im Vergleich mit dem lokal vorhandenen Kundensatz in einer öffentlichen Apotheke
Dorothee C. Dartsch1,2, Dorothee E. Michel 2 | 1: CaP Campus Pharmazie GmbH, Hamburg 2: Markt-Apotheke Eidelstedt, Hamburg
© Vagaro | unsplashHINTERGRUND
Die elektronische Patientenakte (ePA) soll die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) verbessern. ePA werden seit 15.1.2025 durch die Krankenkassen angelegt, sofern Versicherte nicht widersprechen. Apothekenmitarbeiter können durch Einlesen der Gesundheitskarte (eGK) auf die elektronische Medikationsliste (eML) zugreifen.
Die eML ist eine chronologische Liste aller elektronischen Verordnungen eines Versicherten. Papierverordnungen und OTC fehlen derzeit. Daher bilden die eML mancher Patienten nicht deren vollständige Medikation ab. Zudem können Patienten der ePA widersprechen bzw. den Zugriff sperren.
Dies setzt einer ausschließlich auf der eML basierten Analyse der Arzneimittel-Therapiesicherheit (AMTS) Grenzen. Für wie viele Patienten eine sichtbare und vollständige eML vorliegt, ist nicht bekannt. Wir haben daher die folgende Untersuchung durchgeführt:
ZIELSETZUNG
Ermittlung des Anteils der Patienten mit sichtbarer eML sowie der Vollständigkeit der beiden Datensätze (eML und Kundensatz im Apothekensystem) im gegenseitigen Abgleich. Als vollständig galt eine eML dann, wenn jedes im Kundensatz registrierte Arzneimittel nach Wirkstoff und Stärke mindestens einmal in der eML genannt war. Umgekehrt galt der Kundensatz als vollständig, wenn jedes in der eML gelistete Arzneimittel mindestens einmal im Kundensatz registriert war.
METHODE
Randomisierte Erhebung einer Stichprobe aus allen Kassenvorgängen mit eGK für erwachsene Versicherte in einer öffentlichen Apotheke über einen Monat. Der erforderliche Stichprobenumfang (für KI=95% und α =5%) betrug 319 Fälle mit beiden Datensätzen, wofür insgesamt 665 Vorgänge ausgewertet werden mussten. Die Daten zu Patienten, Verordnern, Verordnungen u.a. wurden manuell extrahiert. Die Auswertung erfolgte mit MS Excel.
Ergebnisse
665 Kassenvorgänge wurden ausgewertet. Die Patienten waren im Schnitt 64±18 Jahre alt. Seit Einführung der ePA suchten sie durchschnittlich 3,2 Verordner auf (Spannweite 1-11), hatten bis zu 29 Arztkontakte in Verbindung mit einer e-Verordnung (eVO), und lösten ihre durchschnittlich 14,2 eVO (max. 57) in durchschnittlich 2 (und max. 7) Apotheken ein. Die Patienten bekamen im Schnitt 7,3±4,8 (max. 31) verschiedene Arzneimittel verordnet. [Tab. 1]
| Parameter | Mittelwert | SD | Median | Modalwert | Range |
| Alter der Patienten | 63,89 | 18,15 | 66 | 82 | 18-99 |
| Anzahl Verordner | 3,19 | 1,87 | 3 | 2 | 1-11 |
| Anzahl Arzt-Kontakte mit eVO | 8,07 | 5,02 | 7 | 5 | 1-29 |
| Anzahl eVO | 14,24 | 10,43 | 12 | 5 | 1-57 |
| Anzahl Apotheken | 2,04 | 1,30 | 2 | 1 | 1-7 |
| Anzahl verschiedene Rx-AM in eML | 7,25 | 4,81 | 6 | 5 | 1-31 |
In 617 (92,8%) Fällen war die eML sichtbar, 349 (52,5%) hatten sowohl eine eML als auch einen Kundensatz. [Abb. 1] Der geplante Stichprobenumfang wurde somit erreicht.
Dr. D. Dartsch69,5% der Patienten hatten ≥5 verschiedene Arzneimittel. Patienten mit mehr Arzneimitteln hatten häufiger in die Speicherung eines Kundensatzes eingewilligt. [Abb. 2]
Dr. D. DartschAus der Gruppe mit beiden Datenquellen waren 227 (65,0%) eML sowie 242 (69,3%) Kundensätze hinsichtlich Art der verordneten Wirkstoffe und Stärke vollständig. Bei über zwei Dritteln der Patienten mit nach Verordnungen vollständiger eML waren zusätzlich AMTS-relevante OTC im Kundensatz gespeichert [Abb. 3 & 4], so dass nur bei 68 (19,5%) der Patienten die eML die vollständige Medikation abbildete.
Dr. D. Dartsch
Dr. D. DartschZUSAMMENFASSUNG
Die eML ist eine wertvolle Datenquelle, die zum Überblick über die verordnete Medikation eines Patienten beiträgt.
In dieser Studie waren jedoch nur 65,0% der eML vollständig in Bezug auf verordnete Arzneimittel. Wenn auch relevante OTC-Präparate berücksichtigt wurden, enthielten nur knapp 20% der eML die vollständige AMTS-relevante Medikation des Patienten.
Da Papierverordnungen auch in fremden Apotheken eingelöst worden sein könnten, überschätzt dieser Wert den tatsächlichen Anteil vollständiger eML. Trotz eML bleiben weitere Informationen notwendig, um eine lückenlose Auflistung der Verordnungen sowie weiterer relevanter Arzneimittel zu erhalten.
FAZIT: Die Arzneimittelanamnese im Patientengespräch bleibt damit unverzichtbar für die AMTS.
Das Projekt wurde gefördert von der Förderinitiative Pharmazeutische Betreuung e.V.
Berichte über das Projekt
Medizinische Monatsschrift für Pharmazeuten 2025, Abstract-Band der DGKPha-Jahrestagung: https://www.mmp-online.de/_Resources/Persistent/f/1/8/0/f1805b179401073af630ea4731d8fc08f62410ab/DGKPha_Mu%CC%88nchen_Abstractband_mit%20Autoren.pdf
PZ online, 15.12.2025 18:00 Uhr: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/wie-zuverlaessig-ist-die-elektronische-medikationsliste-161120/
Online-Seminare zum Thema
Um die patientenindividuelle Optimierung der Pharmakotherapie geht es in jedem unserer Seminare. Der Aspekt der Therapieziele ist dabei von großer Bedeutung. Das Therapieziel hängt davon ab, was die Leitlinien evidenzbasiert empfehlen – aber auch davon, welche Konstellation an Risikofaktoren, Begleiterkrankungen, Vortherapien, aktueller Medikation und Prioritäten der betreffende Patient mitbringt.
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