Deprescribing von Benzodiazepinen

Deprescribing. Wie kann das in der Praxis aussehen? Dieser Frage hat sich eine kanadische Arbeitsgruppe [1] angenommen und verschiedene Algorithmen entwickelt, die wir auch in den Beiträgen Deprescribing von Antipsychotika und Deprescribing von Antidiabetika betrachten.

Benzodiazepine und Z-Substanzen

Benzodiazepine (BZD) und Z-Substanzen (ZS) werden häufig verordnet und eingenommen, auch wenn mit ihrer langfristigen Einnahme gerade im Alter deutliche Risiken, z.B. für Stürze, Knochenbrüche und kognitive Einschränkungen, verbunden sein können [2].

Der Deprescribing-Algorithmus [3] für diese Wirkstoffgruppe stellt zunächst die Frage nach dem Einnahmegrund. Bei konkret begründbaren Schlafstörungen (z.B. aufgrund eines Restless-Legs-Syndroms oder anderen physischen oder psychischen Gründen für Schlaflosigkeit), Angststörung, Depression oder während eines Alkoholentzuges sollten die BZD und ZS zunächst weiter verwendet werden, es sollte aber versucht werden, die zugrundeliegenden Ursachen für die Schlafstörungen adäquat zu therapieren, um BZD bzw. ZS anschließend absetzen zu können.

Handelt es sich um eine allein stehende Schlafstörung, rät der Algorithmus dazu, mit den Patienten ins Gespräch zu kommen, sie über die Risiken aufzuklären und auf ein Einverständnis zum Beenden dieser Therapie hinzuarbeiten. Der erwartete Nutzen des Absetzens besteht in erhöhter Wachheit am Tag / weniger Tagesmüdigkeit, erhöhter kognitiver Leistung und der Vermeidung von Stürzen.

Ist das Einverständnis vorhanden, kann mit dem Ausschleichen begonnen werden, lt. Algorithmus zunächst in Reduktionsstufen von 25% alle zwei Wochen, zum Ende hin in 12,5%-Stufen. Entzugssymptome können in Form von Schlafstörungen, Angst, Reizbarkeit, Schwitzen und GIT-Beschwerden bestehen, dauern aber in der Regel nur wenige Tage an. Wenn nötig, kann in solchen Fällen das Ausschleichen verlangsamt werden.

Deprescribing gewinnt in der geriatrischen Therapie zunehmend an Bedeutung.

Quellen

[1] Deprescribing.org Website von Dr. Barbara Farrell (Apothekerin) und Dr. Cara Tannenbaum (Ärztin mit Schwerpunkt Geriatrie). Informationen über das Team und das Projekt.

[2] Deprescribing.org Informationsblatt.

[3] Deprescribing-Algorithmus Benzodiazepine & Z-Substanzen, Stand März 2016

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Newsletter Nr. 04/2014

CaP-Logo in Tablet vor Meer

Medikationsmanagement: Die gemeinsame Fortbildungsmaßnahme der Apothekerkammer Hamburg und von Campus Pharmazie (wir haben berichtet) ist mit maximaler Teilnehmerzahl angelaufen. 40 Hamburger Apotheker/innen profitieren damit schon zum Auftakt von der neuen Netzwerkpartnerschaft. Am Präsenztermin stand die Kommunikation im Vordergrund. Um die Klinische Pharmazie wird es im Online-Teil gehen: In einem einwöchigen moderierten Case-Training nehmen die Teilnehmer drei Fälle unter die Lupe. Wir werden berichten.

 

Spannende Themen im Bulletin zur Arzneimittelsicherheit 2/2014: Kein Codein für Kinder – neue Risikobewertung wegen Morphinintoxikation bei schnellen Metabolisierern von CYP2D6-Substraten. Nach Einnahme von Zolpidem sollen mindestens acht Stunden lang keine Tätigkeiten ausgeführt werden, die Reaktionsvermögen erfordern. Weitere Themen und Links hier.

 

NOAK überlegen und sicher: So lautet das Fazit einer Klarstellung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung. Weitere Details dazu hier.

 

Neue Adipositas-Leitlinie: Orlistat wird als einzige medikamentöse Option in der neuen interdisziplinären S3-Leitlinie zur „Prävention und Therapie der Adipositas“ genannt. Die Indikation besteht, wenn ein Basisprogramm mit Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie nach 6 Monaten zu weniger als 5% Gewichtsabnahme geführt hat. Mehr Informationen finden Sie hier.

 

ESC-Leitlinie zur peri-operativen kardio-vaskulären Therapie: Die Behandlungsoptionen bei schwerem Asthma nach neuer ERS/ATS-Guideline sind: hochdosierte systemische Corticoide, LABA, Tiotropium, Omalizumab. Für Interleukin-Antikörper müssen Wirksamkeit und Sicherheit erst noch gezeigt werden. Schlecht ist die Datenlage bei Kindern mit schwerem Asthma.

 

Ebenfalls ganz neu ist die ESC-Leitlinie zum Einsatz kardialer und gerinnungsaktiver Medikamente bei chirurgischen Eingriffen außerhalb des Herzens. Mehr dazu hier.

 

Neues Fallbeispiel: Auf unserer Website stellen wir Ihnen den Fall eines 86-jährigen Alzheimer-Patienten vor und diskutieren die Optionen seiner Schmerztherapie. In unseren Veranstaltungen erarbeiten die Teilnehmenden die Lösung für solche Kasuistiken und stärken so ihre Kompetenz in der patientenorientierten Pharmazie. Verschaffen Sie sich einen Eindruck anhand dieses Beispiels hier.

 

Noch Plätze frei: Was muss bei Kindern, Schwangeren und Senioren anders gemacht werden als bei Erwachsenen mittleren Alters? Wie finde und nutze ich medizinische Literatur wie Leitlinien etc.? Antworten darauf erhalten Sie vom 13.11. bis 10.12.14 in den Online-Seminaren „Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen“ bzw. „Medizinische Literaturrecherche und Arzneimittelinformation„. Anmeldungen nehmen wir z. B. über das Online-Anmeldeformular oder per E-Mail entgegen.

 

CaP Logo geschützt ist jetzt eine Marke: Haben Sie das ® in unserem Bild oben bemerkt? Seit Juli genießt Campus Pharmazie Markenschutz, damit Sie sicher sein können: Wo unser Logo drauf ist, stecken auch wirklich wir dahinter.

Mit kollegialen Grüßem

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)