend 420mg festgelegt. Grund dafür ist die Tatsache, dass weder das Gewicht noch die Oberfläche die Korrelation zwischen Dosis und Pertuzumab-Plasmakonzentration beeinflussen. Mehr Informationen hier.

 

„Angewandte Pharmakokinetik“ ab Donnerstag erstmals am Start: Das neue Seminar „Angewandte Pharmakokinetik“ startet am kommenden Donnerstag. Es enthält wichtige Grundlagen zum Verständnis der Therapieoptimierung z.B. bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder Übergewicht oder bei geriatrischen Patienten. Nähere Informationen zu den Zielen und Inhalten hier hier.

 

HDL als prognostischer Marker: High-density-Lipoprotein (HDL) gilt als „gutes“ Lipoprotein, weil es am Rücktransport von Cholesterol aus der Peripherie zur Leber beteiligt ist. Jedoch Vorsicht: evtl. ist ein hoher Spiegel nicht immer gleichbedeutend mit einer guten Prognose. Eine aktuelle [EXPAND Studie] [1] Dormann H et al., Adverse Drug Events in Older Patients Admitted as an Emergency. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 213–9 [/EXPAND] hat gezeigt, dass Niacin zwar die HDL-Konzentration steigen ließ, aber die HDL-Funktion, gemessen an seiner Aufnahmefähigkeit für Cholesterol und seiner antioxidativen Kapazität, war nicht erhöht. Mehr Informationen hier.

 

Seminar „Interpretation von Laborparametern“: Laborparameter sind ein wichtiges Mittel, um die richtige Dosierung für einen Patienten festzulegen, die Wirksamkeit festzustellen oder das Auftreten unerwünschter Wirkungen zu verfolgen. Auch wenn Laborparameter nicht zur Verfügung stehen, ist es hilfreich zu wissen, nach welchen Werten Patienten gezielt gefragt werden sollten. Das Seminar läuft vom 10.10. bis 06.11.13. Mehr Informationen hier.

 

ABDA-Erfahrungsaustausch Medikationsmanagement: Ende August trafen sich Vertreter aller Landesapothekerkammern und -verbände in Berlin, um über Projekte zur Entwicklung des Medikationsmanagements in Deutschland zu beraten. Für Hamburg war Prof. Dr. D. Dartsch eingeladen, die Angebote des Campus Pharmazie vorzustellen und ihre Erfahrung in der berufsbegleitenden Fortbildung einzubringen. Ein wichtiges Fazit des Treffens war: Flächen-deckende, kompetenzorientierte Fortbildungen zum Medikationsmanagement werden sehr dringend gebraucht. Campus Pharmazie leistet mit seinen akkreditierten, evaluierten und industrieunabhängigen E-Learning-Angeboten hier bereits jetzt einen wichtigen Beitrag.

 

Eliminationsstörungen“ und „Altersgruppen„: Diese beiden Seminare greifen besondere Patientengruppen heraus, die Gemeinsamkeiten hinsichtlich typischer Arzneimittel-bezogener Probleme aufweisen. In den Veranstaltungen werden diese Aspekte vorgestellt, diskutiert und die Lösung der Probleme an Fallbeispielen trainiert. „Eliminationsstörungen“ (darunter fallen Nieren- und Leberinsuffizienz und genetische Polymorphismen): 10.10. bis 06.11.13., „Altersgruppen“ (Kinder, Schwangere, Senioren): 07.11. bis 04.12.13.

 

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) und Medikationsfehler (ME) bei Senioren: Eine [EXPAND Studie der Uni Erlangen-Nürnberg] [2] Khera AV et al., The Addition of Niacin to Statin Therapy Improves High-density Lipoprotein Cholesterol Levels but not Metrics of Functionality. J Am Coll Cardiol. 2013, Online-Veröffentlichung am 25.07.13 [/EXPAND] mit 752 Patienten in der Notaufnahme hat gezeigt, dass Senioren über 65 häufiger von UAW und den Folgen von ME betroffen sind als jüngere Patienten: von den Patienten mit mindestens einer UAW waren mehr als zwei Drittel älter als 65. Als ME galten fehlende Indikation, absolute Kontraindikation, falsche Dosierung, falsche Einnahme und Doppelverordnungen. Diese führten bei Senioren dreimal häufiger zu manifesten Beschwerden als bei Jüngeren. Andere Studien haben gezeigt, dass nicht nur ME, sondern auch bis zu 50% der UAW vermeidbar sind.

