Weiterbildung stärkt Innovationskraft

Den Zusammenhang zwischen lebenslanger Fort- und Weiterbildung und der Innovationskraft untersuchte jüngst eine Studie des Forschungsinstituts Bildungs- und Sozialökonomie FiBS [1]. Zwischen beiden besteht eine Wechselbeziehung: Einerseits bedeuten Innovationen Veränderungen und erfordern neue Fähigkeiten und Kompetenzen, andererseits ermöglichen neue Kompetenzen und Fähigkeiten innovative Veränderungen.

Die Studie belegt, dass Innovationskraft durch die Kombination aus komplexen Aufgaben und Tätigkeiten, das Lernen am Arbeitsplatz und flankierende Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen gefördert wird. Wenig komplexe und auch wenig eigenverantwortlich ausgeführte Tätigkeiten die wenig Lernmöglichkeiten bieten, wirken sich auf die Innovation dagegen hinderlich aus.

Innovation definierten die Autoren gemäß OECD als Einführung eines neuen oder signifikant verbesserten Produktes (Güter oder Dienstleistungen) oder Prozesses, einer neuen Marketingmethode oder einer neuen Verfahrensweise in den Betriebsabläufen, der Arbeitsplatzorganisation oder externen Beziehungen des Unternehmens. Damit schlossen sie nicht nur technische Innovationen ein, sondern auch solche auf Dienstleistungen und Abläufe, wie sie auch für Apotheken und ihre Leistungen essenziell sind.

Komplexe Aufgaben und Tätigkeiten sind in der Apotheke, vor allen bei klinisch-pharmazeutischen Leistungen wie dem Medikationsmanagement, reichlich vorhanden, Lernen am Arbeitsplatz findet täglich statt. Flankierende Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für patientenorientierte Leistungen bekommen Sie in unseren Seminaren und Veranstaltungen. Wir freuen uns darauf, Ihre Innovationskraft und die Ihrer Mitarbeiter zu stärken!

Quelle

[1] Dohmen D. & Yelubayeva G.: Adult education and Innovation.

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Sonder-Newsletter Nr. 04/2017

apotheker.unverzichtbar.kompetent
Umfrageergebnisse 10/2017

 

„Hervorragende Reaktionszeiten, verlässliche Informationen, viel Engagement“[1] In die vorliegende Auswertung gingen 22 Hauptfragebögen, 17 Dokumentationen arzneimittelbezogener Probleme, 96 Bögen zur Apothekerzufriedenheit, 23 Bögen zur Patientenzufriedenheit und 10 Bögen zur Arztzufriedenheit ein. Die Umfrage fand im September 2017 statt. Teilnehmen konnten alle öffentlichen Apotheken in Deutschland. Ausgewählte Ergebnisse sind zur Information der Öffentlichkeit auf der Seite apotheker-unverzichtbar.kompetent.de dargestellt.
[1]Zitat aus den Fragebögen zur Zufriedenheit der Ärzte

 

Qualifizierung: Die 22 Apotheken, aus denen Antworten vorliegen, verfügen zusammen über 2109 Jahre Berufserfahrung, das sind knapp 100 Jahre pro Apotheke. In jeder dieser Apotheken sind im Schnitt 1,5 Fachapotheker und ein Apotheker mit Bereichsweiterbildung vorhanden. Knapp 2,5 Apotheker in jeder Apotheke haben ein freiwilliges Fortbildungszertifikat. Hinzu kommen 4,6 Campus Pharmazie-Seminare und 1,4 AMTS-Manager je Apotheke (Abb. 1). In jeder dritten Apotheke findet sich ein ATHINA-Absolvent. Apotheken mit Medikationsmanager-Fortbildungen beteiligten sich nicht.

 

Kompetenz im Einsatz Die Dokumentation der arzneimittelbezogenen Probleme (ABP) deckt insgesamt 101 Tage ab (sechs je Apotheke). In dieser Zeit wurden 582 ABP dokumentiert, am häufigsten Wechselwirkungen, gefolgt von unbekannten Dosierungen, suboptimaler Arzneimittelauswahl und Anwendungsproblemen (Abb. 2).

