Newsletter Nr. 03/2016

campus-pharmazie-newsletter03-2016

Detektivische Medikationsanalyse aufgelöst: Ein kniffliger Medikationscheck für einen 75-Jährigen stand an. Wie gleiche Endungen Rena Clear und Distrib Volum auf den Lösungsweg gebracht haben, lesen Sie in unserem Blog.

 

Ein Online-Schritt zum Fachapotheker für Allgemeinpharmazie: Das nächste Online-Seminar „Arzneimitteltherapie für besondere Altersgruppen“ startet am 22.09.2016 und wird angerechnet als Seminar A.2 „Arzneimitteltherapie und pharmazeutische Beratung bei besonderen Patientengruppen“, siehe ABDA-Veranstaltungskalender. Teilnehmen dürfen wie immer alle Apotheker. Auch dieses Jahr konnten wir einen erfahrenen Mediziner gewinnen, Fragen zu beantworten und Impulse zu geben.

 

Online-Fortbildung nimmt Fahrt auf – auch und gerade in der Wissenschaft: Wir wurden eingeladen, unsere Erfahrungen aus der Entwickung und Durchführung moderierter Online-Seminare im Buch „Teaching Science online“ weiterzugeben. Mit seiner Sammlung von Best-Practice-Beispielen richtet es sich an Institutionen in Aus-, Fort- und Weiterbildung.

 

Sehen wir uns in Münster? Am 25.08.2016 sind wir erneut mit einem „Campus-Tag“ bei der Apothekerkammer Westfalen-Lippe zu Gast und stellen von 14 bis 18 Uhr Konzept und Ablauf unserer moderierten Online-Seminare am Fallbeispiel vor. Kommen Sie und probieren aus, und lassen Sie sich den Ablauf zeigen. Die Teilnahme ist kostenfrei und erbringt 5 Fortbildungspunkte, Anmeldung über die AKWL.

 

Neue Leitlinie zur Herzinsuffizienz: Das neue Wirkprinzip ARNI ist durchgestartet und hat es ein halbes Jahr nach Zulassung in die Leitlinie geschafft. Lesen Sie auf unserer Website, was es mit ARNI auf sich hat.

 

„Seit ich das nehme, hab‘ ich so ein Ziehen…“ Was tun, wenn Patienten Symptome als Nebenwirkung interpretieren? Kann es einen Zusammenhang geben? Muss ich das melden? Diesen und weiteren Fragen gehen wir im Seminar „Unerwünschte Wirkungen und Pharmakovigilanz“ nach. Der nächste Seminarstart ist am 01.09.16. Und als Gast werden wir diesmal einen Mediziner dabeihaben, der den Austausch mit Erfahrungen und Einschätzungen aus seiner Perspektive bereichert.

 

Medikationsanalyse: ARMIN und WestGem geben erste Eindrücke, wie wirksam sie sein kann. Wenn Sie auch einsteigen möchten: Im Herbst startet unsere Fortbildung mit der AK-HH erneut: Präsenzseminar mit Fokus auf Prozess und Kommunikation (08.10.16, 14-19:00 in HH), anschließend Case-Training mit drei Fallbeispielen (27.10.-02.11.16 oder 03.-09.11.16, online, moderiert).

 

Mit herzlichen Grüßen in den
blühenden Sommer

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Bildnachweis: © zphoto83/ Fotolia.com

ARNI neu in der Leitlinie zur Herzinsuffizienz

Gut - Besser - Am BestenLetztes Jahr im September zugelassen – heute schon in den neuen Herzinsuffizienz-Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie ESC bzw. amerikanischer Fachgesellschaften (ACC/AHA/HFSA)  der zu finden. Was der ARNI Valsartan/Sacubitril (Entresto®) geschafft hat, schaffen nicht alle Neuzulassungen so schnell.

ARNI – Neprilysin – was ist das?

ARNI steht für die Kombination aus einem AT1-Rezeptorblocker und einem Neprilysin-Inhibitor – und letzterer stellt ein neues pharmakologisches Target dar, das in der so genannten PARADIGM-HF-Studie so erfolgreich war, dass die Studie vorzeitig beendet wurde: Valsartan / Sacubitril senkte den primären Endpunkt der Studie (Tod oder Hospitalisierung wegen Verschlechterung der Herzinsuffizienz) von 26,5 Prozent in der Enalapril- auf 21,8 Prozent in der ARNI-Gruppe. Das entspricht einer absoluten Risikoreduktion von 4,7% bzw. einer Number Needed to Treat in den 2,25 Jahren Laufzeit von 21.

