Sonder-Newsletter Nr. 04/2017

apotheker.unverzichtbar.kompetent
Umfrageergebnisse 10/2017

 

„Hervorragende Reaktionszeiten, verlässliche Informationen, viel Engagement“[1] In die vorliegende Auswertung gingen 22 Hauptfragebögen, 17 Dokumentationen arzneimittelbezogener Probleme, 96 Bögen zur Apothekerzufriedenheit, 23 Bögen zur Patientenzufriedenheit und 10 Bögen zur Arztzufriedenheit ein. Die Umfrage fand im September 2017 statt. Teilnehmen konnten alle öffentlichen Apotheken in Deutschland. Ausgewählte Ergebnisse sind zur Information der Öffentlichkeit auf der Seite apotheker-unverzichtbar.kompetent.de dargestellt.
[1]Zitat aus den Fragebögen zur Zufriedenheit der Ärzte

 

Qualifizierung: Die 22 Apotheken, aus denen Antworten vorliegen, verfügen zusammen über 2109 Jahre Berufserfahrung, das sind knapp 100 Jahre pro Apotheke. In jeder dieser Apotheken sind im Schnitt 1,5 Fachapotheker und ein Apotheker mit Bereichsweiterbildung vorhanden. Knapp 2,5 Apotheker in jeder Apotheke haben ein freiwilliges Fortbildungszertifikat. Hinzu kommen 4,6 Campus Pharmazie-Seminare und 1,4 AMTS-Manager je Apotheke (Abb. 1). In jeder dritten Apotheke findet sich ein ATHINA-Absolvent. Apotheken mit Medikationsmanager-Fortbildungen beteiligten sich nicht.

 

Kompetenz im Einsatz Die Dokumentation der arzneimittelbezogenen Probleme (ABP) deckt insgesamt 101 Tage ab (sechs je Apotheke). In dieser Zeit wurden 582 ABP dokumentiert, am häufigsten Wechselwirkungen, gefolgt von unbekannten Dosierungen, suboptimaler Arzneimittelauswahl und Anwendungsproblemen (Abb. 2).

Mehr als drei Viertel (78%) der Probleme konnten vollständig, 16% teilweise gelöst werden. Von den vollständigen Lösungen wurde gut ein Drittel (35%) allein von der Apotheke erreicht, 40% gemeinsam mit dem Patienten und ein Viertel (25%) gemeinsam mit dem Arzt (Abb. 3).

In dieser Zeit wurden 64 bundeseinheitliche Medikationspläne vorgelegt und 20 dem Patienten erläutert. Von den befragten Apotheken haben 71% im ersten Halbjahr 2017 Medikationsanalysen (nach Definition der BAK) angeboten. In den teilnehmenden Apotheken (darunter Heim- und Klinikversorger) wurden im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 24.431 Medikationsanalysen erstellt. Gut die Hälfte (55%) waren Medikationsanalysen der Stufe 1, 27% der Stufe 2 und 18% der Stufe 3 (Abb. 4). Die mediane Zahl an Medikationsanalysen aller drei Stufen lag unter den Apotheken, die überhaupt Medikationsanalysen durchführen, im ersten Halbjahr 2017 bei 12 pro Apotheke.

 

Zufriedenheit: Die Zustimmung von Apothekern, Patienten und Ärzten zu verschiedenen Aussagen zur Zufriedenheit mit der Beratung durch den Apotheker wurden auf einer 5-Punkt-Likert-Skala abgefragt. Uneingeschränkte Zustimmung erhielt 100, eingeschränkte Zustimmung 75, eine neutrale Antwort 50, eingeschränkte Ablehnung 25 und uneingeschränkte Ablehnung 0 Punkte. In den Abbildungen sind hieraus die Mittelwerte gezeigt.
Die teilnehmenden Apotheker äußerten große Zustimmung zu ausgewählten Fragen nach ihrer Arbeitszufriedenheit. Dabei zeigten sich nur geringe Unterschiede zwischen denen, die ihre Aussagen auf die allgemeine Beratung und denen, die sie auf die Medikationsanalyse bezogen. Fast einhellig war die uneingeschränkte Zustimmung zu den Aussagen „Meine Beratung erhöht die Patientensicherheit“ und „Meine Arbeitszufriedenheit steigt durch Beratungstätigkeit“. Den Aussagen „Der Wert meiner Beratungstätigkeit wird geschätzt“, „Ich habe genug Zeit, um die Beratung auszuführen“ sowie „Ich fühle mich ausreichend kompetent, um die Beratung auszuführen“ stimmten die Befragen mehrheitlich nicht „voll und ganz“, sondern nur „eher“ zu (Abb. 5).Aus den Befragungen der Patienten geht hervor, dass die Apotheker es durch die Beratung u.a. erreichen, dass die Patienten sich sicherer im Umgang mit den Medikamenten fühlen, dass sie besser verstehen, was ihre Medikamente bewirken und dass sie besser informiert sind, wie sie ihre Arzneimittel einnehmen müssen. Große Zustimmung gab es auch zu der Aussage, dass der Apotheker verstanden habe, was dem Patienten wichtig ist. Dass die Beratungsgespräche in vertraulicher Umgebung stattfinden und dafür ausreichend Zeit vorhanden ist, scheint in Einzelfällen noch nicht optimal erfüllt (Abb. 6). Nach dem Beratungsgespräch bezeichneten sich die Patienten überwiegend erleichtert, gestärkt und entspannt (Abb. 7).