Mehr als drei Viertel (78%) der Probleme konnten vollständig, 16% teilweise gelöst werden. Von den vollständigen Lösungen wurde gut ein Drittel (35%) allein von der Apotheke erreicht, 40% gemeinsam mit dem Patienten und ein Viertel (25%) gemeinsam mit dem Arzt (Abb. 3).

In dieser Zeit wurden 64 bundeseinheitliche Medikationspläne vorgelegt und 20 dem Patienten erläutert. Von den befragten Apotheken haben 71% im ersten Halbjahr 2017 Medikationsanalysen (nach Definition der BAK) angeboten. In den teilnehmenden Apotheken (darunter Heim- und Klinikversorger) wurden im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 24.431 Medikationsanalysen erstellt. Gut die Hälfte (55%) waren Medikationsanalysen der Stufe 1, 27% der Stufe 2 und 18% der Stufe 3 (Abb. 4). Die mediane Zahl an Medikationsanalysen aller drei Stufen lag unter den Apotheken, die überhaupt Medikationsanalysen durchführen, im ersten Halbjahr 2017 bei 12 pro Apotheke.

 

Zufriedenheit: Die Zustimmung von Apothekern, Patienten und Ärzten zu verschiedenen Aussagen zur Zufriedenheit mit der Beratung durch den Apotheker wurden auf einer 5-Punkt-Likert-Skala abgefragt. Uneingeschränkte Zustimmung erhielt 100, eingeschränkte Zustimmung 75, eine neutrale Antwort 50, eingeschränkte Ablehnung 25 und uneingeschränkte Ablehnung 0 Punkte. In den Abbildungen sind hieraus die Mittelwerte gezeigt.
Die teilnehmenden Apotheker äußerten große Zustimmung zu ausgewählten Fragen nach ihrer Arbeitszufriedenheit. Dabei zeigten sich nur geringe Unterschiede zwischen denen, die ihre Aussagen auf die allgemeine Beratung und denen, die sie auf die Medikationsanalyse bezogen. Fast einhellig war die uneingeschränkte Zustimmung zu den Aussagen „Meine Beratung erhöht die Patientensicherheit“ und „Meine Arbeitszufriedenheit steigt durch Beratungstätigkeit“. Den Aussagen „Der Wert meiner Beratungstätigkeit wird geschätzt“, „Ich habe genug Zeit, um die Beratung auszuführen“ sowie „Ich fühle mich ausreichend kompetent, um die Beratung auszuführen“ stimmten die Befragen mehrheitlich nicht „voll und ganz“, sondern nur „eher“ zu (Abb. 5).Aus den Befragungen der Patienten geht hervor, dass die Apotheker es durch die Beratung u.a. erreichen, dass die Patienten sich sicherer im Umgang mit den Medikamenten fühlen, dass sie besser verstehen, was ihre Medikamente bewirken und dass sie besser informiert sind, wie sie ihre Arzneimittel einnehmen müssen. Große Zustimmung gab es auch zu der Aussage, dass der Apotheker verstanden habe, was dem Patienten wichtig ist. Dass die Beratungsgespräche in vertraulicher Umgebung stattfinden und dafür ausreichend Zeit vorhanden ist, scheint in Einzelfällen noch nicht optimal erfüllt (Abb. 6). Nach dem Beratungsgespräch bezeichneten sich die Patienten überwiegend erleichtert, gestärkt und entspannt (Abb. 7).

Die Ärzte zeigten sich sehr zufrieden mit der Form der von den Apotheken zur Verfügung gestellten Informationen (Zufriedenheitsindex 95 von 100). Von 10 Ärzten bestätigten neun, dass der Umfang der erhaltenen Information angemessen ist. Die Bewertung der Aktualität, Nützlichkeit und Vollständigkeit war sehr gut, die Bewertung der Relevanz der Informationen eine Spur weniger positiv (Abb. 8).

