Insulin plus orale Antidiabetika

Grunge Stempel rot BREAKING NEWSBei Typ 2-Diabetikern mit nicht angemessen kontrolliertem Blutzucker unter Insulin-Monotherapie stellt der Zusatz von oralen Antidiabetika eine Möglichkeit dar, die glykämische Kontrolle zu verbessern (HbA1c-Reduktion um 0,4 bis 1%) und den Insulinbedarf zu reduzieren. Die unerwünschten Wirkungen der diversen oralen Antidiabetika stehen dem Nutzen als Risiken gegenüber. So bedeutet die Kombination mit Sulfonylharnstoffen ein höheres Risiko für Hypoglykämien. Zusätzliche Gewichtszunahme kann nur bei Kombination mit Metformin vermieden werden.

Sagt wer?

Zu diesem Ergebnis kommt eine systematische Auswertung der bis November 2015 verfügbaren Studiendaten durch das Cochrane Institut, in Form von 37 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 3227 Patienten.

Verglichene Therapien

Insulinmonotherapie (langwirksames I. einmal täglich, Verzögerungs-I. einmal täglich, Mischinsulin zweimal täglich, Basal-Bolus-Regime mit mehrfach täglicher Applikation), wurde verglichen mit Insulin in Kombination mit

  • Glibenclamid (11 Studien)
  • Glipizid (2 Studien)
  • Tolazamid (2 Studien)
  • Gliclazid (1 Studie)
  • Glimepirid (1 Studie)
  • Metformin (11 Studien)
  • Pioglitazon (4 Studien)
  • Acarbose (3 Studien)
  • Miglitol (1 Studie)
  • Vildagliptin (1 Studie)
  • Sitagliptin (1 Studie)
  • Saxagliptin (1 Studie)
  • Kombination von Metformin und Glimepirid (1 Studie).

Wirksamkeit

Die wirksamste HbA1c-Senkung erzielten Sulfonylharnstoffe (-1%) und Metformin (-0,9%), weniger wirksam waren Alpha-GLucosidasehemmer und DPP-4-Inhibitoren (je -04%). Keine der Studien hatte als Endpunkt die generelle Mortalität diabetes-bezogene Morbidität oder Lebensqualität.

Quelle:

Vos RC et al.: Insulin monotherapy compared with the addition of oral glucose-lowering agents to insulin for people with type 2 diabetes already on insulin therapy and inadequate glycaemic control. Cochrane Database Syst Rev. 2016, Sep 18

Bild: © Daniel Ernst / Fotolia.com

Bei Diabetespatienten die Niere im Blick haben

Vom European Association for the Study of Diabetes (EASD) Kongress 2013 in Barcelona

Bei etwa der Hälfte aller Patienten mit Typ 2-Diabetes findet sich Albumin im Harn. Dies ist das erste Anzeichen einer Niereninsuffizienz infolge der diabetischen Mikroangiopathie. Bei etwa einem Viertel aller Typ 2-Diabetiker ist die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) reduziert, die Niereninsuffizienz also auch manifest.[1]

Diabetespatienten mit Niereninsuffizienz haben ein doppelt so hohes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und schwere Hypoglykämien wie Diabetespatienten mit intakter Nierenfunktion. Zudem haben sie ein hohes Risiko, dialysepflichtig zu werden.[1]

Bei Diabetikern mit positivem Albuminnachweis ist eine konsequente antidiabetische und antihypertensive Therapie daher besonders wichtig!

Etliche orale Antidiabetika (und auch Insulin) werden in relevantem Ausmaß über die Niere eliminiert. Wenn die renale Clearance eingeschränkt ist, müssen sie entweder geringer dosiert  oder wegen Kontraindikation ersetzt werden.