 

Nicht vergessen: Das nächste Online-Case-Training (eine Woche – drei Fälle): 14.-20.11.2013. Jetzt anmelden!

 

Mit spätsommerlichen, kollegialen Grüßen,

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

genannte Studien:

[1] Dormann H et al., Adverse Drug Events in Older Patients Admitted as an Emergency. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 213–9

[2] Khera AV et al., The Addition of Niacin to Statin Therapy Improves High-density Lipoprotein Cholesterol Levels but not Metrics of Functionality. J Am Coll Cardiol. 2013, Online-Veröffentlichung am 25.07.13

Newsletter Nr. 04/2013

Was haben Pippi Langstrumpf und Campus Pharmazie gemeinsam? Sie verteilen Geschenke, wenn sie selbst Geburtstag haben – und gleich 20 Stück: Die ersten zehn und weitere zehn ausgeloste Anmelder werden unsere Geburtstagsgäste im neuen Case-Training-Format: eine Woche, drei Fälle zum Anwenden Ihrer klinisch-pharma-zeutischen Kenntnisse, zeitlich flexibel in moderierten online-Foren; Laufzeit 23.- 29.05.2013. Weitere Informationen und Anmeldung hier.

 

Patientenindividuelle Auswahl von Tyrosinkinase-Inhibitoren: In einer ganz frischen Übersichtsarbeit [1] geben E. Irvine und C. Williams Empfehlungen, welche Patientenfaktoren bei der Wahl des Tyrosinkinasehemmers in der Therapie der chronisch-myeloischen Leukämie berücksichtigt werden sollten. Details finden Sie hier.

 

Fallbeispiele auf der Campus Pharmazie-Website Haben Sie schon gesehen, dass wir seit einiger Zeit Fallbeispiele zu klinisch-pharmazeu-tischen Fragestellungen auf unserer Website zur Diskussion stellen? Mit Freude sehen wir, dass nach und nach immer mehr engagierte Kollegen/innen sich beteiligen. Mit dem nächsten Newsletter gibt es wieder einen neuen Fall. Alle Interessierten sind dann herzlich eingeladen, auf der Website mitzudiskutieren und einen ersten Eindruck zu gewinnen, wie sich ein moderierter fachlicher Austausch online „anfühlen“ kann. Den zuletzt diskutierten Fall finden Sie hier.

 

Pharmakogenetik in der Apotheke Sind Sie fit auf dem Gebiet der Pharmakogenetik? Genetische Polymorphismen, poor und rapid metabolizer ein alter Hut? Das ist gut, denn in Kürze will STADA DNA-Tests auf den Markt bringen, mit denen für ausgewählte Arzneimittel vor Therapiebeginn der genetische Hintergrund des Patienten beleuchtet werden soll, um die personalisierte optimale Dosierung festzulegen. Weitere Informationen finden Sie hier. Und sollten Sie doch den Wunsch haben, Ihr Wissen aufzufrischen: Pharmakogenetik ist Bestandteil des Seminars „Patienten mit Eliminationsstörungen„, weil die Mechanismen sich ähneln. Es findet vom 10.10. bis zum 06.11.2013 statt.

 

Seminare im 2. Halbjahr: Nach Ihrem Sommerurlaub setzen wir unser Seminarangebot mit folgenden Themen fort. „Pharmakokinetik„, „Pharmakotherapie bei Patienten mit Eliminationsstörungen„, „Interpretation von Laborparametern“ und „Pharmakotherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen„.
Haben Sie Themenwünsche für unsere Planung 2014 oder möchten einen kostenlosen Campus-Tag zur Information über das Seminarkonzept in Ihre Region holen? Sprechen Sie uns gern dazu an.

 

e-Learning ist nicht gleich e-Learning: Am Dienstag fand in Köln die Auftaktveranstaltung der „eLearning SUMMIT Tour“ in Köln statt. Unter dem Thema „Lernexzellenz 2.0“ wurde in der intensiven Diskussion vieler Best Practise-Beispiele namhafter Unternehmen auf eindrückliche Weise deutlich:
Die Möglichkeiten des e-Learnings sind vielfältig. Um so wichtiger ist es, die Wahl des e-Learning-Szenarios sorgfältig auf die Bedarfe der Zielgruppe und die damit zusammenhängenden Ziele der Maßnahme abzustimmen. Lesen Sie mehr dazu und diskutieren Sie mit uns hier.

