Misteltherapie ;) und Mythen

Misteln – nicht nur zur Weihnachtszeit

Haben Sie zuhause schon einen Mistelzweig aufgehängt? Treffen sich zwei unter dem Mistelzweig, sollen sie eine Beere abpflücken und sich küssen. Oder auch zwei Beeren für zwei Küsse. Beeren alle – Schluss mit dem Küssen. Was aber, wenn Sie bei der Gelegenheit nach der Pharmazie der Mistel gefragt werden?

Damit Sie dafür gewappnet sind, hier das Wichtigste in Kürze: Viscum album aus der Familie der Sandelholzgewächse ist ein immergrüner, kugelig wachsender Schmarotzer, der gerade im Winter auf ansonsten kahlen Bäumen aller Art gut sichtbar wächst. Schon seit langer Zeit gilt die Mistel als potentes Heilmittel, das früher der Sage nach von Druiden mit goldenen Sicheln geerntet wurde.

Sie enthält eine Reihe von Wirkstoffen (je nach Kenntnisstand Ihres Kusspartners können Sie vielleicht beiläufig Begriffe wie Lektine oder Viscotoxine fallen lassen), von denen einige toxisch sind. Mistelpräparate gehören daher in die Hand des Fachmanns.

Je nach Dosierung reicht die Wirkung von immunstimulierend bis zytotoxisch, weshalb die Misteltherapie ihren festen Platz in der Krebstherapie hat. Die Wirksamkeit ist allerdings aus Sicht der Schulmedizin nach wie vor nicht befriedigend belegt, weil die Qualität der bislang durchgeführten Studien nicht ausreiche, so der Krebsinformationsdienst auf seiner Website (http://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/mistel.php).

Bekannte unerwünschte Wirkungen sind lokale Reaktionen an der Injektionsstelle sowie grippeähnliche und allergische Reaktionen. Je nach verwendetem Präparat sind bestimmte Patientengruppen von der Anwendung ausgeschlossen, z.B. solche mit Schilddrüsenerkrankungen, erhöhtem Hirndruck, bestimmten Tumorentitäten oder auch Kinder. Der weiteren Anwendungsgebiete gibt es so viele wie Wirtsbäume für die Mistelpflanze, aber dafür ist der Evidenzgrad noch viel geringer, darum lassen wir das an dieser Stelle lieber außen vor.

Ihr Gegenüber lässt sich von Ihrem Wissen nicht beeindrucken? Dann setzen Sie darauf, dass noch genügend Beeren am Mistelzweig hängen.

von Dorothee Dartsch – CaP Campus Pharmazie GmbH