Newsletter Nr. 02/2020

Frau sitzt am Laptop

Antihypertensiva-Ranking: Ein vor Kurzem veröffentlichter systematischer Review zeigt, dass ACE-Hemmer, Dihydropyridin-Calciumkanalblocker, Thiaziddiuretika, Betablocker und Angiotensin-Rezeptorblocker in Studien mit Hypertonie-Patienten unterschiedlich gut wirksam waren. In welchen Endpunkten sich welche Wirksamkeit gezeigt hat und auf welche Patienten diese Ergebnisse übertragen werden können, lesen Sie in unserem Blog.

Medikationsmanagement ist kosteneffektiv: In regelmäßigen 5-8-Jahres-Abständen werden systematische Reviews zur Kosteneffektivität klinisch-pharmazeutischer Dienstleistungen im Bereich des Medikationsmanagements veröffentlicht. Der aktuelle Überblick über die Jahre 2011 bis 2017 ist gerade erschienen. Wir haben für Sie zusammengestellt, welche pharmakoökonomischen Effekte die Autoren für das Medikationsmanagement gefunden und besonders hervorgehoben haben.

Masken und Handschuhe: Ist doch völlig logisch, dass eine Mund-Nasen-Bedeckung und Handschuhe besser gegen eine Ansteckung mit COVID19 sind als nichts, sagen die einen. MNB und Handschuhe schützen nicht vor Ansteckung, sagen die anderen. Und beide haben recht. Wie das sein kann, erklären wir auf der Website. Und auch, wie erfolgreich MNB Viren beim Husten zurückhalten.

Lancet Voice: The Lancet („Die Lanzette“) informiert seit fast 200 Jahren über neue Entwicklungen in der Medizin. Mit „The Lancet Voice“ sind die Informationen nicht nur les-, sondern auch hörbar. In 14-tägigen Podcast diskutieren Redakteure mit Experten über verschiedene medizinische Themen. Eine Übersicht, welche für uns ApothekerInnen spannenden Themen dort zur Zeit abrufbar sind, finden Sie auf unserer Website.

Wege aus dem Analgetika-Kopfschmerz: Analgetika-Kopfschmerz entsteht durch regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln gegen Kopfschmerz oder Migräne und betrifft in Europa etwa 1–2% der Bevölkerung. In Deutschland sind das mehr als 1 Million Menschen. Die ‚European Academy of Neurology‘ hat im April eine Leitlinie herausgegeben, die darlegt, wie den Betroffenen geholfen werden sollte. Wir haben die Empfehlungen für Sie zusammengestellt.

Webinare ersetzen Präsenz: Fortbildung ist wichtig und sollte nicht ausfallen, auch nicht in ungewöhnlichen Zeiten. Wir freuen uns darum, dass wir unsere Online-Kompetenz und -Technik im Rahmen unserer Netzwerkpartnerschaft mit der Apothekerkammer Hamburg einsetzen können, um die Abendvorträge aufzufangen. Bis Präsenzfortbildungen wieder stattfinden dürfen, laden wir die Hamburger Apothekerinnen und Apotheker sowie PTA und die bereits eingeplanten Referentinnen und Referenten zu uns in den Webinarraum ein. Das Angebot erfreut sich großer – und noch steigender – Beliebtheit.

Das nächste moderierte Online-Seminar:Medizinische Literaturrecherche und Arzneimittelinformation“ läuft wieder vom 03. bis 30. September. Orts- und zeitflexibel, praxisorientiert und industrieunabhängig. Die Akkreditierung in der Weiterbildung ist beantragt. Melden Sie sich an.

Allen Kolleginnen und Kollegen wünschen wir eine unbeschwerte und erholsame Ferienzeit. Bleiben Sie gesund!

Jasmin Hamadeh ——Dr. Dorothee Dartsch
(Mediendidaktik)-__—-(Klinische Pharmazie)
mit dem Campus-Team

Hier können Sie unseren Newsletter herunterladen: PDF-Datei

Blutdruck: Kommt die Untergrenze?