In einzelnen Kommentaren schätzten die Ärzte die direkte zeitnahe Kommunikation per Telefon oder Fax sowie bei Rückfragen die guten bzw. hervorragenden Reaktionszeiten, die verlässlichen Informationen, das große Engagement und die unmittelbare Rückmeldung. Ein Kommentar lautete: „Ich freue mich, wenn Sie bei Unklarheiten den direkten Kontakt suchen, und nicht den Patienten verunsichern.“

 

Apothekenbetrieb der Umfrageteilnehmer Die Abbildungen 9-11 zeigen die Strukturdaten der an der Umfrage teilnehmenden Apotheken.

Unter den teilnehmenden Apotheken bildeten solche mit mehr als 200 Kunden / Patienten am Tag den Schwerpunkt. Nach der Zahl der täglich belieferten Rezepte waren die Teilnehmer breit gestreut. Unter den Geschäftslagen waren Apotheken in Ärztehäusern, Hauptverkehrslagen und in kleineren Orten am stärksten vertreten.

 

Hier finden Sie unseren Newsletter auch zum Herunterladen:

Mit herzlichen Grüßen in den Herbst

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik)

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Initiative „apotheker.unverzichtbar.kompetent“

Sehr geehrte Kolleginnen und sehr geehrte Kollegen,

mit großer Freude informieren wir Sie ab heute über den Start unserer Initiative:

„apotheker.unverzichtbar.kompetent.“

Warum diese Initiative?

Seit fünf Jahren tragen wir mit unserem Campus Pharmazie dazu bei, dass Apothekerinnen und Apotheker Menschen kompetent zu Arzneimitteln beraten. Es ist auch für uns ein Schlag ins Gesicht, wenn unsere Berufsgruppe vom Medikationsplan ausgeschlossen bleibt und die patientenorientierte Beratungstätigkeit mit schlechteren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen quittiert wird.

Wir haben darum die Initiative „apotheker.unverzichtbar.kompetent“ enwickelt, mit der wir die Kompetenz und die Beratungsleistung der Apotheken nach außen darstellen möchten.

Um das faktenbasiert tun zu können, brauchen wir Ihre Unterstützung.

Wie unterstützen Sie uns dabei?

Dokumentieren Sie eine Woche lang, welche arzneimittelbezogenen Probleme Ihnen in Ihrem Apothekenalltag begegnen und wie diese gelöst werden konnten und beantworten Sie uns einige Fragen zu den Fort- und Weiterbildungsaktivitäten der Apothekerinnen und Apotheker in Ihrer Apotheke.

Wenn Sie können und wollen: Nutzen Sie unsere vorbereiteten Kurzfragebögen und holen Sie Feedback von Kunden / Patienten und Ärzten zu Ihrer pharmazeutischen Beratungsleistung ein.

Wir wollen realistisch darstellen, wie viel heilberufliche Sachverständigkeit und Kompetenz in den Apothekerinnen und Apothekern in Deutschland steckt. Je mehr Apotheken sich beteiligen, je vollständiger die arzneimittelbezogenen Probleme dokumentiert werden, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse.

Wie ist der Ablauf?

Hier sind die Bögen, die wir zu diesem Zweck entwickelt haben:

Bzgl. des Feedbacks zu Ihren Beratungsleistungen:

(Die Fragebögen an Ärzte und Patienten stellen wir im Word-Format zur Verfügung, so dass Sie die Formulierungen im Anschreiben verändern können.)

Der Aktionszeitraum ist der September 2017. Wählen Sie eine für Sie geeignete Woche im September, in der Sie dokumentieren, welchen arzneimittelbezogenen Problemen Sie begegnen.

Halten Sie auf dem Bogen fest, wie diese Probleme gelöst werden konnten. Schicken Sie die Dokumentations- und Fragebögen bis zum 10.10.17 per Post, Fax oder Email an uns zurück.

Wir zeigen die Ergebnisse auf der Website www.apotheker-unverzichtbar-kompetent.de und verbreiten sie in Pressemitteilungen innerhalb der Fachwelt und darüber hinaus.

