Info-Veranstaltung zum Masterstudium in Münster

Sie haben unsere Info-Abende zum Masterstudiengang Clinical Pharmacy Practice in Hamburg und München verpasst? Kein Problem – kommen Sie doch einfach am 9. Januar 2019 nach Münster.

Dann werden die Studienkoordinatorin der RGU, Ina Donat, und ich Ihnen von 14:30 Uhr bis 17:00 Ablauf, Inhalte und Aufgabenformate im Masterstudiengang vorstellen.

Wer ab Januar mit den Campus-Pharmazie-Veranstaltungen beginnt, hat die Möglichkeit, im Herbst 2019 die zweite Stufe an der RGU zu beginnen und das Studium Anfang 2021 abzuschließen. Achtung: Es geht bereits sehr früh im Jahr los: mit dem Seminar „Arzneimitteltherapie für Patienten besonderer Altersgruppen“ am 10. Januar 2019. Anmeldungen nehmen wir jederzeit gerne an.

Vielleicht werfen Sie auch einen Blick in unseren Veranstaltungskalender und überlegen schon einmal, welche Seminare für Sie am besten passen – inhaltlich und zeitlich. Zur Anrechnung im Masterstudium brauchen Sie drei Seminare:

Hinzu kommen zwei Fallworkshops und eine Hospitation. Aber das erzählen wir auch alles am 9. Januar, 14:30 Uhr bis 17:00 Uhr in Münster in der Bismarckallee 25. Ihre Anmeldung wird zwecks Planung erbeten über die Apothekerkammer Westfalen-Lippe.

Ich freue mich, Sie dort begrüßen zu können.

Mit herzlichem Gruß

Dorothee Dartsch

Bildnachweis: © CaP Campus Pharmazie GmbH

Hyponatriämie

Zu wenig Natrium?

Natrium regelt den Flüssigkeitshaushalt und ist ein essenzieller Mitspieler beim Aufbau von Transmembranpotenzialen, die neuromuskuläre Funktionen ermöglichen.

Patienten, die zu geringe Natriumkonzentrationen im Blut haben, haben Kopfschmerzen, sind häufig verwirrt, rastlos, reizbar, müde und schnell erschöpft und leiden unter Übelkeit und Erbrechen. Bei sehr niedrigen Konzentrationen kommen Krämpfe, Krampfanfälle und Koma hinzu.

Hyponatriämie als unerwünschte Arzneimittelwirkung

Bevor es so weit kommt, sollte gerade bei älteren Patienten unter Polymedikation ein Blick auf die Arzneimittelliste geworfen werden, denn etliche Wirkstoffe können zur Hyponatriämie führen:

Psychopharmaka:

  • Amitriptylin
  • Desipramin
  • Haloperidol
  • Thioridazin
  • Trifluoperazin
  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (v.a. bei älteren Patienten)
  • MAO-Hemmer
  • Clozapin

Diuretika:

  • Thiazide
  • Schleifendiuretika
  • Amilorid

Krebstherapeutika:

  • Vincristin
  • Vinblastin
  • Platinpräparate
  • Cyclophosphamid
  • Iphosphamid
  • Melphalan
  • Methotrexat
  • monoklonale Antikörper
  • IFN alpha und gamma
  • Bortezomib
  • etliche Tyrosinkinasehemmer
  • Thalidomid

Antiepileptika:

  • Carbamazepin
  • Oxcarbazepin
  • Lamotrigin
  • Valproat

Antiinfektiva:

  • Trimethoprim-Sulfamethoxazol
  • Ciprofloxacin
  • Rifabutin
  • Amphotericin

Weitere:

  • ACE-Hemmer
  • NSAIDs
  • Sulfonylharnstoffe
  • Amiodaron
  • Theophyllin
  • Protonenpumpenhemmer

Findet man bei Patienten mit den genannten Symptomen und Natriumwerten unter dem Referenzbereich einen medikamentösen potenziellen Auslöser, besteht der therapeutische Ansatz in dessen Absetzen und ggf. Ansetzen einer therapeutischen Alternative.

Die Interpretation von Laborparametern ist ein wichtiges Instrument zur Steuerung und Optimierung von Arzneimitteltherapien.

Quellen

Laborlexikon.de: Natrium im Serum

SIDER: Hyponatremia

D Liamis et al., A Review of Drug-Induced Hyponatremia. American Journal of Kidney Diseases 2008, 52(1): 144-153

Fourlanos & Greenberg, Managing drug-induced hyponatraemia in adults. Aust Prescr: 2003;26:114-7

Braun et al., Diagnosis and Management of Sodium Disorders: Hyponatremia and Hypernatremia. Am Fam Physician. 2015, 91(5): 299-307

Bildnachweis: © Pixelot / Fotolia.com

Anämie im Alter

Bei Senioren, die in der Apotheke über Beschwerden wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Orthostase, Abnahme der kognitiven Leistung, Appetitmangel klagen, auch ein eine Anämie denken [1].

