„Einfache“ Medikationsanalyse am Fallbeispiel

Analyse LupePersonen:

  • Rena Clear, Apothekerin
  • Distrib Volum, Pharmazeut im Praktikum

Clear: Guck mal, Distrib. Dr. Kinet hat uns eine Medikationsliste zum Analysieren da gelassen, bevor sie in den Urlaub gefahren ist. Sie sagt, man könne auch an solchen Listen schon viel erkennen, selbst wenn man gar keine weiteren Daten hat. Da steht nur, dass es sich um eine 79-jährige Patientin handelt.

Volum: Lass mal sehen, was haben wir denn alles auf der Liste? Oh, die ist ja nicht gerade kurz:

  • Amlodipin 5 mg 1-0-0
  • ASS 100 mg 1-0-0
  • Codein / Paracetamol 30 / 500 mg nach Bedarf, max. 4x tägl.
  • Lisinopril 5 mg 1-0-0
  • Metformin 1000 mg 1-0-1
  • Omeprazol 40 mg 1-0-0
  • Paracetamol 1000 mg 1-0-1
  • Paroxetin 20 mg 0-0-1
  • Pioglitazon 15 mg 0-1-0
  • Senna-Tabletten 0-0-3
  • Sucralfat 1 g 1-1-1-1
  • Valproinsäure 250 mg 1-0-1
  • Vit. B12 i.m. 1x monatlich

Clear: Hm, wo fangen wir denn da an?

Volum: Ich glaube, ich würde die Liste gerne erstmal sacken lassen und in Ruhe die möglichen Indikationsgebiete raussuchen. Sonst habe ich so gar kein Bild, was da los sein könnte.

Clear: Gute Idee, dann machen wir später mit den Einzelheiten weiter.

Volum: Gut. Bis dann!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, können Sie den beiden helfen? Dann freuen wir uns, wenn Sie die Kommentarfunktion unten verwenden und dort Ihre Einschätzung weitergeben. Die Auflösung folgt mit dem nächsten Newsletter.

Mit besten Grüßen,

Dorothee Dartsch

Inzwischen ist auch der weitere Verlauf „aufgedeckt“ worden:

Teil 1: Diskussion über mögliche Indikationen

Teil 2: Diskussion über arzneimittelbezogene Probleme

Teil 3: Pharmazeutische Interventionen

 

Muskelzucken bei einer geriatrischen Patientin mit Multimedikation

Ein Fall für Dr. Kinet

Personen:

Medikation unter die Lupe nehmen (2)

  • Dr. P. Kinet, für ihre pharmakokinetische Expertise in allen Landen bekannte Apothekerin
  • Rena Clear, Apothekerin
  • Distrib Volum, Pharmazeut im Praktikum

 

Clear und Volum betreten das Büro von Dr. Kinet, um einen Fall zu besprechen. Kinet sitzt am Rechner und recherchiert in einer Leitlinie, überall liegen aufgeschlagene Lehrbücher und Papiere herum.

Kinet (freundlich): Guten Morgen, was haben Sie für mich?

Clear: Wir haben hier eine 78-Jährige mit myoklonischen Muskelzuckungen unter Simvastatin, Metformin, Citalopram, Gabapentin, Fluticasonproprionat, Salmeterol, Lisinopril, Furosemid und HCT.

Kinet: Ah, das ist interessant. Welche Wirkstoffe halten Sie denn am ehesten für den potenziellen Verursacher?

Volum: Also, vor kurzem sind die Dosierungen für Furosemid und Lisinopril erhöht worden, während sie alles andere schon seit Jahren unverändert einnimmt. Dann muss es doch an einem von den beiden liegen, oder?

Kinet: Das ist eine wichtige Information. Könnte sein, dass die Dosiserhöhung eine Rolle spielt – die Frage ist nur, ist es eine direkte oder eine indirekte Rolle? Wie können wir denn das herausfinden?

Clear (mit einem Seitenblick auf Volum): Ich glaube nicht, dass es am Furosemid oder Lisinopril liegt. Keins von beiden hat Myoklonien im Nebenwirkungsspektrum, dann müsste es schon eine bislang unbekannte Nebenwirkung sein.