Rückschlüsse auf Angaben der einzelnen Apotheke sind aus der Darstellung nicht möglich.

Haben Sie noch Fragen? Dann stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Schon jetzt danken wir Ihnen ganz herzlich fürs Mitmachen! Jeder soll es sehen: Sie sind
unverzichtbar.kompetent.

Mit kollegialem Gruß

Dorothee Dartsch und Jasmin Hamadeh

 

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Was Apotheker in der direkten Patientenversorgung können sollen

Das American College of Clinical Pharmacy hat die Anforderungen an Apotheker aktualisiert, die in der direkten Patientenversorgung tätig sind. Dabei versteht es unter „direkter Patientenversorgung“ nicht jedweden direkten Kontakt zwischen Apotheker und Patient, sondern:

„die direkte Betrachtung und Einschätzung des Patienten und seiner arzneimittelbezogenen Bedürfnisse, den Beginn, die Modifizierung oder die Beendigung seiner individuellen Arzneimitteltherapie sowie die laufende Begleitung seiner Pharmakotherapie, jeweils in Zusammenarbeit mit anderen Heilberuflern“.

Sehr viele der geforderten Kompetenzen halten auch wir für wichtig, um Apothekerinnen und Apotheker hierzulande nachhaltig als Heilberufler zu stärken. Darum verfolgen wie sie als Ziele in unseren Seminaren und Case Trainings.

Die in verschiedenen Bereichen vom ACCP geforderten Kompetenzen sind diese:

Direkte Patientenversorgung:

  • die arzneimittelbezogenen Probleme und Bedürfnisse des Patienten erkennen und priorisieren können
  • die Pharmakotherapie hinsichtlich Angemessenheit, Wirksamkeit, Sicherheit, Adhärenz und Wirtschaftlichkeit beurteilen können
  • arzneimittelbezogene Probleme lösen und Therapievorschläge entwickeln können
  • das Therapiergebnis verfolgen können
  • mit anderen Heilberuflern zusammenarbeiten können, um optimale Ergebnisse für den Patienten zu erzielen
  • die Rolle und Verantwortlichkeiten der beteiligten Heilberufler berücksichtigen können

Pharmakotherapie:

  • vertieftes Wissen der Pharmakologie, der Pharmakotherapie, der Pathophysiologie sowie der Anzeichen, der Symptome und des Verlaufs von Erkrankungen haben und anwenden können
  • relevante Information aus der biomedizinischen, klinischen, epidemiologischen und sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Literatur finden, bewerten, interpretieren und aufnehmen können
  • wissenschaftliche / klinische Evidenz als Basis für therapeutische Entscheidungen einsetzen können
  • über Wissen und Erfahrung verfügen, wie es für die Zertifizierung in einer oder mehrerer der „BPS specialties“ (US-spezifische Fortbildungsbereiche) verlangt wird
  • das Pharmakotherapiewissen aktuell halten und ausbauen können

Gesundheitsversorgung:

  • Versorgungssysteme und Gesundheits-Informatik nutzen können, um die Versorgung zu optimieren
  • an der Identifizierung system-basierter Fehler und deren Lösung mitwirken können
  • arzneimittelbezogene Probleme lösen können, um die allgemeine Gesundheit und Qualitätsindikatoren des Gesundheitswesens zu verbessern
  • Pharmakoökonomie und Kosten-Outcome-Analysen auf die Versorgung anwenden können
  • an der Entwicklung von Lösungen zur Schnittstellenproblematik mitwirken können
  • Prozesse entwickeln können, um die Arznbeimittelanwendung zu optimieren

Kommunikation:

  • effektiv mit Patienten, versorgenden Anghörigen, anderen Heilberuflern und Interessenvertretern kommunizieren können
  • klare und knappe Mitteilungen für anderen Heilberufler erstellen können
  • professionelle und zielgruppengerechte schriftliche Mitteilungen erstellen können
  • mündliche Komunikation der jeweiligen Zielgruppe und dem jeweiligen Kontext angemessen gestalten können
  • mit der angemessenen Durchsetzungsfähigkeit und Empathie sowie dem angemessenen Selbstvertrauen und Respekt für den Adressaten kommunizieren können

