CaP rettet die Welt

Hamburg, 06. Dezember 2018. Im Verborgenen und weitgehend unbemerkt rettet das Campus Pharmazie-Team der Welt das Leben.

Am Vorabend des Nikolaustages hatte eine Terrororganisation gedroht, mit einem extrem gefährlichen Krankheitserreger eine Pandemie auszulösen. Der renommierte Wissenschaftler Dr. Aron Hofman vom Hamburger Tropeninstitut hatte daraufhin über Nacht ein Antiserum entwickelt, das den Erreger inaktiviert, als am Morgen eine Explosion das Institut erschüttert, in welchem er forscht. Die Ergebnisse seiner Arbeit werden zerstört, und es fehlt jede Spur von dem Professor. Die zum Greifen nahe Rettung ist in Gefahr – aber es geht das Gerücht, dass der Wissenschaftler zur Sicherheit ein zweites Röhrchen des Antiserums an einem geheimen Ort versteckt und verschlüsselte Hinweise und Notizen hinterlegt haben soll, die auf das Versteck hinweisen.

Nur eine Stunde vor Ablauf des Ultimatums wird das – sonst zumeist auf der Spur arzneimittelbezogener Probleme befindliche – Campus Pharmazie-Team mit der Mission betraut, die verschlüsselten Botschaften zu enträtseln, das Antiserum zu suchen und die Menschheit so vor der drohenden Katastrophe zu bewahren.

Das Team ist erprobt und macht sich an die systematische und effiziente Auswertung von Hofmans Notizen, Karten, Reagenzien und weiteren Spuren, u.a. unter Berücksichtigung des Periodensystems – aber kann die Aufgabe in der kurzen Zeit überhaupt gelingen?

Ja! In einem dramatischen Wettlauf gegen die Uhr findet das Team das rettende Antiserum in einem Hinterhof in St. Georg in nur 48 Minuten und 22 Sekunden. Hofman bleibt verschwunden, aber die Welt dreht sich weiter, es kann Weihnachten werden.

Singen und Gesundheit

Singen Sie schon?

PubMed hat für die Anfrage nach <singing AND health> aktuell 372 Treffer parat. Schon beim Überfliegen der ersten zwanzig Abstracts wird die Vielfalt positiver Effekte des Singens deutlich:

  • Das expiratorische Volumen ist erhöht [1]
  • Das physische, psychologische, soziale und gemeinschaftliche Wohlbefinden bei Älteren ist erhöht [2].
  • Demenzkranken [3] und Schmerzpatienten [4] erleichtert es den Umgang mit ihrer Erkrankung.
  • Die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Parkinsonpatienten ist erhöht [5].

Auch eine systematische Übersichtsarbeit zur Auswirkung des Singens auf die „Lungengesundheit“ ist unter den Top20 [6]. Sie konstatiert, dass die Datenlage zum Nutzen des Singens bei respiratorischen Erkrankungen zwar auf meist kleinen Studien beruht, insgesamt aber durchgehend posive Wirkungen zeigt.

Also: Singen Sie los, die Zeit ist dafür optimal! Falls Sie heute gerade keinen Chor zur Hand haben, mit dem Sie singen können, gibt es auf Youtube reichlich Hilfestellung, z.B. bei „Weihnachtslieder zum Mitsingen„. (Keine Sorge: auch für andere Geschmäcker ist viel Schönes dabei.)

In diesem Sinn: O du fröhliche und Ihnen allen eine schöne Weihnachtszeit!

Herzlich grüßt
das Campus-Team!

Quellen

[1] Ksinopoulou et al., Respiratory function in vocal soloists, opera singers and wind instrument musicians. Med Lav. 2016; 107(6):437-443.

[2] Skingley et al.,The Contribution of Community Singing Groups to the Well-Being of Older People: Participant Perspectives From the United Kingdom. J Appl Gerontol. 2016; 35(12):1302-1324.

[3] Osman et al., ‚Singing for the Brain‘: A qualitative study exploring the health and well-being benefits of singing for people with dementia and their carers. Dementia (London). 2016; 15(6):1326-1339.

[4] Hopper et al., A qualitative study exploring the effects of attending a community pain service choir on wellbeing in people who experience chronic pain. Br J Pain. 2016; 10(3):124-34.

