Studie zur Krebstherapie in der Schwangerschaft – was sagt sie aus?

Eine Krebsdiagnose während der Schwangerschaft wirft die Frage auf, wie der Tumor effektiv behandelt werden kann, ohne dabei das Kind im Mutterleib zu schädigen.

Die gute Nachricht ist zunächst, dass das Krebsrisiko durch eine Schwangerschaft nicht erhöht und die Prognose nicht verschlechtert ist. Die chirurgische Tumoresektion ist für das Kind in aller Regel am sichersten.

Je nach Tumorentität ist in vielen Fällen jedoch eine (zusätzliche) Strahlen- oder Chemotherapie notwendig. Deren Effektivität wird durch die Schwangerschaft nicht beeinträchtigt, aber sie könnte die kindliche Entwicklung schädigen. Angesichts der Wirkmechanismen und der unerwünschten Wirkungen der Zytostatika ist das gut vorstellbar – aber kommt es wirklich zur strukturellen oder funktionalen Schädigung des Kindes? Nur wenn das gesichert der Fall sein sollte, wäre überhaupt über eine gezielt eingeleitete Frühgeburt oder gar eine Abtreibung nachzudenken. Aufschluss darüber können nur Fallberichte und Anwendungsbeobachtungen geben.

Aktuelle Studiendaten

Eine multizentrische Fall-Kontroll-Studie ist kürzlich zu diesem Thema erschienen [1], die Anlass zu vorsichtigem Optimismus bietet. Ihre Schlussfolgerung lautet übersetzt: „Pränatale Exposition gegenüber einer mütterlichen Krebserkrankung mit oder ohne Behandlung beeinträchtigte die kognitive, kardiale oder allgemeine Entwicklung der Kinder innerhalb ihrer frühen Kindheit nicht.“

Aber Achtung: Die Methodik der Studie weist (auch nach Aussage der Autoren) Limitationen auf, die die Kraft dieser Schlussfolgerung erheblich mindern. Zum Einen ist dies die – vermutlich der Seltenheit des Ereignisses geschuldete – geringe Anzahl der untersuchten Kinder insgesamt: jeweils 129 Kinder von Müttern mit („Fälle“) und ohne („Kontrollen“) Krebserkrankung. Der Zeitpunkt der Krebsdiagnose lag im Median in der 18. SSW. Von den 129 Fällen wurden 96 pränatal gegenüber einer Chemotherapie exponiert, in den meisten Fällen (n=58) war dies das FAC- oder FEC-Schema, in 14 Fällen ein Taxan sowie in jeweils weniger als 10 Fällen eines von 11 weiteren zytostatischen Protokollen.

Zum Anderen ist der Beobachtungszeitraum bislang kurz: Die Kinder waren bei der Untersuchung im Mittel 22 und maximal 42 Monate alt. Über Spätfolgen wie z.B. ein erhöhtes Krebsrisiko der exponierten Kinder lässt diese Studie folglich keine Aussage zu.

Objektiv untersucht wurden in dieser Studie die Herzfunktion (EKG und Ultraschall) und die Kognition (pädiatrischer Entwicklungstest anhand der Bayley Scale of Infant Development). Ferner wurden die Eltern per Fragebogen nach Auffälligkeiten befragt. Dass es Schädigungen anderer Organsysteme geben könnte, ist folglich anhand der Studie nicht auszuschließen.

Die Studie zeigt folglich, dass eine maternale Krebstherapie die Entwicklung eines ungeborenen Kindes nicht in jedem Fall beeinträchtigt, soweit bis zum Alter von 2-3 Jahren beurteilbar. Eine Quantifizierung des Risikos lässt sie wegen der geringen Fallzahl nicht zu, und beweisen, dass eine solche Krebstherapie unschädlich ist, kann sie ohnehin nicht.

Allgemeine Grundsätze

Eine Krebstherapie in der Schwangerschaft muss individuell für jeden Einzelfall und möglichst von einem multidisziplinären Team geplant werden. Ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht automatisch notwendig oder gerechtfertigt. Unter den nachweislich wirksamen Therapiestrategien sollte diejenige gewählt werden, die für das Kind das geringste Risiko bedeutet. Nach wie vor gilt, dass Arzneimitteltherapien mit dem Risiko für Teratogenität möglichst erst ab der 13. SSW begonnen werden sollten.

Quellen

[1] F Amant et al.: Pediatric outcome after maternal cancer diagnosed during pregnancy. N Engl J Med. 2015, online Sep 28

[Bild: © Fotolia]
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Benzodiazepingebrauch und Alzheimer

Langfristiger Benzodiazepingebrauch mit der Entwicklung von Alzheimer-Erkrankungen assoziiert?

Eine neue Fall-Kontrollstudie [1] zeigt einen Zusammenhang zwischen Benzodiazepinen und Alzheimer. Für 1796 Patienten mit und 7184 Patienten ohne Alzheimer wurden kanadische Versicherungsdaten ausgewertet und die Verordnung von Benzodiazepinen erhoben. Die Arzneimittelverordnung musste mindestens fünf Jahre vor der Alzheimerdiagnose erfolgt sein, um Patienten auszuschließen, die Benzodiazepine aufgrund der Alzheimererkrankung erhielten.

Ob es sich um einen Kausalzusammenhang handelt, man das Alzheimerrisiko also durch die Vermeidung von Benzodiazepinen aktiv beeinflussen kann, lässt sich aus einer Fall-Kontroll-Studie allerdings nicht ablesen. So könnte der Zusammenhang auch durch gemeinsame Ursachen zustandekommen, etwa weil Angst- und Spannungszustände oder Schlaflosigkeit, die typische Vorläufer der Alzheimerdemenz sind, häufig mit Benzodiazepinen behandelt werden.

Ein Online-Kommentar [2] zur Studie wirft auch die Frage nach dem Aluminiumgehalt von Benzodiazepinpräparaten auf. Dass die Aufnahme von Aluminium die Entwicklung der charakteristischen Betaamyloid-Plaques begünstigt, wird schon lange postuliert [3]. Sollten die in Kanada zugelassenen Präparate Aluminium enthalten, wäre dies evtl. die Verbindung. Dann wäre der vermeidbare Risikofaktor nicht das Benzodiazepin, sondern das Aluminium.

Eine Konsequenz aus dieser Studie könnte folglich sein, Benzodiazepinpräparate mit aluminiumhaltigen Hilfsstoffen zu vermeiden, die es auch auf dem deutschen Markt gibt.

Quellen:

[1] S Billioti de Gage et al.: Benzodiazepine use and risk of Alzheimer’s disease: case-control study. BMJ 2014;349:g5205

[2] B Stephens, Re: Benzodiazepine use and risk of Alzheimer’s disease: case-control study, 10.09.2014

[3] P Zatta: Alzheimer dementia and the aluminum hypothesis. Med Hypotheses 1988; 26(2):139-42 – und zahlreiche weitere Publikationen, zu finden bei PubMed durch Eingabe von „aluminum alzheimer“

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