Professionalität:

  • die höchsten Standards der Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit einhalten
  • sich für ein vertrauensvolles Miteinander mit dem Patienten einsetzen und dessen Wohl zum Ziel haben
  • Vorbild gegenüber Studierenden, Auszubildenden und Kollegen sein
  • die klinische Pharmazie durch professionelle Nachwuchsarbeit und Engagement in Fachgesellschaften voranbringen

Lebenslange Fort- und Weiterbildung:

  • sich der Exzellenz und dem lebenslangen Lernen verpflichten
  • sich selbst und seine Kompetenzen kritisch einschätzen und weiterentwickeln können
  • Strategien für die persönliche Weiterentwicklung durch lebenslange Fortbildung entwicklen und verfolgen können
  • fachliches Wissen an Studierende, Auszubildende und andere Heilberufler weitergeben können
  • Zertifizierungen aufrecht erhalten, um sicherzustellen, dass das therapeutische Wissen stets aktuell ist

Quelle:

JJ Saseen et al.: ACCP Clinical Pharmacist Competencies. Pharmacotherapy 2017; doi: 10.1002/phar.1923

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Apotheker sind sicher und gut verträglich

istock_000068027525_large-apo-thumb-up-25Das hat in jüngster Zeit eine systematische Auswertung entsprechender Studien durch Dr. Karen Lütsch ergeben, die am 17.11.16 in unserem Webinar zum Thema Kommunikation mit dem Arzt sprechen wird.

Aus Verdruss über die bei einer Konferenz geäußerte Behauptung, Apotheker seien an neuen Rollen nicht wirklich interessiert und hätten nicht die passende Persönlichkeit dafür, hat sie die einschlägige Literatur zu dem Thema ausgewertet und kommt zu folgenden Ergebnissen:

Die subjektiven Einstellungen von Apothekern zu patientenorientierten kognitiven Dienstleistungen wie dem Medikationsmanagement sind wissenschaftlich belegt positiv: Sie sehen die Notwendigkeit und sind willens, ihre Rolle zu erweitern. Davon erwarten sie für den Patienten erhöhten Nutzen, z.B. durch die Förderung der Adhärenz. Auch für sich selbst und den Berufsstand besteht die Erwartung, dass patientenorientierte Dienstleistungen ihnen nützen, ihre Position stärken und ihre Berufszufriedenheit steigern werden.

Natürlich sind sich Apotheker auch der Hindernisse bewusst, die die Einführung solcher Dienstleistungen wie dem Medikationsmanagement erschweren: Hier werden vor allem die Notwendigkeit für erweitertes Wissen und erweiterte Kompetenzen, der fehlende offizielle Auftrag seitens der Gesellschaft und anderer Heilberufler, Zeitmangel und sub-optimale Arbeitsumgebungen und -abläufe genannt.

Gemessen mit den etablierten Instrumenten zu Charakterisierung von Persönlichkeitsmerkmalen, zeigt sich „der Apotheker“ im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt gewissenhafter, emotional gefestiger und weniger experimentierfreudig. Die Freundlichkeit liegt im gesellschaftlichen Durchschnitt, in manchen Studien auch darüber. Die anderen Heilberufler zeigen exakt das gleiche Persönlichkeitsprofil.

In die Sprache der Arzneimittel übersetzt: die Tätigkeit der Apotheker für die Gesellschaft ist sicher und gut verträglich.

