Polypharmazie – ein Risiko?

Neue Studie zum Risiko der Polypharmazie

Männchen jongliert mit PillenAn einem Kollektiv von über 180.000 erwachsenen Patienten in Schottland wurde der Zusammenhang zwischen der Zahl der eingenommenen Arzneimittel und der ungeplanten Klinikeinweisungen untersucht [1].

Das Ergebnis: Bei Patienten mit mehreren Erkrankungen führt Polypharmazie nicht per se häufiger zu Klinikeinweisungen als ‚keine Therapie‘:

  • Bereits bei zwei Co-Morbiditäten haben Patienten ein gleich hohes Risiko für eine solche Einweisung wenn sie keine, wie wenn sie 4-6 Arzneimittel einnehmen.
  • Bei sechs oder mehr gleichzeitig bestehenden Erkrankungen haben Patienten ohne Therapie ein genau so hohes Risiko, ungeplant ins Krankenhaus zu müssen, wie Patienten mit 10 oder mehr Medikamenten an Bord. Patienten, die zwischen 1 und 9 Medikamente einnehmen, haben ein niedrigeres Risiko.

Auch wenn diese Studie zugunsten der Machbarkeit auf eine detaillierte Analyse der Schwere der Erkrankungen, der Komplexität der Therapiepläne und der Einweisungsgründe verzichtet hat, so dass mögliche wichtige Einflussfaktoren evtl. unberücksichtigt blieben, sind die große Zahl an Patienten und die Güte der routinemäßig elektronisch erhobenen Daten als Stärken hervorzuheben.

Dies zeigt deutlich, dass es ein Optimum an verordneten Arzneimitteln gibt, das von der Zahl der Co-Morbiditäten abhängt. Anders gesagt: Solange für jedes Arzneimittel eine Indikation vorliegt, schadet es dem Patienten nicht, sondern hilft ihm. Ein weiterer Anhaltspunkt dafür, dass die Bewertung und Optimierung von Arzneimitteltherapien von zentraler Bedeutung ist!

[1] RA Payne et al.: Is polypharmacy always hazardous? A retrospective cohort analysis using linked electronic health records from primary and secondary care. Br J Clin Pharmacol 2014, online 16. Januar; doi: 10.1111/bcp.12292

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