Volum (stirnrunzelnd): Aber Furosemid kann Elektrolytstörungen verursachen, das kann sich doch auch auf die Muskulatur auswirken!

Kinet: Beides richtig. Aber die Elektrolytstörungen durch Furosemid sind Hyponatriämie und Hypomagnesiämie, die eher zu Wadenkrämpfen als zu Myoklonien führen. Was Kollegin Clear sagt, ist schon korrekt, dieses Symptom passt weder zu Furosemid noch zu Lisinopril. Haben wir denn andere Wirkstoffe, die Myoklonien auslösen können?

Clear: Ja, da sind Citalopram und Gabapentin.

Volum (lauter): Aber die Dosierungen mit 20mg Citalopram und 900mg Gabapentin pro Tag sind doch nicht wirklich hoch. Und außerdem nimmt die Patientin beides doch schon seit vielen Jahren und hat nie ein Problem gehabt. Wieso sollte sich das jetzt plötzlich ändern?

Kinet: Genau die richtige Frage. Welche Faktoren im „System Patient“ haben denn einen Einfluss auf Citalopram und Gabapentin, und würden bei Veränderung den Dosisbedarf ändern?

Clear: Citalopram ist zu 80% oral bioverfügbar, hat ein einigermaßen großes Verteilungsvolumen, keine ausgeprägte Plasmaproteinbindung und wird von CYP 2C19 metabolisiert. Insgesamt werden 80-85% über die Leber und 15-20% über die Niere eliminiert.

Volum (verblüfft): Wow, wo hast du die ganzen Angaben her?

Clear (stolz lächelnd): Aus der Fachinfo. Gabapentin hat eine etwas niedrigere orale Bioverfügbarkeit von 60%, ein größeres Verteilungsvolumen und wird nicht an Plasmaproteine gebunden. Die Elimination erfolgt komplett über die Niere. Weder die Absorption von Gabapentin noch von Citalopram wird durch Nahrung beeinflusst.

Kinet: Nach welchen Veränderungen müssen wir denn suchen, wenn wir davon ausgehen, dass die Myoklonien durch ein „zu viel“ an Citalopram oder Gabapentin ausgelöst werden?

Clear: Entweder ist die Bioverfügbarkeit erhöht, oder für Citalopram müsste die Leberfunktion bzw. für Gabapentin die Nierenfunktion abgenommen haben.

Kinet: Sehr gut. Und – finden Sie da vielleicht einen Zusammenhang mit den veränderten Furosemid- und Lisinoprildosierungen?

Volum (kratzt sich am Kinn): Äh, nee, da gibt es doch gar keine Einflüsse auf CYP-Enzyme.

Kinet (lächelt): Stimmt, aber die Beeinflussung von CYPs ist ja nicht der einzige Mechanismus für Wechselwirkungen.

Clear: Einen Interaktions-Check haben wir natürlich schon gemacht, aber da haben wir in Bezug auf Furosemid und Lisinopril nur ein erhöhtes Risiko für QT-Verlängerungen und Hypotonien gefunden. Da sehe ich überhaupt keine Verbindung zu den Myoklonien durch Citalopram oder Gabapentin…

Volum: Ich auch nicht.

Kinet: Allein der Interaktions-Check hilft uns hier nicht weiter, das stimmt. Obwohl manchmal ein zweiter Check mit einer anderen Datenbank hilft. Hier habe ich einen, in dem auch noch ein Hinweis auf Niereninsuffizienz oder akutes Nierenversagen durch ACE-Hemmer zu finden ist, wenn diese bei Hyponatriämie eingesetzt werden, die durch Furosemid entstehen kann. Ohne diesen zweiten Check muss man sich die Zusammenhänge aus den pharmakokinetischen Überlegungen und den Fachinformationen selbst herleiten.

Clear (unterbricht sie): Ah! Und beim akuten Nierenversagen würde das Gabapentin eine längere Halbwertszeit haben, kumulieren und zu dosisabhängigen unerwünschten Wirkungen führen, stimmt’s?

Kinet: Exakt. Und wie können wir erkennen, ob diese Hypothese wahr sein könnte?

