Dr. D. DartschHypertonie ist ein zentraler Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie die chronische Nierenkrankheit, Koronarerkrankungen oder Herzinsuffizienz (die vollständige Liste steht unten). Sie steht dabei im Kontext mit Diabetes mellitus und Dyslipidämien, die das Risiko weiter verstärken.
Fragestellung
Daher stellt sich die Frage, ob Personen mit Hypertonie von einer regelmäßigen Messung bestimmter Laborwerte profitieren, z.B. weil eine Veränderung der Nieren- oder Herzfunktion frühzeitig erkannt und behandelt werden kann und dadurch Komplikationen verhindert werden. Weil auf der Kostenseite der Medaille die Belastung der Betroffenen durch häufigere Untersuchungen, Blutentnahmen, Warten auf Befunde und Beschäftigung mit Krankheit sowie die Kosten der Untersuchungen stehen, sollte gut abgewogen werden, um die optimale Versorgung zu gewährleisten. Das Wissen darum ist nicht nur für den Arzt, sondern auch im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) in der Apotheke wichtig, damit die richtigen Werte in der Medikationsberatung berücksichtigt werden.
Hierzu eine aktuelle Studie:
Eine Studie [1], die einen so genannten ‚Rapid Review‘, eine routinemäßige Datenanalyse und eine Konsensusbildung unter Experten umfasste, hat 16 in der Primärversorgung häufig angeordnete Laborparameter identifiziert und hinsichtlich ihres Kosten-Nutzen-Verhältnisses bewertet.
Es ergab sich konsistente Evidenz dafür, dass die Bestimmung der eGFR zur Erkennung chronischer Nierenkrankheit und des HbA1c zur Erkennung von Diabetes für Patienten von Nutzen ist. Keine oder widersprüchliche Evidenz wurde für den Nutzen einer routinemäßigen Messung von Lipiden, Natrium, Kalium, Kalzium, Hämoglobin, Ferritin, TSH, Gerinnungswerten, Folsäure oder Vitamin B12 gefunden. Gute Evidenz gegen den Nutzen einer routinemäßigen Messung wurde für Leberwerte, Entzündungsmarker und den Herzinsuffizienz-Marker BNP gefunden.
Sobald Patienten Antihypertensiva verordnet bekommen, ändert sich die Einstufung der Elektrolyte: Unter einer Therapie mit Thiazid-ähnlichen Diuretika sollte Natrium, unter einer Therapie mit Renin-Angiotensin-Aldosteron-Antagonisten sollte Kalium bestimmt werden.
Fazit der Studie
Bei Personen mit Hypertonie sollten die eGFR aus dem Serumkreatinin sowie der HbA1c-Wert und im Zusammenhang mit bestimmten medikamentösen Therapien zusätzlich Serumkalium und/oder -natrium regelmäßig bestimmt werden.
Was sagt die DEGAM-Leitlinie?
Die Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie (Version 1.0 2023) [2] geht ein bisschen weiter und empfiehlt die Messung von:
- Natrium und Kalium,
- der eGFR (mittels Serumkreatinin),
- den Lipidstatus,
- die Nüchternplasmaglukose, ggf. den HbA1c,
- den Urinstatus hinsichtlich Protein- und Hämaturie
Info: Für welche Erkrankungen ist Hypertonie nachweislich ein Risikofaktor? [3,4]
- Ischämische Herzerkrankungen (u.a. KHK, Herzinfarkt)
- Schlaganfall (sowohl ischämisch als auch hämorrhagisch)
- Herzinsuffizienz
- Chronische Nierenkrankheit
- Vorhofflimmern
- pAVK
- Aortenaneurysma
- Hypertrophe Kardiomyopathie
- Endocarditis und rheumatische Herzkrankheit nach Streptokokkeninfektion (da Hypertonie die negativen kardialen Auswirkungen verstärkt)
- Atherosklerose (wird durch Hypertonie beschleunigt)
Online-Seminare zum Thema
Um die patientenindividuelle Optimierung der Pharmakotherapie, z.B. im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL), geht es in jedem unserer Seminare. Die Elektrolyte, Nieren- und andere Parameter sind Thema im Seminar „Interpretation von Laborparametern„. Sie lernen die Bedeutung der aus pharmazeutischer Sicht wichtigen Laboruntersuchungen kennen und erfahren, wie sie interpretiert und bei der Beurteilung von Therapien angemessen berücksichtigt werden.
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Quellen
[1] Elwenspoek MMC et al.: Evidence-based blood tests for monitoring adults with hypertension in primary care: rapid review, routine data analyses, and consensus study. Br J Gen Pract. 2026 Jan 6:BJGP.2025.0209
[2] Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie – Langfassung, Version 1.0. 2023 [cited: 2026-03.16]. DOI: 10.6101/AZQ/000502.
[3] Khan SS et al.: American Heart Association and American College of Cardiology. Use of Risk Assessment to Guide Decision-Making for Blood Pressure Management in the Primary Prevention of Cardiovascular Disease: A Scientific Statement From the American Heart Association and American College of Cardiology. Circulation. 2025 Sep 16;152(11):e219-e238.
[4] Lala A et al.: The Continuum of Prevention and Heart Failure in Cardiovascular Medicine: A Joint Scientific Statement from the Heart Failure Society of America and The American Society for Preventive Cardiology. J Cardiac Failure 2026, 32(1):75-105
Hinweis: Das Titelbild wurde mit MS Copilot generiert.