Einfach unverzichtbar

Letztes Jahr haben wir eine Umfrage in öffentlichen Apotheken zu ihren Kompetenzen aus Fort- und Weiterbildung und ihren klinisch-pharmazeutischen Leistungen durchgeführt. Über diese Initiative haben wir Tagebuch geführt. Und kamen aufgrund der bemerkenswerten Ergebnisse zu dem Schluss, dass Apothekerinnen und Apotheker unverzichtbar kompetent sind.

Darum haben wir eine eigene Internetseite „apotheker-unverzichtbar-kompetent“ für die Öffentlichkeit angelegt, auf der diese Ergebnisse dargestellt sind.

Wir freuen uns sehr, dass wir damit die aktuelle ABDA-Kampagne „Einfach unverzichtbar“ inspirieren konnten! Liebe ABDA, viel Erfolg damit – zugunsten aller Apothekerinnen und Apotheker!

Bild: © wavebreakmedia / istock

Medikationsanalyse als Basis des Medikationsmanagements

Bereits zum zweiten Mal fand diese Veranstaltung im Rahmen der Netzwerkpartnerschaft zwischen Campus Pharmazie und der Apothekerkammer Hamburg statt.

Ablauf

Bei dieser „Blended-Learning“-Fortbildung profitierten die 30 teilnehmenden Apothekerinnen und Apotheker vom jeweils Besten aus Präsenz- und Online-Seminaren: Nach einem einführenden Seminartag mit einem Blick auf die Grundlagen von Medikationsanalye und Medikationsmanagement und dem Schwerpunkt „Patientenkommunikation“ führten die teilnehmenden Apotheker online (und daher ohne feste Termine oder Fahrten zu Veranstaltungsorten innerhalb der einwöchigen Laufzeit) drei Medikationsanalysen an realen Fällen durch. Angeleitet wurden sie in zwei Gruppen mit jeweils 15 Teilnehmenden auf dem Weg zur Lösung von Dr. Dorothee Dartsch.

So ging es zum Beispiel um eine geriatrische Patientin mit Herz-Kreislauf- und Parkinsonerkrankung, deren Medikation Schritt für Schritt entlang der im ABDA-Grundsatzpapier vorgegebenen Liste von arzneimittelbezogenen Problemen analysiert wurde. Angefangen mit den Problemen, die in einer einfachen Medikationsanalyse identifiziert werden können, z.B. Interaktionen und Doppelverordnungen, ging es über die erweiterte Medikationsanalyse mit ihren Fragen nach Adhärenz und unerwünschten Wirkungen bis hin zur umfassenden Analyse mit der Beurteilung von Laborparametern, Anpassung der Dosierung an Eliminationsstörungen und Vergleich der vorliegenden Pharmakotherapie mit den Therapieleitlinien.

 Bewertung

 

EVA-Grafik3EVA-Grafik1

EVA-Grafik2

EVA-Grafik4

 

 

 

 

 

 

EVA-Grafik5EVA-Grafik6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tenor der anonymen Evaluation war: Es war eine intensive und sehr lohnende Woche, die anstrengend war, gleichzeitig aber Spaß machte:

„Gefallen hat mir das Lernen durch Beiträge anderer Teilnehmer und die Moderation, das gemeinsame Ideen sammeln, die sich aufbauenden Fragestellungen.“

So soll es sein, und es freut uns sehr, wenn es dann auch so ist.

Newsletter Nr. 08/2013

Medikation unter der Lupe

Pertuzumab: Warum in fixer Dosis? Die meisten Krebstherapeutika werden individuell dosiert – entweder nach Körpergewicht oder nach Körperoberfläche. Nicht so Pertuzumab (Perjeta®). Hier ist die Dosis auf initial 840mg und anschließend 420mg festgelegt. Grund dafür ist die Tatsache, dass weder das Gewicht noch die Oberfläche die Korrelation zwischen Dosis und Pertuzumab-Plasmakonzentration beeinflussen. Mehr Informationen hier.

 

„Angewandte Pharmakokinetik“ ab Donnerstag erstmals am Start: Das neue Seminar „Angewandte Pharmakokinetik“ startet am kommenden Donnerstag. Es enthält wichtige Grundlagen zum Verständnis der Therapieoptimierung z.B. bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder Übergewicht oder bei geriatrischen Patienten. Nähere Informationen zu den Zielen und Inhalten hier hier.