Volum (aufgeregt): Das müsste doch an den Laborwerten zu erkennen sein, vor allem Natrium und Kreatinin, oder? Moment, die Werte haben wir doch in der Akte: Natrium war bei 124 mEq/L und Kreatinin bei 3.2 mg/dL. Die Normwerte sind hier mit 135-145 mEq/l für Natrium und 0,66-1,09 mg/dl für Kreatinin angegeben.

Clear: Das passt doch super! Das ergibt eine eGFR von nur 13ml/min/1,73m². (Stockt) Oh je, da muss das Metformin aber schleunigst gestoppt werden. Und wie hoch ist denn das Kalium?

Volum (erschrocken): Das Kalium liegt aktuell bei 7,2 mEq/l, also deutlich über der oberen Grenze von 5,2 mmol/l.

Kinet: Dann informieren Sie jetzt bitte schnellstens den Arzt, dass Metformin und Lisinopril ausgesetzt werden müssen. Der Arzt wird ein EKG machen wollen, vielleicht eine Dialyse. In der Zwischenzeit bis sich der Zustand stabilisiert am besten Insulin, für den Blutdruck wenn nötig ein Betablocker oder Calciumkanalblocker. Und ein Gabapentin-Spiegel wäre gut, damit wir wissen, wie weit wir über dem therapeutischen Bereich liegen und wie lange Gabapentin ausgesetzt werden muss.

Clear: Klar, sind schon unterwegs!

Mit wehenden Kitteln verlassen sie das Büro, Kinet wendet sich wieder der Leitlinie zu und murmelt: „Gut, dass wir uns hier auch um die Pharmakokinetik kümmern!“. Vorhang.

 

Dieser Dialog basiert auf einem veröffentlichten Fallbeispiel (Kaufman et al., Myoclonus in renal failure: Two cases of gabapentin toxicity. Epilepsy Behav Case Rep. 2013; 29;2:8-10), ist aber frei erfunden.

Bild: Fotolia

 

Newsletter Nr. 04/2014

CaP-Logo in Tablet vor Meer

Medikationsmanagement: Die gemeinsame Fortbildungsmaßnahme der Apothekerkammer Hamburg und von Campus Pharmazie (wir haben berichtet) ist mit maximaler Teilnehmerzahl angelaufen. 40 Hamburger Apotheker/innen profitieren damit schon zum Auftakt von der neuen Netzwerkpartnerschaft. Am Präsenztermin stand die Kommunikation im Vordergrund. Um die Klinische Pharmazie wird es im Online-Teil gehen: In einem einwöchigen moderierten Case-Training nehmen die Teilnehmer drei Fälle unter die Lupe. Wir werden berichten.

 

Spannende Themen im Bulletin zur Arzneimittelsicherheit 2/2014: Kein Codein für Kinder – neue Risikobewertung wegen Morphinintoxikation bei schnellen Metabolisierern von CYP2D6-Substraten. Nach Einnahme von Zolpidem sollen mindestens acht Stunden lang keine Tätigkeiten ausgeführt werden, die Reaktionsvermögen erfordern. Weitere Themen und Links hier.

 

NOAK überlegen und sicher: So lautet das Fazit einer Klarstellung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung. Weitere Details dazu hier.

 

Neue Adipositas-Leitlinie: Orlistat wird als einzige medikamentöse Option in der neuen interdisziplinären S3-Leitlinie zur „Prävention und Therapie der Adipositas“ genannt. Die Indikation besteht, wenn ein Basisprogramm mit Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie nach 6 Monaten zu weniger als 5% Gewichtsabnahme geführt hat. Mehr Informationen finden Sie hier.

 

ESC-Leitlinie zur peri-operativen kardio-vaskulären Therapie: Die Behandlungsoptionen bei schwerem Asthma nach neuer ERS/ATS-Guideline sind: hochdosierte systemische Corticoide, LABA, Tiotropium, Omalizumab. Für Interleukin-Antikörper müssen Wirksamkeit und Sicherheit erst noch gezeigt werden. Schlecht ist die Datenlage bei Kindern mit schwerem Asthma.

