Apotheker in der Notaufnahme: Was bringt’s? [Studie 3]

Viele Patienten, die in die Notaufnahme kommen, haben zusätzlich zu ihrem akuten Problem bereits chronische Erkrankungen und eine Polymedikation, so dass insgesamt ein größeres Risiko für unerwünschte Wirkungen, erhöhte Morbidität und Mortalität besteht. Zugleich steht das medizinische Personal in überfüllten Notaufnahmen unter erheblichem Zeitdruck.

In dieser Situation kann die Beteiligung von Apothekern dazu beitragen, die Behandlungsergebnisse zu verbessern. Das wird u.a. in vier Studien belegt, die wir hier  in vier sequenziellen Beiträgen beispielhaft vorstellen.

Zur Studie 1 geht es hier, zur Studie 2 hier und zur Studie 4 hier.

Studie 3: Abfangen von Fehlern durch Apotheker in der Notaufnahme

In dieser Studie wurde untersucht, wie viele klinisch relevante Medikationsfehler durch Apotheker in der Notaufnahme entdeckt werden. Die klinische Relevanz war dadurch definiert, dass die pharmazeutische Intervention zu einer Änderung der Therapie führte.

Ergebnisse

In insgesamt 1000 dokumentierten Stunden pharmazeutischer Arbeit in der Notaufnahme wurden 364 Fehler durch Korrektur der Therapie vermieden – also ein Fehler alle 2,75 Stunden. Mehr als die Hälfte der Fehler wurde im Konsultationsgespräch mit medizinischem Personal der Notaufnahme entdeckt, etwas über ein Drittel bei der Medikationsanalyse anhand der Patientenakten und der Rest (14%) bei anderen pharmazeutischen Tätigkeiten. Mehr als 80% der Fehler entstanden bei der Verordnung, und zwar am häufigsten Fehler in der Dosierung (44%), gefolgt von Verordnung des falschen Arzneimittels (14%), Nicht-Verordnung eines indizierten Arzneimittels (12%) und falsche Applikation (10%). Der Schweregrad der meisten Fehler (65%) wurde als „signifikant“ eingestuft, 23% als „schwerwiegend“, 2,5% als lebensbedrohlich und der Rest (9%) als „geringfügig“.

Methodik

Prospektive, multizentrische Kohortenstudie in 4 geografisch verschiedenen Notaufnahmen von einem allgemeinen und drei Universitätskrankenhäusern mit Apotheke bzw. pharmazeutischer Versorgung in den USA. In jedem war mindestens ein Apotheker in Vollzeit in der Notaufnahme tätig. Dieser dokumentierte in 250 Stunden alle seine Interventionen, deren klinische Relevanz anschließend zu einer Therapieänderung führte. Er dokumentierte außerdem, aus welcher Art von Tätigkeit die Intervention hervorging – Medikationsanalyse anhand der Akten, Konsultationsgespräch mit medizinischem Personal der Notaufnahme oder Anderes (z.B. Arzneimittelanamnese, Beratung des Patienten zur Optimierung der Arzneimittelanwendung) – in welcher Phase des Medikationsprozesses der Fehler auftrat und um welche Art von Fehler es sich handelte. Zusätzlich beschrieb er die möglichen Konsequenzen des Fehlers für den Patienten, wäre der Fehler unentdeckt geblieben. Alle Unterlagen wurden anschließend zentral von einem Arzt und einem Apotheker begutachtet, um eine Verzerrung der Ergebnisse zu minimieren, die dadurch entstehen kann, dass die teilnehmenden Apotheker ihre eigene Arbeit dokumentieren. Berichtete Fehler, die nicht klar als solche zu belegen oder die nicht als klinisch relevant eingeschätzt wurden, wurden von der Auswertung ausgeschlossen.

Fazit der Autoren

Bei der Tätigkeit in der Notaufnahme veranlasste jeder Apotheker im Schnitt alle 2,75 Stunden eine Therapieänderung, um einen Medikationsfehler zu korrigieren. Die meisten Fehler wurden im direkten Gespräch mit medizinischem Personal entdeckt, nur etwa ein Drittel während der aktengestützten Medikationsanalyse. Ein effizienter Einsatz von Apothekern in der Notaufnahme bedeutet daher zumindest hinsichtlich der Fehlervermeidung, dass sie nicht nur Medikationsanalysen durchführen, sondern für das weitere Personal leicht erreichbar sein und in Therapieentscheidungen von Beginn an eingebunden werden sollten.