[5] Abell et al., Group Singing and Health-Related Quality of Life in Parkinson’s Disease. Health Psychol. 2016 Sep 1. [Epub ahead of print] [6] Lewis et al.: Singing for Lung Health—a systematic review of the literature and consensus statement. npj Primary Care Respiratory Medicine 26, doi:10.1038/npjpcrm.2016.80 (online 1.12.2016)

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Nüsse und Gesundheit

Let’s go NUTS!

Apfel, Nuss und Mandelkern bringt er, der Knecht Ruprecht, für die guten Kind‘ [1]. Schon seit langem wissen wir: An apple a day keeps the doctor away [2]. Aber wie sieht es mit Nuss und Mandelkern aus – machen auch sie unsere heilberuflichen Partner brotlos?

Zum Glück gibt es ja Studien, die uns in solchen Fragen Aufschluss geben, so auch hierfür [3]:

In der Tat scheint die tägliche Einnahme einer Menge von 28g Nüssen (warum gerade 28? ich weiß es nicht) eine Art Wundermittel zu sein: Das Relative Risiko (RR) für eine Reihe von Todesursachen beträgt für regelhafte Nussesser (alle Arten eingeschlossen: Walnüsse, Mandeln, Haselnüsse, Cashews, Pistazien, Pecan, Erdnüsse) im Vergleich zu Nicht-Nussessern:

  • KHK: 0.71 (95% Konf.-Interv.: 0.63–0.80, I2 = 47%, n = 11)
  • Schlaganfall: 0.93 (95% CI: 0.83–1.05, I2 = 14%, n = 11)
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen: 0.79 (95% CI: 0.70–0.88, I2 = 60%, n = 12)
  • Krebserkrankungen: 0.85 (95% CI: 0.76–0.94, I2 = 42%, n = 8)
  • Mortalität insgesamt: 0.78 (95% CI: 0.72–0.84, I2 = 66%, n = 15)
  • Atemwegserkrankungen: 0.48 (95% CI: 0.26–0.89, I2 = 61%, n = 3)
  • Diabetes, 0.61 (95% CI: 0.43–0.88, I2 = 0%, n = 4)
  • Neurodegenerative Erkrankungen: 0.65 (95% CI: 0.40–1.08, I2 = 5.9%, n = 3)
  • Infektionskrankheiten: 0.25 (95% CI: 0.07–0.85, I2 = 54%, n = 2)
  • Niereninsuffizienz: 0.27 (95% CI: 0.04–1.91, I2 = 61%, n = 2).

Kurze Erklärung: RR unter 1 bedeutet eine Senkung des Risikos, also einen günstigen Einfluss. Das Konfidenzintervall gibt an, innerhalb welcher Grenzen das ‚wahre RR‘ mit 95%iger Wahrscheinlichkeit liegt – jede Studie ist ja eine Stichprobe, deren Gültigkeit für die Allgemeinheit zu prüfen ist. Ist die 1 in diesem Intervall nicht enthalten, ist das ein gutes Zeichen für die Gültigkeit der Aussage. I² wird in Meta-Analysen verwendet, um das Ausmaß der Heterogenität zwischen den verwendeten Studien zu beschreiben – je kleiner, desto besser. Die hier gefundenen I²-Werte sind als relativ hoch einzustufen – folglich eine Limitation der Studienaussage.

Die Autoren dieser Meta-Analyse gründen ihre Ergebnisse auf 29 prospektive Studien zum Zusammenhang zwischen dem Konsum von Nüssen aller Art und der Mortalität. Sie postulieren, dass wertvolle Inhaltsstoffe von Nüssen für die Wirkung verantwortlich sind, z.B. ungesättigte Fettsäuren, Protein, Ballaststoffe, Vitamin E, Kalium, Magnesium, Ellagsäure, Anacardsäure, Genistein, Resveratrol und Inositolphosphate.

Was auch immer die Nüsse zum Panaceum machen – besorgen Sie noch schnell welche für den Weihnachtsteller! Außer, Sie haben eine Nuss-Allergie.

Quellen

[1] T. Storm (kein et al.): Knecht Ruprecht.1862, Fachzeitschrift unbekannt.

