Klinisch-pharmazeutische Interventionen bei Diabetikern: mehr QALYs, weniger Kosten

Die klinisch-pharmazeutische Versorgung von Diabetespatienten durch öffentliche Apotheken reduziert in einer Modellberechnung über Zeithorizonte zwischen zwei und zehn Jahren die Häufigkeit kardiovaskuläre Ereignisse insgesamt, darunter Herzinfarkte, akute Herzinsuffizienz, Fuß-Ulzera und Fuß-Amputationen, verglichen mit Patienten, die ’nur‘ eine leitliniengerechte Standardtherapie erhielten [1]. Mithilfe des für Diabetes bereits validierten Archimedes Modells [2,3], das für US-Amerikaner mittlere Krankheitskosten über mehrere Jahre berechnet, wurde zudem gezeigt, dass die direkten Kosten insgesamt, die klinisch-pharmazeutische Versorgung eingeschlossen, durch die Intervention sanken [1].

Sowohl der Anstieg der QALYs (quality-adjusted life years) als auch die Einsparung der Kosten durch die pharmazeutischen Interventionen waren am stärksten und bereits bei einem Zeithorizont von 2 Jahren ausgeprägt, wenn Patienten am Beginn hohe HbA1c-Werte (≥10%) hatten. Bei Patienten mit HbA1c-Werten zwischen 9 und 10% waren die positiven Effekte ab einem Zeithorizont von fünf und bei Patienten mit HbA1c-Werten unter 9% ab einem Horizont von zehn Jahren erkennbar [1]. Diese Werte erwiesen sich in Sensitivitätsanalysen als robust.

A propos Diabetes: Die Amerikanische Diabetes-Gesellschaft hat gerade die Standards für 2018 veröffentlicht [4].

Quellen

[1] H Ourth et al.: Development of a Pharmacoeconomic Model to Demonstrate the
Effect of Clinical Pharmacist Involvement in Diabetes Management. J Manag Care Spec Pharm 2018; 24(5):449-57

[2] Schlessinger L, Eddy D: Archimedes: a new model for simulating health care
systems—the mathematical formulation. Journal of Biomedical Informatics 2002; 35:37–50

[3] Eddy D, Schlessinger L: Archimedes: a trial-validated model of diabetes. Diabetes Care. 2003;26(11):3093-101.

[4] American Diabetes Association: Standards of Medical Care in Diabetes—2018. Diabetes Care 2018 Jan; 41(Supplement 1).

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Klinisches Medikationsmanagement verbessert klinische Parameter

AMTS-ExperteDies zeigte kürzlich eine spanische Studie zum klinischen Medikationsmanagement in einer öffentlichen Apotheke für chronisch kranke Patienten, die über einen Zeitraum von 18 Monaten begleitet wurden [1].

Im Rahmen der Studie wurden 132 Patienten mit einem durchschnittlichen Alter von 63 Jahren (61% über 65 Jahre) und einer durchschnittlichen Anzahl von 6 Arzneimitteln (69% mehr als 5 Arzneimittel) versorgt.

Medikationsmanagement: In drei Schritten zum Ziel – immer wieder

Schritt 1: In einem Datenerfassungsgespräch wurden Daten zur Medikation, zum Gesundheitszustand inkl. Diagnosen und klinischer Laborparameter, zur Lebensqualität, zum Umgang mit der Erkrankung und zu Arzt- und Krankenhausbesuchen erhoben.

Schritt 2: Analyse arzneimittelbezogener Probleme und bereits manifester oder potenzieller negativer Folgen und Erarbeitung von Lösungsvorschlägen. Die Liste der arzneimittelbezogenen Probleme entspricht der im ABDA-Grundsatzpapier dargestellten Liste systematisch erfassbarer arzneimittelbezogener Probleme in der klinischen Medikationsanalyse [2].

Schritt 3: Kommunikation mit dem Patienten und anderen Heilberuflern zur Problemlösung, Einigung über die bevorzugte weitere Strategie und Festlegung von Aspekten für das Follow-up.

Diese drei Schritte wurden über einen Zeitraum von 18 Monaten reiterativ wiederholt, wodurch per Definition die Medikationsanalyse zum Medikationsmanagement wird.

Ergebnisse

Knapp 600 manifeste oder drohende negative Folgen arzneimittelbezogener Probleme wurden identifiziert, wovon gut 66% gelöst und 30% vermieden werden konnten, die meisten davon in Kooperation mit dem Arzt: Vorschläge, ein Arzneimittel an- oder abzusetzen oder zu wechseln, 51%, Vorschläge zur Dosisänderung 13%. 36% der Lösungsvorschläge richteten sich an den Patienten.

Die Zahl der Krankenhausaufenthalte wurde auf ein Drittel, die Zahl der Notaufnahmen auf ein Fünftel reduziert. Gleichzeitig sank die Zahl der Arzneimittel pro Patient im Schnitt auf die Hälfte.

Die Non-Adhärenz sank von gut 50% auf 1% nach 18 Monaten Follow-up, das Wissen der Patienten um Dosis und Einnahmeintervalle verbesserte sich immens.

Die Lebensqualität der Patienten stieg in allen Dimensionen (allgemein, physisch, sozial, mental etc.).

 Fazit der Autoren

„Die Integration von Apothekern in öffentlichen Apotheken in das multidisziplinäre heilberufliche Team ist eine verlässliche Lösung zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung.“

Quellen:

[1] Garcia-Cardenas et al., Implementation of medication review with follow-up in a Spanish community pharmacy and its achieved outcomes. Int J Clin Pharm 2015 DOI 10.1007/s11096-015-0145.

[2] ABDA 2014: Grundsatzpapier zur Medikationsanalyse und zum Medikationsmanagement, Tabelle 2, S. 15