Quelle

AE Patanwala et al.: A Prospective, Multicenter Study of Pharmacist Activities Resulting in  Medication Error Interception in the Emergency Department. Ann Em Med 2012; 59(5): 369-373

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Apotheker in der Notaufnahme: Was bringt’s? [Studie 2]

Viele Patienten, die in die Notaufnahme kommen, haben zusätzlich zu ihrem akuten Problem bereits chronische Erkrankungen und eine Polymedikation, so dass insgesamt ein größeres Risiko für unerwünschte Wirkungen, erhöhte Morbidität und Mortalität besteht. Zugleich steht das medizinische Personal in überfüllten Notaufnahmen unter erheblichem Zeitdruck.

In dieser Situation kann die Beteiligung von Apothekern dazu beitragen, die Behandlungsergebnisse zu verbessern. Das wird u.a. in vier Studien belegt, die wir hier  in vier sequenziellen Beiträgen beispielhaft vorstellen.

Zur Studie 1 geht es hier, zur Studie 3 hier und zur Studie 4 hier.

Studie 2: Pharmazeutische Arzneimittel-Anamnese bei Aufnahme

Bei 270 Patienten, die in einem von drei Lehrkrankenhäusern in Bogotà, Kolumbien, in die Notaufnahme eingewiesen wurden, erfolgte die Arzneimittel-Anamnese entweder standardmäßig, d.h. durch medizinisches Personal (Kontrollgruppe), oder durch einen  Apotheker (Interventionsgruppe), der im Gespräch mit Patienten und Angehörigen (wenn nötig, telefonisch), aus aktuellen Verordnungen und anhand mitgebrachter Medikation eine umfassende Medikationsliste erstellte [1]. Nachdem die Ärzte der Notaufnahme die initiale Klinikmedikation verordnet hatten, prüften zwei Gutachter diese Medikation auf Diskrepanzen mit der vorbestehenden Medikation des Patienten. Danach wurden unbeabsichtigte Diskrepanzen natürlich ausgeräumt.

Idealerweise sollte die Vormedikation in der Klinikmedikation enthalten und alle Abweichungen durch die akute Situation begründbar sein. Die Gutachter prüften dies, sowie die Wahrscheinlichkeit, dass etwaige nicht zu begründende Diskrepanzen den Patienten gefährden.

Ergebnisse

Im Schnitt traten je Patient mehr als drei nicht zu begründende und daher vermutlich nicht beabsichtigte Diskrepanzen auf. Ein Drittel davon wurde als nicht relevant eingestuft, 43% hätten bei Fortbestand der initialen Klinikmedikation milde und 24% schwere unerwünschte Folgen haben können.

Zwei Drittel der Abweichungen fanden sich bei den Patienten der Kontroll- und ein Drittel bei den Patienten der Interventionsgruppe. Die folgende Abbildung zeigt die Diskrepanzen aufgeschlüsselt nach Schweregrad der potenziellen Folgen und Gruppe:

 

Methodik

Die Parallelgruppen-Studie war multizentrisch, doppel-blind, randomisiert und kontrolliert. Beide Studiengruppen waren hinsichtlich aller Patientencharakteristika vergleichbar.

Fazit

An der Schnittstelle zur Notaufnahme wird die Vormedikation häufig nicht zu 100% erfasst. Apotheker, die in der Notaufnahme die Arzneimittelanamnese durchführen, reduzieren die Häufigkeit unbeabsichtigter Diskrepanzen zwischen vorbestehender Haus- und Klinikmedikation etwa um ein Drittel.

Quelle

[1] J Becerra-Camargo et al.: The effect on potential adverse drug events of a pharmacist-acquired medication history in an emergency department: a multicentre, double-blind,  randomised, controlled, parallel-group study. BMC Health Services Research 2015; 15:337

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Auftaktseminare mit großem Erfolg abgeschlossen

„Bitte machen Sie genau so weiter!“

So lautet eine der vielen begeisterten Teilnehmer-Rückmeldungen aus unseren beiden Auftakt-Seminaren „Arzneimittelinteraktionen“ und „Interpretation von Laborparametern.