Karen Lütsch interpretiert die Ergebnisse so:

An der positiven Einstellung fehlt es nicht, sondern es sind subjektive Normen und äußere Umstände, die uns Apotheker am Fassen einer klaren Absicht zur Einführung patientenorientierter Dienstleistungen und an ihrer Umsetzung hindern. Der Übergang von der Einstellung zur Umsetzung würde erleichtert werden durch:

  • Bereitstellung der nötigen Hilfsmittel
  • Vermittlung von Befähigungen, Können und Kompetenzen, um Verantwortung für den Patienten zu übernehmen
  • organisatorische und/oder regulatorische Erlaubnis bzw. offizieller Auftrag, neue Tätigkeiten zu etablieren
  • Akzeptanz durch die Ärzteschaft

Die Etablierung neuer Dienstleistungen und die äußeren Rahmenbedingungen entwickeln sich Zug um Zug: Schritte der Apothekerschaft hin zu neuen Dienstleistungen werden von außen wahrgenommen und bewertet und führen je nach Qualität und Nutzen zu veränderten Rahmenbedingungen wie Akzeptanz und Auftrag, die wiederum die weiterreichende Etablierung ermöglichen.

Als „Einzelkämpfer“ lässt sich nur am eigenen Wissen und der eigenen Kompetenz sowie begrenzt an der Optimierung der Arbeitsabläufe im eigenen Betrieb etwas ändern. Ein offizieller Auftrag, die Akzeptanz durch andere Heilberufler, die Kompensation des Zeitmangels durch Honorierung können nur durch den ganzen Berufsstand gemeinschaftlich erreicht werden.

Halten wir also zusammen!

Mit kollegialem Gruß,

Dorothee Dartsch

Quellen:

K Lütsch: Attitudes and attributes of pharmacists in relation to practice change – A scoping review and discussion. Research in Social and Administrative Pharmacy 2016 (online 29.06.2016).

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Webinar „Interprofessionelle Kommunikation“

Neue Impulse: Startschuss für die Campus-Webinare!

Lunch and Learn Sign, A teal hanging sign with text Lunch and Learn and a fork on a keyboardEs geht los – jetzt kommen wir quasi live in Ihre Apotheken und an Ihre Schreibtische: Wir freuen uns auf unser Auftakt-Campus-Webinar! Ein einstündiger Impulsgeber zu patientenorientierter Pharmazie in Ihrem Apotheken-Alltag.

Donnerstag 17.11.2016, zur praktischen Lunch & Learn-Zeit: 12:30 – 13:30 Uhr.

25% Einführungs-Rabatt auf den regulären Webinarpreis von 60,- € (zzgl. USt.):
45,- € (zzgl. USt.).

Webinar "Wie sag ich's dem Arzt" - Trailer01

Das erwartet Sie in diesem Webinar

Unser Einstiegsthema: „Wie sag ich’s dem Arzt? Interprofessionelle Kommunikation zur Medikationsanalyse.“

Im Zuge der Medikationsanalyse gibt es zwei Hauptanlässe für den Kontakt mit Ärzten bzw. Ärztinnen: Bei der Information über die Medikationsanalyse als neuen Service der Apotheke und um über die Medikation eines individuellen Patienten zu sprechen.

Wir nehmen im Webinar beide Szenarien ins Visier, zeigen Hürden und Fallstricke auf – und geben natürlich Tipps, wie Sie ihnen pragmatisch begegnen.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Ärzten? Wozu wünschen Sie sich Wege und Antworten? Teilen Sie das gern mit uns vorab – über die Kommentarfunktion (unten). Sehr gern gehen wir auch im Campus-Webinar auf Ihren Apotheken-Alltag ein: Aus der Praxis, in die Praxis. Wie in allen unseren Formaten.

Die Teilnehmerzahl ist zugunsten eines fruchtbaren interaktiven Austausches auf 30 begrenzt.

Referentin

Dr. Karen LuetschAls Referentin freuen wir uns, Dr. Karen Lütsch zu begrüßen. Frau Dr. Lütsch studierte Pharmazie in Würzburg, promovierte dort und ging Mitte der 90iger Jahre nach einem Post-doc Jahr nach Australien. Dort war sie zunächst als Krankenhausapothekerin in der Onkologie, Kardiologie und Allgemeinmedizin tätig, dann als Apothekenleiterin.

Später leitete sie ein kleines Team spezialisierter Apotheker, das in Projekten mit Ärzten die Einführung des Medikationsmanagements in Queensland vorbereitete und begleitete. Im Webinar wird sie uns von ihren Erfahrungen aus dieser Zeit berichten.

