Welches Vitamin D bei chronischer Niereninsuffizienz

Welches Vitamin D bei chronischer Niereninsuffizienz?

In Deutschland sind als Vitamin D-Präparate Ergocalciferol, Colecalciferol und Calcitriol erhältlich. Sie finden Anwendung bei Vitamin D-Mangel und Knochenerkrankungen verschiedener Ursachen. Ihre Indikationsgebiete unterscheiden sich – sie sind also offenbar nicht gleichwertig. Für Knochenerkrankungen, die durch eine chronische Niereninsuffizienz verursacht werden, ist nur das Calcitriol zugelassen. Warum?

Vitamin D wird unter dem Einfluss von UV-Licht in der Haut gebildet und in Leber und Niere schließlich in die aktive Form, das Calcitriol, umgewandelt (s. Abbildung).

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz ist die Niere nicht in der Lage, den letzten Schritt in der Kette, die Umwandlung von 25-OH-Vitamin D3 zu Calcitriol zu vollziehen.

Der Funktionsverlust ist graduell: Je schlechter die Nierenfunktion, desto weniger Calcitriol wird gebildet.

Vorstufen wie Colecalciferol oder das um eine Doppelbindung in der Seitenkette reichere Ergocalciferol zu geben, wird folglich immer weniger effektiv. Ab einer moderaten Niereninsuffizienz (GFR unter 60 ml/min) über die schwere bis zur terminalen Insuffizienz (GFR unter 30 ml/min bzw. unter 15 ml/min) wird es daher zunehmend wichtig, direkt die aktive Form, das Calcitriol, zu geben.

Bei milder Niereninsuffizienz (GFR > 60 ml/min) können Cole- und Ergocalciferol eingesetzt werden, wobei Studien darauf hindeuten, dass Colecalciferol wirksamer ist und den Vitamin D-Mangel schneller beseitigt.

Diagnose– und Wirksamkeits-Parameter sind 25-OH Vitamin D3, Calcium, Phosphat und Parathormon. Sie sollten vorab, Calcium und Phosphat auch während der Therapie alle 3 Monate bestimmt werden, um ggf. eine Dosisanpassung vornehmen zu können. Patienten in der Apotheke sollten nach diesen Kontrollen gefragt werden, wenn sie ein Vitamin D-Präparat erhalten.

von Dorothee Dartsch, CaP Campus Pharmazie GmbH, Hamburg

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Chronische Niereninsuffizienz: Identifizieren dieser Patienten in der Offizin

Woran erkennt man eigentlich eine chronische Niereninsuffizienz?

Die chronische (sich langsam entwickelnde, nicht umkehrbare) Niereninsuffizienz fällt oft zunächst durch einen Befund von Protein im Urin auf. In Laboruntersuchungen sind dann typischerweise Kreatinin, Harnstoff und Kalium erhöht. Weitere Elektrolyte wie Natrium, Calcium, Magnesium sowie der pH-Wert des Blutes können außerhalb des Normbereichs liegen.

Anhand des Serumkreatinins, (manchmal des Harnstoffs,) des Alters, Geschlechts, Gewichts und der Hautfarbe lässt sich sehr einfach die glomeruläre Filtrationsrate als Kennzahl der Nierenfunktion abschätzen, die eine wichtige Größe für die Dosisanpassung nierenpflichtiger Arzneimittel ist.

Was aber, wenn uns die Laborwerte gar nicht bekannt sind? Aus bestimmten Indikatoren lässt sich mit gewisser Wahrscheinlichkeit auf das Vorliegen einer chronischen Niereninsuffizienz schließen:

Zunächst sind zwei andere Erkrankungen die häufigsten Auslöser einer chronischen Niereninsuffizienz: Hypertonie und Diabetes mellitus. Dann ist im Verlauf der Niereninsuffizienz schon relativ früh die renale Produktion von Erythropoietin und Calcitriol eingeschränkt. Die Folge sind Anämie bzw. eine Störung des Knochenstoffwechsels (renale Osteodystrophie). Die eingeschränkte glomeruläre Filtration führt außerdem zur Ausbildung von Ödemen.

Das Vorliegen dieser Erkrankungen wiederum lässt sich an der Medikation des Patienten erkennen:

  • Antihypertensiva
  • Antidiabetika
  • Erythropoietin oder Eisen/Folsäure/Vit B12-Präparate
  • Calcium/Vitamin D-Präparate
  • Diuretika
  • Kalium bindende Harze (z.B. Elutit®, Resonium®, Sorbisterit®)

Bei Patienten, die diese Arzneimittel verordnet bekommen, lohnt daher immer die Frage, ob der Arzt schon einmal die Nierenfunktion des Patienten bestimmt und dazu etwas gesagt habe. Bejaht der Patient, so ist er evtl. in der Lage und bereit, die o.g. Laborwerte mitzuteilen, die wir für die Dosisanpassung an die Nierenfunktion brauchen. Verneint er, so sollte der Patient seinen Arzt darauf ansprechen, dass eine Untersuchung seiner Nierenfunktion sinnvoll wäre.

von Dorothee Dartsch, CaP Campus Pharmazie GmbH, Hamburg