Biologicals bei Psoriasis: kein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen

Infektionen sind der Hauptgrund, weshalb eine systemische Psoriasis-Therapie mit einem Biological abgesetzt wird [1]. Wenn der Wechsel von einem Non-Biological (Methotrexat, Acitretin, Ciclosporin, Fumarsäureester) auf ein Biological (Adalimumab, Secukinumab, Etanercept, Infliximab, Ustekinumab, Ixekizumab) in Erwägung gezogen wird, steht daher die Frage im Raum, ob das Infektionsrisiko unter Biologicals generell höher ist als unter Non-Biologicals.

Die Studiendaten sind bislang widersprüchlich und haben nur begrenzte externe Validität. Darum ist die aktuelle Auswertung von Daten des British Association of Dermatologists Biologic Interventions Register (BADBIR) so interessant – sie beruht auf Daten von „Real-World“-Patienten. Hier konnte kein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen unter Biologicals nachgewiesen werden, auch nicht, wenn sie in Kombination mit Immunsuppressiva gegeben wurden. Auch im Vergleich mit Methotrexat, dem am häufigsten verordneten Non-Biological, war das Infektionsrisiko der Biologicals nicht erhöht. Ebensowenig traten spezifische Infektionsarten unter Biologicals häufiger auf [2].

In der Auswertung wurden allerdings nur Adalimumab,Eetanercept und Ustekinumab berücksichtigt – Secukinumab und Ixekizumab sind noch zu neu, Infliximab kam zu selten in den Verordnungen vor, insofern reichte die Power für eine Auswertung nicht aus [2].

Die Autoren bezeichnen das prospektive Kohorten-Design, die große Fallzahl, die komplett Industrie-unabhängige Datenauswertung und die Beteiligung von über 150 dermatologischen Zentren in Großbritannien und Irland als Stärken ihrer Analyse.

Fazit der Autoren:

Bei einem Wechsel von einem Non-Biological auf ein Biological in der systemischen Psoriasis-Therapie muss kein höheres Risiko für eine schwere Infektion befürchtet werden. Heilberufler sollten bei Psoriasispatienten mit nicht-biologischer und mit biologischer Systemtherapie hinsichtlich des Eintretens von Infektionen gleichermaßen wachsam sein. Das gilt sowohl für den einzelnen Patienten als auch für die Meldung dieser unerwünschten Wirkung im Pharmakovigilanzsystem.

Quellen:

[1] Warren RB et al.: Differential Drug Survival of Biologic Therapies for the Treatment of Psoriasis: A Prospective Observational Cohort Study from the British Association of Dermatologists Biologic Interventions Register (BADBIR). J Invest Dermatol 2015; 135(11):2632-2640

[2] Yiu ZZN et al.: Risk of Serious Infection in Patients with Psoriasis Receiving Biologic Therapies: A Prospective Cohort Study from the British Association of Dermatologists Biologic Interventions Register (BADBIR). J Invest Dermatol. 2018; 138(3): 534–541

Leitlinien:

S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris. Update 2017

British Association of Dermatologists guideline for biologic therapies in psoriasis 2017

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Fehler durch verwirrende Stärkeangaben in den Arzneimittelbezeichnungen

Aus den Meldungen von (Beinahe-)Medikationsfehlern finden sich im aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit des BfArM und PEI lehrreiche Beispiele, wie verwirrende Angaben zur Stärke in den Arzneimittelbezeichnungen die Patientensicherheit durch Dosierungsfehler gefährden.

So wurde aus Meldungen zu Dosierungsfehlern bei Arzneimitteln mit Flupentixol deutlich, dass die Angabe der Stärke in % offenbar schwieriger zu interpretieren ist als die Angabe in mg/ml. So kam es zu einer fünffachen Überdosierung mit Flupentixol, weil der Arzt das erste in der Software angezeigte Präparat, Fluanxol® Depot 10 %, auswählte und verabreichte. Das ist eine Dosis von 100mg – empfohlen im Entlassbrief des Krankenhauses waren 20mg.

Auch bei Ibuprofensäften wurden Dosierungs- aufgrund von Rechenfehler bei den verfügbaren Stärken in Prozentangaben (2 und 4%) gemeldet.

Hieraus folgert das BfArM, dass die Angabe der Stärke in mg/ml der Angabe in % vorzuziehen ist.

Weitere Fehler traten bei der Umstellung von einer Arzneiform auf eine andere um: Konkret wurde eine Verordnung von Orfiril® Saft 5 ml – 5 ml – 5 ml durch eine Pflegekraft umgestellt auf Ergenyl® Tropfen 5 ml – 5 ml – 5 ml. Die tägliche Valproinsäuredosis, die mit 3x5ml Orfiril® Saft erreicht wurde, beträgt 900mg, mit 3x5ml Ergenyl® Tropfen aber 4500mg. Der Fehler fiel rechtzeitig auf und hätte vermieden werden können, wenn die ursprüngliche Verordnung Orfiril® Saft 60mg/ml 5 ml – 5 ml – 5 ml gelautet hätte.

Auch bei Methotrexat-Fertigspritzen mit der Konzentration 7,5mg/ml kam es durch unterschiedliche Packungsgrößen mit unterschiedlichen Füllvolumina und demzufolge unterschiedlichen absoluten Wirkstoffgehalten zu Dosierungsfehlern. Nur bei der Packungsgröße 1 ml entspricht die Angabe der Stärke auch der realen Gesamtmenge an Wirkstoff.