Die aktuell veröffentlichte sekundäre Auswertung [1] zweier großer Studien zu Herzkreislauferkrankungen – ONTARGET [2] und TRANSCEND [3] – kommt zu dem Schluss, dass es für den Blutdruck ein Optimum gibt, oder anders ausgedrückt: dass es falsch wäre zu sagen, je niedriger der Blutdruck, desto besser.

Beide Studien untersuchten den Einsatz von ACE-Hemmern bzw. Angiotensin-Rezeptorblockern (oder die Kombination, von der aufgrund der darunter aufgetretenen  höheren Mortalität seither abgeraten wird) und umfassten zusammen knapp 31.000 Patienten.

Ergebnisse

Bei den 4.052 Patienten, bei denen die Therapie den systolischen Druck auf Werte unter 120 mmHg senkte, war das Risiko sowohl für das Eintreten des zusammengesetzten kardiovaskulären Endpunkt als auch für herzkreislaufbedingte Todesfälle als auch für jegliche Todesfälle erhöht: Im Vergleich zu den Patienten, deren Blutdruck auf 120-140 mmHg eingestellt wurde, um Faktoren zwischen 1,14 und 1,3 (ausgedrückt als ‚adjusted hazard ratio‘, alle Grenzen der Konfidenzintervalle lagen oberhalb von ‚1‘; die Unterschiede gelten somit als signifikant). Das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder herzinsuffizienz-bedingte Krankenhauseinweisung war durch den niedrigen systolischen Blutdruck unverändert.

Anders sah es für den diastolischen Blutdruck aus: Mittlere Werte unter 70 mm Hg hatten nicht ’nur‘ ein erhöhtes Risiko für das Eintreten des zusammengesetzten kardiovaskulären Endpunktes und jeglicher Todesursache, sondern auch für Herzinfarkt und herzinsuffizienzbedingte Krankenhauseinweisung zur Folge,  und zwar um Faktoren zwischen 1,2 und 1,6 (auch hier lagen alle Konfidenzintervall-Grenzen oberhalb der ‚1‘).

Fazit für die Praxis

Als Blutdruck-Optimum geht aus der Auswertung hervor: 130/75 mmHg. Wenn prospektive randomisierte klinische Studien dieses Ergebnis betätigen, werden sich diese Richtwerte sicher irgendwann in den Leitlinien wiederfinden.

Quellen

[1] M Böhm et al.: Achieved blood pressure and cardiovascular outcomes in high-risk patients: results from ONTARGET and TRANSCEND trials. Lancet. 2017 Apr 5. pii: S0140-6736(17)30754-7

[2] The ONTARGET Investigators: Telmisartan, Ramipril, or Both in Patients at High Risk for Vascular Events. N Engl J Med. 2008; 358(15):1547-59

[3] The TRANSCEND Investigators: Effects of the angiotensin-receptor blocker telmisartan on cardiovascular events in highrisk patients intolerant to angiotensin-converting enzyme inhibitors: a randomised controlled trial. Lancet. 2008; 372(9644):1174-83

Bildnachweis: © iktash2 / Fotolia.com

Medikationsanalyse: Fortsetzung der Detektivarbeit

Rena Clear, Apothekerin, und Distrib Volum, Pharmazeut im Praktikum, hatten den Auftrag bekommen, die Medikationsliste eines 75-jährigen Patienten zu analysieren. (Hier ist der Anfang.)

Diese Liste umfasste

  • Furosemid 80 mg 1-0-1
  • Hydrochlorothiazid 12,5 mg 1-0-0
  • Spironolacton 100 mg 1-0-0
  • Lisinopril 10 mg 1-0-0
  • Metoprolol 25 mg 1-0-1
  • Ibuprofen 400 mg 1-1-1-1 (bei Bedarf)
  • Ranitidin 150 mg 1-0-0
  • ASS 100 mg 1-0-0-0
  • Famotidin 20 mg 0-0-1
  • Capsaicin topisch zur Anw. am Knie nach Bedarf

Nachdem sich die Beiden Gedanken gemacht haben, treffen sie sich zum Austausch.