 

Ebenfalls ganz neu ist die ESC-Leitlinie zum Einsatz kardialer und gerinnungsaktiver Medikamente bei chirurgischen Eingriffen außerhalb des Herzens. Mehr dazu hier.

 

Neues Fallbeispiel: Auf unserer Website stellen wir Ihnen den Fall eines 86-jährigen Alzheimer-Patienten vor und diskutieren die Optionen seiner Schmerztherapie. In unseren Veranstaltungen erarbeiten die Teilnehmenden die Lösung für solche Kasuistiken und stärken so ihre Kompetenz in der patientenorientierten Pharmazie. Verschaffen Sie sich einen Eindruck anhand dieses Beispiels hier.

 

Noch Plätze frei: Was muss bei Kindern, Schwangeren und Senioren anders gemacht werden als bei Erwachsenen mittleren Alters? Wie finde und nutze ich medizinische Literatur wie Leitlinien etc.? Antworten darauf erhalten Sie vom 13.11. bis 10.12.14 in den Online-Seminaren „Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen“ bzw. „Medizinische Literaturrecherche und Arzneimittelinformation„. Anmeldungen nehmen wir z. B. über das Online-Anmeldeformular oder per E-Mail entgegen.

 

CaP Logo geschützt ist jetzt eine Marke: Haben Sie das ® in unserem Bild oben bemerkt? Seit Juli genießt Campus Pharmazie Markenschutz, damit Sie sicher sein können: Wo unser Logo drauf ist, stecken auch wirklich wir dahinter.

Mit kollegialen Grüßem

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Newsletter Nr. 05/2013

neue Perspektive

Online-Case-Trainings: Am ersten Case-Training nahmen die 20 Gewinner der Geburtstagsverlosung teil – etwa jeweils zur Hälfte KollegInnen aus öffentlichen und aus Krankenhausapotheken, darunter drei Kolleginnen aus Österreich. Moderiert von Prof. Dr. Dorothee Dartsch entfaltete sich entlang dreier Fallbeispiele eine lebhafte Online-Diskussion zu Lösungsstrategien arzneimittelbezo­ge­ner Probleme. Zum Abschluss der gemeinsamen Online-Woche wurden die Musterlösungen veröffentlicht.

 

Die Rückmeldungen bestätigen: Ein großer Vorteil der Foren-Diskussion ist die Zeit zum Recherchieren und Weiterdenken – Eine wichtige Basis, um durch aktive Teilnahme nachhaltig Erkenntnisse zu gewinnen. Case-Trainings werden im 2. Halbjahr 2013 in regelmäßiger Folge zum Preis von 148,- (inkl. MwSt.) angeboten. Weitere Informationen hier.

 

Neues Website-Fallbeispiel: Für die, die nicht bis zur nächsten Case-Training-Woche warten möchten: Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, ab sofort hier über den folgenden Fall mitzudiskutieren: Patient, 75 Jahre, Medikation Phenprocoumon, Simvastatin, Metoprolol, schnellwirksamer NO-Donor, Allopurinol, Amitriptylin, bekommt wegen einer hochgradigen Koronarverengung einen Stent implantiert. Aufgelöst wird der Fall am Dienstag, 11.06.

 

Neues von der ADKA: Der 38. Wissenschaftliche Kongress der ADKA in Dresden stand unter dem Motto „Versorgungssicherheit und Arzneimittelqualität: die Krankenhausapotheke im Spannungsfeld der globalisierten Märkte“. Was die Einbindung der Apotheker in die Arzneimitteltherapie mit Anschnallpflicht und dem Zauberlehrling zu tun hat, lesen Sie einer Zusammenstellung der wichtigsten Statements der Grußwortredner hier.

 

Infektiologie – was ist neu?: Statine sind Li­pidsenker mit zusätzlichen Wirkungen. Bringen sie auch in der Sepsisbehandlung einen Vorteil? Eine Studie, die dieser Frage nachgegangen ist, finden Sie ebenso hier wie die wichtigsten Empfehlungen der neuen Leitlinie zur antibiotischen Behandlung des diabetischen Fußes.