[2] Anonymus: Walisisches Sprichwort, Notes and Queries 1866. Im Original: „Eat an apple on going to bed, And you’ll keep the doctor from earning his bread“

[3] D Aune et al.: Nut consumption and risk of cardiovascular disease, total cancer, all-cause and cause-specific mortality: a systematic review and dose-response meta-analysis of prospective studies. BMC Medicine 2016; 14:207

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Pokémon GO und körperliche Aktivität

„Lieber Weihnachtsmann, in diesem Jahr wünsche ich mir ein Handy mit Pokémon GO, weil ich soll ja mehr rausgehen, sagt Mama, und das mach ich dann auch regelmäßig, wenn ich dabei spielen kann.“

Kommt Ihnen bekannt vor? Dann lesen Sie erstmal die frisch veröffentlichte Studie von Howe et al. [1] und entscheiden Sie danach evidenzbasiert, ob Sie dem Weihnachtsmann für die Erfüllung das GO! geben wollen.

In dieser Studie wurde das Bewegungsmuster von 1182 Probanden zwischen 18 und 35 Jahren während 10 Wochen aufgezeichnet. Ab der 5. Woche nach Beginn der Aufzeichnung verfügten 560 der Probanden (47,4%) über das Spiel Pokémon GO. Das Bewegungsmuster aller Teilnehmer wurde mit einer geeigneten datensammelnden Uhr gemessen.

Alle Spieler nahmen freiwillig teil. Ethikvotum: Die Studie war nach Konsultation des  by Institutional Review Board der Harvard TH Chan School of Public Health (Protokoll No IRB 16-1243) nicht zustimmungs- oder anzeigepflichtig. Finanzielle oder sonstige Interessenkonflikte werden von den Autoren verneint.

Ergebnisse

In der Run-in-Phase, vor Beginn der Intervention unterschied sich die tägliche Schrittzahl in beiden Gruppen nicht und lag bei 4256 (± 2697) für spätere Spieler und 4126 (± 2930) für Dauer-Nicht-Spieler.

Nach Installation des Spiels stieg die tägliche Schrittzahl in der Spielergruppe zunächst eklatant an, auf 5123 (± 3371) Schritte während der ersten Woche. Dann aber nahm die tägliche Schrittzahl über die folgenden Wochen kontinuierlich auf 4994 (± 3374), 4693 (± 3104), 4499 (± 3077) und 4108 (± 2927) Schritte ab, um in Woche 6 bei 3985 (± 2888) Schritten pro Tag anzukommen. Der Verlauf entspricht in erster Näherung einer Kinetik 0. Ordnung.

Während der ersten Woche nach Spielbeginn lag die Differenz der täglichen Schrittzahl in den beiden Gruppen (Spieler vs. Nicht-Spieler) bei 955 (95%-Konfidenzintervall 697 – 1213), in Woche 6 war die Differenz aber bereits nicht mehr signifikant unterschiedlich: 130, 95%-KI −593 – 853.

Die Forscher untersuchten auch, ob Geschlecht, Alter, ethnischer Hintergrund, Körpergewicht, städtische vs. ländliche Wohnumgebung oder Eignung der Umgebung für Spaziergänge einen Einfluss auf die Ergebnisse hatten, aber es ließ sich keine Untergruppe mit abweichendem Nutzen identifizieren.

Die Studie erscheint valide, die Methodik ist angemessen, relevante Quellen für Bias lassen sich nicht erkennen. Mit anderen Worten: Pokémon GO hat nur einen transienten Benefit, der vermutlich keinen klinisch relevanten Nutzen bringt.

Ach so, Ihr Sprössling ist erst acht Jahre alt, und die Studienergebnisse sind wegen der systematisch unterschiedlichen Begeisterungsfähigkeit verschiedener Altersgruppen nicht übertragbar? Tja dann…

Quellen

[1] K Howe et al., Gotta catch’em all! Pokémon GO and physical activity among young adults: difference in differences study. BMJ 2016;355:i6270

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„Blutgerinnung“ in der Umgangssprache

Im Beitrag Gerinnungshemmung bei Vorhofflimmern haben wir uns bereits dem Thema „Individualisierung der gerinnungshemmenden Therapie“ gewidmet. Heute betrachten wir einen weiteren Aspekt, nämlich, ob zusätzlich zu klinischen Faktoren wie Nierenfunktion, interagierende Begleitmedikation und Vorerkrankungen auch Aspekte des Lebensstils zu berücksichtigen sind.

