Antihypertensive Therapie: Kombinierter Start möglich

Neue Empfehlungen zur Behandlung der Hypertonie

Die Europäischen Gesellschaften für Kardiologie bzw. Hypertonie (ESC und ESH) hat die Leitlinie zur Behandlung der Hypertonie (Link s.u.) aktualisiert und wird die neuen Empfehlungen im September beim Kongress der ESC vorstellen.

Neue oder geänderte Empfehlungen sind u.a. folgende:

Diagnostik: Es wird zunehmend mehr Wert auf häusliche Blutdruckmessungen gelegt, um eine „Weißkittel-Hypertonie“ zu objektivieren. So wird die Grenze zur Hypertonie für Messungen in der Praxis bei 140mmHg systolisch und/oder >90mmHg diastolisch festgelegt, für häusliche Messungen bei >135mmHg systolisch und/oder >85 diastolisch. Für den nächtlichen Blutdruck gelten 120 und/oder 70 als Grenze. Für die Beratung auch in der Apotheke sind die Hinweise zur Durchführung lesenswert.

Die Therapiestrategie sollte durch das kardiovaskuläre Risiko insgesamt bestimmt werden, also neben den Blutdruckwerten auch weitere Risikofaktoren berücksichtigen, wie z.B. das Vorhandensein symptomatischer und asymptomatischer Endorganschäden. Daraus folgt, dass der Therapieentscheidung eine umfassende Untersuchung (der Gefäße, der Nieren etc.) vorausgehen soll.

Anders als die Vorgängerversion wird eine medikamentöse Therapie bereits bei hochnormalem Blutdruck (130-139mmHg systolisch) nicht mehr empfohlen, weil der Nutzen nicht ausreichend evident ist. Dies gilt v.a. auch für ältere Patienten, bei denen sorgfältig auf die Verträglichkeit zu achten ist. Lebensstiländerungen werden unverändert empfohlen.

Der Zielblutdruck liegt in der Regel bei <140mmHg systolisch. Höhere Werte sind zu akzeptieren bei älteren Patienten (140-150mmHg) je nach Verträglichkeit. Der diastolische Druck sollte unter 90mmHg, bei Diabetikern unter 85mmHg liegen.

Neu ist das Abweichen von der unbedingten Empfehlung, die medikamentöse Therapie als Monotherapie zu beginnen. Zwar lässt sich so besser feststellen, welche Wirkung jeder einzelne Wirkstoff erzielt und welche Dosierung angebracht ist, aber die Erfahrung zeigt deutlich, dass eine Monotherapie in den seltensten Fällen wirksam genug ist. Die Zeit, die vergeht, bis aus Monosubstanzen eine ausreichend wirksame Kombitherapie zusammengestellt ist, wirkt sich deutlich negativ auf die Compliance der Patienten aus. Daher eröffnet die Leitlinie die Möglichkeit, direkt mit Zweierkombinationen (vorzugsweise aus ACE-Hemmern, Thiaziden und Calciumkanalblockern) zu starten. Erneut spricht sich die Leitlinie zugunsten der Adhärenz für Kombinationspräparate aus – sogar die ‚Polypill‘ mit mehreren Antihypertensiva, Statin und ASS wird erwähnt, wenngleich nicht unmittelbar empfohlen. Hierfür fehlt zurzeit noch die Evidenz, welchen Einfluss diese Intervention auf harte Endpunkte hat.

The Task Force for the management of arterial hypertension of the European Society of Hypertension (ESH) and of the European Society of Cardiology (ESC): 2013 ESH/ESC Guidelines for the management of arterial hypertension. European Heart Journal 2013, doi:10.1093/eurheartj/eht151

Dorothee Dartsch

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