Vom 16.08. bis 12.09.12 nahmen insgesamt 23 Apotheker/innen an unseren Seminaren teil. Alle 23 haben die Mindestanforderungen (meist mehr als) erfüllt und damit die Seminare erfolgreich abgeschlossen. Wir freuen uns mit ihnen, dass wir allen ein Zertifikat sowie eine Teilnahmebescheinigung ausstellen konnten, mit der 25 bzw. 26 Fortbildungspunkten auf das persönliche Fortbildungszertifikat der Apothekerkammern angerechnet werden.

Die Evaluationsergebnisse liegen nun vor:

Teilnehmerstruktur

Die Teilnehmerschaft bestand zu ca. zwei Dritteln aus Apotheker/innen aus öffentlichen und zu einem Drittel aus Krankenhausapotheker/innen, davon 70% aus Deutschland und 30% aus der Schweiz, Österreich und Luxemburg.

 

Ca. 80% der Teilnehmer (18 von 23) nahmen an der Abschlussbefragung teil.

 

Die Hälfte der Befragten brachte mehr als 10 Jahre Berufserfahrung ein, die weiteren 50% trugen mit ein bis zehn Jahren Apothekenpraxis zu einer anregenden Mischung aus Nähe zum Studium und Berufserfahrung bei.

Mit dieser Verteilung war gleichzeitig für genau die Hälfte der Teilnehmer das Fach Klinische Pharmazie bereits Bestandteil des Studiums.

 

Seminarverlauf

Abschlussquote 100%: Wir freuen uns außerordentlich, dass alle Teilnehmer/innen das Seminar erfolgreich absolviert haben.

Und das, obwohl die Teilnehmer sich während der Seminarlaufzeit zusätzlichen zeitlichen Herausforderungen wie Urlaubszeiten oder Erkrankung von Kollegen, Geschäftsreisen oder besonderen familiären Aufgaben gestellt haben.


Etwa die Hälfte der Befragten setzte 9 – 12 Stunden pro Woche für das Seminar ein, etwa ein Drittel kam mit 8 Stunden oder weniger aus.

Die übrigen Befragten setzten sich bis zu 16 Stunden pro Woche mit den Seminarthemen auseinander.

Lernorte / Lernzeiten: Relevante Lernorte waren in Reihenfolge ihrer Bedeutung: Zuhause, am Arbeitsplatz und auf Geschäftsreisen.

Die Teilnehmer beschreiben, dass sie unterschiedliche Zeiten für verschiedene Aktivitäten nutzen konnten: So verwendeten sie ruhige Morgen- oder Abendstunden zuhause sowie längere Bahnreisen eher für konzentriertes Bearbeiten des Studienmaterials oder der Fallbeispiele, während sich für ein Verfolgen der Forendiskussionen z. B. auch kürzere „Leerlaufzeiten“ am Arbeitsplatz anboten. Hier mehr zum Thema „Lernzeiten unserer Teilnehmer“

Lernplattform: Alle Befragten konnten sich – u. a. mit Hilfe der angebotenen Einführung – schnell im Seminar orientieren. Anregungen zu Details einiger Funktionen der Lernplattform haben wir gern bereits während der Laufzeit umgesetzt.

Seminarbewertung

Als Gesamtnote vergaben die Teilnehmer ein„Sehr gut“ (1,38).

Interessant ist, dass es zwischen Teilnehmern aus öffentlichen und Krankenhausapotheken oder Neueinsteigern und Kennern der Klinischen Pharmazie keine signifikanten Unterschiede in den Evaluationsergebnissen gab.

Didaktisches Konzept / Ziele / Inhalte: 95 – 100 % der Befragten waren der Meinung, folgende Aussagen treffen voll oder überwiegend zu:

  • Die Materialien, Aufgaben und Fragestellungen waren insgesamt angemessen praxisorientiert.
  • Der Austausch in den Plenarforen hat die Auseinandersetzung mit den dort diskutierten Themen vertieft.
  • Meine eigenen Ziele für dies Seminar habe ich erreicht.
  • Alle Themen, die mir zum Seminarthema wichtig waren, wurden behandelt.