 

Noch Plätze im Seminar „Unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Pharmakovigilanz“: Am 23.05.2013 startet das nächste online-Seminar zu dieser Thematik. Dort geht es um Arten und Mechanismen unerwünschter Wirkungen und um die Einschätzung, ob zwischen einer Arzneimitteleinnahme und einem berichteten Symptom ein Zusammenhang bestehen kann. Zentrales Thema ist auch die Abschätzung des Beratungsbedarfs zu unerwünschten Wirkungen. Zudem „übersetzen“ die Teilnehmenden eine Fallschilderung in eine Pharmakovigilanz-Meldung. Das Seminar ist von der BAK mit 26 Punkten akkreditiert. Anmeldung per sofort, nähere Information finden Sie hier.

 

Mit kollegialen Geburtstagsgrüßen

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

 


[1] Irvine E & Williams C: Treatment-, Patient-, and Disease-Related Factors and the Emergence of Adverse Events with Tyrosine Kinase Inhibitors for the Treatment of Chronic Myeloid Leukemia. Pharmacotherapy, published online: 3 APR 2013

Welcher Tyrosinkinasehemmer soll es sein?

Vier BCR/ABL1-Tyrosinkinase-Inhibitoren sind aktuell in Deutschland zur Behandlung der chronisch-myeloischen Leukämie zugelassen: Imatinib, Dasatinib, Nilotinib und Bosutinib (neu: EMA-Zulassung am 27.3.2013).

Sie unterscheiden sich in ihrer Affinität zu BCR/ABL und in ihrer Bindung an andere Tyrosinkinasen. Diese Unterschiede beeinflussen das Nebenwirkungsprofil der Inhibitoren, wie aktuell in einer Übersichtarbeit von E. Irvine und C. Williams dargestellt:

Gemeinsame unerwünschte Wirkungen

Einige unerwünschte Wirkungen werden von allen vier TKI ausgelöst:

  • Fatigue: am stärksten ausgeprägt bei Imatinib
  • Hautreaktionen: am stärksten unter Nilo- und Bosutinib zu beobachten, am wenigsten unter Dasatinib, Imatinib liegt dazwischen.
  • kardiale UAW: selten, trotzdem sollte die Herzfunktion vor Beginn einer Therapie mit einem der TKI untersucht werden
  • Entgleisung des Glucosespiegels: selten; beobachtet bei allen außer Bosutinib (unter Nilotinib eher Hyper-, unter Ima- und Dasatinib eher Hypoglykämien)
  • Gastrointestinale Beschwerden: Am stärksten unter Bosutinib

Differentielle unerwünschte Wirkungen:

  • Imatinib: Flüssigkeitsretention
    → Überwachung kardiovaskulärer Vorerkrankungen
  • Dasatinib: Pleuraerguss z.T. mit nachfolgender pulmonaler Hypertonie
    → bei Patienten mit Herzinsuffizienz, pulmonaler Hypertonie, Pneumonie und Lungenembolie vermeiden
  • Nilotinib: Erhöhung der Leberparameter ALT, AST und Bilirubin sowie der Lipase, periphere arterielle Verschlusskrankheit (bei Patienten mit kardivaskulären Vorerkrankungen), Verlängerung der QT-Zeit
    → falls nötig Hypokaliämie und Hypomagnesiämie korrigieren, bei Patienten mit langem QT-Intervall oder anderen QT-verlängernden Arzneimitteln möglichst vermeiden
  • Bosutinib: Erhöhung der Leberparameter ALT, AST und Bilirubin sowie der Lipase
    → bei Patienten mit gastrointestinalen und hepatischen Vorerkrankungen vermeiden.

