Pharmazeutisches vom NZW 2013

Auch im Bereich Pharmazeutisches gab es beim NZW natürlich viel Spannendes für uns – viel mehr als hier dargestellt werden kann. Aber ein paar der interessanten Punkte waren:

Prof. Dr. G. von Minckwitz (Neu-Isenburg): Die therapieentscheidende Klassifikation beim Mamma-Ca ändert sich nach dem Grundsatz: „Treat the biology, not the stage“. Die neue Klassifikation enthält Bezeichnungen wie „Basal-like“, „Claudin-low“, „HER-2-enriched“, „Luminal-A“, „Luminal-B“ u.a. Beispielsweise handelt es sich beim „Luminal-A“ um langsam proliferierende Karzinome, für die wahrscheinclih eine reine endokrine Therapie ausreicht. Diese soll grundsätzlich so lange durchgeführt werden, wie es  Verträglichkeit und Compliance zulassen, also auch länger als 10 Jahre. Ob Tamoxifen oder Aromatasehemmer ist für das Outcome vermutlich gleichgültig und kann anhand der Verträglichkeit festgelegt werden.

Dr. B. Albrecht (München): Faktoren, die Krebspatienten in die Arme von Wunderheilern treiben können, sind mangelndes Einfühlungsvermögen derjenigen Schulmediziner, die die (Erst-)Diagnose mitteilen, Fokussierung der Medien auf Leiden unter der Chemotherapie einerseits sowie Einzelberichte von Spontan (Wunder-)Heilungen andererseits, Versprechen der Wunderheiler wie „Ich kann Ihnen helfen, den Krebs zu besiegen“ und Verschwörungstheorien wie „Die Pharmaindustrie hält das Wissen um Behandlungsoptionen zurück, um ihre Präparate abzusetzen“.

Prof. Dr. G. Wiedemann (Ravensburg): Apotheker sollen die Anzeichen eines SIRS (systemic inflammatory response syndrome) als Vorstufe der Sepsis und des septischen Schocks erkennen, weil sie die ersten sein können, die den Patienten mit diesen Anzeichen sehen. Dann ist schnelles Handeln erforderlich, denn mit jeder Stunde, um die sich dher Therapiebeginn verzögert, steigt die Letalität um knapp 7%.

Wenn mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllt sind, könnte Ihr Patient ein SIRS haben:

  • Körpertemperatur über 38°C oder unter 36°C
  • Puls schneller als 90 Schläge pro Minute
  • Atemfrequenz über 20 pro Minute oder ein pCO2 unter 32 mmHg
  • Leukozyten über 12,000 oder weniger als 4,000 pro µl

Ein solcher Patient gehört umgehend in die Klinik, wo schnellstmöglich Volumen substituiert, Sauerstoff gegeben und ein Antibiotikum angesetzt werden muss.

Dorothee Dartsch, CaP Campus Pharmazie GmbH

Politisches vom NZW 2013

Vom 25. bis 27. Januar 2013 fand in Hamburg-Harburg der 21. Norddeutsche Zytostatika-Workshop mit über 1000 Teilnehmenden statt, organisiert von der DGOP unter der Federführung von Apotheker Klaus Meier. Soweit, was die Eckdaten betrifft, nichts neues.

Inhaltlich aber gab es viel Neues und Wichtiges für die Berufspraxis:

Dr. Andreas Kiefer überbrachte das erste Grußwort seiner gerade begonnenen Amtszeit als BAK-Präsident. In einer sehr persönlichen Ansprache lobte er den NZW als „bundesweit einmalige Veranstaltung, die onkologisch tätigen Apotheker/innen als „weit vorn“ in der Arbeit im multiprofessionellen Team und sagte der „Oralia-Kampagne“ seine Unterstützung zu. Für die Apothekerschaft insgesamt wünschte er sich und allen eine gut funktionierende Vernetzung untereinander und mit den berufsplitischen Gremien und eine „Kultur der Zusammenarbeit“, um aktuelle und zukünftige Probleme (z.B. Anforderungen der ApBetrO und Lieferengpässe) gemeinsam zu bewältigen.

Im Interaktiven Berufspolitischen Forum  wurde die spannende Frage diskutiert: „Ethisches Handeln und Qualität – ist das bezahlbar?“ Auf dem Podium befanden sich Vertreter der Patienten (J. Geißler), der ADKA (Dr. T. Hoppe-Tichy), der AkdÄ (Prof. Dr. W.-D. Ludwig), der niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (Dr. S. Schmitz) und der Industrie (Dr. M. Drees).

Die Ergebnisse werden in der Fachpresse ausführlich nachzulesen sein. Hier nur ein Beispiel:

Auf die Frage, ob die zusätzlichen Herstellungsanforderungen der neuen ApBetrO einen Vorteil für die Patientinnen und Patienten erbringen, herrschte bei allen Beteiligten Einigkeit darüber, dass die Qualität  onkologischer Zubereitungen an allerhöchster Stelle stehe. Wie diese Qualität erreicht werde, sei aber weder für Patienten noch für Ärzte wichtig, so deren Vertreter.

Hoppe-Tichy forderte eine bessere Risikoanalyse durch die Apotheker: Jedes Verfahren müsse daraufhin geprüft werden, ob es am Ende die Sicherheit der Patienten erhöhe oder gefährde. So bedeute das Aufführen aller Hilfsstoffe auf dem Etikett nicht automatisch  mehr, sondern evtl. weniger Sicherheit – wenn es nämlich Verwirrung stifte.

Drees und Schmitz unterstrichen die Beratungskompetenz  in der wohnortnahen Apotheke vor Ort als  wichtigen Faktor für die Sicherheit der Patienten. Wenn diese allerdings durch die neuen Anforderungen an Herstellungsprozesse gefährdet ist, könnte die ApBetrO-Novelle unter dem Strich zu einer Erhöhung des Risikos für die Patienten führen.

Dorothee Dartsch, CaP Campus Pharmazie GmbH

NZW – zum 20. Mal!

Wie jedes Jahr findet auch in diesem am letzten Januar-Wochenende der Norddeutsche Zytostatika-Workshop NZW statt. In diesem Jahr sogar sage und schreibe zum 20. Mal!

Zum 20. Mal wird also Harburg, im südelbischen Hamburg gelegen, zum Treffpunkt für onkologisch interessierte Apothekerinnen und Apotheker, Ärztinnen und Ärzte, PTAs und pharmazeutische Unternehmen aus dem In- und Ausland.

Das Programm ist umfangreich. Aktuell zähle ich vier verschiedene Zertifikatskurse, 19 Workshops zu unterschiedlichen Themen, 23 Vorträge, drei Satelliten-Symposien und ein interaktives berufspolitisches Forum. Zusätzlich finden Info-Veranstaltungen zur Oralia Initiative der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP) statt. Hier sind Apotheken aufgerufen, sich zu beteiligen, um die Beratung von Krebspatienten zu optimieren, die mit oral einzunehmenden Zytostatika behandelt werden. Der parallel angebotene PTA-Kongress umfasst sieben Vorträge und drei Workshops. Nach aktuellem Stand tragen 93 Referentinnen und Referenten aus Deutschland, Europa und Übersee zum Gelingen dieser Veranstaltungen bei.

Ich muss sagen, es ist eine organisatorische Meisterleistung, dieses informative und hochkarätige Fortbildungsangebot zu realisieren. Dazu gratuliere ich Klaus Meier, dem Präsidenten der DGOP, und seinem Team sehr herzlich. Vielen Dank!

Ich freue mich auf den Kongress und berichte später von den Highlights.
Herzliche Grüße,
Dorothee Dartsch