Volum: Weißt Du, was mir gleich zu Hause aufgefallen ist? RaniTIDIN und FamoTIDIN – die gleichen Endungen! Das sind doch beides H2-Blocker also eine Doppelverordnung. Ob das verschiedene Ärzte verordnen?

Clear: Ja, stimmt! Warum er wohl einen H2-Blocker nehmen soll und keinen PPI? Das ist doch heutzutage bloß noch zweite Wahl. Da müssen wir unbedingt mehr rausbekommen. Auch die Dosis, wenn man sich denn für einen Wirkstoff entscheidet, ist nicht üblich. Famotidin kann man ja einmal täglich nehmen, aber Ranitidin eigentlich zweimal täglich.

Was hast Du denn noch entdeckt?

Volum: Heute früh habe ich gleich alles in die Apo-Software eingegeben und einen Interaktionscheck durchgeführt. Eine rote Interaktion war dabei: Lisinopril und Spironolacton. Da stand „Gefahr einer schweren Hyperkaliämie“ und Symptome sind u.a. Muskelschwäche und Bradykardie und es kann sogar tödlich sein. Das klingt echt gefährlich, wir müssen ihn sofort anrufen!

Clear: Stopp! Das kann zwar wirklich schwerwiegende Folgen haben, und eigentlich soll Spironolacton nur bis 50mg pro Tag gegeben werden, wenn auch noch ein ACE-Hemmer an Bord ist; zumindest falls es sich um eine Herzinsuffizienz handelt [1]. Aber vielleicht ist es ein Patient mit Hyperaldosteronismus oder der Kaliumspiegel ist sehr niedrig. Dann wird das manchmal absichtlich gemacht. Wichtig dabei ist, dass der Kaliumspiegel gut überwacht wird und jemand das Ganze im Blick hat. Wir können uns ja gleich mal eine Monitoring-Spalte zu der Medikationsliste machen.

Volum: Okay, mache ich. Stimmt, die anderen beiden Diuretika führen ja zu verstärkter Kaliumausscheidung. Vielleicht ist alles so in der Balance.

Clear: Eigentlich müsste die ABDA-Datenbank dir noch ziemlich viele andere Interaktionen angezeigt haben. Die kannst du ja schon mal mitsamt deinen Interventionsvorschlägen in unsere Liste eintragen, die gucken wir uns später zusammen an. Jetzt bin ich im HV eingeteilt. Bis später!

-später-

Volum: Hier ist meine Liste:

 

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Wir sollten ihm auf jeden Fall vom Ibuprofen abraten, da gibt es zu viele Wechselwirkungen. Er kann ja erstmal Paracetamol nehmen.

Clear: Außerdem wissen wir zu wenig über seine Nierenfunktion. Die andere Medikation – vor allem Kombination der drei Diuretika – macht mich da vorsichtig. Das wird eigentlich nur bei ausgeprägter Niereninsuffizienz zur so genannten sequenziellen Nephronblockade eingesetzt. Plus ACE-Hemmer und nichtsteroidales Analgetikum – da kann die Niere ganz schnell in die Knie gehen. Wenn er einverstanden ist, rufen wir den Hausarzt an und schlagen Paracetamol, Novaminsulfon oder Tilidin vor. Möglicherweise sollten die Knieschmerzen auch vom Orthopäden abgeklärt werden.

Volum: Warum nicht Tramadol?

Clear: Erstens hat Tramadol laut Priscus-Liste bei Älteren mehr unerwünschte Wirkungen wie Verwirrtheit und Schwindel als Tilidin [2] und zweitens braucht es laut Fachinfo bei eingeschränkter Nierenfunktion, wovon wir hier mit ziemlicher Sicherheit ausgehen können, keine Dosisreduktion.