 

Kardiologische Studien – was Sie gelesen haben sollten: In Dresden wurden im Rahmen der „Top Paper 2013“ zwei spannende kardiologische Studien vorgestellt: Zum einen der optimierte Betablocker-Einsatz nach Herzinfarkt, zum anderen die dreifache Antikoagulation bei perkutaner Koronarintervention. Die Ergebnisse finden Sie hier.

 

Seminar „Unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Pharmakovigilanz“ kurz vor Halbzeit: Am 23.05. startete das frisch zertifizierte Online-Seminar „Unerwünschte Wirkungen und Pharmakovigilanz„. In der ersten Woche beurteilten die Teilnehmenden anhand von zwei Fallbeispielen den fraglichen Zusammenhang zwischen Arzneimitteleinnahme und Symptomschilderung. Die vielfältigen Erfahrungen der KollegInnen aus dem Offizin- und Klinikbereich erweitern auch in diesem Seminar den Blick auf die Thematik auf konstruktive Weise. In der Woche zuvor schlossen rundum zufriedene TeilnehmerInnen die Seminare „Interaktionen“ und „Besondere Altersgruppen“ ab.

 

Moderierte Online-Seminare – ein Format für berufstätige Mütter: Zwei Kleinkinder, Teilzeitarbeit und dazu noch eine Fortbildung – kann das gehen? Wir haben es im Seminar „Laborparameter“ testen lassen. Fazit: „Das Besondere an diesem Format war für mich die freie Zeiteinteilung und zeitnahes, aktives Feedback einer Professorin, die man alles fragen konnte. Ein riesengroßer Vorteil ist, dass man sich die Zeit selber einteilen kann, keinen Babysitter braucht und keine Zeit mit Autofahren zu einem Veranstaltungsort verliert.“ Lesen Sie das ganze Interview hier.

 

Bereits im (herbstlichen) Juni an den (hoffentlich sommerlichen) September denken: Nach den Sommerferien und bevor die Erkältungssaison beginnt, könnte doch ein guter Zeitpunkt für Sie sein, eine Fortbildung von Zuhause auszuprobieren? Wir starten im September – nach der Seminar-Sommerpause – mit „Angewandter Pharmakokinetik„, ab Oktober „Interpretation von Laborparametern“ und, neu im Programm: „Arzneimitteltherapie bei Patienten mit Eliminationsstörungen“. Anmeldungsformular sowie weitere Termine und Informationen hier.

 

Mit besten Grüßen vom Elbstrom

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Erfahrungsbericht einer Krankenhausapothekerin

Nachdem wir Teilnehmerstimmen aus dem deutschsprachigen Ausland für Sie eingeholt haben, erweitern die Reihe um Erfahrungsberichte aus dem Inland.

Den Auftakt bildet das Interview mit einer Absolventin aus der Krankenhausapotheke:

Herzlichen Glückwunsch, Frau Sievers, zum erfolgreichen Abschluss des Seminars „Interpretation von Laborparametern„. Haben Sie zum ersten Mal ein moderiertes online-Seminar besucht? Was war für Sie das Besondere an diesem Format?

Ja, ich habe zum ersten Mal an einem derartigen online-Seminar teilgenommen und war begeistert von der Möglichkeit, eine umfassende Fortbildung über vier Wochen mit dem beruflichen und privaten Alltag vereinbaren zu können, ohne dafür den Wohnort verlassen zu müssen.

 

Sie haben während der Seminarlaufzeit 30,5 h / Woche in einer großen und sehr aktiven Krankenhausapotheke gearbeitet und dabei auch noch an Ihrer Promotionsarbeit geschrieben. Wie konnten Sie diese Fortbildung parallel dazu erfolgreich absolvieren?

Natürlich ist es abends oft spät geworden, aber es hat sich gelohnt!

Der große Vorteil einer derartigen Fortbildung ist die Möglichkeit, sich die Zeit völlig frei einteilen zu können. Dabei besteht nicht die Gefahr neben Apothekenarbeit und privaten Terminen das Seminar für längere Zeit aus den Augen zu verlieren. Frau Hamadeh erinnert regelmäßig an noch ausstehende Aktivitäten, so dass man gerne ins Forum zurückkehrt.

 

Ihr 2. Staatsexamen haben Sie 2008 abgelegt. Klinische Pharmazie war also bereits Bestandteil Ihres Studiums – haben Sie da noch Neues aus dem Seminar mitnehmen können?