Folglich lohnt sich die Frage an alle Patienten mit oralen Antidiabetika: „Ist Ihre Nierenfunktion in letzter Zeit untersucht worden?“ Sie ermöglicht einen Einstieg in die Therapieoptimierung und kann den Zugang zu den Laborparametern des Patienten eröffnen, ohne die eine umfassende Optimierung nicht möglich ist.

Um die Nierenfunktion des Patienten grob einzuschätzen, genügt die Kenntnis des Alters, des Geschlechts, der Hautfarbe und des Serumkreatininspiegels des Patienten. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie empfiehlt web-basierte Nierenfunktionsrechner, die mit wenigen Klicks basierend auf diesen Daten eine geschätzte Nierenfunktion ermitteln, z.B. nach der CKD-Epi-Gleichung.

Eine GFR unter 60ml/min/1,73m² entspricht einer moderaten, eine GFR unter 30ml/min/1,73m² einer starken Einschränkung.

Die Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft zu „Nierenerkrankungen bei Diabetes“ enthält nähere Angaben zum Screening und zu Zielwerten der antidiabetischen und antihypertensiven Therapie und natürlich zur Therapie selbst.

 

[1] Dr. Per-Henrik Groop, Professor für Nephrologie, Universität Helsinki, Finland; Vortrag beim 49. EASD-Kongress, September 2013 in Barcelona

Newsletter Nr. 07/2013

 

Case Trainings – neu ab 2. Halbjahr 2013: Sie haben Lust, sich in einem überschaubaren Zeitrahmen mal intensiv in die patientenorientierten Details eines Fallbeispiels hineinzudenken? Mit interessierten Kollegen zu diskutieren, wie das Medikationsmanagement erfolgt und welche Hinweise dem Patienten und dem Arzt gegeben werden sollten? Sie möchten Ihr Wissen anwenden und erproben, um es dann mit gutem Gefühl in der Beratung von Patienten und Ärzten einzusetzen?Dann sind Sie in unseren neuen Online-Case-Trainings genau richtig. Vielleicht erleben Sie es wie ein Teilnehmer des Einführungsdurchlaufs: „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mich in verschiedene Themen „reinzuknien“, die unterschiedlichen Gesichtspunkte der anderen Teilnehmer als Bereicherung zu erleben, neue Informationsquellen zu erschließen… Vielen herzlichen Dank! Ich könnte glatt weitermachen!“ Starttermine und weitere InformationenInformationen zum Format hier.

 

Noch 3 Tage Frühbucherrabatt: Bei Anmeldung bis zum 31. Juli 2013 profitieren Sie noch von unserem 10%igen Frühbucherrabatt auf alle Veranstaltungen im 2. Halbjahr 2013. Themen und Termine finden Sie in unserem Seminarkalender.

 

Angewandte Pharmakokinetik von Tasigna®: Herr J., übergewichtig, CML, eingeschränkte Nierenfunktion, bekommt 2x tägl. 300mg Tasigna® (Nilotinib) neu verordnet. Herr J., dem Sie früher bereits erklärt haben, dass bei manchen Arzneimittel wegen der Nierenfunktion die Dosis reduziert werden muss, möchte wissen, ob das hier auch der Fall ist. Außerdem würde er diese neuen Kapseln gerne zusammen mit seinem Repaglinid morgens direkt vor dem Frühstück einnehmen, ob das wohl möglich sei? Und sich auch verträgt? Wie ist es mit dem Übergewicht – spielt das eine Rolle?Wer sich mit solchen Fragen auseinandersetzen muss und die Zusammenhänge verstehen will, braucht einen Einblick in die Pharmakokinetik. Eine Möglichkeit, diese Kompetenzen aufzubauen, bietet sich vom 12.09. bis 09.10.13 in unserem moderierten Online-Seminar „Angewandte Pharmakokinetik„. Anmeldung online bis zum 07.08.2013

 

Nicht-steroidale Antirheumatika: Bei Patienten mit kardialen Risikofaktoren empfiehlt die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft basierend auf neuen Meta-Analysen den Einsatz von Naproxen in Verbindung mit Magenschutz. Mehr Informationen hier.