Traditioneller Sprachgebrauch als Signal

Seit dem Mittelalter existiert die Redewendung „das Blut gefriert (oder erstarrt) in den Adern“ für Situationen, in denen die betreffende Person sich sehr fürchtet. Die Bedeutung dieses Zusammenhangs wird dadurch unterstrichen, dass er in mehreren Sprachen zu finden ist: Furchterregende Ereignisse sind “bloodcurdling” (engl.), “à vous glacer le sang” (franz.) sowie “bloedstollend” (niederl.).

Bis heute unbeantwortet ist die Frage, ob vor diesem Zusammenhang das regelmäßige Ansehen von Horrorfilmen den Beginn oder eine höhere Dosis an Antikoagulanzien erforderlich macht. Immerhin gibt es eine klinische Cross-over-Studie hierzu, die den Einfluss auf Surrogatendpunkte gemessen hat [1]. Die Studie ist bei clinicaltrals.gov unter der Nummer NCT02601053 registriert.

Methodik

Vierundzwanzig gesunde Freiwillige zwischen 18 und 30 Jahren wurden in zwei Gruppen geteilt, von denen die eine zuerst einen furchterregenden Horrorfilm und dann einen harmlosen Lehrfilm gezeigt bekam, bei der anderen Gruppe war die Reihenfolge umgekehrt. Um Verzerrung zu vermeiden, wurde keiner der Filme an einem Freitag, dem 13., oder bei Vollmond gezeigt.  Außerdem waren die Probanden angehalten, während der Filmvorführung weder Alkohol zu trinken, noch zu rauchen. Zehn Minuten vor und nach jedem Film wurde den Probanden Blut zur Messung der Gerinnungsfaktoren entnommen. Beide Filme dauerten etwa 90min, und zwischen beiden Vorführungen lag Washout-Phase von sieben Tagen.

Die individuelle Furchterfahrung wurde auf einer visuellen Analogskala erfasst. Outcome-Parameter waren Faktor VIII, D-Dimere, Thrombin-Antithrombin-Komplexe und Prothrombinfragmente 1+2.

Ergebnisse

Ergebnis Nr. 1: Der Horrorfilm wurde subjektiv als furchterregender wahrgenommen als der Lehrfilm (mittlere Differenz 5.4, 95% Konfidenzintervall 4,7-6,1).

Ergebnis 2: Der Horrorflim ließ den Faktor VIII-Level stärker ansteigen als der Lehrfilm. Auf die anderen Gerinnungsparameter hatte die Art des Films keinen Einfluss.

Die Autoren interpretieren diese Ergebnisse dahingehend, dass der Horrorfilm zwar die Gerinnungskaskade aktivierte (Faktor VIII), evtl. sogar in klinisch relevantem Ausmaß, dass es aber weder zur Bildung von Thromben (Prothrombinfragmente 1+2, Thrombin-Antithrombin-Komplexe) oder Fibrin (D-Dimere) kam. Sie postulieren, dass eine adrenerge Reaktion oder die Ausschüttung von Desmopressin infolge der Furcht zur Aktivierung von Faktor VIII führen könnte.

Diskussion

Kritisch ist anzumerken, dass hier, wie in so vielen anderen Studien, ältere Menschen nicht berücksichtigt wurden. Auch waren thromboembolische Risikofaktoren explizit ausgeschlossen. Gerade Rauchen ist als Risikofaktor für thromboembolische Ereignisse gut bekannt, und eine polnische Arbeitsgruppe hat zuvor eindrucksvoll gezeigt, dass Horrorfilme das Verlangen nach Rauchen steigern [2]. Langzeiteffekte wurden ebenfalls nicht erfasst. Ob die Ergebnisse also auf den typischen antikoagulierten Real life-Patienten übertragbar sind, ist sehr fraglich.

Darüber hinaus handelt es sich um eine Surrogatendpunkt-basierte Studie, und es ist völlig unklar, ob es letzten Endes doch zu Thromboembolien kommen könnte. Weitere Studien sind zwingend nötig.

ACHTUNG: Es wird dringendst davon abgeraten, die ärztlich verordnete Gerinnungshemmerdosis auf eigene Faust zu verändern. Falls neue Studienergebnisse Anlass dazu geben, ist dieses Ansinnen mit dem Arzt zu besprechen!

Quelle

[1] B Nemeth et al., Bloodcurdling movies and measures of coagulation: Fear Factor crossover trial. BMJ 2015;351:h6367

[2] JD Sargent et al., Movie smoking, movie horror, and urge to smoke. Przegl Lek. 2009;66(10):545-7

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Risikopotenzial von Spielkonsolen

zum AdventskalenderIhr Sprössling wünscht sich zu Weihnachten eine Playstation, und Sie schwanken, ob Sie diesen Wunsch erfüllen sollen?