Ja, wichtig ist es, am Ball zu bleiben und sein Wissen stets wieder aufzufrischen und zu erweitern. Die Interpretation von Laborparametern ist ein wichtiges Thema für Krankenhausapotheker und kommt im klinischen Alltag häufig zu kurz.

 


Die Seminargruppe setzte sich ja aus Offizin- und Krankenhausapothekern/innen zusammen. Welchen Nutzen hatte das Seminar generell und in dieser Mischung für Sie als Krankenhausapothekerin?

Die interdisziplinäre und internationale Zusammensetzung der Seminargruppe hatte den entscheidenden Vorteil, dass Fragestellungen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, bearbeitet und gelöst wurden. Davon können im Allgemeinen alle Teilnehmer nur profitieren.

 


Wie würden Sie die folgenden Sätze aus Ihrer individuellen Wahrnehmung fortführen?

Die Moderation und Teilnehmerbetreuung im Seminar war…
…umfassend, persönlich, effektiv, motivierend und sehr charmant.

Der Austausch mit der Gesamtgruppe in den Foren bedeutete für mich…
…interessante Einblicke in die Berufspraxis anderer Apotheker und Ideenreichtum bei der Beantwortung verschiedener Fragestellungen.

Im Team mit anderen Kollegen/innen ein komplexes Fallbeispiel zu lösen, war…
…spannend, motivierend und erstaunlich strukturiert möglich.

In meine persönliche Praxis nehme ich aus dem Seminar mit…
…Wissen und Erfahrung im Umgang mit Laborparametern.

Das Besondere dieses Seminars war für mich…
…ein Höchstmaß an Flexibilität mit adäquater fachlicher und didaktischer Betreuung.

 

Und zum Abschluss: Was können Sie einer interessierten Kollegin / einem interessierten Kollegen als Entscheidungshilfe mitgeben, wenn sie / er überlegt, an einem solchen Seminar teilzunehmen?

Probieren Sie es aus! Es funktioniert, auch wenn man sich vor Seminarbeginn schwer vorstellen kann, wie man im Team und in den Plenarforen strukturiert und effektiv lernen kann.

 

Herzlichen Dank, Frau Sievers – und bis bald: im Alumni-Netzwerk der Absolventen/innen und/oder in weiteren Seminaren!

Unsere Interviewpartnerin war Anja Sievers, Apothekerin in der Zentralapotheke der Medizinischen Hochschule Hannover, Absolventin des Seminars „Interpretation von Laborparametern“ August/September 2012

Fallbeispiel: Sodbrennen und Müdigkeit

Sodbrennen und Müdigkeit – arzneimittelbezogene Probleme in diesem Fall?

Eine alte Dame (82 Jahre) kommt in die Apotheke mit folgender Verordnung:

  • Ramipril 5mg
  • Riopan Magen Gel (vom Arzt auf dem Rezept handschriftlich nachgetragen)
  • Bisoprolol 5mg
  • Omeprazol 40mg (60 Stück)
  • Propafenon 40 mg.
  • In der Dauermedikation: Bromazepam 6mg zur Nacht.

Sie klagt über die besonders abends aufsteigende Magensäure. Auf meine Frage „Wie nehmen Sie denn das Omeprazol ein?“ antwortet sie: „Ach das nehme ich abends zusammen mit dem Riopan ein, aber ich bekomme trotzdem immer Sodbrennen!“

Weiter berichtet die Kundin, dass ihr der Arzt auch bei ihrer ständigen Müdigkeit nicht helfen könne und ob ich ihr einen anderen Arzt empfehlen könne.