Um solche Fehler zu vermeiden, setzt sich das BfArM mit den Herstellern in Verbindung, um eine sicherere Bezeichnung zu erreichen, auch wenn die Bezeichnung an sich formal korrekt ist.  Bevor solche Maßnahmen greifen, heißt es jedoch in der Arztpraxis wie in der  Apotheke: Aufpassen, Fehler korrigieren und dann melden! Zum Glück gibt es das Vier-Augen-Prinzip aus Arzt und Apotheker, das Fehler dieser Art vermeiden hilft.

Quelle

Bulletin zur Arzneimittelsicherheit des BfArM und PEI, Ausgabe 1, März 2018

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Newsletter Nr. 03/2016

campus-pharmazie-newsletter03-2016

Detektivische Medikationsanalyse aufgelöst: Ein kniffliger Medikationscheck für einen 75-Jährigen stand an. Wie gleiche Endungen Rena Clear und Distrib Volum auf den Lösungsweg gebracht haben, lesen Sie in unserem Blog.

 

Ein Online-Schritt zum Fachapotheker für Allgemeinpharmazie: Das nächste Online-Seminar „Arzneimitteltherapie für besondere Altersgruppen“ startet am 22.09.2016 und wird angerechnet als Seminar A.2 „Arzneimitteltherapie und pharmazeutische Beratung bei besonderen Patientengruppen“, siehe ABDA-Veranstaltungskalender. Teilnehmen dürfen wie immer alle Apotheker. Auch dieses Jahr konnten wir einen erfahrenen Mediziner gewinnen, Fragen zu beantworten und Impulse zu geben.

 

Online-Fortbildung nimmt Fahrt auf – auch und gerade in der Wissenschaft: Wir wurden eingeladen, unsere Erfahrungen aus der Entwickung und Durchführung moderierter Online-Seminare im Buch „Teaching Science online“ weiterzugeben. Mit seiner Sammlung von Best-Practice-Beispielen richtet es sich an Institutionen in Aus-, Fort- und Weiterbildung.

 

Sehen wir uns in Münster? Am 25.08.2016 sind wir erneut mit einem „Campus-Tag“ bei der Apothekerkammer Westfalen-Lippe zu Gast und stellen von 14 bis 18 Uhr Konzept und Ablauf unserer moderierten Online-Seminare am Fallbeispiel vor. Kommen Sie und probieren aus, und lassen Sie sich den Ablauf zeigen. Die Teilnahme ist kostenfrei und erbringt 5 Fortbildungspunkte, Anmeldung über die AKWL.

 

Neue Leitlinie zur Herzinsuffizienz: Das neue Wirkprinzip ARNI ist durchgestartet und hat es ein halbes Jahr nach Zulassung in die Leitlinie geschafft. Lesen Sie auf unserer Website, was es mit ARNI auf sich hat.

 

„Seit ich das nehme, hab‘ ich so ein Ziehen…“ Was tun, wenn Patienten Symptome als Nebenwirkung interpretieren? Kann es einen Zusammenhang geben? Muss ich das melden? Diesen und weiteren Fragen gehen wir im Seminar „Unerwünschte Wirkungen und Pharmakovigilanz“ nach. Der nächste Seminarstart ist am 01.09.16. Und als Gast werden wir diesmal einen Mediziner dabeihaben, der den Austausch mit Erfahrungen und Einschätzungen aus seiner Perspektive bereichert.

 

Medikationsanalyse: ARMIN und WestGem geben erste Eindrücke, wie wirksam sie sein kann. Wenn Sie auch einsteigen möchten: Im Herbst startet unsere Fortbildung mit der AK-HH erneut: Präsenzseminar mit Fokus auf Prozess und Kommunikation (08.10.16, 14-19:00 in HH), anschließend Case-Training mit drei Fallbeispielen (27.10.-02.11.16 oder 03.-09.11.16, online, moderiert).

 

Mit herzlichen Grüßen in den
blühenden Sommer

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

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Datenbanken zu Nebenwirkungen

Erwünschte Datenbanken für unerwünschte Wirkungen

PharmakovigilanzIst Ihnen schon einmal ein Patient begegnet, der 150%ig überzeugt war, seine Beschwerden kämen von seinen Arzneimitteln?

Dann ist zunächst eine Kausalitätsbewertung gefragt. Die wichtigsten Punkte dafür sind:

  • Passt der zeitliche Verlauf?
  • Gibt es alternative Erklärungen?
  • Ist der vermutete Zusammenhang pharmakologisch plausibel?

Die dritte dieser Fragen taugt im Wesentlichen dazu, eine Kausalität zu untermauern, weniger dazu, sie zu entkräften: Falls z.B. die Fachinformation das geschilderte Symptom nicht als unerwünschte Wirkung nennt, kann es sich immer noch um eine bislang unerkannte Wirkung handeln.

Aber man kann noch ein Stück weiter gehen als bis zur Fachinformation, nämlich in die Datenbanken für Spontanmeldungen im Bereich der Pharmakovigilanz:

Das BfArM hat eine: https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/RisikenMelden/UawDB/_node.html, die EMA auch: http://www.adrreports.eu/de/disclaimer.html, und dann gibt es noch SIDER: http://sideeffects.embl.de/.