Quelle:

Irvine E & Williams C: Treatment-, Patient-, and Disease-Related Factors and the Emergence of Adverse Events with Tyrosine Kinase Inhibitors for the Treatment of Chronic Myeloid Leukemia. Pharmacotherapy, published online: 3 APR 2013 PubMed

Bildnachweis: www.fotolia.com © Creatix

Dorothee Dartsch, CaP Campus Pharmazie GmbH

Newsletter Nr. 03/2013

Neue Pharmakovigilanz-Daten für Impfstoffe: Aus dem aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit [1] des Paul-Ehrlich-Instituts: 1.778 Verdachtsmeldungen zu Impfkomplikationen gab es im Jahr 2011. Ein kausaler Zusammenhang war bei gut der Hälfte allerdings unwahrscheinlich oder nicht beurteilbar, in keinem Fall gesichert. Häufigste Reaktion: Fieber. Pharmakovigilanz-Meldungen sind wichtig, um rechtzeitig risikominimierende Maßnahmen treffen zu können.

 

Seminar „Unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Pharmakovigilanz“: Am 23.05.2013 startet das nächste online-Seminar zu dieser Thematik. Dort geht es um Arten und Mechanismen unerwünschter Wirkungen und um die Einschätzung, ob zwischen einer Arzneimitteleinnahme und einem berichteten Symptom ein Zusammenhang bestehen kann. Zudem „übersetzen“ die Teilnehmenden eine Fallschilderung in eine Pharmako-vigilanz-Meldung. Das Seminar ist von der BAK mit 26 Punkten akkreditiert. Anmeldung bis 22.04.2013, nähere Information finden Sie hier.

 

Was ist das für ein Dreieck? In Zukunft bedeutet ein    in der Packungsbeilage, dass das betreffende Arzneimittel einer zusätzlichen Überwachung in der Pharmakovigilanz unterliegt [2]. Patienten und Heilberufler werden explizit aufgefordert, Symptome, die unerwünschte Wirkungen sein könnten, zu melden.

 

Ist das eine Interaktion? Ein 82-jähriger Diabetiker (intensivierte Therapie mit Basalinsulin und kurzwirksamem Insulin) erhält eine H. pylori-Eradikationstherapie mit Clarithromycin 500mg, Amoxicillin 1g und Pantoprazol 40mg (2x tägl.).

5 Tage nach Therapiebeginn erleidet er mehrere Hypoglykämien, der niedrigste gemessene Glucose-wert betrug dabei 42mg/dl. Könnte es einen Zusammenhang und eine Erklärung für die Hypoglykämien geben? Weitere Daten und ab 10.04. Auflösung hier.

 

Besser und kostengünstiger mit klinischen Pharmazeuten Die Einbindung von klinischen Pharmazeuten in die Versorgung von Typ-2-Diabetikern ist eine so genannte ‚dominante Strategie‘, d.h. die Versorgung ist effektiver und verursacht zudem weniger Kosten. Das berichten J. Yu et al. in einer kalifornischen Studie [3] hier.

 

Start am 18. April Für die Seminare „Arzneimittelinteraktionen“ und „Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen“ werden in Kürze die Zugangsdaten versandt. Den Kolleg/innen aus Offizin und Krankenhaus, die sich dafür angemeldet haben, wünscht Campus Pharmazie schon jetzt viel Freude an der „puren Pharmazie“ und nachhaltige Erkenntnisse. Informationen zu den Seminaren hier.

 

Ärztemangel – eine Chance? In Kalifornien führte der zunehmende Ärztemangel zu Beginn der 90er Jahre zum systematischen Ausbau klinisch-pharmazeutischer Dienstleistungen [4]. Klinische Apotheker prüften Medikationen auf arzneimittelbezogene Probleme und pharmakoökonomisches Einsparpotenzial, übernahmen das therapeutische Drugmonitoring und begutachteten Wiederholungsverordnungen, um Ärzte zu entlasten.

Dokumentation der Zufriedenheit von Patienten und Ärzten sowie der erhöhten Therapiesicherheit führten zur dauerhaften Etablierung dieser Leistungen. Die dort tätigen Apotheker müssen über ihr Studium hinaus definierte in Fort- und Weiterbildung erworbene klinisch-pharmazeutische Qualifikationen nachweisen.

 

Campus-Tag in Ihrer Nähe: Gern informieren wir Sie persönlich über Konzept und Ablauf unserer moderierten online Seminare in Ihrer Nähe. Sprechen Sie uns einfach an. Sobald sich mehrere Interessierte aus Ihrem Umkreis gemeldet haben, organisieren wir einen Campus-Tag vor Ort.

