Newsletter Nr. 05/2013

neue Perspektive

Online-Case-Trainings: Am ersten Case-Training nahmen die 20 Gewinner der Geburtstagsverlosung teil – etwa jeweils zur Hälfte KollegInnen aus öffentlichen und aus Krankenhausapotheken, darunter drei Kolleginnen aus Österreich. Moderiert von Prof. Dr. Dorothee Dartsch entfaltete sich entlang dreier Fallbeispiele eine lebhafte Online-Diskussion zu Lösungsstrategien arzneimittelbezo­ge­ner Probleme. Zum Abschluss der gemeinsamen Online-Woche wurden die Musterlösungen veröffentlicht.

 

Die Rückmeldungen bestätigen: Ein großer Vorteil der Foren-Diskussion ist die Zeit zum Recherchieren und Weiterdenken – Eine wichtige Basis, um durch aktive Teilnahme nachhaltig Erkenntnisse zu gewinnen. Case-Trainings werden im 2. Halbjahr 2013 in regelmäßiger Folge zum Preis von 148,- (inkl. MwSt.) angeboten. Weitere Informationen hier.

 

Neues Website-Fallbeispiel: Für die, die nicht bis zur nächsten Case-Training-Woche warten möchten: Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, ab sofort hier über den folgenden Fall mitzudiskutieren: Patient, 75 Jahre, Medikation Phenprocoumon, Simvastatin, Metoprolol, schnellwirksamer NO-Donor, Allopurinol, Amitriptylin, bekommt wegen einer hochgradigen Koronarverengung einen Stent implantiert. Aufgelöst wird der Fall am Dienstag, 11.06.

 

Neues von der ADKA: Der 38. Wissenschaftliche Kongress der ADKA in Dresden stand unter dem Motto „Versorgungssicherheit und Arzneimittelqualität: die Krankenhausapotheke im Spannungsfeld der globalisierten Märkte“. Was die Einbindung der Apotheker in die Arzneimitteltherapie mit Anschnallpflicht und dem Zauberlehrling zu tun hat, lesen Sie einer Zusammenstellung der wichtigsten Statements der Grußwortredner hier.

 

Infektiologie – was ist neu?: Statine sind Li­pidsenker mit zusätzlichen Wirkungen. Bringen sie auch in der Sepsisbehandlung einen Vorteil? Eine Studie, die dieser Frage nachgegangen ist, finden Sie ebenso hier wie die wichtigsten Empfehlungen der neuen Leitlinie zur antibiotischen Behandlung des diabetischen Fußes.

 

Kardiologische Studien – was Sie gelesen haben sollten: In Dresden wurden im Rahmen der „Top Paper 2013“ zwei spannende kardiologische Studien vorgestellt: Zum einen der optimierte Betablocker-Einsatz nach Herzinfarkt, zum anderen die dreifache Antikoagulation bei perkutaner Koronarintervention. Die Ergebnisse finden Sie hier.

 

Seminar „Unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Pharmakovigilanz“ kurz vor Halbzeit: Am 23.05. startete das frisch zertifizierte Online-Seminar „Unerwünschte Wirkungen und Pharmakovigilanz„. In der ersten Woche beurteilten die Teilnehmenden anhand von zwei Fallbeispielen den fraglichen Zusammenhang zwischen Arzneimitteleinnahme und Symptomschilderung. Die vielfältigen Erfahrungen der KollegInnen aus dem Offizin- und Klinikbereich erweitern auch in diesem Seminar den Blick auf die Thematik auf konstruktive Weise. In der Woche zuvor schlossen rundum zufriedene TeilnehmerInnen die Seminare „Interaktionen“ und „Besondere Altersgruppen“ ab.

