Hilfestellung zum Wechseln von Psychopharmaka

Direkt absetzen oder ausschleichen, direkt ansetzen oder aufdosieren? Was passiert dabei auf pharmakokinetischer Ebene? Gibt es pharmakodynamische Interferenzen zu beachten? Wenn es um den Wechsel von einem Antidepressivum oder einem Antipsychotikum auf ein anderes geht, müssen diese Fragen beantwortet werden.

Hilfestellung dabei kann die niederländische Website „Psychiatrienet“ mit ihren Switchtabellen geben. Davon gibt es eine für Stimmungsstabilisierer / Phasenprophylaktika, eine für Antipsychotika und eine für Antidepressiva.

Die Information, die die Tabellen bereit halten, sieht am Beispiel des Wechsels von Amitriptylin zu Escitalopram folgendermaßen aus:

Stop Amitriptylin:

  • Vor Tag 1: Amitriptylindosis stufenweise auf max. 50 mg/d reduzieren
  • Tag 1: Amitriptylindosis auf 25 mg/d reduzieren
  • Tag 8: Amitriptylin ganz absetzen

Start Escitalopram:

  • Tag 8: Escitalopram mit 10 mg/d starten
  • Tag15: Escitalopramdosis erhöhen, wenn nötig

Zusatzinfo:

  • Additives Serotoninsyndrom nicht wahrscheinlich, aber theoretisch möglich, Symptome beachten.

Die Informationen werden von dem medizisch-wissenschaftlichen Verlag „De Tijdstroom“ in englischer Sprache zusammengestellt und kostenfrei zur Verfügung gestellt. Verwendung wie immer „auf eigene Gefahr“.

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Psychopharmaka-Wechsel

Psychopharmaka-Wechsel

Bei der Umstellung eines Patienten von einem Psychopharmakon auf ein anderes stellt sich nicht nur die Frage nach der äquivalenten Dosis, sondern auch nach einer Washout-Phase und ihrer Dauer.

Gute Antworten darauf gibt kurz und bündig das niederländische Psychiatrie-Net.

Wer sich beispielsweise die Frage stellt, wie von Citalopram auf Escitalopram gewechselt werden sollte, rufe die Tabelle „Switching betweeen antidepressants“ auf und suche die „Kreuzung“ Citalopram – Escitalopram.

Ein Klick, und schon ist klar, dass keine Washout-Phase benötigt wird und dass von Escitalopram halb so viele Milligramm pro Tag genommen werden wie von Citalopram.

Bild: © Dmitry Guzhanin / Fotolia

Newsletter Nr. 02/2015

 

Mysterium Multimediaktion

 

Mysteriöses Muskelzucken – ein Fall für Dr. Kinet: Erfreuen Sie sich an einer Detektivgeschichte, die an einem Fallbeispiel pharmakokinetischen Zusammenhängen einer gefährlichen Multimedikation auf den Grund geht. Hätten Sie es gewusst…?

 

Medikationsanalyse: Erneut bieten wir mit unserem Netzwerkpartner, der Apothekerkammer Hamburg, ein Blended-Learning-Seminar zur Medikationsanalyse an. Am 18.04.15 treffen wir uns zum Präsenztag, in dem es um die Medikationsanalyse als Prozess und Kommunikation geht. In der ersten Junihälfte finden Online-Case-Trainings statt. Die Teilnehmer analysieren dort drei Medikationen innerhalb einer Woche zu selbst gewählten Zeiten im kollegialen Austausch. Restplätze zu buchen über die AKHH.

 

Indikatoren für arzneimittelbezogene Probleme analysiert: Um Patienten zu identifizieren, die in besonderem Maß von einer Medikationsanalyse profitieren könnten, sind Indikatoren hilfreich, die auf das Vorhandensein von Problemen hinweisen. Wir stellen Ihnen eine US- und eine Schweizer Studie vor, die mit ganz unterschiedlichen Verfahren nach solchen Indikatoren gesucht haben.

 

Suizidrisiko unter Antidepressiva: Eine britische Beobachtungsstudie an knapp 240.000 Patienten mit Depression hat die Häufigkeit von Suizid(versuchen) und selbst-aggressivem Verhalten in Abhängigkeit vom antidepressiven Wirkstoff untersucht. Ergebnis: Mirtazapin, Trazodon und Venlafaxin haben ein größeres Risiko als Trizyklika und SSRI. Mehr dazu hier.

 

Physiologie und das Verhalten von Arzneimitteln im Körper: Dieses Zusammenspiel zu verstehen ist unmittelbar relevant für Interaktionen, unerwünschte Wirkungen sowie die Therapieanpassung für Patienten mit Nieren- oder Lebererkrankungen oder geriatrische Patienten (s. Detektivgeschichte).

Das SeminarAngewandte Pharmakokinetik vermittelt dieses Zusammenspiel und ist darum der ideale Einstieg in diese Themen. Laufzeit: 23.04.-20.05.15. Eine Beschreibung unseres Seminarkonzepts, des Nutzens und der Kosten finden Sie auf unserer Website. Letzte Anmeldungen nehmen wir bis zum 09. April über das Online-Anmeldeformular oder per E-Mail entgegen.

 

Leitlinie zum langfristigen Opioideinsatz aktualisiert: Wir haben für Sie die Gründe für die Aktualisierung sowie mögliche Indikationen und Kontraindikationen für Opioide bei CNTS zusammengestellt.

Kollegial grüßen in die Osterzeit

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Britische Studie zu Antidepressiva und Selbstmord

PharmakovigilanzIn seltenen Fällen kann eine Therapie mit Antidepressiva den gegenteiligen Effekt haben und zu einem Selbstmord(versuch) oder selbstaggressivem Verhalten veranlassen. Eine britische Studie hat jüngst an knapp 240.000 Patienten zwischen 20 und 64 Jahren mit der Erstdiagnose einer Depression untersucht, ob dieses Risiko für unterschiedliche Antidepressiva unterschiedlich groß ist.

Ergebnis war, dass das absolute Risiko für selbstaggressives Verhalten zwischen 1,02% für Amitriptylin und 2,96% für Venlafaxin lag. Trizyklische Antidepressiva und Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer unterschieden sich nicht signifikant in dieser Hinsicht, für Mirtazapin, Trazodon und Venlafaxin war das Risiko jedoch statistisch signifikant erhöht (Hazard Ratios 1,70, 1,73 bzw. 1,85), besonders in den ersten vier Wochen nach Therapiebeginn und in den vier Wochen nach Absetzen.

Auch wenn es sich nur um eine Beobachtungsstudie handelt, deren Ergebnisse mangels Randomisierung u.a. durch systematisch unterschiedliche Patientengruppen (Alter, Schweregrad, Co-Morbiditäten, Co-Medikation etc.) verzerrt sein können, ist es angeraten, v.a. Patienten unter Mirtazapin, Trazodon und Venlafaxin gut zu monitorieren.

Quelle

C Coupland et al., Antidepressant use and risk of suicide and attempted suicide or self harm in people aged 20 to 64: cohort study using a primary care database. BMJ 2015;350:h517