Auf die Frage, ob die selbst gesteckten Lernziele erreicht wurden, antworteten fast alle Teilnehmer mit ‚vollständig‘ oder ‚überwiegend‘. Auch diese Einschätzung war unabhängig davon, ob Teilnehmer Klinische Pharmazie bereits als Fach im Studium hatten und ob sie in einer öffentlichen oder Krankenhausapotheke arbeiten.

 

Teamarbeit: Das Lösen eines komplexen Fallbeispiels im Team von drei bis fünf Kolleginnen/en wurde in den offenen Antworten mehrfach als besonders bereichernd und motivierend für eine intensive praxisnahe Auseinandersetzung benannt. 95 % der Befragten bewerteten die Aufgabenstellungen für Teams und die Diskussionen in den Teams als hilfreich für die Erarbeitung der Inhalte.

 

Moderation / Betreuung: Die fachliche sowie die lernorganisatorische Moderation und Betreuung wurde von 95 % der Befragten mit „sehr gut“, von 5% mit „gut“ bewertet.

 

Zwei Drittel der Befragten würden die Moderation nicht zugunsten niedrigerer Kursgebühren reduzieren wollen – kein Teilnehmer war der Meinung, die Moderation könne zugunsten geringerer Gebühren deutlich reduziert werden:

 

aus Moderatorensicht

Wir haben zwei sehr engagierte Teilnehmergruppen erlebt, die sich über die gesamte Seminarlaufzeit hinweg (vier Wochen Kern-Seminarzeit plus Einführungs- und Nachbereitungswoche) außerordentlich freundlich, wissbegierig und verbindlich fachlich ausgetauscht haben.

Durch die Lernplattform oder sonstige technischen Anforderungen ergaben sich keine lernhemmenden Hürden. Wo es Schwierigkeiten gab oder Einstellungen sich als unkomfortabel erwiesen, konnten wir Dank der Anregungen und Rückmeldungen der Teilnehmer in den meisten Fällen noch im Seminarverlauf optimieren.

Das grundlegende Konzept hat sich (erneut) deutlich bewährt: In Hinblick auf die engmaschige Moderation, die zeitliche Flexibilität sowie hinsichtlich der Verzahnung von Einzel-, Team- und Gesamtgruppen-Arbeit.

Natürlich gab es auch Wünsche und Anregungen, z.B. zu inhaltlichen Schwerpunktsetzungen und der Bearbeitungstiefe einerseits, und dem Bedürfnis nach wiederholter Einübung andererseits. Wir prüfen alle Anregungen – und wo Entscheidungen Kompromisse bleiben müssen, ermutigen wir die Teilnehmer durch Beiträge und Nachfragen im Seminar ihre eigenen Schwerpunkte verstärkt einzubringen.

Insgesamt zeigt die Evaluation, dass das Ziel der CaP Campus Pharmazie GmbH, ein Fortbildungsformat zu schaffen, das gut mit zeitlichen und sonstigen Belastungen zu vereinbaren ist (s. „Leitidee: Vereinbarkeit„), offensichtlich erreicht wird.

Teilnehmerstimmen

  • Ich finde das didaktische Konzept sehr effektiv. Die Kombination aus Selbststudium, Diskussion und der Möglichkeit Fragen zu stellen ist sehr lernfreundlich.
  • Ein durchweg gelungenes Konzept mit überaus kompetenten und sympathischen Moderatoren.
  • Sehr gutes Skript, interessante und lernreiche Fallbeispiele, super Betreuung.
  • Bitte machen Sie genau so weiter!!
  • Einen ganz besonderen Stellenwert bekommt das Seminar durch die sehr persönliche Betreuung, die gekennzeichnet ist durch eine stets freundliche Ansprache mit Witz und Herz.
  • Es hat wirklich viel Spaß gemacht, mit Ihnen Moderatorinnen und dem Team pharmazeutisch zu arbeiten.

 

Wir bedanken uns herzlich bei allen Seminarteilnehmern und freuen uns, dass viele schon jetzt entschieden haben, weiterhin miteinander und mit uns z.B. in unserem Alumni-Netzwerk der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbunden zu bleiben.