Kommunikation im medizinschen Alltag

Kommunikation im medizinischen Alltag

Welche Tipps aus ärztlicher Sicht wichtig sind, um – teils schwer „verdauliche“ – Information aufzunehmen, können Sie im aktuellen Leitfaden der Ärztekammer Nordrhein zu diesem Thema nachlesen, der auf einer Schweizer Vorlage beruht.

Neben erfolgversprechenden Gesprächstechniken wird dort auf besondere Gesprächssituationen eingegangen, die auch in Apotheken auftreten, z.B.

  • die Arzneimittelanamnese,
  • das Ansprechen heikler Themen,
  • der Umgang mit Angehörigen von Demenzpatienten und
  • die interprofessionelle Kommunikation.

Letztere beschränkt sich allerdings auf die Kommunikation mit Pflegekräften im stationären Bereich, da wäre für zukünftige Auflagen noch ein Absatz zum ambulanten Bereich und zur Arzt-Apotheker-Kommunikation zu begrüßen.

Kommunikationstechniken kann man nicht allein anhand der Theorie lernen, sondern muss die theoretischen Kenntnisse in der Praxis anwenden und sich dabei beobachten, um im Anschluss reflektieren zu können, ob die Technik erfolgreich war. Dennoch ist der Leitfaden hilfreich, um zu erkennen, welche Techniken zur Verfügung stehen, und zu entscheiden, welche sich für die eigene Anwendung eignen können.

Viel Erfolg bei der Umsetzung wünscht

Dorothee Dartsch

 Bild: © ChenPG / Fotolia.com

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker? Und!

Der Zugriff auf vollständige, aktuelle und richtige Patientendaten, der für eine umfassende Therapiebeurteilung essentiell ist, ist nicht nur für uns Apotheker, sondern auch für Ärzte ein Problem:

In einer aktuellen Studie der Universitäten Bremen, Hannover und Göttingen1  hat sich herausgestellt, dass bei niedergelassenen Ärzten insbesondere die Daten zur Medikation oft lückenhaft sind. In der Studie wurden die in den Arztpraxen vorliegenden Akten von 210 älteren Patienten, die mehr als vier Arzneimittel einnahmen, mit den Angaben der Patienten selbst zu ihrer aktuellen Medikation verglichen und Diskrepanzen anschließend im Gespräch mit dem jeweiligen Arzt verifiziert.

Bei 41% der Patienten fehlte in der Patientenakte mindestens ein Arzneimittel, im Schnitt waren es 2 Stück (± 1,2; Spannweite 1-6). Am häufigsten waren es Magnesium-Präparate, die fehlten, was vermutlich selten kritisch ist. Auf den nächsten Plätzen folgten dann aber Thrombozyten-Aggregationshemmer, Statine, Protonenpumpenhemmer und Calcium – Arzneimittel, bei denen in punkto Interaktionen und unerwünschte Wirkungen die Warnlampen blinken sollten!


Die häufigsten Gründe für die Datenlücken waren in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit

  1. fehlende Aktualität (in der Akte war zwar eine entsprechende Verordnung in der Vorgeschichte vermerkt, aber nicht in die aktuelle Medikationsliste übernommen worden),
  2. mangelnde Dokumentation (der Arzt wusste, dass der Patient das Arzneimittel einnimmt, hatte es aber nicht vermerkt),
  3. die Einnahme rezeptfreier Arzneimittel und
  4. die Verordnung durch einen Fach- oder Klinikarzt.

Möglicherweise ist die Erstellung vollständiger, aktueller und richtiger Patientendaten kein Unterfangen, das eine Berufsgruppe allein bewältigen kann, sondern die Kommunikation von Arzt und Apotheker erfordert. Für beide Seiten könnte das das Leben einfacher und die Therapie für die Patienten sicherer machen!

 

1 G Schmiemann et al., Differences between patient medication records held by general practitioners and the drugs actually consumed by the patients. Int J Clin Pharmacol Ther 2012, 50(8):614-7
[Prof. Dr. Dorothee Dartsch]