In den BfArM- und EMA-Datenbanken sucht man vom Arzneimittel oder Wirkstoff ausgehend, bei SIDER geht es auch umgekehrt, d.h. man wählt ein Symptom und erhält eine Liste von Wirkstoffen, für die dieses Symptom bislang als unerwünschte Wirkung aufgetreten ist.

Wenn Sie dann mit oder ohne Hilfe der genannten Datenbanken anhand der oben genannten Fragen selbst auch den Verdacht haben, die Beschwerden könnten unerwünschte Wirkungen sein, dann melden Sie den Fall beim BfArM oder bei der AMK. Wenn Sie sich den Berichtsbogen einmal vorher angesehen haben und wissen, welche Angaben benötigt werden, ist das gar kein so großer Zeitaufwand.

Viel Erfolg!

Dorothee Dartsch

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Hilfe Polymedikation! Eine erweiterte Medikationsanalyse

…von Dr. Kinet

Personen:

Medikation unter die Lupe nehmen (2)

  • Dr. P. Kinet, für ihre pharmakokinetische Expertise in allen Landen bekannte Apothekerin
  • Rena Clear, Apothekerin
  • Distrib Volum, Pharmazeut im Praktikum

 

Clear und Volum betreten das Büro von Dr. Kinet, um einen Fall zu besprechen. Kinet sitzt am Rechner und recherchiert in einer Leitlinie, überall liegen aufgeschlagene Lehrbücher und Papiere herum.

Kinet (freundlich): Guten Morgen, was haben Sie für mich?

Der Fall

Clear (holt tief Luft): Wir haben hier einen ziemlich komplexen Fall von Polymedikation für eine 74-jährige Frau. Sie bekommt:

  • Furosemid 40 mg 1-0-0
  • Salbutamol Dosieraerosol 0,1mg/ED n.B., aktuell fast jeden Tag eine Anwendung
  • Guaifenesin-Sirup 200 mg 1-1-1
  • Omeprazol 20 mg 1-0-0
  • Ranitidin 150 mg 0-0-1
  • Mirtazapin 15 mg 0-0-1
  • Calcium plus Vitamin D 600mg/400 I.E. 1-0-1
  • Letrozol 2,5 mg 0-0-1
  • Hustenbonbons mit Menthol

In ihrer Anamnese finden sich Herzinsuffizienz, chronischer Husten, Refluxerkrankung, Depression, Osteopenie und Brustkrebs. Laborwerte haben wir leider im Moment nicht.

Volum: Sie sagt, besonders der ständige Husten und die Luftnot machten ihr sehr zu schaffen. Und manchmal wacht sie nachts mit diesem typischen Brennen hinter dem Brustbein auf. Mit ihrer Medikation kommt sie aber nach eigener Aussage ganz gut zurecht.

Kinet: Haben Sie denn schon mit der Medikationsanalyse begonnen?

Patienten: Kriterien für potenziellen Nutzen

Volum: Ja klar, die Patientin ist einverstanden und erfüllt ja diverse Kriterien, die sie für eine Medi-Analyse prädestinieren: sie hat 12 Arzneimitteleinnahmen am Tag, mehr als vier chronische Erkrankungen, und unzureichendes Ansprechen auf die Therapie könnte hier auch im Spiel sein. Ein paar Punkte der Analyse sind erledigt, aber an einer Stelle hängen wir fest.

Kinet: Na dann schießen Sie mal los. Was haben Sie denn überprüft – und mit welchen Ergebnissen?

Pharmazeutische AMTS-Prüfung

Clear: Also zunächst mal sind alle Arzneimittel bis auf den Guaifenesin-Sirup verordnet. Den Sirup liefert die Apotheke regelmäßig auf ihre Bestellung hin, während sie die Hustenbonbons immer von ihrem Sohn mitgebracht bekommt.

Kinet (augenzwinkernd): Nett!

Clear: Äh… ja. Und sie nimmt alles schon ziemlich lange so ein, sagt sie, aber der Husten wird immer schlimmer. Bei den Dosierungsintervallen und Einnahmezeitpunkten haben wir nichts zu beanstanden, außer, dass die Dame das Omeprazol mit allen anderen Medikamenten direkt vor dem Frühstück einnimmt. Das ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders.

Volum (eifrig): Genau! Wenn die magensaftresistenten Tabletten nicht nüchtern eingenommen werden, bleiben sie so lange im Magen liegen, bis sie sich doch auflösen und der Wirkstoff im Sauren abreagiert. Ganz klar ein pharmakokinetisches Problem.

Kinet: Richtig, das halten wir schon mal fest. Weiter?

Clear: Die Therapietreue scheint ok zu sein –zumindest machte die Patientin nicht den Eindruck, dass sie absichtlich Arzneimittel weglässt. Wir haben sie auch mit der etablierten Adhärenzfrage konfrontiert: „Jeder vergisst mal etwas. Wie oft ist es Ihnen im letzten Monat passiert, dass Sie Ihre Medikamente einzunehmen vergessen haben?“ Sie sagte, sie habe einen sehr geregelten Tagesablauf, morgens und abends würde sie auf jeden Fall immer an die Medikamente denken, weil sie sie in der Küchenschublade habe. (Nebenbei: Ich denke, die Lagerungsbedingungen sind in Ordnung.) Mittags passiert es ihr manchmal, dass sie den Sirup vergisst. Aber das ist ja auch nicht so sehr kritisch. Nur falls sich am Einnahmeschema mal was ändern sollte, sollte das mit bedacht werden.