 

Mit pharmakovigilanten, kollegialen Grüßen
in einen sonnigen April

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

 


[3] J Yu et al., J Manag Care Pharm. 2013;19(2):102-14

[4] RMF Heilmann et al., Ann Pharmacother 2013;47, publ. online 16 Jan 2013

Newsletter Nr. 05/2012

Einblicke in den ersten „Campus-Tag“: Fünfzehn engagierte Kolleginnen und Kollegen kamen am 11.08.12 unserer Einladung zum „Campus-Tag“ in der Hamburger Innenstadt nach. Illustrierende Einblicke haben wir in unserem Blog für Sie zusammengestellt.

Der nächste „Campus-Tag“ findet am 20.10.12 statt. Melden Sie sich gern schon an.

 

Unerwünschte Wirkung von Statinen am Auge:Neue Hinweise auf die alte Befürchtung, dass Statine das Risiko eines Grauen Stars erhöhen, gibt eine aktuelle retrospektive Auswertung der Daten von Patienten einer universitären Augenklinik.

Warum die Studie kein Anlass einer zurückhaltenderen Anwendung von Statinen in der kardiovaskulären Prävention sein sollte, lesen Sie in unserem Blog.

 

Sehr reger Start in den Seminaren „Laborparameter“ und „Arzneimittelinteraktionen:Seit dem 16.08. sind die Teilnehmer inhaltlich „bei der Arbeit“ und tauschen sich jetzt gerade – mit bemerkenswertem Engagement – in den ersten Forendiskussionen u. a. zu Fallbeispielen aus.

Dank einer bewährten Lernplattform und eines „Laufzettels“, der für ein aktives und effizientes Kennenlernen der Plattform und des Seminarkonzeptes erstellt wurde, verlief der inhaltliche Auftakt ungetrübt von technischen Fragestellungen.

In die vorgegebenen Aufgaben fließen gerade sehr spannende ‚ungeklärte Fälle‘ der Teilnehmenden ein, die intensiv diskutiert werden und zur Illustration der Seminarthemen beitragen.

 

„Grundlagenrabatt“ im Baukastenprinzip der Campus-Pharmazie-Seminare: „Interpretation von Laborparametern“ und „Arzneimittelinteraktionen“ bilden zusammen mit „Angewandte Pharmakokinetik“ und „Unerwünschte Arzneimittelwirkungen“ die Grundlagenseminare.

Sie sind die Basis für eine Reihe von Aufbauseminaren, zu denen das Seminar „Onkologie“ im nächsten Jahr den Auftakt macht.

Als „Grundlagenrabatt“ bieten wir Teilnehmern, die drei der Seminare absolviert haben, das vierte für 25% der regulären Gebühr an.

Parallel dazu gibt es Themenseminare, die unabhängig von Grundlagen- oder Aufbauseminaren besucht werden können: Aktuell sind das „Medizinische Literaturrecherche“ sowie „Patienten besonderer Altersgruppen„, 2013 wird das Angebot um „Patienten mit Eliminationsstörungen“ ergänzt.

 

Angewandte Pharmakokinetik” und “Medizinische Literaturrecherche” starten am 11.10.12: Und da der Herbst schneller kommt als man denkt, hier der Hinweis auf die Seminare, die im Oktober beginnen:

Für die genannten Seminare können Sie sich noch bis zum 20.09.12 anmelden. Sie erhalten jeweils bis zu 26 Fortbildungspunkte der Kammer. */

 

Igel in der Krebstherapie?Der Hedgehog (engl. Igel) Pathway wird mit einer Reihe von Krebserkrankungen in Verbindung gebracht, darunter Tumoren der Lunge, Speiseröhre, Pankreas und Prostata. Mit Vismodegib (Erivedge®) wurde Anfang des Jahres in den USA der erste Hedgehog Pathway Inhibitor zur Behandlung des Basalzellkarzinoms zugelassen.

In Europa ist die Behandlung derzeit nur im Rahmen einerPhase II-Studie der Firma Roche möglich.

 

Zugang zu einem Demo-Seminar: Wir haben ein Demo-Seminar eingerichtet, das an konkreten Bespielen den Aufbau der Seminare auf der Lernplattform zeigt und zum Ausprobieren einlädt.

Sprechen Sie uns gern an, wenn Sie für einen Einblick die Zugangsdaten bekommen möchten.

 

Es grüßen Sie inmitten
lebhafter Forendiskussionen

Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation),
Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)

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