In hohem Alter können Anämien über die genannten belastenden Symptome hinaus mit verschlechterter Herzinsuffizienz, Mobilitätseinbußen, erhöhtem Sturzrisiko, Einschränkungen in der Alltagsbewältigung, verzögerter  Wundheilung, verringerte Lebensqualität und gesteigerter Mortalität verbunden sein.

Da Anämien nicht zu den altersphysiologisch zu erwartenden Veränderungen gehören, ist es wichtig, ihrer Ursache auf den Grund zu gehen und sie gezielt zu behandeln. In ca. 80% der Fälle lässt sich die Ursache identifizieren [1]. An den restlichen Fällen ist möglicherweise eine latente, generalisierte Form der Entzündung beteiligt, die als „Inflammaging“ bezeichnet wurde [2].

Anämie-Ursachen und wie man sie erkennt

Mit 30-45% ist die Anämie chronischer Erkrankungen die häufigste Form. Sie tritt als Begleiterscheinung z.B. von Entzündungen (z.B. rheumatoide Arthritis, Colitis ulcerosa, M. Crohn, Polymyalgie), chronischen Infektionen (Tuberkulose, chron. Harnwegsinfekte), Autoimmunerkrankungen, Tumoren, Myelodysplastischem Syndrom oder Niereninsuffizienz auf. Betrachtet man die Symptome als „Alterserscheinungen“, verpasst man u.U. den frühzeitigen Beginn einer kausalen Therapie [3].

Eisenmangel ist für etwa 15-30% der Anämien im Alter verantwortlich [1]. Drei Laborparameter erlauben die Abschätzung ihres Stadiums: Ferritin (gibt Füllungszustand der Eisenspeicher), Retikulozyten (gibt Auskunft über die Knochenmarkkapazität für die Neubildung von Erythrozyten) und Hämoglobin (Hb; gibt zusammen mit Erythrozytenparametern Auskunft über Zahl und Eisengehalt der Erythrozyten). Wenn der Eisenverlust die Eisenzufuhr übersteigt, sinkt zunächst das Ferritin, Retikulozyten und Hb sind noch normal. Nimmt infolge weiteren Mangels die Erythropiese ab, sinkt auch die Zahl der Retikulzyten, das Hb ist noch normal. In der echten Eisenmangelanämie befinden sich alle drei Parameter unter dem Normalbereich.

Weitere 5-10% der Anämien gehen auf das Konto des Folat- oder Vitamin B12-Mangels [1]. Sie gehören zu den makrozytären Anämien, bei denen das MCV (mean corpuscular volume) erhöht ist.

In gleicher Größenordnung liegend die blutungsbedingten Anämien [1]. Gerade bei Älteren ist hier an unerwünschte Wirkungen von ASS und anderen Thrombozytenaggregationshemmern, oralen Antikoagulazien, NSAR oder SSRI zu denken [3]. Bei blutungsbedingten Anämien haben die Erythrozyten ihre physiologische Form (MCH, MCV sind normal), die Zahl der Retikulozyten ist als Zeichen des Regenerationsversuchs erhöht, solange die Knochenmarkreserven und der Substratvorrat ausreichend sind.

Behandlung

Die Anämie chronischer Erkrankungen kann nur indirekt über die Therapie der ursächlichen Erkrankung behandelt werden. Symptomatisch kann Erythropoietin helfen.

Bei Substratmangel müssen Eisen, Folsäure oder / und Vitamin B12 supplementiert werden, s. dazu Leitlinie Eisenmangelanämie [4]. Der Erfolg lässt sich zuerst am Anstieg der Retikulozyten messen, danach am Rückgang der Symptome.

Falls das Blutbild auf eine Blutungsanämie schließen ließ und sich durch die Supplementierung mit Substraten zwar die Retikulozytenzahl erhöht, die Symptome aber bestehen bleiben, ist zu vermuten, dass die Blutung weiterbesteht und noch gestoppt werden muss – im Falle einer arzneimittelbedingten Blutung durch Ersetzen des potenziell ursächlichen Arzneistoffs.

Quellen

[1] DL Smith: Anemia in the Elderly. Am Fam Physician. 2000 Oct 1;62(7):1565-1572

[2] G Röhrig: Anemia in the frail, elderly patient. Clin Interv Aging. 2016; 11:319-26

[3] J Zeeh: Anämie im Alter: In drei Schritten zum Ziel. MMW Fortschritte der Medizin 2016,  20(158): 59-64

[4] S1-Leitlinie Eisenmangelanämie, 2016

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