Volum: Und dann ist die Metoprololdosis recht niedrig. Woran das wohl liegt?

Clear: Er könnte eine KHK oder Herzinsuffizienz haben, ASS bekommt er ja auch, allerdings kein Statin. Ohne Diagnose können wir die Dosis erstmal nicht erklären. Bei einer Herzinsuffizienz z.B. sollte es Metoprololsuccinat sein, und nicht das Tartrat. Da ist die Wirksamkeit besser belegt. Und man könnte mit einer retardierten Form sicher auf eine Einnahme verzichten.

Jedenfalls scheint er stärkere Ödeme zu haben, deshalb HCT und Furosemid und Spironolacton. Er sollte sich häufig wiegen – eventuell sogar täglich, um die Ödembildung zu kontrollieren. Manchmal kann das HCT dann auch in dieser Kombination entfallen, aber das ist erstmal nachrangig.

Volum: Wenn du mit dem Hausarzt telefonierst, kannst du ja auch mal fragen, ob er den Kaliumspiegel kontrolliert. Ich habe mal alles in die Liste eingefügt:

MA-160701-Liste

Clear: Okay, dann haben wir also:

  • Ibuprofen absetzen (alternativ PCM, Novaminsulfon oder Tilidin)
  • Ranitidin und Famotidin (für eins entscheiden oder PPI; ggf. komplett absetzen falls Symptome durch Ibuprofen verursacht)
  • Monitoring: vorrangig Kaliumspiegel und Nierenfunktion
  • Dann könnte man noch überlegen, ob die abendliche Gabe von Furosemid zwingend erforderlich ist. Wir können den Patienten fragen, wie er denn schläft und ob er nachts häufig zur Toilette gehen muss. Eventuell kann man auf einmal täglich Torasemid wechseln.

Volum: Wo ist denn bloß die Doku vom Patientengespräch? Dann wüssten wir, was dem Patienten am wichtigsten ist und könnten uns gleich auf die wesentlichen Punkte konzentrieren. Dr. Kinet hat doch mit dem Patienten gesprochen und auch die Packungen gesehen? Wenn da schon was abgelaufen wäre, hätte sie uns das doch sicher gleich gesagt. Wenigsten das scheint also okay zu sein.

Clear: Gut. Dann besprechen wir das nachher mit Dr. Kinet. Falls nötig und uns noch Informationen fehlen, telefonierst du dann mit dem Patienten und ich rufe anschließend den Arzt an und kläre den Rest.

 

Quellen:

[1] ESC-Leitlinie Diagnose und Behandlung der akuten und chronischen Herzinsuffizienz 2016. European Heart Journal doi:10.1093/eurheartj/ehw128

[2] A Renom-Guiteras et al., The EU(7)-PIM list: a list of potentially inappropriate medications for older people consented by experts from seven European countries. Eur J Clin Pharmacol (2015) 71:861–875

 

Autorinnen: Dorothee Michel, Markt-Apotheke Eidelstedt, Dorothee Dartsch, Campus Pharmazie

Newsletter Nr. 01/2015

 

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Netzwerkpartnerschaften: Unsere Netzwerkpartnerschaften mit den Apothekerkammern Westfalen-Lippe und Hamburg, ADEXA und der Arbeitsgemeinschaft österreichischer Krankenhausapotheker sind verlängert. Als Mitglied eines Netzwerkpartners profitieren Sie z.B. von Rabatten auf unsere Fortbildungsangebote.

 

Interaktionsdatenbanken im Netz: Eine Kurzbeschreibung der Datenbank Epocrates, die in der Basisversion frei zugänglich ist, finden Sie auf unserer Webseite. Epocrates gibt sehr kurzgefasste Interaktionsmeldungen, die sich vor allem zum schnellen Screening eignen.

