Pertuzumab zugelassen in fixer Dosis – warum eigentlich?

Seit zwei Monaten ist Pertuzumab (Perjeta®) zur Behandlung bestimmter HER-2-positiver Tumoren zugelassen.

Anders als Trastuzumab, Panitumumab, Cetuximab und Rituximab, deren Dosis anhand des Körpergewichtes bzw. der Körperoberfläche individuell festgelegt wird, wird Pertuzumab nach fixem Schema in einer Initialdosis von 840 mg und einer dreiwöchentlichen Erhaltungsdosis von 420mg gegeben.

Warum?

Pharmakokinetik-Studien haben gezeigt, dass ein Pertuzumab-Minimumspiegel von 20µg/ml notwendig ist, um einen therapeutischen Effekt zu erzielen. Das Dosierungsschema zielt also darauf ab, dass trotz aller Unterschiede zwischen Patienten dieser Minimumspiegel erreicht wird. Zentrale Frage ist: Welche Unterschiede beeinflussen die Korrelation zwischen der Dosis und dem Minimumspiegel? Diese Unterschiede (häufig sind es Faktoren wie Gewicht, Alter oder Körperoberfläche) müssten dann in die Festlegung einer individuellen Dosis einfließen.

Hinter dem Bezug auf Körpergewicht oder -oberfläche steckt die Überlegung, dass Gewicht und Größe den Verteilungsraum beeinflussen können, der für Pertuzumab 40ml/kg beträgt, während die Oberfläche mit der Organgröße und daher mit der Clearance korreliert (für Pertuzumab im Schnitt 214 ml/d).

Aber nicht bei allen Wirkstoffen beeinflussen Größe und Oberfläche diese pharmakokinetischen Parameter tatsächlich. Diese Zusammenhänge können manchmal theoretisch abgeschätzt werden, werden aber oft genug erst in der Praxis klinischer Studien eindeutig geklärt.

Für Pertuzumab wurde festgestellt, dass Größe und Oberfläche den Plasma-Minimumspiegel auch bei unter- und übergewichtigen Patienten nicht oder mindestens nicht relevant beeinflussen [1].

Daher kann Perjeta in fixer Dosis verabreicht werden.

[1] CM Ng et al.: Rationale for Fixed Dosing of Pertuzumab in Cancer Patients Based on Population Pharmacokinetic Analysis. Pharmaceutical Research 2006, 23(6), 1275-84