Neue Regeln für Metformin

Die AbkürzungMetformin kann nun auch bei Patienten mit moderat eingeschränkter Nierenfunktion (d.h. bei einer glomerulären Filtrationsrate, GFR, von 30–59 ml/min) eingesetzt werden, um Typ 2-Diabetes zu behandeln. Zu dieser Empfehlung kommt die EMA im Rahmen ihrer Neu-Bewertung der Anwendung von Metformin-haltigen Arzneimitteln [1].

Regeln bisher

Bislang galt bei GFR-Werten unter 45 ml/min eine Kontraindikation, weil Metformin, das ausschließlich renal eliminiert wird (Q0<0,1), bei Niereninsuffizienz kumulieren und dann bei erhöhten Plasmakonzentrationen eine Laktatazidose auslösen kann. Die Dosierungsvorschriften lauten [2]:

  • GFR >60ml/min: maximal 3g Metformin verteilt auf drei Einzelgaben
  • GFR 45-59ml/min: 1g täglich, verteilt auf zwei Einzelgaben (unter Monitoring der Nierenfunktion und nur bei Abwesenheit von Faktoren, die eine Laktatazidse zusätzlich begünstigen, z.B. Herzinsuffizienz, COPD)
  • GFR <45ml/min: absolut kontraindiziert

Die meisten Metformin-Generika enthalten zur Zeit sogar noch eine Kontraindikation ab einer GFR von 60ml/min. Sie werden in der Praxis aber genauso eingesetzt wie das Originalpräpat.

Neue Regeln

Die EMA-Empfehlung lautet jetzt [1]:

  • GFR >60ml/min: maximal 3g Metformin verteilt auf drei Einzelgaben
  • GFR 30-59ml/min: die Dosis ist der Nierenfunktion anzupassen, diese muss mindestens jährlich überprüft werden, und Risikofaktoren für die Laktatazidose sind weiterhin zu berücksichtigen
  • GFR <30ml/min: absolut kontraindiziert

Für Kombinationspräparate mit Metformin, die wegen des Kombinationspartners schon bei höheren GFR-Werten kontraindiziert sind (z.B. SGLT2-Inhibitoren), gelten diese Kontraindikationen natürlich weiterhin.

Nierenfunktion und Dosisanpassung:

Wie weit die Dosis eines Wirkstoffs bei einem Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion reduziert werden muss, hängt vom Wirkstoff und von der Nierenfunktion ab. Die Ermittlung der angepassten Dosis ist Gegenstand unseres Seminars „Arzneimitteltherapie für Patienten mit Eliminationsstörungen“.

 

Quellen

[1] EMA / Committee for Medicinal Products for Human Use: Use of metformin to treat  diabetes now expanded to patients with moderately reduced kidney function. 14 October 2016 (EMA/603690/2016)

[2] Fachinformation Glucophage® (Februar 2015)

Bild: © beermedia / Fotolia.com

 

Newsletter Nr. 11/2013

Campus-Tag bei der AkWL in Münster 20.11.2013

Campus-Tag in Münster: Als Auftakt unserer Netzwerkpartnerschaft mit der Apothekerkammer Westfalen-Lippe informierten sich am 20.11.13 knapp 20 Apothekerinnen und Apotheker beim Campus-Tag in Münster über das Seminarangebot. Die Teilnehmer erlebten – mit Blick auf den sonnigen Aasee – wie fachlicher Austausch auf einer Lernplattform funktioniert. Lesen Sie mehr zu den Fragen und Eindrücken der Campus-Tag-Besucher hier. Die ersten Seminaranmeldungen sind bereits eingegangen. Nächster Campus-Tag in Münster: 01.02.2014 – Anmeldung direkt über die AkWL.

Adexa - die Apothekengewerkschaft

ADEXA neues Mitglied im CaP-Fortbildungs-Netzwerk: Die Apothekengewerkschaft ADEXA hat unser Seminarangebot getestet und schließt sich unserem Netzwerk als Partner an. Wir begrüßen alle ADEXA-Mitglieder herzlich.

 

Neues RKI-Themenheft Gastritis und gastro­intestinale Ulzera: Ein Fünftel der Deutschen leidet einmal oder mehrfach im Leben unter Gastritis, 7% unter gastrointestinalen Ulcera. Kenntnisse zu Ursachen und Therapie sind wichtig für die Beratung dieser Patienten. Das 55. Themenheft des RKI enthält Angaben hierzu und kann kostenlos als pdf heruntergeladen werden.

 

Paradigmenwechsel in der neuen Leitlinie zur Cholesterolsenkung: Das American College of Cardiology und die American Heart Association haben eine neue Leitlinie zur Cholesterolsenkung veröffentlicht, die von dem bisherigen Prinzip abweicht, die Therapie zu intensivieren bis Cholesterol-Zielwerte erreicht sind und statt dessen festgelegte Therapieschemata empfiehlt. Lesen Sie dazu mehr hier.

 

Infliximab gibt es zukünftig auch als Biosimilar: Die EMA hat es bereits zugelassen, aber noch gilt in Deutschland der Patentschutz. Die zugrundeliegende Studie, die das biosimilare mit dem originalen Infliximab verglichen hat, ist die PLANETRA-Studie. Lesen Sie mehr dazu auf hier.

 

Case Training: Vom 14. bis 20. November setzten sich 13 Apothekerinnen und Apotheker mit drei spannenden Fällen auseinander. Sie diskutierten verschiedenste Aspekte der Frage „Wie sollte die Therapie verändert werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen?“. Dabei ging es um Interaktionen, Dosierungen, Organfunktionen, unerwünschte Wirkungen, Kontraindikationen und Leitlinienempfehlungen. Eine Offizin-Apothekerin beschreibt ihre Erfahrung folgendermaßen:

„Ich war überrascht von der Intensität dieser Art von Fortbildung. Unsere Moderatorin brachte die Diskussion auf den Punkt und zeigte uns, dass es in der Analyse darauf ankommt, die richtigen Fragen zu stellen. Diese konstruktiv-kritische Herangehensweise an die Fälle hat mich sehr beeindruckt. Um wirklich zu profitieren, muss man sich einbringen, mit diskutieren, selbst recherchieren und dabei bleiben. Dann ist der Erkenntnisgewinn deutlich höher als bei „normalen“ Vor-Ort-Seminaren.“

Das nächste Case-Training findet mit neuen Fällen vom 23.-29. Januar 2014 statt. Anmeldung hier.

 

Seminare um den Jahreswechsel: Besondere Patientengruppen prägen die Seminare um den Jahreswechsel – aktuell geht das Thema „Besondere Altersgruppen“ zu Ende, im nächsten Jahr geht es am 16.01. mit den „Patienten mit Eliminationsstörungen“ (d.h. Nieren-und Leberinsuffizienz) los. Anmeldungen werden noch angenommen.

Angenehme Adventszeit!

Wir wünschen Ihnen eine schöne Vor- und Weihnachtszeit.
Kommen Sie gut ins neue Jahr!

 Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)