Newsletter Nr. 05/2012

Einblicke in den ersten „Campus-Tag“: Fünfzehn engagierte Kolleginnen und Kollegen kamen am 11.08.12 unserer Einladung zum „Campus-Tag“ in der Hamburger Innenstadt nach. Illustrierende Einblicke haben wir in unserem Blog für Sie zusammengestellt.

Der nächste „Campus-Tag“ findet am 20.10.12 statt. Melden Sie sich gern schon an.

 

Unerwünschte Wirkung von Statinen am Auge:Neue Hinweise auf die alte Befürchtung, dass Statine das Risiko eines Grauen Stars erhöhen, gibt eine aktuelle retrospektive Auswertung der Daten von Patienten einer universitären Augenklinik.

Warum die Studie kein Anlass einer zurückhaltenderen Anwendung von Statinen in der kardiovaskulären Prävention sein sollte, lesen Sie in unserem Blog.

 

Sehr reger Start in den Seminaren „Laborparameter“ und „Arzneimittelinteraktionen:Seit dem 16.08. sind die Teilnehmer inhaltlich „bei der Arbeit“ und tauschen sich jetzt gerade – mit bemerkenswertem Engagement – in den ersten Forendiskussionen u. a. zu Fallbeispielen aus.

Dank einer bewährten Lernplattform und eines „Laufzettels“, der für ein aktives und effizientes Kennenlernen der Plattform und des Seminarkonzeptes erstellt wurde, verlief der inhaltliche Auftakt ungetrübt von technischen Fragestellungen.

In die vorgegebenen Aufgaben fließen gerade sehr spannende ‚ungeklärte Fälle‘ der Teilnehmenden ein, die intensiv diskutiert werden und zur Illustration der Seminarthemen beitragen.

 

„Grundlagenrabatt“ im Baukastenprinzip der Campus-Pharmazie-Seminare: „Interpretation von Laborparametern“ und „Arzneimittelinteraktionen“ bilden zusammen mit „Angewandte Pharmakokinetik“ und „Unerwünschte Arzneimittelwirkungen“ die Grundlagenseminare.

Sie sind die Basis für eine Reihe von Aufbauseminaren, zu denen das Seminar „Onkologie“ im nächsten Jahr den Auftakt macht.

Als „Grundlagenrabatt“ bieten wir Teilnehmern, die drei der Seminare absolviert haben, das vierte für 25% der regulären Gebühr an.

Parallel dazu gibt es Themenseminare, die unabhängig von Grundlagen- oder Aufbauseminaren besucht werden können: Aktuell sind das „Medizinische Literaturrecherche“ sowie „Patienten besonderer Altersgruppen„, 2013 wird das Angebot um „Patienten mit Eliminationsstörungen“ ergänzt.

 

Angewandte Pharmakokinetik” und “Medizinische Literaturrecherche” starten am 11.10.12: Und da der Herbst schneller kommt als man denkt, hier der Hinweis auf die Seminare, die im Oktober beginnen:

Für die genannten Seminare können Sie sich noch bis zum 20.09.12 anmelden. Sie erhalten jeweils bis zu 26 Fortbildungspunkte der Kammer. */

 

Igel in der Krebstherapie?Der Hedgehog (engl. Igel) Pathway wird mit einer Reihe von Krebserkrankungen in Verbindung gebracht, darunter Tumoren der Lunge, Speiseröhre, Pankreas und Prostata. Mit Vismodegib (Erivedge®) wurde Anfang des Jahres in den USA der erste Hedgehog Pathway Inhibitor zur Behandlung des Basalzellkarzinoms zugelassen.

In Europa ist die Behandlung derzeit nur im Rahmen einerPhase II-Studie der Firma Roche möglich.

 

Zugang zu einem Demo-Seminar: Wir haben ein Demo-Seminar eingerichtet, das an konkreten Bespielen den Aufbau der Seminare auf der Lernplattform zeigt und zum Ausprobieren einlädt.

Sprechen Sie uns gern an, wenn Sie für einen Einblick die Zugangsdaten bekommen möchten.

 

Es grüßen Sie inmitten
lebhafter Forendiskussionen

Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation),
Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)

Newsletter als PDF-Datei

Unerwünschte Wirkung von Statinen am Auge?

