Metamizol-Update

Metamizol (Novaminsulfon) erlebt seit ca. dem Jahr 2000 eine Verordnungs-Renaissance mit einer Steigerung von um die 9 Mio DDD pro Jahr vor 2000 auf 28 Mio DDD  im Jahr 2010 und ist nach Ibuprofen das am häufigsten verordnete Analgetikum [1,2].

ASS, Diclofenac, Ibuprofen et al. haben ihre Risiken im Bereich der Blutgerinnung sowie der gastrointestinalen  und renalen unerwünschten Wirkungen . Wie schneidet Metamizol im Vergleich ab?

Metamizol und die Blutgerinnung

Wie die NSAR hemmt Metamizol die Thrombozytenaggregation, die klinische Relevanz in Form vermehrter Blutungsvorfälle ist jedoch bisher nicht klar belegt [3]. Hingegen häufen sich die Hinweise, dass Metamizol wie Ibuprofen mit der Thrombozytenaggregationshemmung durch ASS interferiert und dessen kardioprotektive Wirkung vermindert, so dass es vermehrt zu unerwünschten kardiovaskulären Ereignissen kommen kann [4,5].

 Unerwünschte Wirkungen von Metamizol

Auch ein nephrotoxisches Potenzial ist erst kürzlich wieder in einer Studie beschrieben worden, in der unter Metamizol vermehrt ein akutes Nierenversagen verzeichnet wurde [6]. Am meisten gefürchtet ist die Metamizol-induzierte Agranulozytose. Sie ist zwar sehr selten, imponiert aber durch ihren u.U. schwerwiegenden Verlauf, und die Fallzahlen steigen parallel zu den wachsenden Verordnungszahlen an [7].

Metamizol im Vergleich zu anderen Analgetika

In der Summe scheint Metamizol nicht signifikant häufiger zu unerwünschten Wirkungen zu führen als andere nicht-opioide Analgetika [8]. International wird Metamizol kaum zur Schmerztherapie eingesetzt, und es ist auch nur in wenigen Ländern auf dem Markt.

Für eigene Literaturrecherchen: Der englische Begriff für Metamizol lautet „dipyrone“.

Quellen

[1] Glaeske & Schicktanz: BARMER GEK Arzneimittelreport 2011 S. 39. [Zugriff 15.05.2017]

[2] Wissenschaftliches Institut der AOK: Pressemitteilung vom 29.April 2014 [Zugriff 15.05.2017]

[3] G Geisslinger et al., The effects on platelet aggregation and prostanoid biosynthesis oft wo parenteral analgesics: ketorolac tromethamine and dipyrone. Throm Haemost 1996; 79:592-597

[4] A Schmitz et al.: Dipyrone (metamizole) markedly interferes with platelet inhibition by aspirin in patients with acute and chronic pain: A case-control study. Eur J Anaesthesiol 2017; 34(5):288-296

[5] A Achilles: Analgesic medication with dipyrone in patients with coronary artery disease: Relation to MACCE. Int J Cardiol 2017; 236:76-81

[6] T Stüber et al.: The use of dipyrone in the ICU is associated with acute kidney injury: A retrospective cohort analysis. Eur J Anaesthesiol 2017 Mar 16. doi: 10.1097/EJA.0000000000000627

[7] LS Blaser et al.: Hematological safety of metamizole: retrospective analysis of WHO and Swiss spontaneous safety reports. Eur J Clin Pharmacol. 2015; 71(2):209-17

[8] T Kötter et al.: Metamizole-Associated Adverse Events: A Systematic Review and Meta-Analysis. PLoS One. 2015; 10(4):e0122918

Bildnachweis: © Pixelot / Fotolia

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