Dosisanpassung an Organfunktionen bei Krebspatienten

Welche Wirkstoffdosierungen müssen an die Nieren-, welche an die Leberfunktion angepasst werden?

Eine eingeschränkte Nieren- und / oder Leberfunktion ist nicht so selten bei Krebspatienten – sei es aufgrund der Erkrankung selbst, aufgrund von nephro- oder hepatotoxischen Nebenwirkungen der Therapie oder aufgrund von fortgeschrittenem Alter.

Angesichts der geringen therapeutischen Breite der Krebstherapeutika stellt sich daher häufig die Frage, ob eine solche Erkrankung die Pharmakokinetik des verordneten Wirkstoffs beeinflusst, so dass die Dosis angepasst werden muss.

Das Verständnis der Pharmakokinetik, speziell des Eliminationsweges (renale oder biliäre Exkretion mit oder ohne vorherige hepatische oder anderweitige Metabolisierung) eines Wirkstoffs, ist eine wesentliche Basis für die Einschätzung, ob die Nieren- oder die Leberfunktion oder beide bei der Dosierung berücksichtigt werden müssen.

Keine Regel ohne Ausnahmen

Manchmal sind die Empfehlungen allerdings auch überraschend, z.B. die Notwendigkeit der Dosisanpassung an die Nierenfunktion für Imatinib und Sorafenib, die beide vorrangig hepatisch eliminiert werden. Für Imatinib wurden bei niereninsuffizienten Patienten höhere Plasmaspiegel und mehr Nebenwirkungen gefunden, für Sorafenib stärkere Toxizität bei unveränderten Plasmaspiegeln. In beiden Fällen ist nicht ganz klar, warum das so ist. Erhöhte Plasmaspiegel weisen auf einen pharmakokinetischen Mechanismus hin (evtl. eine veränderte Bindung an α1-saures Glykoprotein, das bei Niereninsuffizienz verstärkt exprimiert wird), Erhöhte Toxizität bei unverändertem Plasmaspiegel auf einen pharmakodynamischen, also veränderte Sensitivität.

Die Autorinnen und Autoren einer kürzlich erschienenen Übersichtsarbeit haben sich die Mühe gemacht, die Dosierungsvorschriften von mehr als 150 onkologischen Wirkstoffen und Studiendaten dazu aus der Literatur durchzugehen und die an Eliminationsstörungen anzupassenden in drei Gruppen einzuteilen: a) solche, die bei eingeschränkter Nierenfunktion niedriger dosiert werden müssen, solche, die an b) eine mild bis moderat und solche, die an c) eine stark eingeschränkte Leberfunktion anzupassen sind.

Für Zytostatika-herstellende Apotheken ist die gesamte Übersicht wichtig, für andere Apotheken vorrangig die Spalte mit den oral verfügbaren Wirkstoffen.

Quelle

Krens SD et al.: Dose recommendations for anticancer drugs in patients with
renal or hepatic impairment. Lancet Oncol 2019; 20: e200–07

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Veranstaltungshinweis:

Falls Sie mehr über angewandte pharmakokinetische Zusammenhänge erfahren möchten: melden Sie sich für unser Seminar an, das am 03. Oktober 2019 startet!

NZW – zum 20. Mal!

Wie jedes Jahr findet auch in diesem am letzten Januar-Wochenende der Norddeutsche Zytostatika-Workshop NZW statt. In diesem Jahr sogar sage und schreibe zum 20. Mal!

Zum 20. Mal wird also Harburg, im südelbischen Hamburg gelegen, zum Treffpunkt für onkologisch interessierte Apothekerinnen und Apotheker, Ärztinnen und Ärzte, PTAs und pharmazeutische Unternehmen aus dem In- und Ausland.

Das Programm ist umfangreich. Aktuell zähle ich vier verschiedene Zertifikatskurse, 19 Workshops zu unterschiedlichen Themen, 23 Vorträge, drei Satelliten-Symposien und ein interaktives berufspolitisches Forum. Zusätzlich finden Info-Veranstaltungen zur Oralia Initiative der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP) statt. Hier sind Apotheken aufgerufen, sich zu beteiligen, um die Beratung von Krebspatienten zu optimieren, die mit oral einzunehmenden Zytostatika behandelt werden. Der parallel angebotene PTA-Kongress umfasst sieben Vorträge und drei Workshops. Nach aktuellem Stand tragen 93 Referentinnen und Referenten aus Deutschland, Europa und Übersee zum Gelingen dieser Veranstaltungen bei.

Ich muss sagen, es ist eine organisatorische Meisterleistung, dieses informative und hochkarätige Fortbildungsangebot zu realisieren. Dazu gratuliere ich Klaus Meier, dem Präsidenten der DGOP, und seinem Team sehr herzlich. Vielen Dank!

Ich freue mich auf den Kongress und berichte später von den Highlights.
Herzliche Grüße,
Dorothee Dartsch