Schon als Statine erstmals zugelassen wurden, gab es Befürchtungen, dass ihre Anwendung das Risiko eines Grauen Stars erhöhen könnten, weil Cholesterol ein wichtiger Bestandteil der Linsenmembran ist und für die Transparenz der Linse sorgt. Mit der zunehmenden Anwendung wurden diese Bedenken jedoch zerstreut.

Nun gibt es infolge einer Studie neue Hinweise auf eine solche unerwünschte Wirkung von Statinen: Machan et al.1  untersuchten retrospektiv knapp 6400 Patientenakten von Patienten, die zwischen Januar 2007 und Januar 2008 eine universitäre Augenklinik besuchten, und entnahmen Daten zur Katarakt-Diagnose und –Therapie, Diabetes mellitus, Statintherapie und demografischen Parametern.

Von den eingeschlossenen Patienten erhielten 738 eine Statintherapie, etwa ein Drittel von ihnen waren Typ 2-Diabetiker. Letztere haben bereits infolge ihrer Erkrankung ein um 86% erhöhtes Katarakt-Risiko. Auch in der Gruppe der Statin-Patienten war die Wahrscheinlichkeit einer Katarakt-Diagnose (nach Korrektur für Alter, Geschlecht, Rauchen, Hypertonie und Diabetes) mit einem Odds Ratio von 1.57 (95%-CI 1.15–2.13), also um 57% erhöht.

Sollten Statine also zurückhaltender verordnet werden? Sollten Patienten die ihnen verordneten Statine besser nicht einnehmen?

Der wichtigste Aspekt, der in dieser Frage berücksichtigt werden sollte, ist die Nutzen-Risiko-Abwägung: Der Nutzen besteht in der relativ gut abgesicherten Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen mit oft sehr einschneidenden bis tödlichen Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das hier beschriebene Risiko (es gibt natürlich auch noch weitere Risiken) ist die Einschränkung bzw. der Verlust der Sehfähigkeit – ohne Frage ebenfalls ein sehr einschneidendes Ereignis.

Die Studie von Machan et al. weist aber einige Limitationen auf, die einen Verzicht auf Statine aufgrund der möglichen okulären Risiken als nicht gerechtfertigt erscheinen lassen: Zum einen handelt es sich um eine retrospektive Erhebung, aus der per se kein kausaler Zusammenhang abgeleitet werden kann. Zum anderen wurde jegliche Linsentrübung als Katarakt-Diagnose akzeptiert, unabhängig davon, ob sie den Patienten beeinträchtigte geschweige denn einen chirurgischen Eingriff notwendig machte. Katarakt-Patienten wurden also sehr sensitiv identifiziert, so dass das Risiko in dieser Studie tendenziell eher überschätzt werden dürfte.

Noch wichtiger: Es gibt auch gute Hinweise, dass Statine aufgrund ihrer antientzündlichen Wirkung einen protektiven Effekt haben. So zeigten u.a. Tan et al.2  in einer prospektiven Kohortenstudie (!) an 2.335 Patienten, dass eine Statintherapie das Kataraktrisiko um rund 50% senkte (hazard ratio 0,52; 95%-CI 0.29-0.93).

Insofern müssen die oben aufgeworfenen Fragen für Patienten mit nachgewiesener Hypercholesterolämie mit ’nein‘ beantwortet werden. Zurückhaltung ist dagegen sicher bei Patienten geboten, deren Cholesterolspiegel nicht erhöht ist: Statine hätten dort ihr typisches Nebenwirkungspotenzial, der Nutzen hinsichtlich kardiovaskulärer Erkrankungen fehlt jedoch.
Quellen:

1 CM Machan et al.: Age-Related Cataract Is Associated with Type 2 Diabetes and Statin  Use. Optom Vis Sci 2012; 89:1165–1171

2 JS Tan et al.: Statin use and the long-term risk of incident cataract: the Blue Mountains Eye Study. Am J Ophthalmol. 2007; 143(4):687-9

Ergänzung am 16. September 2013:

Auf dem Jahreskongress der europäischen Kardiologen wurde das Ergebnis einer neuen Metaanalyse von 14 Studien mit 2,4 Millionen Patienten zur Entwicklung des grauen Stars unter Statintherapie vorgestellt: Patienten unter Statinen hatten ein um 20% geringeres Risiko, einen grauen Star zu entwickeln (Prof. John B. Kostis, Robert Wood Johnson Medical School in New Brunswick, ESC-Jahrenkongress in Amsterdam 31.8.-4.9.2013). Dieses Ergebnis relativiert die o.g. retrospektive Analyse deutlich.