Kinet: Guter Gedanke!

Clear: Dann haben wir die Interaktionen geprüft: Salbutamol und Furosemid können zusammen eine Hypokaliämie verursachen – das wäre schon wichtig, das mal zu überprüfen. Furosemid, Mirtazapin und Omeprazol haben alle das Risiko der Hyponatriämie. Und Omeprazol und Furosemid zusammen vermindern außerdem die Magnesiumresorption. Also wäre hier insgesamt eine Kontrolle der Elektrolyte inkl. Magnesium gut.

Kinet: Gibt es irgendwas, das eine Hypomagnesiämie bei dieser Patientin besonders kritisch machen würde? Zur Standard-Palette der Labordiagnostik gehört das ja nicht, und da wäre es gut, wenn man begründen kann, warum man diesen Wert braucht.

Clear: Hm… doch: Mit der Osteopenie hat die Patientin ja eine Vorstufe der Osteoporose. Das könnte sich bei Magnesiummangel verschlechtern.

Kinet: Genau, das sollten wir uns auch merken. Weiter?

Volum: Bei den Doppelverordnungen sind wir uns nicht einig. Ich würde sagen da gibt es eine, nämlich Omeprazol und Ranitidin. Das sind doch beides Säureblocker!

Clear (schüttelt den Kopf): Nein, Omeprazol plus Pantoprazol wäre eine Doppelverordnung. Das hier ist nur eine Kombination wie Furosemid und HCT. Nur dass bei den Säureblockern die Kombination ungewöhnlich und zu hinterfragen ist. Stimmt’s?

Kinet: Ja, das stimmt. Genauer gesagt, wäre Omeprazol plus Pantoprazol eine Pseudo-Doppelverordnung. Würde die Patientin zwei Präparate verordnet bekommen, die beide Omeprazol beinhalten, wäre das eine echte Doppelverordnung. Hier haben wir eine Kombination, die gemäß Leitlinie des American College of Gastroenterology aus 2013 in der Tat versucht werden kann, wenn trotz PPI nächtliche Reflux-Symptome auftreten. Es besteht jedoch die Gefahr der Gewöhnung, wenn die Kombination über mehrere Wochen eingenommen wird.

Volum: Wow – wie finden Sie denn bloß immer solche Leitlinien?

Kinet: Das geht meistens ganz schnell. Ich nehme eine ganz normale Suchmaschine und gebe den Namen der Erkrankung und das Wort „Leitlinie“ ein, bzw. „guideline“, wenn ich keine aktuelle Leitlinie auf Deutsch finden kann. Hier haben mich die Begriffe „guideline“ und „GERD“ (für gastroesophageal reflux disease“ im Handumdrehen zu der genannten Leitlinie gebracht. Was fehlt uns denn noch zu unserer Medikationsanalyse?

Volum: Anwendungsprobleme und Darreichungsform haben wir noch nicht genannt. Da haben wir keine Probleme gefunden. Die Darreichungsformen sind in Ordnung – das Schlucken der Tabletten macht der Patientin keine Schwierigkeiten, und mit dem Dosieraerosol kann sie auch erstaunlich gut umgehen. Das haben wir uns zeigen lassen.

Clear: Nebenwirkungen haben wir uns auch in der Fachinfo angesehen. Husten und Luftnot kommen gelegentlich, Depressionen häufig als Nebenwirkungen bei Letrozol vor. Der Punkt, an dem wir nicht weiterkommen, ist die Frage, ob der Husten hier ein Problem ist, das mit OTC-Präparaten behandelt werden kann oder sollte. Und die Patientin nimmt den Guaifenesin-Sirup und die Hustenbonbons ja schon lange, ohne dass der Husten sich bessern würde. Uns erscheinen die Grenzen der Selbstmedikation hier überschritten. Ob der ständige Verzehr von Hustenbonbons bei Reflux so günstig ist, weiß ich auch nicht…

Kinet (zu Volum): Was meinen Sie denn dazu?

Volum: Tja, hm, vielleicht das Letrozol oder eine bislang unerkannte Nebenwirkung von einem der anderen Arzneimittel? Oder vielleicht hängt der Husten mit einer der anderen Erkrankungen zusammen?

Clear (fällt ihm ins Wort): Ja richtig! Husten kann doch ein Symptom der Refluxerkrankung sein, oder?

Kinet: Sehr gut, ihr beiden. Natürlich kann sowas immer eine bislang unerkannte Nebenwirkung sein. Da könnte man z.B. mal bei Eudravigilance nachsehen, ob es dazu schon Spontanberichte gab. Die Pharmakovigilanz-Datenbank ist ja jetzt öffentlich. Aber für wahrscheinlicher halte ich hier auch einen Zusammenhang mit den Grunderkrankungen. Was den Reflux angeht, hatten wir ja schon eine Möglichkeit zur Optimierung: die korrekte Einnahme von Omeprazol. Wie ist denn die aktuelle Dosierung zu beurteilen?

