Newsletter Nr. 03/2015

Mit campus Pharmazie in den Sommer

 

Und es nützt doch! Frische Studien zum Medikationsmanagement aus Deutschland und Spanien belegen den klinischen Nutzen (s.u.). Das ist eine Honorierung des Aufwands wert.

 

Medikationsmanagement bei jugendlichen Diabetikern: In unserem Blog stellen wir Ihnen die aktuelle Veröffentlichung zur Diadema-Studie und ihre Ergebnisse vor. Die Studie zeigt: Der Apotheker in der medizinischen Versorgung von Diabetikern optimiert den HbA1c deutlich.

 

Medikationsmanagement für Chroniker: Aus einer Studie spanischer Kollegen erfahren wir: Klinisches Medikationsmanagement verbessert klinische Parameter bei chronisch Kranken. Die Ergebnisse sind deutlich und beeindruckend: Details dazu finden Sie hier.

 

Medikationsanalyse-Fortbildung mit der Apothekerkammer HH: Zum 2. Mal gab es ein Blended-Learning mit der Apothekerkammer HH zu diesem Thema. Ablauf und Bewertung haben wir auf unserer Website zusammengestellt. Ein O-Ton für Sie:

„Gefallen hat mir das Lernen durch Beiträge anderer Teilnehmer und die Moderation, das gemeinsame Ideen sammeln, die sich aufbauenden Fragestellungen.“

So soll es sein und das freut uns sehr. Vielleicht in der nächsten Runde mit Ihnen?

 

Paracetamol – nicht so sicher wie gedacht? Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zeigt: auch PCM scheint kardiovaskuläre, gastrointestinale und renale unerwünschte Wirkungen auszulösen.

 

Evaluation der Seminare 2014: Auch in diesem Jahr hatten wir auf der ADKA-Tagung Gelegenheit, unsere Evaluationsergebnisse zu präsentieren. Lesen Sie auch online, wie die Teilnehmerschaft unserer Online-Seminare 2014 aussah und wie sie die einzelnen Seminar-Bestandteile, die Moderation und nicht zuletzt ihren Lernerfolg einschätzt.

 

Online-Seminare in der 2. Jahreshälfte: Sie wollen noch 2015 Ihre Fähigkeiten im Medikationsmanagement ausbauen? Da haben wir drei gute Nachrichten für Sie:

„Unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Pharmakovigilanz“ 03.09.- 30.09.2015
„Medizinische Literaturrecherche und Arzneimittelinformation“ 05.11.- 02.12.2015
„Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen“ 05.11.- 02.12.2015

Weiterführende Informationen und Anmeldung finden Sie hier.

Wir freuen uns auf Sie!

 

Kollegial grüßen in die Sommerferien

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Paracetamol – nicht so sicher wie gedacht?

PharmakovigilanzEine aktuelle systematische Übersichtsarbeit [1] zu den unerwünschten Wirkungen von Paracetamol kommt zu dem Schluss, dass auch dieses Analgetikum kardiovaskuläre, gastrointestinale und renale unerwünschte Wirkungen auslöst und das Mortalitätsrisiko erhöht.

Für diese Aussage wurden alle Beobachtungsstudien bis Mai 2013 ausgewertet, die über unerwünschte Wirkungen unter bestimmungsgemäßem Gebrauch von Paracetamol durch Erwachsene berichteten (therapeutische Dosierung von 0,5–1 g alle 4–6 h bis zu einer maximalen Tagesdosis von 4 g/d).

Die Studien umfassten im Schnitt 83.220 Patienten, insgesamt waren es knapp 665.800. Über Mortalität wurde in zwei, über kardiovaskuläre Ereignisse in vier, über gastrointestinale Ulcera und Blutungen in einer und über Einschränkungen der Nierenfunktion in vier Studien berichtet. In neun dieser Berichte war das Auftreten der jeweiligen Endpunkte dosisabhängig.

Kritisch zu betrachten ist, dass in den ausgewerteten Studien keine Confounder berücksichtigt wurden, wie z.B. gleichzeitige Einnahme von NSAR. Möglich ist auch, dass in diesen Studien vor allem die Patienten Paracetamol erhielten, bei denen kardiovaskuläre, gastrointestinale oder renale Prädispositionen vorlagen, aufgrund derer sie kein NSAR, sondern Paracetamol erhalten sollten.

Stärken sind andererseits die großen Patientenzahlen und die beobachtete Dosisabhängigkeit, die für einen kausalen Zusammenhang spricht. Pharmakologische Plausibilität ist aus dem Wirkmechanismus von Paracetamol herzuleiten, das die zentrale und periphere Prostaglandinsynthese hemmt.

Fazit:

Diese Übersichtsarbeit wird die grundlegende Einstufung von Paracetamol als besser verträgliches Analgetikum für Patienten mit Herz-, GIT- oder Nierenerkrankungen nicht erschüttern, aber sie gibt Anlass, auch bei Paracetamolgabe auf solche unerwünschten Wirkungen zu achten.

 Quelle:

E Roberts et al., Paracetamol: not as safe as we thought? A systematic literature review of observational studies. Ann Rheum Dis 2015;0:1–8. doi:10.1136/annrheumdis-2014-206914, online veröffentlicht 02.03.2015

Fallbeispiel Migräne

Naproxen in diesem Fall einsetzbar?

Eine junge Frau möchte in der Apotheke ein hausärztliches Rezept für Naproxen einlösen. Im Beratungsgespräch stellt sich heraus, dass sie häufig an Migräne leidet und der Arzt ihr das Naproxen zur Behandlung der Nachwirkungen verordnet hat. Normalerweise nehme sie immer Paracetamol, aber das helfe nicht wirklich.

Auf die Frage nach der Einnahme weiterer Arzneimittel gibt sie Budesonid als Dauermedikation und Salbutamol gelegentlich, etwa 3 bis 4 mal pro Woche, an. Beide verwendet sie als Inhalat.

Sind bei der Einnahme des Naproxens durch diese Patientin Probleme zu erwarten?

Die Lösung finden Sie hier.

von Dorothee Dartsch, CaP Campus Pharmazie GmbH, Hamburg

Paracetamol – wirksam und sicher!

Im soeben kommunizierten Bulletin zur Arzneimittelsicherheit des PEI ist die Datenlage zu Paracetamol (PCM) angesichts der Diskussionen um Wirksamkeit und Sicherheit zusammengefasst dargestellt.

Das Ergebnis ist:

  • PCM ist bei leichten bis mäßigen Schmerzen und Fieber erwiesenermaßen wirksam.
  • Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch kann es zwar zu einem – meist vorübergehenden – Anstieg der Leberparameter kommen, die aber nicht als Ausdruck einer Leberschädigung zu werten sind. Eine klinisch relevante Leberschädigung tritt bei Beachtung der Dosierungsvorschriften nicht auf.
  • Hinsichtlich des Risikos für gastrointestinale oder kardiale unerwünschte Wirkungen ist PCM den NSAR überlegen.
  • In der Schwangerschaft ist PCM nach wie vor das Mittel der Wahl bei Schmerzen und Fieber. Verdachtsmomente, dass PCM beim Kind zu Asthma oder Lageanomalien des Hodens führen könnten, haben sich nicht bestätigt. (Die Forderung, PCM nur wenn wirklich nötig und dann in der niedrigsten wirksamen Dosis und so kurz wie möglich anzuwenden, bleibt davon unberührt.)

Quelle: Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ausgabe 3/2012, 13.9.2012