Die Analyse und Auflösung dieses Falles lesen Sie hier.

von Axel Lampe, Hamburg – vielen Dank für dieses Fallbeispiel

Einblicke: Campus-Tag 11.08.2012

Am 11.08. haben wir Interessierte und Teilnehmer der aktuellen Seminare zum „Campus-Tag“ in die Hamburger Innenstadt eingeladen:

Ein herrlicher Sommertag – in schöner Umgebung

Die Teilnehmenden

Mit fünfzehn engagierten Apothekerinnen und Apothekern aus Hamburg und Umland, dem Emsland, Berlin, Hannover, Erlangen und München haben wir vier sehr anregende Stunden verbracht. Die Kolleginnen und Kollegen aus öffentlichen und aus Krankenhausapotheken, Berufsverbänden, Inhaber und Angestellte, Voll- und Teilzeit-Kräfte trugen konstruktiv ihre unterschiedlichen Perspektiven zur inhaltlichen Arbeit – aber auch zur Diskussion des Seminarkonzepts bei:

   

Das Konzept

Da „Selbst Machen“ im Fokus des „Campus-Tages“ stand, lösten die Teilnehmenden in Einzelaufgaben, in moderierten Teams und in einer Plenardiskussion ein exemplarisches Fallbeispiel.

Frau P.R., 69 Jahre alt, neu diagnostizierte Typ2-Diabetikerin, deutlich übergewichtig (BMI 38,7kg/m²; 109,2kg Körpergewicht) soll mit… (Hier finden Sie das vollständige Fallbeispiel)

Auf ihren eigenen Laptops, Netbooks, Smartphones etc… konnten die Teilnehmenden über WLAN sehen und ausprobieren, wie diese Seminararbeit online auf der Lernplattform aussieht…

 

Sie erfuhren auch, was man am effektivsten in konzentrierter Einzelarbeit lernt und wie das in den online-Seminaren umgesetzt wird:

Die Besucher erlebten, wo es Sinn macht, dass alle Beteiligten zu einer Fragestellung beitragen: im „echten Leben“ – wie auch online in Plenarforen.

 

Es war eine Freude zu sehen, wie engagiert und kompetent die Besucher in die inhaltliche Arbeit eingestiegen sind – aber auch, wie interessiert sie nachvollzogen haben, wie das Seminarkonzept der Campus Pharmazie aufgebaut ist, wie es auf der Lernplattform umgesetzt ist und welche Herausforderungen und Vorteile es für sie individuell bedeutet.

Rückmeldungen

Bei der Frage nach ihrer individuellen Einschätzung zeigte sich, dass einige Besucher skeptisch waren, ob sie ein Seminar zeitlich bewältigen können. Andererseits schätzten sie die zeitliche Flexibilität sehr – vor allem in Kombination mit verbindlichen Enddaten für einzelne Aktivitäten. Einige äußerten die Sorge, dass Teamarbeit online evtl. schwer effektiv umzusetzen sei. Gleichzeitig wurde der Wert der kontinuierlichen Moderation hoch eingeschätzt, die u.a. die Teamarbeit erleichtert und für fachlich umfassende Lösungen sorgt.

Sehr positive Rückmeldung bezog sich auf den Praxisbezug und die Anwendungsorientierung des Konzeptes. In dem Zusammenhang wurde auch der kollegiale Austausch und die Möglichkeit zur Vernetzung als deutliches Plus bewertet.

Kosten-Nutzen Verhältnis

Auch die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis der Seminare wurde diskutiert. Dabei hat uns natürlich sehr gefreut, dass aus dem Teilnehmerkreis selbst der Vergleich zu dem ein oder anderen ‚vor Ort-Seminar‘ gezogen wurde – mit der Schlussfolgerung, dass in Anbetracht der mindestens 32 Stunden effektiver Lernzeit die Seminargebühr nicht überdurchschnittlich ist, vor allem, wenn man zeitlichen und finanziellen Aufwand durch Reisen zum Fortbildungsort mit bedenkt. Wir haben auf unserer Kosten-Nutzen-Seite für Sie einen Überblick zu diesem Thema zusammengestellt.

Die Fragen und Anregungen nehmen wir u. a. mit auf in unsere Seminar-Evaluationen und werden Sie darüber auf dem Laufenden halten, wie die Teilnehmenden der aktuellen Seminare diese Punkte einschätzen und welche Erfahrungen sie gemacht haben.

Für den „Campus-Tag“ haben wir einen Demo-Seminar auf der Lernplattform eingerichtet, das das Seminarkonzept an konkreten Beispielen deutlich macht. Bei Interesse fragen Sie uns gern nach den Zugangsdaten.

