Im Konflikt zwischen Infarktprophylaxe und gastrointestinalen Blutungen

Im Konflikt zwischen Infarktprophylaxe und gastrointestinalen Blutungen

Etwa 4,5% der Marcumar-Patienten erleiden eine schwerwiegende gastrointestinale Blutung. Die gerinnungshemmende Therapie muss dann umgehend abgesetzt werden.

Bei fortgesetztem Thrombose- oder Infarktrisiko ist die schwierige Entscheidung, ob und wann die Thromboseprophylaxe wieder aufgenommen wird. In anderen Worten:

  • Wie groß ist das Risiko einer erneuten Blutung, wenn Marcumar wieder angesetzt wird?
  • Wie groß ist das Risiko einer Thrombose, wenn die Therapie nicht fortgesetzt wird?
  • Und wie groß ist die Sterblichkeit im Vergleich in beiden Gruppen?

Eine amerikanische Studie unter klinisch-pharmazeutischer Federführung kommt aktuell zu dem Ergebnis, dass die gerinnungshemmende Therapie (mit Warfarin) fortgesetzt werden sollte. Zwar war die Häufigkeit weiterer Blutungen dann höher (nicht signifikant), aber die Zahl der Thrombosen und die Mortalität waren signifikant niedriger.

Einschränkungen der Studie sind ihr retrospektives, auf der Auswertung von Patientenakten basierendes Design und die Unterschiede zwischen der einen Studiengruppe, die die Cumarintherapie fortsetzte, und der anderen, die sie nicht wieder aufnahm.

Den Gruppenunterschieden (z.B. in Alter, Geschlecht, chronische Erkrankungen, Behandlung der initialen GIT-Blutung) wurde allerdings durch statistische Verfahren angemessen Rechnung getragen. Die 442 ausgewerteten Patienten waren im Mittel 74,2±12,1 Jahre alt und hatten in der Mehrzahl Vorhofflimmern, Venenthrombosen oder künstliche Herzklappen als Indikation für die antikoagulative Therapie.

Quelle: DM Witt et al.: Risk of Thromboembolism, Recurrent Hemorrhage, and Death After Warfarin Therapy Interruption for Gastrointestinal Tract Bleeding. Arch Intern Med. Published online September 17, 2012. doi:10.1001/archinternmed.2012.4261

Artikel von Dorothee Dartsch, CaP Campus Pharmazie GmbH, Hamburg