Fallbeispiel Migräne: Lösung

Hier lösen wir das  Fallbeispiel der jungen Frau mit Migräne auf, die Naproxen verschrieben bekommt. Die Frage nach der Dauermedikation hatte Budesonid und Salbutamol per inhal. ergeben.

Wie die Dauermedikation verrät, ist die junge Frau Asthmatikerin. Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) können asthmatische Beschwerden auslösen oder bei Asthmatikern verstärken. Die Fachinformation von Naproxen enthält daher die Kontraindikation „Bekannte Reaktionen von Bronchospasmus, Asthma, Rhinitis od. Urtikaria nach der Einnahme von Acetylsalicylsäure od. anderen NSAR in der Vergangenheit“ und die Anwendungsbeschränkung: „Heuschnupfen, Nasenpolypen od. chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen“ sowie „Patienten, die auf andere Stoffe allergisch reagieren“.

Der Wortlaut der Kontraindikation lässt erkennen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Kreuzreaktion auf verschiedene NSAR hoch ist. Auch für COX-2-präferenzielle NSAR wie Meloxicam fehlt der Nachweis, dass sie eine sichere Alternative darstellen, weshalb die Kontraindikation dort dieselbe ist.

Die Kontraindikation ist hier allerdings nicht erfüllt, denn die Patientin hat bisher immer Paracetamol, aber keine NSAR eingenommen, also gibt es keine „bekannte Reaktion“.

Bei Asthmatikern ohne Kontraindikation ist die Anwendung möglich. Die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht zu einer Verstärkung der Asthmaproblematik bei der jungen Frau kommt, liegt bei gut 90% (die Prävalenz der respiratorischen NSAR-Unverträglichkeit unter Asthmatikern beträgt 9%, das Vorliegen von Nasenpolypen erhöht diese Quote auf 15%1).

Eine NSAR-vermittelte Überempfindlichkeitsreaktion ist zu erkennen an verstärkter Bronchokostriktion, laufender Nase, geschwollenen Augen, Bindehautentzündung, Rötung im Kopf-Hals-Bereich und /oder (selten) Übelkeit und Erbrechen. Die junge Frau sollte darauf hingewiesen, dass sie auf diese Symptome achtet.

Nebenbei: Bei Asthmatikern, die NSAR in der Vergangenheit gut vertragen haben, kann es bei späteren Einnahmen trotzdem zu verstärkter Asthma-Symptomatik kommen. Eine Desensibilisierung ist zwar möglich, jedoch nicht anhaltend, sondern verliert sich innerhalb weniger Tage wieder.

1 JE Chang et al.: Aspirin-exacerbated respiratory disease: burden of disease. Allergy Asthma Proc. 2012; 33(2):117-21

von Dorothee Dartsch, CaP Campus Pharmazie GmbH, Hamburg