Clear: Laut Fachinfo ist 20mg/d die normale Dosis, kann aber auch auf 40mg/d gesteigert werden. Wenn nach 8 Wochen keine Besserung eingetreten ist, muss man weiter überlegen. Eine pauschale altersbedingte Dosisanpassung ist nicht nötig. Wichtig ist die nüchterne Einnahme, die in unserem Fall nicht gegeben ist. Ich denke, die Patientin sollte das erstmal mit ihren 20mg/d optimieren, bevor die Dosis gesteigert wird.

Kinet: Ganz genau, Frau Clear. Könnte noch eine andere Erkrankung der Patientin mit Husten einhergehen?

Clear: Ja – die Herzinsuffizienz, wenn sie schlecht eingestellt ist.

Volum: Stimmt ja! Dann staut sich das Wasser in der Lunge und bewirkt Husten, vor allem im Liegen. Darum sollten solche Patienten mit höher gelagertem Oberkörper liegen.

Kinet: Jawohl, und Letzteres ist auch gut bei Reflux, um nächtliche Symptome zu vermeiden. Wie beurteilen Sie denn die Herzinsuffizienztherapie?

Clear: Man beginnt mit einem Hemmstoff des Renin-Angiotensin-Systems und nimmt einen Betablocker dazu, falls die Symptome durch die Monotherapie noch nicht kontrolliert sind. Diuretika gibt man dazu, falls Wasserretention auftritt, sonst erstmal nicht. Wenn immer noch Symptome da sind, kommt als nächstes ein Mineralcorticoid-Antagonist wie Spironolacton dazu.

Kinet: Sagt wer?

Clear: Sagt die aktuelle ESC-Leitlinie.

Kinet: Prima. Herr Volum, Sie haben ja mitgeschrieben. Wollen Sie mal kurz zusammenfassen, was wir haben?

Lösungsansätze

Volum: Klar. Also: 1.) Husten und Luftnot sind die zentralen Probleme für die Patientin. Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit sind sie Anzeichen einer nicht ausreichend therapierten Refluxerkrankung und/oder Herzinsuffizienz. Das heißt beide Therapien sollten umgehend optimiert werden. Für den Reflux wäre das die vorschriftsmäßig nüchterne Einnahme von Pantoprazol 20mg/d. Falls das nicht reicht, könnte die Dosis für 2 Monate verdoppelt werden. Für die Herzinsuffizienz sollte ein ACE-Hemmer angesetzt werden, falls nötig gefolgt von einem Betablocker. Das Diuretikum kann dann vielleicht entfallen, aber dazu müsste man wohl erstmal mehr über die Herzinsuffizienz wissen. 2.) Wir brauchen die Elektrolytwerte einschließlich Magnesium.

Kinet: Das haben Sie sehr schön zusammengefasst. Sie sehen skeptisch aus, Frau Clear. Möchten Sie noch etwas ergänzen?

Clear: Nein, ich überlege nur, ob man wegen des Hustens vielleicht besser erstmal ein Sartan statt des ACE-Hemmers nimmt. Sonst wird vielleicht ein Symptom ‚Husten‘ zum ACE-Hemmer-Husten, und man kann das schlecht auseinanderhalten bzw. übersieht die Wirkung und deutet die Zusammenhänge falsch.

Kinet: Sehr guter Gedanke, den sollten Sie in die Liste der Vorschläge an den Arzt aufnehmen.

Clear: Kann denn das Ranitidin weggelassen werden, wenn das Omeprazol korrekt eingenommen wird?

Kinet: Ich wäre da erstmal vorsichtig, denn gastrointestinale Erosionen können ja zu Blutungen führen, und dann sollte man die Kombitherapie erstmal zumindest für ein paar Tage belassen, bis wir abschätzen können, ob die optimierte PPI-Einnahme sich positiv bemerkbar macht. Wenn die PPI-Dosis verdoppelt werden sollte, könnte man allerdings die abendliche Ranitidingabe durch PPI ersetzen. Neben den Elektrolyten wäre hier übrigens auch das Blutbild gut zu haben, denn daran könnte man erkennen, ob die Patientin akut blutet.

Volum: ich habe noch eine Frage, und zwar: wofür bekommt die Patientin denn das Salbutamol?

Kinet: Das ist eine gute Frage. Frau Clear, haben Sie eine Erklärung dafür?

Clear: Ich denke wegen des Hustens, oder? Vielleicht ist es ja eine COPD. Aber wenn nicht, d.h. wenn der Husten tatsächlich mit den Erkrankungen zusammenhängt und durch die Therapieoptimierung abklingt, könnte Salbutamol doch abgesetzt werden, oder denke ich falsch?

Kinet: Nein, das ist ganz richtig gedacht. Für eine abschließende Beurteilung wissen wir noch nicht genug über den Husten. Auch Sirup und Hustenbonbons sind vermutlich verzichtbar. Aber das Salbutamol loszuwerden, wäre warum erstrebenswert?

Clear: Weil die Patientin Herzinsuffizienz hat und Salbutamol zumindest bei schwerer Ausprägung kontraindiziert wäre.

Volum: Und falls sie einen Betablocker bekommt, könnte es da eine Wirkungsabschwächung geben.

Kinet: Super. Das haben Sie sehr gut analysiert. Ich bin gespannt, ob der Arzt Ihren Vorschlägen folgen wird. Aber denken Sie immer dran: Für die bisherige Therapie kann es gute Gründe geben – Darum seien Sie nicht enttäuscht, wenn nicht alles umgesetzt wird.

