Risikofaktoren für QTc-Zeit-Verlängerung und Torsaden

Wer sich mit Arzneimittelinteraktionen und speziell mit Interaktionen beschäftigt, die die QTc-Zeit verlängern, weiß, wie schwierig es ist, die klinische Relevanz einzuschätzen. In den Interaktionsdatenbanken der Apotheken taucht die Warnung vor einer QTc-Verlängerung mit großer Regelmäßigkeit auf und stellt die Apothekerin bzw. den Apotheker vor die Frage, wie darauf zu reagieren ist.

Für die klinische Relevanz, also die Wahrscheinlichkeit, dass die Interaktion sich tatsächlich bemerkbar macht, spielt die An- oder Abwesenheit von Risikofaktoren eine wichtige Rolle.

Diese Risikofaktoren finden sich nun in einer Liste auf der frei zugänglichen Website www.QTFactors.org, einem Zweig der Seite www.crediblemeds.org, auf der QTc-verlängernde Wirkstoffe ihrem Risiko nach eingestuft werden. Beide Seiten unterscheiden zwischen einer „nur“ QTc-verlängernden und einer nachweislich Torsaden-auslösenden Wirkung. Da beide nur schlecht korreliert sind, ist auch die Unterscheidung eine wichtige Hilfe bei der Beurteilung der Relevanz.

Mehr zum Thema QTc-Verlängerung: https://www.campus-pharmazie.de/qt-interaktion-relevant/

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5-FU und HIV-Therapeutika: QT-Risiko neu eingestuft

An dieser Stelle haben wir schon des öfteren über QT-verlängernde Arzneimittel berichtet (s.u.). Eine hilfreiche Internetseite zu diesem Thema bietet Credible Meds, ursprünglich eine universitäre Ausgründung in den USA.

Sie teilt QT-verlängernde Wirkstoffe in verschiedene Risikokategorien ein, je nachdem, ob sie auch ein erhöhtes Risiko für Torsade de Pointes-Arrhythmien (TdP) mit sich bringen:

  1. Wirkstoffe mit bekanntem Risiko für TdP (d.h. Wirkstoffe, die nicht nur das QT-Intervall verlängern, sondern auch klar belegt bereits bei bestimmungsgemäßem Gebrauch zu TdP führen)
  2. Wirkstoffe mit möglichem Risiko für TdP (d.h. Wirkstoff, die das QT-Intervall verlängern, für die aber bei bestimmungsgemäßem Gebruach bislang keine TdP berichtet wurden)
  3. Wirkstoffe mit bedingtem Risiko für TdP (also Wirkstoffe, die unter bestimmten Bedingungen zu TdP führen, z.B. bei Hypokaliämie oder bei Vorliegen von Interaktionen)

Und sie enthält eine Liste der Wirkstoffe, die bei Patienten mit angeborenem Long QT-Syndrom zu vermeiden sind. Das sind alle Wirkstoffe der drei o.g. Kategorien sowie einige, die das QT-Intervall nicht verlängern, aber aus anderen Gründen bei diesen Patienten vermieden werden sollen.

Aktuelle Neueinstellungen betreffen:

  • Primaquin (Therapie der Malaria)
  • Fluorouracil (Krebstherapie)
  • Lopinavir/Ritonavir in Kombination (Antivirale Therapie)

Da diese Wirkstoffe bei eimpfohlener Dosierung das QT-Intervall verlängern, wurden sie in die Kategorie 2 (mögliches Risiko) eingestuft. Dagegen wurde

  • Ritonavir als Monotherapie

aus der Kategorie 3 (bedingtes Risiko) herausgenommen, weil es allein offenbar keine TdP auslöst.

Frühere Berichte zur QT-Verlängerung in unserem Blog:

Das Risiko allein aufgrund der in der Apotheke vorliegenden Medikationsdaten sicher zu beurteilen, ist fast nicht möglich, auch wenn die kompetente Einschätzung der Relevanz der Interaktion* und die o.g. Einstufungen unterscheiden helfen, ob ein Wirkstoff „nur“ die QT-Zeit verlängert oder auch nachweislich zu TdP führen kann. Idealerweise arbeiten Arzt und Apotheker hier im direkten Kontakt zusammen, damit weder der Patient noch dessen Vertrauensverhältnis zu beiden Heilberuflern beeinträchtigt wird.

* Hierbei unterstützt Sie unser Seminar „Arzneimittelinteraktionen„.

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QT-Verlängerung

Protonenpumpenhemmer, Efavirenz und QT-Verlängerung

PPI können zu Elektrolytverschiebungen (Hyponatriämie, -magnesiämie, -calcämie, -kaliämie) führen, Häufigkeit lt. Fachinfo unbekannt. Damit kann ihre Einnahme zur Erhöhung des Risikos für QT-Verlängerung und Torsaden (TdP) beitragen.

Aus diesem Grund hat Credible Meds die Meldungen zu QT-Verlängerung und TdP unter PPI verfolgt und die Wirkstoffgruppe kürzlich auf die Liste „Risiko unter bestimmten Bedingungen“ (Conditional Risk) gesetzt.

Außerdem wurde Efavirenz auf die Liste der Wirkstoffe mit möglichem TdP-Risiko (possible risk of TdP) gesetzt, weil es klare Hinweise auf eine QT-verlängernde Wirkung, aber bislang noch keine Fälle von TdP unter Efavirenz bekannt geworden sind. Wirkstoffe  unter denen es zu TdP kam, werden auf der Liste „Known Risk of TdP“ geführt.

Auf unseren Seiten finden Sie hier weitere Berichte zur QT-Zeit-Verlängerung als unerwünschte Arzneimittelwirkung:

Interaktion mit QT-Zeit-Verlängerung: relevant?

Information zu QT-Zeit-verlängernden Wirkstoffen

 

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