 

Glück im Unglück: Orale Antidiabetika schützen Diabetes-Patienten vor Krebs Insulin und sein Verwandter, der insulinähnliche Wachstumsfaktor, fördern das Wachstum von Krebszellen. Daher ist die Vermutung naheliegend, dass eine medikamentöse Korrektur der Blutzuckerspiegel und damit der Hyperinsulinämie, die im Frühstadium eines Typ 2-Diabetes mit Insulinresistenz typisch ist, das Risiko einer Krebserkrankung senken könnte. Eine taiwanesische [EXPAND Studie] – HC Lin et al.: Effects of Metformin Dose on Cancer Risk Reduction in Patients with Type 2 Diabetes Mellitus: A 6-Year Follow-up Study. Pharmacotherapy 2013, Article first published online: 17 JUL 2013, doi: 10.1002/phar.1334 -[/EXPAND]belegt diese Vermutung und zudem eine Dosisabhängigkeit des Effekts anhand von Versicherungsdaten von fast 100.000 Patienten. Wenn das kein Motivationsfaktor für eine stringente Blutzuckerkontrolle ist! Mehr Informationen hier.

 

Antihypertensive Therapie: Kombinierter Start möglich: Die neue ESC-Leitlinie zur Behandlung der arteriellen Hypertonie weicht von der bislang gültigen Empfehlung ab, die Therapie in jedem Fall als Monotherapie zu beginnen. In der Regel ist eine Monotherapie nicht ausreichend wirksam, und der Wechsel von einem Medikament zum anderen geht auf Kosten der Compliance. Lesen Sie mehr über die Empfehlungen hier.

 

Erste Kammer-Kooperation in Vorbereitung: Campus Pharmazie und die Apothekerkammer Westfalen-Lippe feilen an den letzten Feinheiten einer Kooperation. Die Kammer lässt dem Wunsch ihrer Kammermitglieder nach einer hochwertigen berufsbegleitenden Fortbildung in Klinischer Pharmazie Taten folgen: Ab dem 2. Halbjahr 2013 will sie die moderierten Online-Seminare des Campus Pharmazie in ihr Fortbildungsangebot aufnehmen. Wir werden berichten.

 

Wir begrüßen Sie nach der Sommerpause herzlich wieder zurück!

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

genannte Studie:
HC Lin et al.: Effects of Metformin Dose on Cancer Risk Reduction in Patients with Type 2 Diabetes Mellitus: A 6-Year Follow-up Study. Pharmacotherapy 2013, Article first published online: 17 JUL 2013, doi: 10.1002/phar.1334

Besser und kostengünstiger mit klinischen Pharmazeuten

Die Einbindung von klinischen Pharmazeuten in die Versorgung von Typ-2-Diabetikern ist eine so genannte ‚dominante Strategie‘. Dieser Begriff aus der Pharmakoökonomie meint, dass eine Versorgungsmaßnehme sowohl effektiver ist als auch weniger Kosten verursacht

Das berichten J. Yu et al. in einer kalifornischen Studie* (Artikel kostenfrei verfügbar, s.u.). Die Autoren untersuchten in einer pharmakoökonomischen Analyse Kosten und Wirksamkeit der Arbeit von klinischen Pharmazeuten, die die Typ 2-Diabetiker in einem initialen Beratungsgespräch persönlich sahen und dann monatlich Follow-up-Gespräche per Telefon führten

Sie stellten fest, dass das langfristige kardiovaskuläre Risiko von Diabetikern (berechnet mit dem UKPDS Risk Engine) niedriger war, wenn sie auch von Apothekern betreut wurden, als wenn letztere nicht an der Versorgung beteiligt waren.

Die dadurch erzielten Einsparungen im Gesundheitssystem überwogen die Apotheker-Lohnkosten.