Newsletter Nr. 04/2020

Sensitivität und Spezifität von Tests: Kein Testverfahren liegt zu 100% richtig. Ein Teil der Ergebnisse wird positiv sein, obwohl der Getestete das, worauf getestet wurde, nicht hat. Genauso wird der Test bei einem Teil derjenigen mit dem fraglichen Merkmal negativ sein. Nehmen wir an, Peter hat einen Corona-Test machen lassen, das Ergebnis ist positiv. Was heißt das für ihn? Dieser Frage gehen wir in unserem Blog nach.

Biotin stört Bestimmung von Laborwerten: Herzinfarkt, obwohl das Troponin T unauffällig ist? Verdacht auf Hyperthyreose ohne klinische Symptome? Bei Patienten, die Biotin einnehmen, kann das passieren, denn Biotin verfälscht die Bestimmung von Troponin, TSH und anderen Laborwerten, wenn sie auf Streptavidin-Basis gemessen werden. Einzelheiten dazu finden Sie in unserem Blog.

Bestimmung von Tumormarkern: Zwischen gebotener diagnostischer Sorgfalt und Überdiagnostik ist manchmal wenig Raum. Bei einer 50-jährigen Patientin mit diversen Vorerkrankungen wurde wegen neu aufgetretenem Unwohlsein und Appetitlosigkeit der Verdacht auf ein Ovarialkarzinom formuliert und der Tumormarker Ca-125 gemessen. Dieser Wert lag sechsfach über dem oberen Referenzwert. Welche Folgen dies hatte, wie das Vorgehen zu bewerten ist und wann der Ca-125 gemessen werden soll, lesen Sie in unserem Blog.

Cholesterolsenkung: Auch im Alter noch nützlich? Erhöhte LDL-Cholesterol-Werte sind weithin als kausaler Risikofaktor für Atherosklerose und Myokardinfarkt akzeptiert. Leitlinien sehen in ihnen für alle Altersgruppen zwischen 40 und 75 Jahren eine Indikation zur Primärprävention. Allerdings wird der klinische Nutzen einer Cholesterol-senkenden Pharmakotherapie in höherem Lebensalter angesichts der kürzer werdenden erwartbaren weiteren Lebenszeit oft bezweifelt. Zu diesem Thema wurden aktuell drei neue Studien vorgelegt. In unserem Blog haben wir die wichtigsten Ergebnisse für Sie zusammengefasst.

Workshop-Termin: Der nächste Falldiskussions-Workshop findet am 24.04.2021 von 10 bis 18:30 statt. Da die Covid-Entwicklung nicht absehbar ist, wird er online stattfinden, wie der letzte Workshop. Wie bitte, ganztägiger Online-Workshop? Funktioniert das? Ja, siehe Evaluationsbeitrag. Hier melden Sie sich an.

Fachapotheker-Akkreditierungen: Im nächsten Jahr führen wir unser Altersgruppenseminar wieder zweigleisig durch. Die Themen Geriatrie und Pädiatrie sind immer dabei, wählen kann man zwischen Neurologie & Psychiatrie oder Schwangerschaft & Stillzeit. Akkreditierungen sind beantragt für die Seminare A.1, A.9., A.10 und A.11 in der Allgemeinpharmazie (A.1 und A.10 je nach gewähltem Gleis) sowie für das Seminar 6 im „Medikationsmanagement im Krankenhaus“. Auch anerkannt im Masterstudium Clinical Pharmacy Practice.

Seminar-Fahrplan 2021: Unser Fahrplan für das nächste Jahr sieht das erwähnte Altersgruppenseminar für den Start vor. Los geht es am 21.01.2021. Ab 18.03.2021 folgt das Seminar „Interpretation von Laborparametern“.

Nach diesem ungewöhnlichen Jahr voller Herausforderungen wünschen wir allen Kolleginnen und Kollegen erholsame Feiertage und einen unbeschwerten Jahreswechsel. Bleiben Sie gesund!

Jasmin Hamadeh ——Dr. Dorothee Dartsch
(Mediendidaktik)-__—-(Klinische Pharmazie)
mit dem Campus-Team

Details zu allen Themen auf unserer Website. Die hellblau hervorgehobenen Begriffe sind mit den entsprechenden Internetseiten verlinkt.

Hier können Sie unseren Newsletter herunterladen: PDF-Datei

Bildnachweis: © CaP Campus Pharmazie GmbH

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Optimale kardiovaskuläre Therapie bei Patienten über 85

Wie streng sollten Leitlinien befolgt werden?

Leitlinien streben vielfach mit komplexen Kombinationstherapien ehrgeizige Behandlungsziele an. Entwickelt werden sie durch die Auswertung klinischer Studien, die in der Regel mit erwachsenen Patienten unter 60 Jahren durchgeführt werden.

Aber sind die Studienergebnisse auf ältere Patienten übertragbar? Gelten die Versprechen einer konsequenten Leitlinientherapie auch für sie? Oder kehrt sich die positive Beeinflussung von Mortalität und Morbidität durch die Zunahme von unerwünschten Wirkungen eventuell sogar um?

Die Frage der Übertragbarkeit von Therapieempfehlungen stellt sich bei allen Patienten, die „außerhalb der Norm“ liegen: besondere Altersgruppen (sehr alt, sehr jung), Schwangeren und Stillenden, Patienten mit Eliminationsstörungen (Leber-, Niereninsuffizienz). Neben dem ärztlichen ist zur Beantwortung auch der pharmazeutische Sachverstand gefragt, weil vielfach pharmakokinetische und pharmakodynamische Unterschiede sowie Besonderheiten bei der Arzneimittelanwendung zu berücksichtigen sind.

Eine aktuelle Studie hat nun untersucht, ob Patienten, die älter als 85 Jahre sind, nach einem Herzinfarkt von einer dauerhaften Therapie mit ASS, ACE-Hemmern / AT1-Blockern, Betablocker und Lipidsenker profitieren [1]: Mit der Zunahme der Verordnung dieser Wirkstoffe stieg auch die 90-Tage-Überlebensrate. Neben der medikamentösen Therapie kann auch die häufigere Anwendung der perkutanen Koronarangioplastie anstelle einer Bypass-Operation zu der positiven Entwicklung beigetragen haben.

Demnach reduziert eine leitliniengerechte Therapie auch bei diesem Patientenkollektiv die Mortalität. Zu untersuchen bleiben die Sicherheit / Lebensqualität und die langfristige Auswirkung auf Mortalität und Morbidität.

Diese Studie war finanziert durch das NIH und zwei seiner Fachabteilungen, die Autoren bestätigen die Abwesenheit eines Interessenkonfliktes.

[1] J Tjia et al.: Encouraging trends in acute myocardial infarction survival in the oldest old. Am J Med. 2013 Sep;126(9):798-804

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