Seit 2010 lehrt sie im postgradualen Master-Programm für Klinische Pharmazie der University of Queensland in Brisbane und forscht auf dem Gebiet der Kommunikation mit Patienten und Heilberuflern.

Moderation

Dr. Dorothee Dartsch und Jasmin Hamadeh, Campus Pharmazie

Bild: © Karen Roach / Fotolia.com

Der Fortbildungskalender 2016 ist da!

Sie wünschen sich eine umfassende, intensive und wirksame Fortbildung in patientenorientierter Pharmazie? Die Sie in der pharmazeutischen Beratung, Betreuung und beim Medikationsmanagement unterstützt? Und die Sie berufsbegleitend absolvieren können?

Hier haben Sie sie gefunden:

Auch in 2016 sind wir mit unseren Online-Fortbildungen wieder für Apothekerinnen und Apotheker da.

Grafik_FbK_2016Schauen Sie sich hier unseren Fortbildungskalender an. (zum Download im PDF-Format).

Möchten Sie wissen, wie unsere Seminare im vergangenen Jahr evaluiert wurden? Die Ergebnisse finden Sie hier.

Wir freuen uns auf Sie!

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie) und

Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Besser gemeinsam: ein Netzwerk für die Pharmazie-Fortbildung

Überall und ständig hört und liest man von Synergien, Netzwerken und Nachhaltigkeit.Bei uns auch: Zahlreiche Gespräche mit berufsständischen Organisationen und Fachgesellschaften, mit Apothekerinnen und Apothekern bestärken uns darin, dass es Sinn macht, genauer zu schauen:

 

    • Apothekerschaft in der Fortbildungswelt Was braucht der Berufsstand und jeder einzelne seiner Vertreter, um Anforderungen an patientenorientierte Pharmazie gerecht zu werden und das Potenzial zugunsten der Arzneimitteltherapiesicherheit zu nutzen?

 

  • Wer kann dazu auf welche Weise beitragen? Wie können wir Kompetenzen, Infrastrukturen und Personen sinnvoll so zusammenbringen, dass jeder sich auf das konzentrieren kann, was er besonders gut kann – und von dem profitiert, was andere mit weniger Aufwand – vielleicht besser – übernehmen können?

 

besser gemeinsam Wir schlagen dazu ein neues „Interaktions-Kapitel“ auf, mit der Überschrift: „Wie können Ressourcen und Kompetenzen verschiedener Akteure zum Nutzen aller interagieren?“. Unser Beitrag dazu: Der Ausbau unseres Netzwerks, in dem wir unseren neuen Partner, die Apothekerkammer Westfalen-Lippe, herzlich begrüßen! Netzwerkpartner Apothkerkammer Westfalen-Lippe

Was uns konkret uns dazu bewogen hat, und welchen Nutzen wir für wen ausmachen, lesen Sie HIER.  Weitere Partner sind willkommen.

 

Breite Leitbilddiskussion auf dem Apothekertag

Gespannt habe ich die Leitbilddiskussion heute Vormittag auf dem Deutschen Apothekertag verfolgt, die dankenswerter Weise als Livestream übertragen wurde und daher allen Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit gab, die Diskussion zu verfolgen.

Zu Beginn stellte Mathias Arnold (Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt e.V.) den Status quo dar, den die Leitbild-Arbeitsgruppe erarbeitet hat. Anschließend wurde vor Ort und auch online aus der Ferne intensiv und meistens sachlich diskutiert.

Im Kern geht es darum, im Leitbild zu beschreiben, warum und wie wir Apotheker tätig werden wollen und sollen. Ausgangspunkt ist unser heutiges System mit all seinen Regularien und mit der bestehenden Honorierung für logistische Aufgaben sowie die Beratung bei der Abgabe jedes einzelnen Arzneimittels.