 

Arzneimitteltherapie bei Senioren: Die Einstufung von Beschwerden als unerwünschte Arzneimittelwirkungen fällt bei Polymedikation besonders schwer. Wertvolle Hilfe zur Optimierung der Therapie bei Senioren bieten Leitlinien, die speziell auf diese Patientengruppe zugeschnitten sind. Eine Sammlung solcher Leitlinienadressen finden Sie ebenfalls hier bei uns auf der Website.

 

Literaturrecherche: Für die Literaturrecherche braucht man zu allererst eine konkrete Fragestellung. Hilfestellung dabei kann die TRIP-Datenbank liefern..

 

Medikationsanalyse und -management: Zwei Veranstaltungen mit der Apothekerkammer Hamburg können Sie nutzen, um ins Medikationsmanagement einzusteigen.

 

Cotrim + ACE-Hemmer = Hyperkaliämie: Die antibiotische Behandlung von ACE-Hemmer-Patienten mit Cotrim kann zu einem pharmakodynamisch additiv erhöhten Serumkalium führen, das Risiko des plötzlichen Herztodes ist dadurch erhöht.

 

Notfallkontrazeption und Körpergewicht: Eine veränderte Pharmakokinetik von Levonorgestrel und Ulipristalacetat verringert möglichweise deren Effektivität und erhöht das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft.

 

Angewandte Pharmakokinetik“ und „Interpretation von Laborparametern: Diese beiden Seminare zu wichtigen Grundlagen der Therapieoptimierung laufen in Kürze wieder, und zwar vom 23.04. bis 20.05.15. Anmeldungen nehmen wir bis Mitte März über das Online-Anmeldeformular oder per E-Mail entgegen.

 

Gut vernetzt und
mit kollegialen Grüßen

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Muss: ACE-Hemmer bei hypertonen Diabetikern

Ein systematischer Review[ 1] von 63 Studien mit insgesamt 36.917 Teilnehmern ergab, dass unter 11 verschiedenen antihypertensiven Strategien (inkl. Placebo) bei Gabe von ACE-Hemmern (ACEI) eine Verdopplung des Serumkreatinins signifikant seltener war als unter Placebo oder Betablockern. Hinsichtlich AT-Rezeptorblockern (ARB) gab es keinen Unterschied.

Die Kombination aus ACEI und Diuretika war hinsichtlich der Verdopplung des Serumkreatinins die Strategie mit dem durchschnittlich schlechtesten Outcome.

Hinsichtlich der Verhütung von terminalem Nierenversagen gab es keine signifikanten Unterschiede, sondern nur die Tendenz, dass ACEI und ARB mit einem besseren und ACEI + Diuretika mit einem schlechteren durchschnittlichen Outcome verbunden waren als andere Optionen.

Da die Patienten in der ACEI + Diuretika-Gruppe allerdings vermutlich diejenigen mit bereits eingeschränkter Nierenfunktion waren, wäre es voreilig, die Diuretika für den Anstieg des Serumskreatinins oder die größere Häufigkeit des terminalen Nierenversagens verantwortlich zu machen.

Hinsichtlich der Mortalität hatten ACEI + Calciumkanal-Blocker das beste durchschnittliche Outcome, gefolgt von ACEI + Diuretika, ACEI mono, Calciumkanal-Blocker mono und ARB. Alle diese Strategien waren nicht signifikant unterschiedlich. Unter Diuretika und Betablockern jeweils mono war die Mortalität tendenziell erhöht, stärker noch bei Kombinationen von ARB mit Calciumkanal-Blockern, Diuretika oder ACEI.

Auch hier gilt: Die Studiengruppen könnten unterschiedlich gewesen sein. Betablocker beispielsweise werden wegen des Risikos maskierter Hypoglykämien und Beeinträchtigung der glykämischen Stoffwechselkontrolle bei Diabetikern verhalten eingesetzt. Die Patienten unter Betablockertherapie könnten also diejenigen mit schlechter kontrollierbarem Blutdruck und höherem Risiko gewesen sein.

