Vermeidbare Klinikeinweisungen in Europa

Analyse LupeIn regelmäßigen Abständen veröffentlicht die OECD Berichte über die Gesundheit in Europa. So auch gestern, am 23.11.2016 [1]. Meistens vergleicht man als Erstes die Stellung seines Landes bei den Ausgaben im Gesundheitswesen mit der Stellung bei der Lebenserwartung. Für Deutschland zeigt sich: da müsste eigentlich mehr gehen:

Nehmen wir doch mal ein Detail aus dem Bericht unter die Lupe: die vermeidbaren Klinikaufenthalte. Der Bericht hat untersucht, wie häufig Menschen wegen der Verschlechterung ihrer Herzinsuffizienz, ihres Asthmas oder ihrer COPD in die Klinik eingewiesen werden. Für alle drei Erkrankungen gibt es gute Therapieoptionen, die die Patienten -wenn adäquat umgesetzt-  im ambulanten Sektor halten und teure Klinikaufenthalte vermeiden sollten. Der OECD-Bericht bezeichnet diese Einweisungen daher als unnötig.

Sowohl bei der Herzinsuffizienz als auch bei den respiratorischen Erkrankungen liegt Deutschland mit hohen Einweisungszahlen hinter dem EU-Durchschnitt. Dabei liegt die Zahl der Ärzte relativ zur Einwohnerzahl in Deutschland über dem EU-Mittel, und der Zugang zum Gesundheitswesen in Deutschland gilt als vergleichsweise sehr gut. Eine mögliche Ursache der hohen Zahl an unnötigen Einweisungen könnte also sein, dass die Therapie in der Primärversorgung nicht optimal läuft, dass die Therapie der Herzinsuffizienz, von Asthma und COPD nicht wirksam genug ist.

Die Vermeidung von arzneimittelbezogenen Problemen wie Wechselwirkungen mit anderen Arznei- oder mit Nahrungsmitteln, die Beratung zur richtigen Einnahme von Arzneimitteln, die Förderung der Therapietreue durch die Beratung in der Apotheke und der Medikationsabgleich durch Apotheker können dazu beitragen, dass unnötige Einweisungen in Krankenhäuser vermieden werden [2,3].

Quellen

[1] Health at a Glance: Europe 2016. State of Health in the EU Cycle.
[3] T Westerlund & B Marklund: Assessment of the clinical and economic outcomes of pharmacy interventions in drug-related problems. J Clin Pharm Ther 2009; 34(3):319-27
Bild: © fotomek / Fotolia.com

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