Newsletter Nr. 03/2014

AMTS-Experte

Nicht ohne mein Kortikoid: Der Gebrauch von langwirksamen Beta-2-Mimetika (LABA) steht im Verdacht, langfristig die Häufigkeit von asthmabedingten Krankenhauseinweisungen und Todesfällen zu erhöhen. Aber nur, wenn LABA allein – statt nach Leitlinie in Kombination mit einem inhalativen Kortikosteroid (ICS) – angewandt werden. Lesen Sie mehr dazu hier.

 

Fachtagung Orale Krebstherapie: Immer häufiger werden Krebspatienten mit oral verfügbaren antineoplastischen Arzneimitteln behandelt. Auf der einen Seite ist das eine Erleichterung für die Patienten, die nicht mehr so häufig in die onkologische Arztpraxis kommen müssen, andererseits bedeutet dies ein erhöhtes Risiko für die korrekte Anwendung und macht die Beratung in der Apotheke besonders wichtig. Am 13. September 2014 können Sie sich dazu in München fortbilden. Informationen darüber hier.

 

Neuer Netzwerkpartner: die Apothekerkammer Hamburg: Wir freuen uns, als neuen Partner in unserem Fortbildungsnetzwerk die Apothekerkammer Hamburg zu begrüßen. Mehr dazu erfahren Sie hier.

 

Campus Pharmazie bei der ADKA-Jahrestagung: Beim 39. ADKA-Kongress vom 15. bis 18. Mai 2014 in Hamburg stellen wir die Evaluationsergebnisse aller Seminare des Jahres 2013 vor und beteiligen uns mit einem Poster-Beitrag zum Thema „Hypertonie-Leitlinien: Empfehlungen von allen Seiten“ am wissenschaftlichen Programm. Der Beitrag beleuchtet die Übereinstimmungen und Unterschiede der um den Jahreswechsel erschienenen europäischen, amerikanischen und kanadischen Leitlinien zur antihypertensiven Therapie.

 

Seminar „Unerwünschte Wirkungen und Pharmakovigilanz“: Dieses Seminar ist gerade gestartet. Passend zum Thema ist aktuell ein Artikel über iatrogene neurologische Störungen erschienen, der hier kurz zusammengefasst ist. Gerade bei neurologischen UAW ist es schwierig, diese als UAW zu erkennen, weil die neurologischen Veränderungen so viele Gesichter haben können. Wird die Störung nicht als UAW erkannt, sondern für eine neue Erkrankung gehalten, entstehen Verordnungskaskaden, die wiederum das Risiko für weitere UAW durch die neuen Wirkstoffe und ihre Interaktionen erhöhen.

 

Medikationsmanagement mit der AKHH: Die Apothekerkammer Hamburg und Campus Pharmazie bieten gemeinsam an: „Medikationsanalyse – die Basis für das Medikationsmanagement“. Die Veranstaltung besteht aus einem Präsenzseminar mit Einführung ins Thema und praktischen Übungen zur Kommunikation mit Patienten am 05.07.2014 und einem Online-Training, in dem die Medikationsanalyse an drei Fällen aktiv geübt wird, damit Sie sie im Anschluss auch im Alltag einsetzen können. Mehr Informationen finden Sie hier.

 

Aktionsangebot zur 2. Jahreshälfte: Unsere Veranstaltungen in der 2. Jahreshälfte finden Sie in unserem Fortbildungskalender. Auf alle Anmeldungen bis zum 31. Mai 2014 erhalten Sie 10% Rabatt.

 

Mit kollegialen Grüßem

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Newsletter Nr. 06/2013

Online-Seminare - im Sommer auf der Wiese...

Kardioprotektion bei Krebstherapie: Nicht nur Dexrazoxan, sondern auch ACE-Hemmer, Statine und Betablocker könnten der Beeinträchtigung der Herzfunktion durch kardiotoxische Krebsmedikamente vorbeugen, wenn sie vor der Chemotherapie verabreicht werden. Darauf deutet eine
K Kalam, TH Marwick: Role of cardioprotective therapy for prevention of cardiotoxicity with chemotherapy: A systematic review and meta-analysis. Eur J Cancer. 2013, Online-Veröffentlichung 25.05.2013

 

10% Frühbucherrabatt auf unser Angebot für Sie im 2. Halbjahr 2013:

Moderierte Online-Seminare

12.09. – 09.10. Angewandte Pharmakokinetik
10.10. – 06.11. Interpretation von Laborparametern
10.10. – 06.11. Arzneimitteltherapie bei Patienten mit Eliminationsstörungen
07.11. – 04.12. Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen

Angewandte Pharmakokinetik ist die ideale Grundlage für die Seminare um Eliminationsstörungen und Altersgruppen, weil viele Aspekte der Arzneimitteltherapie für diese Patientengruppen auf einer veränderten Pharmakokinetik beruhen.

Online-Case-Trainings
19.09. – 25.09. Fälle 01, 02, 03
14.11. – 20.11. Fälle 04, 05, 06Von den themenübergreifenden Case-Trainings profitieren Sie sowohl als Einstieg in die Seminare als auch zur vertiefenden Anwendung, wenn Sie Seminare abgeschlossen haben. Werden beide Formate gebucht, reduzieren sich die Teilnahmegebühren um bis zu 125,- €.

Bei Anmeldung bis zum 31.07.2013 erhalten Sie für alle Seminare und Case-Trainings 10% Frühbucherrabatt. Nähere Informationen zu den Inhalten, Zielen, Kosten, Nutzen und Rabatten auf der Website.

