Newsletter Nr. 02/2013

Um welche Pflanze handelt es sich?

  1. Galanthus nivalis,
  2. Leucojum vernum,
  3. Narcissus pseudonarcissus,
  4. Convallaria majalis?
    zur Auflösung
Influenza beim Kind: Die FDA hat die Indikation von Oseltamivir auf den Altersbereich ab 2 Wochen erweitert. In Deutschland gilt nach wie vor die Zulassung ab einem Alter von 1 Jahr. Die FDA-Zulassung liefert aber auch uns eine adäquate Dosierung: Anders als bei Kindern über 1 Jahr, für die die Dosierung nach Gewichtskategorien erfolgt, sollen Kinder zwischen 2 Wochen und 1 Jahr zweimal täglich 3mg/kg Oseltamivir bekommen. Die Behandlungsdauer beträgt 5 Tage und darf nicht später als 2 Tage nach Symptomeintritt begonnen werden. Das Virustatikum ist nicht als Influenzaprophylaxe einzusetzen.
Arzneimitteltherapie für besondere Altersgruppen: Am 18.04.2013 startet das nächste Online-Seminar zu dieser Thematik. Dort geht es um die Besonderheiten der Therapie bei Kindern, Schwangeren und Senioren. Das sind neben den physiologischen und pharmakologischen auch funktionelle Unterschiede wie Zulassungssituation, optimale Applikationswege, Polypharmazie, Compliance u.a. Anmeldung bis 21.03.2013 nähere Information finden Sie hier.
Ist das eine Interaktion? Ein 69-jähriger Patient wird mit Übelkeit, Brechreiz, Magen-Darm-Krämpfen und Durchfall in die Klinik gebracht. Wegen eines Atemwegsinfekts hatte er seit 2 Tagen Cefalexin 3x tägl. 1000mg eingenommen. Die Arzneimittelanamnese ergibt nur Amlodipin (wg. vasospastischer Angina pectoris, 1x tägl. 10mg). Könnten die Beschwerden durch eine Interaktion zwischen beiden Wirkstoffen hervorgerufen werden? Auflösung ab 01.03. hier.
Arzneimittelinteraktionen: Am 18.04.2013 startet auch zu diesem Thema ein Online-Seminar. Im Zentrum stehen die Anwendung von Interaktionsdatenbanken und die Beurteilung der Relevanz potenzieller Interaktionen, die die Grundlage für eine adäquate Intervention darstellt. Anmeldung bis 21.03.2013, nähere Information finden Sie hier.
Calcium: Hilft viel viel? Calcium kann bei Osteoporose die Knochenstabilität erhöhen und das Frakturrisiko mindern. Wie sieht es mit kardiovaskulären Wirkungen aus? Eine große Beobachtungsstudie aus Heidelberg (1) von Prof. Dr. D. Dartsch.
Valproat in der Schwangerschaft: mindert später den IQ der Kinder. Diese unerwünschte Wirkung ist jetzt bis zum Schulkind-Alter untersucht und belegt. In der DAZ Nr. 8 vom 21.02.2013 finden Sie auf S. 42 eine Zusammenfassung der NEAD-Studie (2) von Prof. Dr. D. Dartsch.
Campus Pharmazie-Seminare als Best Practice Modell: Am 18. Februar stellte J. Hamadeh anlässlich der Fachtagung „Q2P-Forum 2013 – Herausforderungen der mediengestützten Weiterbildung“ das Konzept vor, das den Campus Pharmazie-Seminaren zugrunde liegt. Sie beleuchtete die Beweggründe, die hinter den Aspekten „moderiert“ und „online“ stecken, zeigte den Teilnahmenutzen auf – und mit einem Blick hinter die Kulissen auch den Aufwand der Entwicklung und Moderation. Der halbstündige Vortrag wurde live online übertragen.

 

Mit kollegialen Grüßen
in den beginnenden Frühling

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)


Auflösung: Frühlingsfoto: Das Bild zeigt 2) Leucojum vernum – auch „Frühlingsknotenblume“ oder „Märzbecher“ genannt.

(1) Li K et al., Heart (2012) 98(12):920-5

(2) Meador KJ, et al. Lancet Neurol (2013) published online 23.01.13.

Fallbeispiel „Herzglykosid“: Lösung

Hier ist die Auflösung des Fallbeispiels „Herzglykosid“:

Zunächst mal fallen die möglichen Interaktionen ins Auge: Der Acetyldigoxin-Spiegel wird p-Glykoprotein-vermittelt durch Verapamil, seine Wirksamkeit/Toxizität über Furosemid (via Hypokaliämie) und Pantoprazol (via Hypomagnesiämie) gesteigert. Die Hypokaliämie kann durch die mineralcorticoide Wirkung von Prednisolon weiter verstärkt werden.

Außerdem gibt es gegensätzliche Effekte auf das Phenprocoumon: Verapamil erhöht den Plasmaspiegel (via Cyp 1A2 und 3A4), Prednisolon senkt ihn (via Cyp 3A4), erhöht die Gerinnungsfähigkeit des Blutes und setzt die Gefäßstabilität herab. Der Nettoeffekt auf das Blutungs- und Thromboserisiko ist kaum abzuschätzen und auch nicht allein aus dem INR-Wert ableitbar.

Verapamil steigert darüber hinaus den Prednisolonspiegel (via Cyp 3A4 und p-Glykoprotein), und sein eigener Plasmaspiegel wird durch Prednisolon gesenkt (via Cyp 3A4) und durch Digoxin erhöht (via p-Glykoprotein).

Abgesehen von Interaktionen ist die Herzglykosiddosierung (Novodigal enthält 0,2mg Acetyldigoxin, Normdosis ist 1-1,5 Tbl. pro Tag) angesichts einer mutmaßlichen Niereninsuffizienz (erkennbar am Furosemid) vermutlich zu hoch. Zur Verbesserung der Compliance könnte ein retardiertes Verapamilpräparat eingesetzt werden, das statt dreimal nur zweimal täglich genommen werden muss.

In diesem Fall könnte man davon ausgehen, dass…

  1. der Arzt im Entlassungsbrief sicherlich über eventuell noch vorzunehmende Untersuchungen und „Feinjustierungen“ unterrichtet wurde.
  2. das Ganze minderdramatisch ist, weil ja nur Überwachung / Anpassung als Kategorie angegeben ist.
  3. die im Krankenhaus sicher schon alles korrekt überwacht und eingestellt haben.

In Wirklichkeit verstärken sich hier ja Wechselwirkungen zu einem insgesamt doch vielleicht sehr deutlichen Effekt auf den Blutspiegel und die Wirkung der Herzglykoside. Und dann auch noch mit einem verzögerten Effekt von Verapamil auf das Acetyldigoxin, der sich innerhalb von 2 Wochen noch entwickeln kann.

Der Arzt war über einen telefonischen Hinweis sehr dankbar, offensichtlich war er von Krankenhaus bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht informiert worden.

Der Fall ist also komplizierter als er auf den ersten Blick aussieht.

von Carola Schmidt, Hannover – danke dafür!