Neurologische unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Gerade bei neurologischen UAW ist es schwierig, diese als UAW zu erkennen, weil die neurologischen Veränderungen so viele Gesichter haben können (s. Tabelle).

140506-neurologische-UAW

Wird die Störung nicht als UAW erkannt, sondern für eine neue Erkrankung gehalten, und folglich medikamentös behandelt, entstehen Verordnungskaskaden, die wiederum das Risiko für weitere UAW durch die neuen Wirkstoffe und ihre Interaktionen erhöhen. Am Ende stehen nicht selten komplexe Therapieschemata, die nicht mehr zu überblicken sind, die Lebensqualität der Patienten einschränken und hohe Kosten verursachen.

Typische Auslöser der o.g. Störungen sind:

Cerebrovaskuläre Erkrankungen:

  • Cerebellarsyndrom:  Phenytoin, Lithium, Carbamazepin, manchen Zytostatika, Aminoglykosidantibiotika
  • Schlaganfall infolge von Thromboembolie: Estrogene, Progestagene
  • (cerebro-)vaskuläre Effekte: atypische Antipsychotika

Kognitive Beeinträchtigungen: Anticholinergika und Wirkstoffe mit anticholinergen UAW (H1-Antihistaminika der 1. Generation, z.B. Diphenhydramin, Parkinsonmedikamente, Muskelrelaxanzien, trizyklische Antidepressiva), außerdem Neuroleptika, atypische Antipsychotika, Benzodiazepine

Malignes neuroleptisches Syndrom: Neuroleptika (z.B. Chlorpromazin, Haloperidol), Dopaminantagonisten (z.B. MCP), abruptes Absetzen von Dopaminagonisten

Bewegungsstörungen: dopaminantagonistische Antipsychotika (z.B. Risperidon), Dopaminantagonisten

Krampfanfälle: Alkohol-, Opioid-, Benzodiazepinentzug; Antiarrhythmika, Cephalosporine, Imipenem, alkylierende Zytostatika, Methotrexat, Chlorpromazin, Lithium, Fentanyl, Tramadol, in supratherapeutischer Dosis: trizyklische Antidepressiva, Theophyllin, Clozapin; arzneimittelinduzierte Störungen des Natrium- oder Glucosehaushalts

Serotoninsyndrom: selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer, Triptane, manche Opioide, Dextromethorphan

Schlafstörungen: Antidepressiva, Kortikoide, Betamimetika, Parkinsonmedikamente, Sedativa wie Diphenhydramin, Benzodiazepine

Quelle:

Demler TL: Drug-induced neurologic conditions, US Pharmacist 2014, 39(1):47-52

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