Dahinter steckt ein ganz wichtiger Punkt: Wofür will uns die Gesellschaft bezahlen? Da es hierzulande trotz hochwertiger Gesundheitsversorgung diverse „Lücken“ im Prozess der Arzneimittelversorgung gibt (unvollständige Medikationspläne, nicht rechtzeitig erkannte unerwünschte Wirkungen, Verordnung inadäquater Wirkstoffe oder Dosierungen, Non-Adhärenz etc.), die zu erheblichen vermeidbaren Kosten führen, gibt es Spielraum für Verbesserungen. Wenn wir diesen Spielraum nutzen und die Lücken füllen können, haben wir gute Chancen, dass diese Leistungen der Gesellschaft „lieb und teuer“ werden – und damit honorierungsfähig.

Keine Chance auf Honorierung werden Leistungen haben, die zu dicht an der o.g. Beratung bei Abgabe dran sind, sei es weil sie sich allein an der Machbarkeit aus heutiger Sicht orientieren oder weil wir die Übernahme weiter reichender Verantwortung für die Patienten und ihre Pharmakotherapie ablehnen. Bei der Verankerung eines stärkeren heilberuflichen Fokus im Leitbild und der damit verbundenen Definition neuer Leistungen (ob sie nun Medikationsmanagement oder anders heißen) muss vielmehr darauf geachtet werden, dass der medizinische und ökonomische Nutzen für unsere Gesellschaft erfahrbar ist: Mit diesen Leistungen muss es ihr besser gehen als ohne.

Das ist leicht gesagt, aber kein Katzen-, sondern ein Quantensprung, und darum ist es gut, dass die Leitbild-AG ihren Konzeptentwurf mit „Apotheke 2030“ überschrieben hat. Es wird eine Weile dauern, bis sich der Leistungsumfang konkret definieren lässt:

  1. Für Leistungen, die die o.g. Anforderungen erfüllen, bedarf es einer flächendeckenden Kompetenzausweitung und –stärkung in der Apothekerschaft, denn nur wenige haben bislang im Studium oder in der Praxis gelernt, wie man Laborparameter versteht, Dosierungen an Organfunktionen anpasst, Leitlinienempfehlungen auf ihre Anwendbarkeit bei konkreten Patienten überprüft oder Änderungsvorschläge optimal kommuniziert (um nur einige Facetten zu nennen). Der Bedarf an berufsbegleitender, kompetenzorientierter Fort- und Weiterbildung auf diesem Gebiet wird in unseren Reihen zunehmend erkannt und formuliert.
  2. Die Leistungen müssen entlang der parallel wachsenden Nutzendokumentation entwickelt werden. Nutzendokumentation ist ein wissenschaftlicher Prozess, der geeignete Messparameter des Nutzens (genannt „Endpunkte“) mit und ohne die untersuchte Leistung erfasst und daraus ableitet, welchen Stellenwert die Leistung in der Praxis hat.
  3. Nicht zuletzt wird ein geduldiges Ringen mit heilberuflichen Partnern, Kostenträgern und Gesetzgebern unvermeidlich sein. Niemand zahlt gern freiwillig, niemand lässt sich gern Klientelpolitik vorwerfen, und trotz aller Versicherungen, dass Apotheker die Therapiehoheit des Arztes nicht antasten wollen, sind die Befürchtungen um Konkurrenz und Einmischung groß.

Die gewählten Standesvertreter haben sich klar für die Fokussierung auf und den Ausbau unserer heilberuflichen Kompetenz rund um den Patienten und sein Arzneimittel positioniert und entsprechen damit dem Wunsch zahlreicher Kolleginnen und Kollegen nach „mehr Pharmazie“. Noch wichtiger: sie tragen damit dem gesellschaftlichen Bedarf Rechnung. Das ist gut.

Es steht zu hoffen, dass uns Apotheker auf diesem Weg Mut, Zuversicht und Elan nicht verlassen, damit der „große Wurf“ gelingt. Gelingt er nicht, werden wir für die nächsten Jahrzehnte keine zweite Chance haben. Es gibt viel zu tun – packen wir‘s an!

Dorothee Dartsch