Unerkannte medizinische Probleme im Alter häufig

Der zweite Teil der Berliner Altersstudie wartet mit interessanten ersten Kernergebnissen auf:

Unerkannte gesundheitliche Probleme und Krankheiten sind im Alter häufig:

  • > 50% der Probanden (v.a. Frauen) zeigten Vitamin D-Mangel und haben daher in erhöhtes Osteoporose-Risiko – trotz der weiten Verbreitung von Vitamin- und Mineralpräparaten in der Selbstmedikation

  • 20% der Probanden zeigten Zink-Mangel, der mit depressiven Verstimmungen korreliert war
  • 36% der Probanden wiesen ein metabolisches Syndrom auf
  • 30% der Diabetiker wurden erst innerhalb der Studie erkannt

Für uns Apotheker bedeutet das:

  • solchen verbreiteten unerkannten medizinischen Problemen gegenüber besonders aufmerksam sein
  • orientierende Blutuntersuchungen der Lipide und Glucose anbieten
  • im Sinne einer niederschwellig erreichbaren Lotsenfunktion betreffenden Patienten zum Arztbesuch raten
  • bei Vitamin- und Mineralpräparaten auf adäquate Dosierung achten

Quelle

BASE II-Konsortium: 25.08.2015 | Ausgewählte zentrale Befunde. [Zugriff 02.09.2015]

Bildnachweis: ABDA-Medienservice

Medication Management / Medication Review (USA)

Medication Management / Medication Review in den USA

Den „Guidelines for the Practice of Comprehensive Medication Management” zufolge, wird im ersten Schritt die komplette Medikation des Patienten (Verordnungen, Selbstmedikation, Phytopharmaka, Nahrungsergänzungsmittel) einschließlich der Dosierungen erfasst, ebenso wie seine Arzneimittel-bezogenen Erfahrungen (bisherige Therapieversuche, Allergien, Unverträglichkeiten, Einstellung), sein Gesundheitszustand mit aktuellen klinischen Daten und die vom Patienten bzw. Arzt angestrebten Therapieziele.

Im zweiten Schritt werden die arzneimittelbezogenen Probleme identifiziert:

  • Versorgungssituation (bestehende Indikation für alle verordneten Arzneimittel, Verordnungen für alle bestehenden Indikationen?)
  • Wirksamkeit (wirksamstes Arzneimittel ausgewählt, Dosis den Therapiezielen und dem Zustand des Patienten angemessen?)
  • Sicherheit (gibt es Anzeichen für unerwünschte Wirkungen, Überdosierung?)
  • Adhärenz (Patient fähig und willens, seine Medikation korrekt anzuwenden?)

Der dritte Schritt ist die Erstellung eines Arzneimittel-Versorgungsplans, der die für notwendig befundenen Interventionen, die individuellen Therapieziele, patientenseitigen Informationsbedarf, zu überwachende Parameter für therapeutische und unerwünschte Wirkungen und Folgetermine zur weiteren Therapiebegleitung enthält.

Im vierten Schritt finden wiederholte Treffen in individuell angemessenen Intervallen statt, bei denen neu aufgetretene arzneimittelbezogene Probleme identifiziert und gelöst sowie die festgelegten Parameter und das Erreichen der Therapieziele überprüft werden.

Detaillierte Informationen dazu: http://www.pcpcc.net/files/medmanagement.pdf (letzter prüfender Zugriff: 17.12.12)

von Dorothee Dartsch, CaP Campus Pharmazie GmbH, Hamburg

Medication Management / Medication Revies (UK)

Medication Management / Medication Review – was ist das eigentlich?

Im anglo-amerikanischen Raum – unserem Vorreiter auf dem Gebiet der patientenorientierten pharmazeutischen Praxis- versteht man unter diesen Begriffen eine ,strukturierte kritische Analyse der Medikation eines individuellen Patienten mit dem Ziel, mit diesem Patienten einen Konsens über seine Behandlung zu erreichen, die Wirksamkeit der Arzneimitteltherapie zu optimieren, arzneimittelbezogene Probleme zu minimieren und Arzneimittelmüll zu vermeiden.

Das britische Gesundheitswesen sieht drei verschiedene Arten des Medication Review vor, die sich in ihrer Zielsetzung unterscheiden:

  • die Verordnungs-Analyse (fokussiert auf die Sicherheit und Kosteneffektivität verordneter Arzneimittel),
  • die Adhärenz-Analyse und die
  • klinische Medikationsanalyse.

Die Verordnungs-Analyse kommt unserem Begriff des Medikationsmanagements am nächsten. Ihre Elemente sind:

  • Prüfung auf Überversorgung (besteht aktuell eine Indikation für die Verordnung?)
  • Prüfung auf Unterversorgung (besteht eine unbehandelte Indikation?)
  • Überprüfung der Dosierung (ist die Dosierung individuell angemessen?)
  • Prüfung auf Monitoring Parameter (wird das unter der verordneten Therapie vorgesehen Monitoring, z.B. von Laborparametern, durchgeführt, und werden die Ergebnisse adäquat berücksichtigt?)
  • Prüfung auf Berücksichtigung der Sicherheitshinweise (werden Gegenanzeigen und Anwendungsbeschränkungen berücksichtigt?)
  • Prüfung auf Kosten-Effektivität (ist die gewählte Therapie diejenige mit der besten Kosteneffektivität?)
  • Prüfung auf Schnittstellen-Probleme (welche Änderungen sind im Zuge eines Krankenhausaufenthaltes nötig?)
  • Synchronisierung der Arzneimittelversorgung (können die Verordnungen so strukturiert werden, dass sich der Patient seltener darum bemühen muss?)

Weitere Informationen: http://www.npc.nhs.uk/review_medicines/intro/resources/agtmr_web1.pdf (letzter prüfender Zugriff am 17.12.12)

Morgen folgt hinter der Tür Nr. 19 ein Blick auf die US-amerikanische Sicht des Medikationsmanagements.

von Dorothee Dartsch, CaP Campus Pharmazie GmbH, Hamburg