Setzen Sie einfach Ihre Kompetenz zur systematischen Literaturauswertung ein. MB Jalink et al. haben es dankenswerter Weise vorgemacht und die Datenlage zum Risikopotenzial von Spielkonsolen zusammengetragen [1].

Methodik

Im Juni 2014 führten sie eine systematische Suche bei PubMed und Embase mit den Suchbegriffen “Nintendo”, “Game & Watch”, “Famicom”, “Game Boy”, „Gameboy“, “Virtual Boy”, “iQue”, “GameCube” und “Wii” durch. Sie identifizierten 1198 Artikel, 543 aus PubMed und 655 über Embase. Anhand der Titel und Zusammenfassungen (engl. Abstract), schlossen sie alle Originalarbeiten ein, die über Nintendo-bezogene Probleme berichteten. Anschließend suchten sie in den Quellenangaben dieser Artikel sowie dreier Übersichtsarbeiten (engl. Review) nach weiteren Arbeiten zu diesem Thema.

Ergebnisse

Die Autoren identifizierten 38 relevante Artikel (30 Fallberichte, sieben Fallserien und eine prospektive Studie). Verletzungen und Probleme reichten von neurologischen und psychologischen Störungen bis hin zu notwendigen chirurgischen Eingriffen. Wegen der systematischen Unterschiede in der Exposition teilten die Autoren drei Gruppen ein:
die vor der Wii-Zeit verwendeten traditionellen Controller mit Knöpfen, der Nintendo 64 Controller mit Joystick und die bewegungssensitive Wii-Fernbedienung. Sie fanden die folgenden unerwünschten Wirkungen:

Knopfgesteuerte Spiele:

  • Nintendinitis
  • Nintendo-Epilepsie
  • Nintendo-bedingte Inkontinenz
  • Nintendo-Nacken
  • Nintendo-Ellenbogen

Nintendinitis, Nintendo-Nacken und -Ellenbogen bergen das Risiko einer Verordnungskaskade, wenn zu ihrer Therapie NSAR eingesetzt werden, anstatt den Verursacher abzusetzen.

Joystick-gesteuerte Spiele:

  • zentral-palmare Ulzeration

bewegungssensitive Wii-Fernbedienung:

  • Wiiitis (Muskelschmerzen im Oberkörper, teils verbunden mit einem Anstieg der Kreatinkinase)
  • Wii-Knie (Sammelbegriff für Sehnenverletzungen und Frakturen des Beins)
  • Andere Wii-Traumata (von harmlosen Brüchen der Mittelhandknochen bis hin zum isachämischen Schlagfall durch Verletzung der A. carotis)

Kritische Bewertung

Da die Erstellung von Übersichtsarbeiten zwangsläufig mit einem Verlust an Details gegenüber den Primär-Veröffentlichungen einhergeht, sind Details zur Art der verwendeten Spiele und Dauer der Exposition nur oberflächlich beschrieben. Leider fehlen auch sowohl eine Erwähnung auf das zu vermutende Publikations-Bias auf diesem Gebiet sowie der Vergleich zu einer Kontrollgruppe. Hierfür würde sich eine standardisierte Mischung aus Ballspielen, Mensch-ärgere-dich-nicht und Skat anbieten. Auf diesem Gebiet ist dringend weitere Forschung in Form prospektiver randomisierter kontrollierter Studien erforderlich.

Ob die Ergebnisse auch auf Playstation-Spiele übertragbar sind? Das lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Wie gesagt: Setzen Sie einfach Ihre Kompetenz zur systematischen Literaturauswertungen ein.

Quellen

MB Jalink et al.: Nintendo related injuries and other problems: review. BMJ 2014;349:g7267

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Kurze Geschichten der Weltliteratur

Kurze Geschichten der Weltliteratur

ChristrosenWenn Sie heute, am Heiligabend, am Rechner sitzen und unseren Adventskalender öffnen, haben Sie vermutlich gerade Zeit. Aber nicht zu viel, denn es muss ja noch der nicht nadelnde Baum aufgestellt werden, richtig? Und Sie müssen auch schnell noch herausfinden, worum es in „Deutschland, ein Wintermärchen“ geht, das Sie letztes Jahr geschenkt bekommen haben, weil man a) zumindest in Norddeutschland ein Weihnachts-Wintermärchen nur noch auf dem Papier kennt und b) dieses Werk schließlich zur Weltliteratur gehört. Zeit, dieses Buch in Ruhe zu lesen, hatten Sie im vergangenen Jahr nicht, aber das muss der Geber ja nicht unbedingt wissen. Stimmt’s?