 

HDL als prognostischer Marker: High-density-Lipoprotein (HDL) gilt als „gutes“ Lipoprotein, weil es am Rücktransport von Cholesterol aus der Peripherie zur Leber beteiligt ist. Jedoch Vorsicht: evtl. ist ein hoher Spiegel nicht immer gleichbedeutend mit einer guten Prognose. Eine aktuelle [EXPAND Studie] [1] Dormann H et al., Adverse Drug Events in Older Patients Admitted as an Emergency. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 213–9 [/EXPAND] hat gezeigt, dass Niacin zwar die HDL-Konzentration steigen ließ, aber die HDL-Funktion, gemessen an seiner Aufnahmefähigkeit für Cholesterol und seiner antioxidativen Kapazität, war nicht erhöht. Mehr Informationen hier.

 

Seminar „Interpretation von Laborparametern“: Laborparameter sind ein wichtiges Mittel, um die richtige Dosierung für einen Patienten festzulegen, die Wirksamkeit festzustellen oder das Auftreten unerwünschter Wirkungen zu verfolgen. Auch wenn Laborparameter nicht zur Verfügung stehen, ist es hilfreich zu wissen, nach welchen Werten Patienten gezielt gefragt werden sollten. Das Seminar läuft vom 10.10. bis 06.11.13. Mehr Informationen hier.

 

ABDA-Erfahrungsaustausch Medikationsmanagement: Ende August trafen sich Vertreter aller Landesapothekerkammern und -verbände in Berlin, um über Projekte zur Entwicklung des Medikationsmanagements in Deutschland zu beraten. Für Hamburg war Prof. Dr. D. Dartsch eingeladen, die Angebote des Campus Pharmazie vorzustellen und ihre Erfahrung in der berufsbegleitenden Fortbildung einzubringen. Ein wichtiges Fazit des Treffens war: Flächen-deckende, kompetenzorientierte Fortbildungen zum Medikationsmanagement werden sehr dringend gebraucht. Campus Pharmazie leistet mit seinen akkreditierten, evaluierten und industrieunabhängigen E-Learning-Angeboten hier bereits jetzt einen wichtigen Beitrag.

 

Eliminationsstörungen“ und „Altersgruppen„: Diese beiden Seminare greifen besondere Patientengruppen heraus, die Gemeinsamkeiten hinsichtlich typischer Arzneimittel-bezogener Probleme aufweisen. In den Veranstaltungen werden diese Aspekte vorgestellt, diskutiert und die Lösung der Probleme an Fallbeispielen trainiert. „Eliminationsstörungen“ (darunter fallen Nieren- und Leberinsuffizienz und genetische Polymorphismen): 10.10. bis 06.11.13., „Altersgruppen“ (Kinder, Schwangere, Senioren): 07.11. bis 04.12.13.

 

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) und Medikationsfehler (ME) bei Senioren: Eine [EXPAND Studie der Uni Erlangen-Nürnberg] [2] Khera AV et al., The Addition of Niacin to Statin Therapy Improves High-density Lipoprotein Cholesterol Levels but not Metrics of Functionality. J Am Coll Cardiol. 2013, Online-Veröffentlichung am 25.07.13 [/EXPAND] mit 752 Patienten in der Notaufnahme hat gezeigt, dass Senioren über 65 häufiger von UAW und den Folgen von ME betroffen sind als jüngere Patienten: von den Patienten mit mindestens einer UAW waren mehr als zwei Drittel älter als 65. Als ME galten fehlende Indikation, absolute Kontraindikation, falsche Dosierung, falsche Einnahme und Doppelverordnungen. Diese führten bei Senioren dreimal häufiger zu manifesten Beschwerden als bei Jüngeren. Andere Studien haben gezeigt, dass nicht nur ME, sondern auch bis zu 50% der UAW vermeidbar sind.

 

Nicht vergessen: Das nächste Online-Case-Training (eine Woche – drei Fälle): 14.-20.11.2013. Jetzt anmelden!

 

Mit spätsommerlichen, kollegialen Grüßen,

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

genannte Studien:

[1] Dormann H et al., Adverse Drug Events in Older Patients Admitted as an Emergency. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 213–9

[2] Khera AV et al., The Addition of Niacin to Statin Therapy Improves High-density Lipoprotein Cholesterol Levels but not Metrics of Functionality. J Am Coll Cardiol. 2013, Online-Veröffentlichung am 25.07.13