 

Moderierte Online-Seminare – ein Format für berufstätige Mütter: Zwei Kleinkinder, Teilzeitarbeit und dazu noch eine Fortbildung – kann das gehen? Wir haben es im Seminar „Laborparameter“ testen lassen. Fazit: „Das Besondere an diesem Format war für mich die freie Zeiteinteilung und zeitnahes, aktives Feedback einer Professorin, die man alles fragen konnte. Ein riesengroßer Vorteil ist, dass man sich die Zeit selber einteilen kann, keinen Babysitter braucht und keine Zeit mit Autofahren zu einem Veranstaltungsort verliert.“ Lesen Sie das ganze Interview hier.

 

Bereits im (herbstlichen) Juni an den (hoffentlich sommerlichen) September denken: Nach den Sommerferien und bevor die Erkältungssaison beginnt, könnte doch ein guter Zeitpunkt für Sie sein, eine Fortbildung von Zuhause auszuprobieren? Wir starten im September – nach der Seminar-Sommerpause – mit „Angewandter Pharmakokinetik„, ab Oktober „Interpretation von Laborparametern“ und, neu im Programm: „Arzneimitteltherapie bei Patienten mit Eliminationsstörungen“. Anmeldungsformular sowie weitere Termine und Informationen hier.

 

Mit besten Grüßen vom Elbstrom

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Fallbeispiel „Herzglykosid“: Lösung

Hier ist die Auflösung des Fallbeispiels „Herzglykosid“:

Zunächst mal fallen die möglichen Interaktionen ins Auge: Der Acetyldigoxin-Spiegel wird p-Glykoprotein-vermittelt durch Verapamil, seine Wirksamkeit/Toxizität über Furosemid (via Hypokaliämie) und Pantoprazol (via Hypomagnesiämie) gesteigert. Die Hypokaliämie kann durch die mineralcorticoide Wirkung von Prednisolon weiter verstärkt werden.

Außerdem gibt es gegensätzliche Effekte auf das Phenprocoumon: Verapamil erhöht den Plasmaspiegel (via Cyp 1A2 und 3A4), Prednisolon senkt ihn (via Cyp 3A4), erhöht die Gerinnungsfähigkeit des Blutes und setzt die Gefäßstabilität herab. Der Nettoeffekt auf das Blutungs- und Thromboserisiko ist kaum abzuschätzen und auch nicht allein aus dem INR-Wert ableitbar.

Verapamil steigert darüber hinaus den Prednisolonspiegel (via Cyp 3A4 und p-Glykoprotein), und sein eigener Plasmaspiegel wird durch Prednisolon gesenkt (via Cyp 3A4) und durch Digoxin erhöht (via p-Glykoprotein).

Abgesehen von Interaktionen ist die Herzglykosiddosierung (Novodigal enthält 0,2mg Acetyldigoxin, Normdosis ist 1-1,5 Tbl. pro Tag) angesichts einer mutmaßlichen Niereninsuffizienz (erkennbar am Furosemid) vermutlich zu hoch. Zur Verbesserung der Compliance könnte ein retardiertes Verapamilpräparat eingesetzt werden, das statt dreimal nur zweimal täglich genommen werden muss.

In diesem Fall könnte man davon ausgehen, dass…

  1. der Arzt im Entlassungsbrief sicherlich über eventuell noch vorzunehmende Untersuchungen und „Feinjustierungen“ unterrichtet wurde.
  2. das Ganze minderdramatisch ist, weil ja nur Überwachung / Anpassung als Kategorie angegeben ist.
  3. die im Krankenhaus sicher schon alles korrekt überwacht und eingestellt haben.

In Wirklichkeit verstärken sich hier ja Wechselwirkungen zu einem insgesamt doch vielleicht sehr deutlichen Effekt auf den Blutspiegel und die Wirkung der Herzglykoside. Und dann auch noch mit einem verzögerten Effekt von Verapamil auf das Acetyldigoxin, der sich innerhalb von 2 Wochen noch entwickeln kann.

Der Arzt war über einen telefonischen Hinweis sehr dankbar, offensichtlich war er von Krankenhaus bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht informiert worden.

Der Fall ist also komplizierter als er auf den ersten Blick aussieht.

von Carola Schmidt, Hannover – danke dafür!