Dann haben wir hier für Sie und alle anderen Weltliteratur-Interessierten mit wenig Zeit als Weihnachtsgeschenk einen zwar unpharmazeutischen, aber absolut hilfreichen Tipp, nämlich

Sommers Weltliteratur to go.

Die wichtigsten Werke der Weltliteratur werden hier auf des Pudels Kern reduziert dargestellt. (Ja, auch Faust ist dabei.) Ganz aktuell steht auch ein kurzes Update zum Geist der Weihnacht zum Ansehen bereit.

Viel Vergnügen beim Stöbern! Und schön ist daran ja auch, dass man selbst während intensiver Fort- und Weiterbildungen dank dieser Seite nicht auf die Erkundung der Weltliteratur verzichten muss. 😉

Und damit wünschen wir allen Leserinnen und Lesern unseres Blogs und allen Kolleginnen und Kollegen geruhsame und friedliche Weihnachtstage!

Ihr Campus Pharmazie-Team

 

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Herztätigkeit-Videoclip

Faszinierendes Herz

Herz-Kreislauf System des MenschenDas Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS entwickelt interaktive Assistenzsysteme für den klinischen Arbeitsalltag. Im Fokus stehen medizinische Bilddaten, die zur Früherkennung, Diagnose, Therapieplanung, Therapieunterstützung oder Erfolgskontrolle genutzt werden.

Aus Bilddaten des Herzens haben Experten eine faszinierende 3-Minuten-Sequenz zusammengestellt, die die Funktion des menschlichen Herzens in bewegten Bildern zeigt.

Lassen Sie sich begeistern!

Bild: © ap_i / Fotolia.com

Der nadelnde Weihnachtsbaum

Der Baum nadelt!

zum AdventskalenderJetzt ist die Zeit, da die Ersten ihre Weihnachtsbäume erwerben und sie im Garten ihre Zweige entfalten lassen, damit zum Heiligabend die volle Weihnachtsbaumform erreicht ist.

Cave!

Damit dann nicht alle Nadeln draußen bleiben und nur noch ein Zweiggerüst drinnen die Kerzen trägt, gilt es ein paar Maßnahmen zu treffen, die dankenswerter Weise kürzlich in den „Frontiers of Plant Science veröffentlicht wurden. Dieses Thema ist so wichtig, dass Sie mir bitte nachsehen, dass die Klinische Pharmazie heute ein bisschen kurz kommt.

In der erwähnten Veröffentlichung beschreiben Lada und MacDonald ihre Ergebnisse zur nacherntezeitlichen Nadelabtrennung der Balsamtanne (Abies balsamea).

Sie postulieren einen S-förmigen Verlauf für das Ausmaß der Nadelabtrennung über die Zeit nach der Baumernte, den gänzlich aufzuhalten vermutlich nicht möglich sei, wohl aber, ein transientes Zwischenplateau der Nadelretention zu erreichen (s. Abb. 1 in der Originalpublikation).

Der wichtigste Faktor für die Vermeidung einer ‚post-harvest‘ Nadelabtrennung scheint die Kälteakklimatisierung vor der Ernte zu sein, die notfalls in Ermangelung von natürlich Kälte auch künstlich zugeführt werden könne. Der zweite Faktor ist die Photoperiode vor der Erntezeit, die invers mit der Nadelretentionszeit korreliert ist. Es ist daher ratsam, die Tanne nicht bereits im Sommer zu ernten, weil die Photoperiode dann noch lang ist. Es sei eingeschoben, dass beides selten im Einflussbereich des Anwenders liegt, da diese Maßnahmen bereits in der Baumschule erfolgen müssen. Fragen Sie Ihren Weihnachtsbaumverkäufer, er wird Ihnen gern Auskunft geben.

