Diabetes doch keine Einbahnstraße?

„Einmal Diabetes, immer Diabetes“ gilt möglicherweise doch nicht – jedenfalls nicht für den Typ 2-Diabetes in Verbindung mit Adipositas.

Eine prospektive Kohortenstudie in England hat den Einfluss einer intensiven Gewichtsreduktion auf die Remission der HbA1c-Werte untersucht [1]. Die Intervention bestand in der Verumgruppe aus einer dreimonatigen strikten Diät (825–853 kcal/d; 59% Kohlenhydrate, 13% Fett, 26%
Protein, 2% Ballaststoffe), gefolgt von einer Umstellung auf eine Kost mit 50% Kohlenhydraten, 35% Fett und 15% Protein. Flankiert wurde die Maßnahme durch die Empfehlung, täglich 15.000 Schritte zu gehen (gemessen mit einem Schrittzähler) und monatliche Besuche in der Arztpraxis zur Kontrolle der Gewichtsentwicklung. Ziel war eine Gewichtsreduktion um mindestens 15kg in 12 Monaten. In de Verumgruppe wurden mit Beginn des Diätprogramms zunächst alle antidiabetischen und antihypertensiven Arzneimittel abgesetzt, um hypoglykämische und hypotone Episoden zu vermeiden. In Anlehnung an die entsprechenden Messwerte wurden die Therapie danach soweit nötig und in angepasster Form wieder aufgenommen. Die Kontrollgruppe erhielt (wie die Verumgruppe auch) eine leitliniengerechte antidiabetische Therapie.

Ergebnisse

Eine Diabetesremission (definiert als Senkung des HbA 1c auf unter 6,5% nach mindestens zwei Monaten ohne jede antidiabetische Therapie) trat nicht nur in der Verumgruppe auf, dort aber wesentlich häufiger (46% versus 4%).

In der Verumgruppe gelang es 24% der Patienten, das Ziel einer 15kg-Gewichtsreduktion zu erreichen, der Schnitt der Gruppe lag bei einer Abnahme um 10kg. In der Kontrollgruppe nahmen die Patienten im Schnitt um 1kg ab, jedoch niemand um 15kg.

Über die gesamte Teilnehmerschaft zeigten Gewichtsreduktion und Diabetes einen engen Zusammenhang:

 

 

 

 

 

 

 

Fazit

Daraus lässt sich schließen, dass zumindest bei den hier untersuchten nicht-insulinpflichtigen Typ2-Diabetikern mit einem BMI von 27–45 kg/m² eine Remission möglich ist. Der nächste Schritt wäre, zu untersuchen, wie nachhaltig sowohl die Gewichtsreduktion als auch die Remission außerhalb der engmaschig kontrollierten Studiensituation sind.

Auf jeden Fall können die Daten der Studie im Beratungsgespräch in der Apotheke zur Motivation solcher Diabetes-Patienten herangezogen werden, die lieber ohne Medikamente auskommen möchten.

Quelle

MEJ Lean et al.: Primary care-led weight management for remission of type 2
diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial. Lancet. 2017 Dec 4. pii: S0140-6736(17)33102-1. doi: 10.1016/S0140-6736(17)33102-1. [Epub ahead of print]

Bildnachweis: © mantinov / Fotolia

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Insulin plus orale Antidiabetika

Grunge Stempel rot BREAKING NEWSBei Typ 2-Diabetikern mit nicht angemessen kontrolliertem Blutzucker unter Insulin-Monotherapie stellt der Zusatz von oralen Antidiabetika eine Möglichkeit dar, die glykämische Kontrolle zu verbessern (HbA1c-Reduktion um 0,4 bis 1%) und den Insulinbedarf zu reduzieren. Die unerwünschten Wirkungen der diversen oralen Antidiabetika stehen dem Nutzen als Risiken gegenüber. So bedeutet die Kombination mit Sulfonylharnstoffen ein höheres Risiko für Hypoglykämien. Zusätzliche Gewichtszunahme kann nur bei Kombination mit Metformin vermieden werden.

Sagt wer?

Zu diesem Ergebnis kommt eine systematische Auswertung der bis November 2015 verfügbaren Studiendaten durch das Cochrane Institut, in Form von 37 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 3227 Patienten.

Verglichene Therapien

Insulinmonotherapie (langwirksames I. einmal täglich, Verzögerungs-I. einmal täglich, Mischinsulin zweimal täglich, Basal-Bolus-Regime mit mehrfach täglicher Applikation), wurde verglichen mit Insulin in Kombination mit

  • Glibenclamid (11 Studien)
  • Glipizid (2 Studien)
  • Tolazamid (2 Studien)
  • Gliclazid (1 Studie)
  • Glimepirid (1 Studie)
  • Metformin (11 Studien)
  • Pioglitazon (4 Studien)
  • Acarbose (3 Studien)
  • Miglitol (1 Studie)
  • Vildagliptin (1 Studie)
  • Sitagliptin (1 Studie)
  • Saxagliptin (1 Studie)
  • Kombination von Metformin und Glimepirid (1 Studie).

Wirksamkeit

Die wirksamste HbA1c-Senkung erzielten Sulfonylharnstoffe (-1%) und Metformin (-0,9%), weniger wirksam waren Alpha-GLucosidasehemmer und DPP-4-Inhibitoren (je -04%). Keine der Studien hatte als Endpunkt die generelle Mortalität diabetes-bezogene Morbidität oder Lebensqualität.

Quelle:

Vos RC et al.: Insulin monotherapy compared with the addition of oral glucose-lowering agents to insulin for people with type 2 diabetes already on insulin therapy and inadequate glycaemic control. Cochrane Database Syst Rev. 2016, Sep 18

Bild: © Daniel Ernst / Fotolia.com

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