Die Studie ist spannend, weil sie eine so große Zahl von Patienten umfasst und eine spezielle Methodik verwendet, die einen Vergleich von Strategien ermöglicht, die in Studien nicht direkt nebeneinander untersucht wurden.

Ihre Schwäche ist allerdings, dass die erzielte Blutdrucksenkung in den unterschiedlichen Gruppen nicht mit untersucht wurde, obwohl sie ein relevanter Faktor für Nephropathie und Mortalität ist. Ebenso wenig wurden andere Risikofaktoren berücksichtigt, wie Schwere der kardiologischen Erkrankung, Alter oder Bias der eingeschlossenen Studien. Angesichts der Komplexität wäre das kaum möglich gewesen. Jedoch lässt sich nun, wie oben erwähnt, nicht ausschließen, dass die Vergleichsgruppen unterschiedlich gewesen sein könnten, z.B. Patienten mit Niereninsuffizienz in den Diuretika- oder Patienten mit schlechter kontrollierbarem Blutdruck in der Betablockergruppe.

Als gesichert und durch diese Studie bestätigt kann wohl als gesichert gelten, dass hypertone Diabetiker vorzugsweise mit ACE-Hemmern behandelt werden sollten.

[1] Wu HY et al.: Comparative effectiveness of renin-angiotensin system blockers and other antihypertensive drugs in patients with diabetes: systematic review and bayesian network meta-analysis. BMJ 2013;347:f6008 doi: 10.1136/bmj.f6008 (veröffentlicht am 24. Oktober 2013)

Newsletter Nr. 09/2013

Allen Newsletterlesern wünschen wir einen goldenen Herbst.

Fortbildungskalender 2014: Der Herbst läutet bei uns nicht das Jahresende ein, sondern das neue Jahr: Der neue Campus-Fortbildungskalender ist da. Hier zum Download als PDF für Sie.

Profitieren Sie von 20% Frühbucherrabatt bei Anmeldungen bis zum 31.10.2013.

Die Termine im Überblick finden Sie am Ende des Newsletters.

 

Optimale kardiovaskuläre Therapie bei Patienten über 85: Können Therapieempfehlungen, die auf Studien mit jüngeren Erwachsenen beruhen, auf Patienten jenseits der 80 angewandt werden? Für die Empfehlung, nach einem Herzinfarkt eine Kombination aus ASS, ACE-Hemmer / AT1-Blocker, Betablocker und Lipidsenker einzusetzen, scheint das zu gelten. Mehr Informationen hier.

 

„Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen“: In diesem Seminar betrachten wir die besonderen pharmazeutischen Herausforderungen bei der Therapie der Patientengruppen Kinder, Senioren und Schwangere sowie Stillende. Neben der Frage der Übertragbarkeit von Studienergebnissen aus anderen Patientengruppen (s.o.) sind hier eine Reihe von pharmakokinetischen, ‑dynamischen und funktionalen Unterschieden zu beachten, um eine sichere Arzneimitteltherapie zu gewährleisten. Nächster Lauf: 07.11.–04.12.13. Mehr Informationen hier.

 

Copeptin: ein neuer Herzinfarktparameter Gerade in kritischen Situationen wie dem Verdacht auf einen Herzinfarkt wünscht man sich einen sensitiven und spezifischen Laborparameter, der sofort messbar reagiert. Copeptin, ein Glykoprotein, könnte sich als ein solcher Parameter erweisen. Erste Studien wurden jüngst beim Kongress der Europäischen Kardiologen vorgestellt. Ein Kurzbericht dazu hier.

 

„Interpretation von Laborparametern: Dieses Seminar startet am kommenden Donnerstag mit Teilnehmenden aus öffentlichen und Krankenhausapotheken. Campus-Seminar-Erfahrene sowie „Neuzugänge“, Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind bereits dabei, sich miteinander und mit dem Seminarmaterial vertraut zu machen. Wir freuen uns auf einen regen Austausch.

