Notfallkontrazeption und Körpergewicht

PharmakovigilanzEine veränderte Pharmakokinetik von Levonorgestrel und Ulipristalacetat bei Übergewicht und Adipositas verringert möglichweise deren Effektivität und erhöht das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft.

Eine Meta-Analyse [1] ergab, dass der Body-Mass-Index einen statistisch signifikanten Einfluss auf dieses Risiko hat. Das Alter und vorangegangene Schwangerschaften spielten dagegen keine Rolle.

Verglichen mit normal- und untergewichtigen Frauen (BMI  ≤ 25) hatten übergewichtige Fragen mit einem BMI ≥ 30 ein mehr als dreifach erhöhtes Schwangerschaftsrisiko. Das Risiko war bei Frauen mit einem BMI zwischen 25 und 30 um den Faktor 1,5 erhöht. Die beiden Wirkstoffe zur Notfallkontrazeption unterschieden sich allerdings leicht, insofern als Ulipristalacetat etwas sicherer war.

Ulipristalacetat vermutlich etwas sicherer

Bei übergewichtigen Frauen (BMI 25-30) war Ulipristalacetat genauso wirksam wie bei normalgewichtigen. Erst bei Adipositas (BMI ≥ 30) stieg das Schwangerschaftsrisiko um den Faktor 2,6, und der Anstieg erreichte keine statistische Signifikanz.

Levonorgestrel war bereits bei übergewichtigen Frauen weniger wirksam (verdoppeltes Risiko, nicht signifikant), bei adipösen Frauen stieg das Risiko signifikant um den Faktor 4,4 an. Ein entsprechender Hinweis findet sich in der Fachinformation.

Dieser Studie zufolge lag das Limit der angemessen zuverlässigen Wirkung von Levonorgestrel bei einem Körpergewicht von 70kg, für Ulipristalacetat bei einem Körpergewicht von 88kg.

Beratung

Auch wenn die ausgewerteten Studien keine gezielten Untersuchungen zum Einfluss des Körpergewichts auf die Wirksamkeit der Notfallkontrazeptiva waren, stimmen sie nachdenklich. Zwar hat die EMA im Juli 2014 nach einer europaweiten Datenerhebung von der Aufnahme entsprechender Hinweise in den Fachinformationen abgesehen [2], jedoch mit der Begründung, die verfügbaren Daten seien zu dünn, um mit Sicherheit sagen zu können, dass die empfängnisverhütende Wirkung bei Übergewicht reduziert ist. Es bleibt also abzuwarten, ob die Datenlage in der Zukunft robust genug wird, um mit Sicherheit sagen zu können, dass die Wirksamkeit bei diesen Anwenderinnen nicht eingeschränkt ist. Übergewichtigen Frauen sollte sicherheitshalber eher Ulipristalacetat als Levonorgestrel, adipösen Frauen am besten die Einlage eines Intrauterinsystems durch den Gynäkologen empfohlen werden.

Quelle:

[1] A Glasier et al.: Can we identify women at risk of pregnancy despite using emergency contraception? Data from randomized trials of ulipristal acetate and levonorgestrel. Contraception 84 (2011) 363–367

[2] EMA: Emergency Contraceptives. 24.7.2014

Newsletter Nr. 02/2014

Herz-Kreislauf System des Menschen
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Erst Vortrag, dann Online: Wer im Hamburger Raum wohnt oder einen Ausflug dorthin unternehmen möchte, ist herzlich eingeladen, am 11. Juni im Rahmen der Fortbildungsvorträge der Apothekerkammer Hamburg einen Einstieg in die Interpretation von Laborparametern zu bekommen (Referentin: D. Dartsch).

Wer sich dann im Umgang mit Laborparametern üben möchte, hat im Rahmen unseres moderierten Online-Seminars „Laborparameter interpretieren“ (04.09.-01.10.14) die Möglichkeit – und beste Voraussetzungen – dazu. Beide Veranstaltungen sind unabhängig voneinander besuchbar und nützlich, aber in der Kombination besonders wirkungsvoll.

 

Wir heißen Sie willkommen
im Fortbildungsfrühling,

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)