 

Was ist E-Learning? In der aktuellen Ausgabe der DAZ (Nr. 26 v. 27.6.13) beschreiben wir, was E-Learning ist, aus welchen Bausteinen es sich zusammensetzen kann und welche Szenarien sich für welche Ziele eignen. Wir haben außerdem einen Überblick über die aktuellen deutschsprachigen E-Learning-Angebote zu Themen der Patientenberatung für Sie zusammengestellt.

 

Gliflozine
– SR Taylor, KB Harris: The Clinical Efficacy and Safety of Sodium Glucose Cotransporter-2 Inhibitors in Adults with Type 2 Diabe-tes Mellitus. Pharmacotherapy 2013, Online-Veröffentlichung 06.06.2013 –
fasst die Erkenntnisse der Zulassungsstudien zusammen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Wirksamkeit der Gliflozine der des Metformins entspricht. Anlass zur Sorge gibt jedoch das vielleicht erhöhte Krebsrisiko unter Dapagliflozin. Mehr Informationen hier.

 

Kongress für Patientensicherheit: Am 13. und 14.06 fand in Berlin der 4. Kongress zur Patientensicherheit unter medikamentöser Therapie statt. Die Tatsache, dass die Teilnehmerschaft zum Großteil aus Apothekern bestand, ist erfreulich, da die Patientensicherheit auch aus politischer Sicht ein beachtetes Thema ist. Sie darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass einige Krankenkassen gerade dabei sind, die pharmazeutische Kernkompetenz der Patientenberatung in die eigenen Hände zu nehmen. Ein Alarmsignal! Mehr Informationen hier.

 

Glückwunsch den Absolventen des Seminars Unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Pharmakovigilanz: Alle Teilnehmenden haben die Anforderungen glänzend erfüllt – und gehen der Abschlussbefragung nach sehr zufrieden aus dem Seminar: „Es ist eine hervorragende Möglichkeit, berufsbegleitend auf hohem Niveau Kenntnisse aufzufrischen und zu erweitern. Die Dauer von vier Wochen bewirkt eine Festigung der (neuen und alten) Kenntnisse, die in Tages- oder Wochenendseminaren so nicht zu erreichen ist“.

Die Zertifikate und Teilnahmebescheinigungen für die 26 Fortbildungspunkte der Kammer sind sehr verdient. Wir freuen uns über den Zuwachs im Alumni-Netzwerk.

 

Wir wünschen Ihnen
schöne Sommerwochen!

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

genannte Studien:
Kalam, TH Marwick: Role of cardioprotective therapy for prevention of cardiotoxicity with chemotherapy: A systematic review and meta-analysis. Eur J Cancer. 2013, Online-Veröffentlichung 25.05.2013

SR Taylor, KB Harris: The Clinical Efficacy and Safety of Sodium Glucose Cotransporter-2 Inhibitors in Adults with Type 2 Diabetes Mellitus. Pharmacotherapy 2013, Online-Veröffentlichung 06.06.2013

Newsletter Nr. 03/2013

Neue Pharmakovigilanz-Daten für Impfstoffe: Aus dem aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit [1] des Paul-Ehrlich-Instituts: 1.778 Verdachtsmeldungen zu Impfkomplikationen gab es im Jahr 2011. Ein kausaler Zusammenhang war bei gut der Hälfte allerdings unwahrscheinlich oder nicht beurteilbar, in keinem Fall gesichert. Häufigste Reaktion: Fieber. Pharmakovigilanz-Meldungen sind wichtig, um rechtzeitig risikominimierende Maßnahmen treffen zu können.

 

Seminar „Unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Pharmakovigilanz“: Am 23.05.2013 startet das nächste online-Seminar zu dieser Thematik. Dort geht es um Arten und Mechanismen unerwünschter Wirkungen und um die Einschätzung, ob zwischen einer Arzneimitteleinnahme und einem berichteten Symptom ein Zusammenhang bestehen kann. Zudem „übersetzen“ die Teilnehmenden eine Fallschilderung in eine Pharmako-vigilanz-Meldung. Das Seminar ist von der BAK mit 26 Punkten akkreditiert. Anmeldung bis 22.04.2013, nähere Information finden Sie hier.

 

Was ist das für ein Dreieck? In Zukunft bedeutet ein    in der Packungsbeilage, dass das betreffende Arzneimittel einer zusätzlichen Überwachung in der Pharmakovigilanz unterliegt [2]. Patienten und Heilberufler werden explizit aufgefordert, Symptome, die unerwünschte Wirkungen sein könnten, zu melden.

 

Ist das eine Interaktion? Ein 82-jähriger Diabetiker (intensivierte Therapie mit Basalinsulin und kurzwirksamem Insulin) erhält eine H. pylori-Eradikationstherapie mit Clarithromycin 500mg, Amoxicillin 1g und Pantoprazol 40mg (2x tägl.).

5 Tage nach Therapiebeginn erleidet er mehrere Hypoglykämien, der niedrigste gemessene Glucose-wert betrug dabei 42mg/dl. Könnte es einen Zusammenhang und eine Erklärung für die Hypoglykämien geben? Weitere Daten und ab 10.04. Auflösung hier.

