Hyperkaliämie durch Adventsgebäck

Dresdner Christstollen und Pltzchen zu WeihnachtenVor ein paar Tagen nahm ich an einer interdisziplinären Veranstaltung für Apotheker und Ärzte teil, in der es um Interaktionen ging. Jahreszeitlich aktuell war besonders ein Fall:

Ein Patient mit Ramipril und Spironolacton wegen Herzinsuffizienz, leicht eingeschränkte Nierenfunktion, eingeliefert wegen Hyperkaliämie – besonders in der Weihnachtszeit könne durchaus auch mal der Stollen dran Schuld sein, so der Referent.

Also ging ich auf die Suche nach Informationen zum Kaliumgehalt in Lebensmitteln und fand unter anderem:

Wer englischsprachige Quellen nicht scheut (Stollen wird man da aber vergeblich suchen):

Demnach beträgt der Kaliumgehalt in je 100g weihnachtlicher Backwaren

  • Früchtebrot 442 mg
  • Zimtsterne 463 mg
  • Printen 407 mg
  • Marzipanstollen (Hefeteig) 325 mg
  • Lebkuchen 325 mg
  • Nürnberger Lebkuchen 312 mg
  • Quarkstollen 305 mg
  • Dresdner Stollen 245 mg
  • Mohnstollen (Hefeteig) 241 mg
  • Pfefferkuchen 160 mg
  • Spekulatius 156 mg
  • Honigkuchen 150 mg
  • Berliner 113 mg (aber die sind ja erst zu Silvester dran)

Zur Substitution mit Kaliumpräparaten (die in Interaktionsdatenbanken ja durchaus bei Kombination mit ACE-Hemmern oder Spironolacton auffällig werden) werden Dosierungen von 40-80 mmol, max. 160 mmol eingesetzt, 40 mmol Kalium sind 1.560 mg.

1.560 mg, entsprechend 40 mmol, sind also 350 g Früchtebrot oder 640 g Stollen.

Patienten mit Hyperkaliämie-trächtiger Polymedikation oder renaler Eliminationsstörung sollten also in der Tat keine übermäßigen Mengen trockenfrucht- und nusshaltiger Weihnachtsbackwerke zu sich nehmen.

Die Interpretation von Laborparametern ist eine wichtige Kompetenz für Apothekerinnen und Apotheker in der Medikationsanalyse.

Mit adventlichen Grüßen,

Dorothee Dartsch

Bild: © Floydine / Fotolia.com

Newsletter Nr. 01/2015

 

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Netzwerkpartnerschaften: Unsere Netzwerkpartnerschaften mit den Apothekerkammern Westfalen-Lippe und Hamburg, ADEXA und der Arbeitsgemeinschaft österreichischer Krankenhausapotheker sind verlängert. Als Mitglied eines Netzwerkpartners profitieren Sie z.B. von Rabatten auf unsere Fortbildungsangebote.

 

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Arzneimitteltherapie bei Senioren: Die Einstufung von Beschwerden als unerwünschte Arzneimittelwirkungen fällt bei Polymedikation besonders schwer. Wertvolle Hilfe zur Optimierung der Therapie bei Senioren bieten Leitlinien, die speziell auf diese Patientengruppe zugeschnitten sind. Eine Sammlung solcher Leitlinienadressen finden Sie ebenfalls hier bei uns auf der Website.

 

Literaturrecherche: Für die Literaturrecherche braucht man zu allererst eine konkrete Fragestellung. Hilfestellung dabei kann die TRIP-Datenbank liefern..

 

Medikationsanalyse und -management: Zwei Veranstaltungen mit der Apothekerkammer Hamburg können Sie nutzen, um ins Medikationsmanagement einzusteigen.

 

Cotrim + ACE-Hemmer = Hyperkaliämie: Die antibiotische Behandlung von ACE-Hemmer-Patienten mit Cotrim kann zu einem pharmakodynamisch additiv erhöhten Serumkalium führen, das Risiko des plötzlichen Herztodes ist dadurch erhöht.

 

Notfallkontrazeption und Körpergewicht: Eine veränderte Pharmakokinetik von Levonorgestrel und Ulipristalacetat verringert möglichweise deren Effektivität und erhöht das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft.

 

Angewandte Pharmakokinetik“ und „Interpretation von Laborparametern: Diese beiden Seminare zu wichtigen Grundlagen der Therapieoptimierung laufen in Kürze wieder, und zwar vom 23.04. bis 20.05.15. Anmeldungen nehmen wir bis Mitte März über das Online-Anmeldeformular oder per E-Mail entgegen.

 

Gut vernetzt und
mit kollegialen Grüßen

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)