Die Ärzte zeigten sich sehr zufrieden mit der Form der von den Apotheken zur Verfügung gestellten Informationen (Zufriedenheitsindex 95 von 100). Von 10 Ärzten bestätigten neun, dass der Umfang der erhaltenen Information angemessen ist. Die Bewertung der Aktualität, Nützlichkeit und Vollständigkeit war sehr gut, die Bewertung der Relevanz der Informationen eine Spur weniger positiv (Abb. 8).

In einzelnen Kommentaren schätzten die Ärzte die direkte zeitnahe Kommunikation per Telefon oder Fax sowie bei Rückfragen die guten bzw. hervorragenden Reaktionszeiten, die verlässlichen Informationen, das große Engagement und die unmittelbare Rückmeldung. Ein Kommentar lautete: „Ich freue mich, wenn Sie bei Unklarheiten den direkten Kontakt suchen, und nicht den Patienten verunsichern.“

 

Apothekenbetrieb der Umfrageteilnehmer Die Abbildungen 9-11 zeigen die Strukturdaten der an der Umfrage teilnehmenden Apotheken.

Unter den teilnehmenden Apotheken bildeten solche mit mehr als 200 Kunden / Patienten am Tag den Schwerpunkt. Nach der Zahl der täglich belieferten Rezepte waren die Teilnehmer breit gestreut. Unter den Geschäftslagen waren Apotheken in Ärztehäusern, Hauptverkehrslagen und in kleineren Orten am stärksten vertreten.

 

Hier finden Sie unseren Newsletter auch zum Herunterladen:

Mit herzlichen Grüßen in den Herbst

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik)

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Apotheker sind sicher und gut verträglich

istock_000068027525_large-apo-thumb-up-25Das hat in jüngster Zeit eine systematische Auswertung entsprechender Studien durch Dr. Karen Lütsch ergeben, die am 17.11.16 in unserem Webinar zum Thema Kommunikation mit dem Arzt sprechen wird.

Aus Verdruss über die bei einer Konferenz geäußerte Behauptung, Apotheker seien an neuen Rollen nicht wirklich interessiert und hätten nicht die passende Persönlichkeit dafür, hat sie die einschlägige Literatur zu dem Thema ausgewertet und kommt zu folgenden Ergebnissen:

Die subjektiven Einstellungen von Apothekern zu patientenorientierten kognitiven Dienstleistungen wie dem Medikationsmanagement sind wissenschaftlich belegt positiv: Sie sehen die Notwendigkeit und sind willens, ihre Rolle zu erweitern. Davon erwarten sie für den Patienten erhöhten Nutzen, z.B. durch die Förderung der Adhärenz. Auch für sich selbst und den Berufsstand besteht die Erwartung, dass patientenorientierte Dienstleistungen ihnen nützen, ihre Position stärken und ihre Berufszufriedenheit steigern werden.

Natürlich sind sich Apotheker auch der Hindernisse bewusst, die die Einführung solcher Dienstleistungen wie dem Medikationsmanagement erschweren: Hier werden vor allem die Notwendigkeit für erweitertes Wissen und erweiterte Kompetenzen, der fehlende offizielle Auftrag seitens der Gesellschaft und anderer Heilberufler, Zeitmangel und sub-optimale Arbeitsumgebungen und -abläufe genannt.

Gemessen mit den etablierten Instrumenten zu Charakterisierung von Persönlichkeitsmerkmalen, zeigt sich „der Apotheker“ im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt gewissenhafter, emotional gefestiger und weniger experimentierfreudig. Die Freundlichkeit liegt im gesellschaftlichen Durchschnitt, in manchen Studien auch darüber. Die anderen Heilberufler zeigen exakt das gleiche Persönlichkeitsprofil.

In die Sprache der Arzneimittel übersetzt: die Tätigkeit der Apotheker für die Gesellschaft ist sicher und gut verträglich.

Karen Lütsch interpretiert die Ergebnisse so:

An der positiven Einstellung fehlt es nicht, sondern es sind subjektive Normen und äußere Umstände, die uns Apotheker am Fassen einer klaren Absicht zur Einführung patientenorientierter Dienstleistungen und an ihrer Umsetzung hindern. Der Übergang von der Einstellung zur Umsetzung würde erleichtert werden durch:

  • Bereitstellung der nötigen Hilfsmittel
  • Vermittlung von Befähigungen, Können und Kompetenzen, um Verantwortung für den Patienten zu übernehmen
  • organisatorische und/oder regulatorische Erlaubnis bzw. offizieller Auftrag, neue Tätigkeiten zu etablieren
  • Akzeptanz durch die Ärzteschaft

Die Etablierung neuer Dienstleistungen und die äußeren Rahmenbedingungen entwickeln sich Zug um Zug: Schritte der Apothekerschaft hin zu neuen Dienstleistungen werden von außen wahrgenommen und bewertet und führen je nach Qualität und Nutzen zu veränderten Rahmenbedingungen wie Akzeptanz und Auftrag, die wiederum die weiterreichende Etablierung ermöglichen.

Als „Einzelkämpfer“ lässt sich nur am eigenen Wissen und der eigenen Kompetenz sowie begrenzt an der Optimierung der Arbeitsabläufe im eigenen Betrieb etwas ändern. Ein offizieller Auftrag, die Akzeptanz durch andere Heilberufler, die Kompensation des Zeitmangels durch Honorierung können nur durch den ganzen Berufsstand gemeinschaftlich erreicht werden.

Halten wir also zusammen!

Mit kollegialem Gruß,

Dorothee Dartsch

Quellen:

K Lütsch: Attitudes and attributes of pharmacists in relation to practice change – A scoping review and discussion. Research in Social and Administrative Pharmacy 2016 (online 29.06.2016).

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