 

Besser und kostengünstiger mit klinischen Pharmazeuten Die Einbindung von klinischen Pharmazeuten in die Versorgung von Typ-2-Diabetikern ist eine so genannte ‚dominante Strategie‘, d.h. die Versorgung ist effektiver und verursacht zudem weniger Kosten. Das berichten J. Yu et al. in einer kalifornischen Studie [3] hier.

 

Start am 18. April Für die Seminare „Arzneimittelinteraktionen“ und „Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen“ werden in Kürze die Zugangsdaten versandt. Den Kolleg/innen aus Offizin und Krankenhaus, die sich dafür angemeldet haben, wünscht Campus Pharmazie schon jetzt viel Freude an der „puren Pharmazie“ und nachhaltige Erkenntnisse. Informationen zu den Seminaren hier.

 

Ärztemangel – eine Chance? In Kalifornien führte der zunehmende Ärztemangel zu Beginn der 90er Jahre zum systematischen Ausbau klinisch-pharmazeutischer Dienstleistungen [4]. Klinische Apotheker prüften Medikationen auf arzneimittelbezogene Probleme und pharmakoökonomisches Einsparpotenzial, übernahmen das therapeutische Drugmonitoring und begutachteten Wiederholungsverordnungen, um Ärzte zu entlasten.

Dokumentation der Zufriedenheit von Patienten und Ärzten sowie der erhöhten Therapiesicherheit führten zur dauerhaften Etablierung dieser Leistungen. Die dort tätigen Apotheker müssen über ihr Studium hinaus definierte in Fort- und Weiterbildung erworbene klinisch-pharmazeutische Qualifikationen nachweisen.

 

Campus-Tag in Ihrer Nähe: Gern informieren wir Sie persönlich über Konzept und Ablauf unserer moderierten online Seminare in Ihrer Nähe. Sprechen Sie uns einfach an. Sobald sich mehrere Interessierte aus Ihrem Umkreis gemeldet haben, organisieren wir einen Campus-Tag vor Ort.

 

Mit pharmakovigilanten, kollegialen Grüßen
in einen sonnigen April

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

 


[3] J Yu et al., J Manag Care Pharm. 2013;19(2):102-14

[4] RMF Heilmann et al., Ann Pharmacother 2013;47, publ. online 16 Jan 2013

Neues aus dem Bulletin zur Arzneimittelsicherheit (1. Ausgabe 2012)

Das vierteljährlich erscheinende Bulletin zur Arzneimittelsicherheit (Link) informiert aus den beiden Bundesoberbehörden BfArM und PEI zu aktuellen Aspekten der Risikobewertung von Arzneimitteln.

Für uns Apotheker besonders aktuell: Neue Erkenntnisse zu Umckaloabo®
Umckaloabo® enthält Wurzelextrakte aus der südafrikanischen Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides), die schon seit längerer Zeit im (bisher unbewiesenen) Verdacht stehen, UAW an der Leber hervorzurufen.

Im Rahmen eines seit Oktober 2011 laufenden Stufenplanverfahrens wird derzeit die verfügbare Literatur zusammengetragen und erneut ausgewertet. Der Verdacht stützt sich auf in klinischen Studien und Anwendungsbeobachtungen aufgetretene Fälle von erhöhten Leberenzymen sowie mittlerweile 30 UAW-Meldungen (11 Hepatitis-, 8 Ikterusfälle und 3 Fälle von nicht näher bezeichneter Leberschädigung). Ein kausaler Zusammenhang zwischen Umckaloabo® und diesen UAW lässt sich wegen der gleichzeitigen Einnahme weiterer Arzneimittel mit hepatotoxischem Potenzial sowie der fehlenden Spezifität der Symptome (Hepatitiden beispielsweise können auch viral bedingt sein) nicht eindeutig herstellen, ist aber auch nicht auszuschließen.
Für einen kausalen Zusammenhang sprechen v.a.:

  • ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Einnahme und Auftreten der Symptome
  • das Abklingen von Symptomen nach Absetzen des Arzneimittels
  • das Fehlen anderer Ursachen (Co-Medikation, Infektionen etc.)

Weitere Fälle von leberspezifischen UAW nach Einnahme von Umckaloabo® sollten gemeldet werden, um die Datenlage zu verbessern. Da es sich um ein OTC-Präparat handelt, sind hier in erster Linie wir Apotheker gefragt.

Der Pharmakovigilanz-Meldebogen für solche Beobachtungen kann hier vom BfArM heruntergeladen werden. Es handelt sich um lediglich eine Seite, die auszufüllen ist.
Ausfüllen und Einsenden ist auch online möglich.

Weitere Themen des aktuellen Newsletters sind u.a.:

  • psychiatrische UAW von Montelukast in der Asthmatherapie (mit Fokus auf die Gruppe der Kinder und Jugendlichen)
  • eventuell erhöhte Mortalität nach Behandlung mit Somatropin wird derzeit in einer europaweiten Studie untersucht
  • Besonderheiten von Adsorbat-Impfstoffen: Ausflockungen sind keine Qualitätsmängel sondern produkttypisch: Diese Impfstoffe enthalten feine Partikel aus mit Antigen besetzten Aluminiumverbindungen, die während der Lagerung sedimentieren. Durch kräftiges, manchmal längeres  Aufschütteln lässt sich wieder eine homogene Suspension herstellen. Diese Impfstoffe dürfen nicht eingefroren werden.