Allen Besuchern noch einmal herzlichen Dank für Ihr engagiertes Mitmachen. Allen anderen Interessierten wünschen wir weiterhin großen Fortbildungshunger. Wir freuen uns, wenn wir Ihnen Appetit machen können…

Der nächste „Campus-Tag“ findet am 20.10.2012 statt.  Melden Sie sich gern schon an…

Über Rückmeldungen, Anregungen und Fragen freuen sich
Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie) und
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Unser besonderer Dank geht an Dr. Marion Bruhn-Suhr, die für Besucherfragen zu den Erfahrungen der Seminare an der Universität Hamburg zur Verfügung stand – und die für uns so schöne und lebendige Fotos von der Veranstaltung gemacht hat.

Sie fragen sich, wie fallbasiertes, praxisnahes Lernen aussieht?

In unseren Seminaren geht das zum Beispiel so:

Frau P. R., 69 Jahre alt, neu diagnostizierte Typ2-Diabetikerin, deutlich übergewichtig (BMI  38,7kg/m²; 109,2kg Körpergewicht) soll mit Glibenclamid und Simvastatin behandelt werden. In einer kürzlich durchgeführten Untersuchung sind erhöhte Kreatinin- und LDL-Cholesterolkonzentrationen im Serum aufgefallen (Kreatinin: 1,22mg/dl; normal 0,66-1,09 mg/dl, LDL-Cholesterol: 243mg/dl, normal <160mg/dl).

  1. Welche pharmakokinetischen Parameter sind vermutlich bei dieser Patientin grundsätzlich verändert?
  2. Sollte die Dosierung der Arzneimittel proportional zum erhöhten Körpergewicht dieser Patientin erhöht werden?
  3. Was könnten Gründe sein, bei dieser Patientin das eigentlich bei Übergewicht vorzuziehende Metformin nicht zu wählen?
  4. Sind Interaktionen zu erwarten?
  5. Welche unerwünschten Wirkungen sollten mit der Patientin besprochen und welche Details dazu erläutert werden?
  6. Welche die Compliance fördernden Maßnahmen sind hier sinnvoll?

 
Dies ist ein beispielhafter Fall, den Teilnehmer/innen in einem unserer Seminare in einer kleinen Gruppe von 3-5 Personen lösen. Das geschieht im Rahmen eines Forums auf einer Lernplattform, in dem jedes Teammitglied in einem vorgegebenen Zeitraum von zwei Wochen Bausteine der Lösung einstellt. Und so könnte es aussehen:

  • Donnerstagabend 22.45: Kollege A beschreibt die Ergebnisse eines Interaktions-Checks
  • Freitagmorgen 06:10: Kollegin B teilt ihre Einschätzung der Laborparameter mit und hat auch schon die Kreatinin-Clearance berechnet.
  • Sonnabendmittag 13:50: Kollegin C nimmt Stellung dazu und ergänzt ihre Betrachtung der unerwünschten Wirkungen sowie ihre Hypothese zur Frage, warum hier kein Metformin verordnet wurde.
  • Sonnabendnacht 23:20: Kollege D hat dem Seminarmaterial die Veränderungen pharmakokinetischer Parameter bei Adipositas entnommen und bezieht diese Grundlagen auf den Fall.
  • Montagmorgen 09:45: Kollegin B hat heute Vormittag frei und stellt eine Zusammenfassung des aktuellen Standes ein.
  • Montagmorgen 11:30: Die Fachmoderatorin gibt ein kurzes Feedback, welche Teile der Aufgabe schon gut abgedeckt sind und was noch fehlt.
  • Und so geht es weiter, bis…

…eine umfassende, korrekte Lösung entsteht, die den Teilnehmern gezielte Herangehensweisen und Fachwissen für die Beratung vermittelt und von der Beteiligung der ganzen Gruppe profitiert. Die Zeitangaben können natürlich auch ganz anders aussehen – innerhalb des Zeitrahmens ist jede(r) frei, eine Zeit zu wählen, die für sie oder ihn passt.

Wie diese Art der Fallstudienarbeit ins Seminarkonzept integriert ist, können Sie z.B. hier erfahren.