 

„Angewandte Pharmakokinetik“ erfolgreich abgeschlossen: Noch drei Tage bis zum inhaltlichen Abschluss des Seminars „Angewandte Pharmakokinetik„, aber schon jetzt ist klar, dass alle Teilnehmerinnen sich weit mehr als im Rahmen der Mindestanforderungen für das Zertifikat im Seminar engagiert haben. Noch eine letzte Systematisierung und Abrundung des wichtigen Grundlagenthemas, dann versenden wir mit Freuden eine neue Runde Zertifikate.

 

Neues Bulletin zur Arzneimittelsicherheit des BfArM erschienen: mit Informationen zu Methylphenidat, Masern- und HPV-Impfung und den ersten Erfahrungen zur Meldung von UAW-Verdachtsfällen durch Verbraucher.

 

Patienten mit Schlaganfallrisiko erkennen: Wenn Sie wissen möchten, an welchen Indikatorarzneimitteln Sie Patienten mit Vorhofflimmern erkennen und wie Sie deren Schlaganfallrisiko einschätzen können, finden Sie hier mehr Informationen dazu. Diese Informationen könnten Sie auch gleich im Online-Case Training (s.u.) anwenden.

 

Online-Case Training: Soll Frau R. mit Vorhofflimmern und KHK ein Statin einnehmen? Herr D. bekommt Furosemid, Quinapril und Metformin und fühlt sich akut unwohl – was ist da los? Kann Herr M., der unter Schlafstörungen, Depression und KHK leidet, mit einem Benzodiazepin behandelt werden?

 

Im Online-Case-Training eine Woche lang mit KollegInnen drei knifflige Fälle diskutieren und lösen: 14.-20.11.2013. Jetzt anmelden!

 

Mit herbstlichen, kollegialen Grüßen,

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Der Campus Pharmazie-Fortbildungskalender 2014

„Arzneimitteltherapie bei Patienten bei Eliminationsstörungen“

16.01. – 12.02.2014

„Arzneimittelinteraktionen“

13.03. – 09.04.2014

„Angewandte Pharmakokinetik“

01.05. – 28.05.2014

„Unerwünschte Arzneimittelwirkungen“

01.05. – 28.05.2014

„Interpretation von Laborparametern“

04.09. – 01.10.2014

„Medizinische Literaturrecherche und Arzneimittelinformation“

13.11. – 10.12.2014

„Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen“

13.11. – 10.12.2014

„Case Training“:  23. – 29.01.  |  03. – 09.04.  |  12. – 18.06.  |  18. – 24.09.2014

 

Newsletter Nr. 06/2013

Online-Seminare - im Sommer auf der Wiese...

Kardioprotektion bei Krebstherapie: Nicht nur Dexrazoxan, sondern auch ACE-Hemmer, Statine und Betablocker könnten der Beeinträchtigung der Herzfunktion durch kardiotoxische Krebsmedikamente vorbeugen, wenn sie vor der Chemotherapie verabreicht werden. Darauf deutet eine [EXPAND eine australische Meta-Analyse hin.]K Kalam, TH Marwick: Role of cardioprotective therapy for prevention of cardiotoxicity with chemotherapy: A systematic review and meta-analysis. Eur J Cancer. 2013, Online-Veröffentlichung 25.05.2013[/EXPAND]

 

10% Frühbucherrabatt auf unser Angebot für Sie im 2. Halbjahr 2013:

Moderierte Online-Seminare

12.09. – 09.10. Angewandte Pharmakokinetik
10.10. – 06.11. Interpretation von Laborparametern
10.10. – 06.11. Arzneimitteltherapie bei Patienten mit Eliminationsstörungen
07.11. – 04.12. Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen

Angewandte Pharmakokinetik ist die ideale Grundlage für die Seminare um Eliminationsstörungen und Altersgruppen, weil viele Aspekte der Arzneimitteltherapie für diese Patientengruppen auf einer veränderten Pharmakokinetik beruhen.