Neprilysin ist eine membranständige, zinkhaltige Metalloproteinase, die im Extrazellulärraum verschiedene Proteine abbaut, u.a. Bradykinin und Brain Natriuretic Peptide (BNP), aber auch Endothelin, Glucagon, Substanz P, Oxytocin und im ZNS Amyloid-Protein.

Die positive Wirkung auf die Herzinsuffizienz wird dem verminderten Abbau von Bradykinin und BNP zugeschrieben. Da auch ACE-Hemmer den Bradykininabbau hemmen, Bradykinin aber als histaminähnlicher Mediator nicht unproblematisch ist, darf Sacubitril nicht mit einem ACE-Hemmer zusammen und auch erst 36h nach der letzten Einnahme eines ACE-Hemmers gegeben werden. Die gleichzeitige Verordnung eines ACE-Hemmers mit Valsartan/Sacubitril wäre also in doppelter Hinsicht zu hinterfragen: ACE-Hemmer und AT1-Blocker gehören in aller Regel nicht in denselben Medikationsplan, ACE-Hemmer und Neprilysin-Inhibitoren nie.

Stellenwert in den Leitlinien

Valsartan/Sacubitril ist nur für die systolische Herzinsuffizienz zugelassen, also die Form, die mit einer reduzierten Ejektionsfraktion verbunden ist.

Die ESC-Leitlinie empfiehlt weiterhin zunächst den Einsatz von ACE-Hemmern (bzw. bei Unverträglichkeit AT1-Blockern) und Betablockern, bei weiterhin bestehenden Symptomen in Kombination mit einem Mineralcorticoid-Rezeptorantagonisten wie Spironolacton. Falls unter dieser Dreierkombination immer noch Symptome bestehen und die Auswurffraktion unter 35% liegt, kommt nun ARNI zum Zug, d.h. er sollte den anfänglichen ACE-Hemmer bzw. AT1-Blocker ersetzen.

Das Update der US-Leitlinie öffnet ARNI bereits früher die Tür, nämlich nachdem ein ACE-Hemmer oder AT1-Blocker vertragen wurde, aber allein nicht ausreicht, um die Symptome der Herzinsuffizienz zu beherrschen. Auch hier ist ggf. die Kombination mit einem Betablocker und einem Mineralcorticoid-Rezeptorantagonisten vorgesehen.

Anwendungsaspekte

Valsartan / Sacubitril wird zweimal täglich eingenommen, die Relation zum Essen ist ohne Bedeutung. Kontraindikationen sind schwere Leberinsuffizienz oder Cholestase, Schwangerschaft und ein zuvor erlebtes Angioödem. Eine eingeschränkte Nierenfunktion und Hyperkaliämie erfordern  eine strenge Indikationsstellung. Die unerwünschten Wirkungen sind vergleichbar mit denen der ACE-Hemmer und AT1-Blocker allein.

Langzeitwirkungen sind naturgemäß noch nicht abschließend bekannt, Entresto unterliegt der besonderen Überwachung, d.h. Symptome, die im zeitlich plausiblen Zusammenhang mit der Einnahme auftreten, sind als potenzielle unerwünschte Wirkungen zu melden.

Interaktionspotenzial besteht pharmakodynamisch mit anderen Blutdrucksenkern, Wirkstoffen, die den Kaliumspiegel erhöhen und solchen, die Angioödeme verursachen können. Pharmakokinetisch sind v.a. die Transporter OATP1B1 und 1B3 relevant, die durch Sacubitril gehemmt werden (cave: verminderte Clearance etlicher Statine) sowie MRP2, OAT1 und 3, die gemeinsam mitOATP 1B1 und 1B3 die aktiven Metaboliten von Valsartan und Sacubitril eliminieren. Sie werden durch Ritonavir, Cidofovir, Tenofovir, Rifampicin und Ciclosporin gehemmt.

Quellen:

Fachinformation Entresto®, Stand 02/2016

2016 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure,  doi:10.1093/eurheartj/ehw128

Bildnachweis: bluedesign / Fotolia.com