Nach der Ernte ist es hauptsächlich die Wasserversorgung, die die Nadelabtrennung beeinflusst. Eine frisch geschlagene Tanne benötigt 0,15–0,20 ml Wasser pro Gramm und Tag. [Der Bezug auf das Tannengewicht folgt hierbei sicherlich pragmatischen Gründen, da die Tannenoberfläche deutlich aufwändiger zu bestimmen wäre; Anm. der Verfasserin.] Dieser Bedarf sinkt jedoch binnen zwei Wochen auf etwa 0,05ml pro Gramm und Tag infolge einer Abnahme der Wasserleitungsgeschwindigkeit innerhalb der Tanne. Die Ursachen sind noch nicht genau bekannt, postuliert werden Kavitation, Embolie, Dysfunktion der Spaltöffnungen, bakterielle Kontamination und Blockade von Xylemgefäßen.

Die Abnahme der Wasserqualität im Weihnachtsbaumständer scheint einer der wichtigsten Faktoren in der Hand des Anwenders zu sein. Regelmäßiger Wasserwechsel schützt vor vorzeitiger Nadelabtrennung. In der Erprobung sind Ständervorrichtungen mit simulierten Wurzel-Drucksystemen, die die intra-abietische Wasserleitung mit positivem Druck unterstützen, und Antitranspirantien, die den Wasserverlust über die Spaltöffnungen vermindern.

Weitere Einflussfaktoren sind Ethylen und andere Pflanzenhormone, die bei Stress produziert und ausgeschüttet werden, und die die Nadelabtrennung beschleunigen. Achten Sie daher darauf, dass Ihr Baum beim Transport keinem Schüttel- oder anderen Stressarten ausgesetzt wird.

Lada und Mac Donald beschreiben in ihrer Arbeit einen postharvest needle abscission pathway, der jedoch an etlichen Stellen noch hypothetisch ist. Weitere Forschung ist definitiv nötig, um eine evidenzbasierte Leitlinie zur Vermeidung der Nadelabtrennung bei Weihnachtstannen zu erstellen.

Trotzdem konnte ich Ihnen hoffentlich einige praktische Hinweise zur Handhabung Ihres Weihnachtsbaumes geben.

Mit den besten Grüßen,

Ihre

Dorothee Dartsch

Quelle:

RR Lada, MT Mac Donald: Understanding the Physiology of Postharvest Needle Abscission in Balsam Fir. Front Plant Sci. 2015; 6: 1069

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Ig® Nobel-Preis

Kennen Sie den Ig® Nobel-Preis?

Die Gruppe „Improbable Research“ verleiht diesen Preis jedes Jahr im September für Forschungsarbeiten oder Aktivitäten, die die Menschen „erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen“.

Das Ziel ist, Neugier zu wecken und für die Frage zu sensibilisieren: „Wie entscheiden wir, was wichtig und unwichtig, was wirklich und unwirklich ist?“

Dies geschieht in Anlehnung an den bekannten Satz von Isaac Asimov:

Der aufregendste Satz in der Forschung, derjenige, der neue Entdeckungen ankündigt, ist nicht ‚Heureka‘, sondern ‚das ist komisch…‘

Die Preise werden in verschiedenen Disziplinen vergeben, von Naturwissenschaften über Medizin und Literatur bis zu Management und Ökonomie. 2015 fand die 25. Verleihung an die Gewinner statt.

Meine persönlichen drei Favoriten sind:

Platz 3: Biologie. An Bruno Grossi, Omar Larach, Mauricio Canals, Rodrigo A. Vásquez [Chile], José Iriarte-Díaz [Chile, USA], für die Beobachtung: Wenn man einen Stab mit einem Gewicht am hinteren Ende eines Huhns befestigt, läuft es in einer Weise, von der man annimmt, dass Dinosaurier sich in etwa so bewegt haben.

Platz 2: Mathematik. Für Elisabeth Oberzaucher [Österreich, Deutschland, UK] and Karl Grammer [Österreich, Deutschland], für die Anwendung mathematischer Techniken zur Überprüfung, ob und wie Sultan Moulay Ismael der Blutdürstige, Herrscher von Marokko, in den Jahren von 1697 bis 1727 888 Kinder zeugen konnte.

Platz 1: Ökonomie. An die Polizei von Bangkok [Thailand], für das Angebot, Polizisten extra zu bezahlen, wenn sie keine Bestechungsgelder annehmen.

Viel Vergnügen beim Stöbern in den weiteren Disziplinen und einen fröhlichen Nikolaustag wünscht

Dorothee Dartsch

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