Online-Case-Trainings
19.09. – 25.09. Fälle 01, 02, 03
14.11. – 20.11. Fälle 04, 05, 06Von den themenübergreifenden Case-Trainings profitieren Sie sowohl als Einstieg in die Seminare als auch zur vertiefenden Anwendung, wenn Sie Seminare abgeschlossen haben. Werden beide Formate gebucht, reduzieren sich die Teilnahmegebühren um bis zu 125,- €.

Bei Anmeldung bis zum 31.07.2013 erhalten Sie für alle Seminare und Case-Trainings 10% Frühbucherrabatt. Nähere Informationen zu den Inhalten, Zielen, Kosten, Nutzen und Rabatten auf der Website.

 

Was ist E-Learning? In der aktuellen Ausgabe der DAZ (Nr. 26 v. 27.6.13) beschreiben wir, was E-Learning ist, aus welchen Bausteinen es sich zusammensetzen kann und welche Szenarien sich für welche Ziele eignen. Wir haben außerdem einen Überblick über die aktuellen deutschsprachigen E-Learning-Angebote zu Themen der Patientenberatung für Sie zusammengestellt.

 

Gliflozine[EXPAND Eine neue Übersichtsarbeit] – SR Taylor, KB Harris: The Clinical Efficacy and Safety of Sodium Glucose Cotransporter-2 Inhibitors in Adults with Type 2 Diabe-tes Mellitus. Pharmacotherapy 2013, Online-Veröffentlichung 06.06.2013 – [/EXPAND] fasst die Erkenntnisse der Zulassungsstudien zusammen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Wirksamkeit der Gliflozine der des Metformins entspricht. Anlass zur Sorge gibt jedoch das vielleicht erhöhte Krebsrisiko unter Dapagliflozin. Mehr Informationen hier.

 

Kongress für Patientensicherheit: Am 13. und 14.06 fand in Berlin der 4. Kongress zur Patientensicherheit unter medikamentöser Therapie statt. Die Tatsache, dass die Teilnehmerschaft zum Großteil aus Apothekern bestand, ist erfreulich, da die Patientensicherheit auch aus politischer Sicht ein beachtetes Thema ist. Sie darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass einige Krankenkassen gerade dabei sind, die pharmazeutische Kernkompetenz der Patientenberatung in die eigenen Hände zu nehmen. Ein Alarmsignal! Mehr Informationen hier.

 

Glückwunsch den Absolventen des Seminars Unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Pharmakovigilanz: Alle Teilnehmenden haben die Anforderungen glänzend erfüllt – und gehen der Abschlussbefragung nach sehr zufrieden aus dem Seminar: „Es ist eine hervorragende Möglichkeit, berufsbegleitend auf hohem Niveau Kenntnisse aufzufrischen und zu erweitern. Die Dauer von vier Wochen bewirkt eine Festigung der (neuen und alten) Kenntnisse, die in Tages- oder Wochenendseminaren so nicht zu erreichen ist“.

Die Zertifikate und Teilnahmebescheinigungen für die 26 Fortbildungspunkte der Kammer sind sehr verdient. Wir freuen uns über den Zuwachs im Alumni-Netzwerk.

 

Wir wünschen Ihnen
schöne Sommerwochen!

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

genannte Studien:
Kalam, TH Marwick: Role of cardioprotective therapy for prevention of cardiotoxicity with chemotherapy: A systematic review and meta-analysis. Eur J Cancer. 2013, Online-Veröffentlichung 25.05.2013

SR Taylor, KB Harris: The Clinical Efficacy and Safety of Sodium Glucose Cotransporter-2 Inhibitors in Adults with Type 2 Diabetes Mellitus. Pharmacotherapy 2013, Online-Veröffentlichung 06.06.2013