Newsletter Nr. 02/2020

Frau sitzt am Laptop

Antihypertensiva-Ranking: Ein vor Kurzem veröffentlichter systematischer Review zeigt, dass ACE-Hemmer, Dihydropyridin-Calciumkanalblocker, Thiaziddiuretika, Betablocker und Angiotensin-Rezeptorblocker in Studien mit Hypertonie-Patienten unterschiedlich gut wirksam waren. In welchen Endpunkten sich welche Wirksamkeit gezeigt hat und auf welche Patienten diese Ergebnisse übertragen werden können, lesen Sie in unserem Blog.

Medikationsmanagement ist kosteneffektiv: In regelmäßigen 5-8-Jahres-Abständen werden systematische Reviews zur Kosteneffektivität klinisch-pharmazeutischer Dienstleistungen im Bereich des Medikationsmanagements veröffentlicht. Der aktuelle Überblick über die Jahre 2011 bis 2017 ist gerade erschienen. Wir haben für Sie zusammengestellt, welche pharmakoökonomischen Effekte die Autoren für das Medikationsmanagement gefunden und besonders hervorgehoben haben.

Masken und Handschuhe: Ist doch völlig logisch, dass eine Mund-Nasen-Bedeckung und Handschuhe besser gegen eine Ansteckung mit COVID19 sind als nichts, sagen die einen. MNB und Handschuhe schützen nicht vor Ansteckung, sagen die anderen. Und beide haben recht. Wie das sein kann, erklären wir auf der Website. Und auch, wie erfolgreich MNB Viren beim Husten zurückhalten.

Lancet Voice: The Lancet („Die Lanzette“) informiert seit fast 200 Jahren über neue Entwicklungen in der Medizin. Mit „The Lancet Voice“ sind die Informationen nicht nur les-, sondern auch hörbar. In 14-tägigen Podcast diskutieren Redakteure mit Experten über verschiedene medizinische Themen. Eine Übersicht, welche für uns ApothekerInnen spannenden Themen dort zur Zeit abrufbar sind, finden Sie auf unserer Website.

Wege aus dem Analgetika-Kopfschmerz: Analgetika-Kopfschmerz entsteht durch regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln gegen Kopfschmerz oder Migräne und betrifft in Europa etwa 1–2% der Bevölkerung. In Deutschland sind das mehr als 1 Million Menschen. Die ‚European Academy of Neurology‘ hat im April eine Leitlinie herausgegeben, die darlegt, wie den Betroffenen geholfen werden sollte. Wir haben die Empfehlungen für Sie zusammengestellt.

Webinare ersetzen Präsenz: Fortbildung ist wichtig und sollte nicht ausfallen, auch nicht in ungewöhnlichen Zeiten. Wir freuen uns darum, dass wir unsere Online-Kompetenz und -Technik im Rahmen unserer Netzwerkpartnerschaft mit der Apothekerkammer Hamburg einsetzen können, um die Abendvorträge aufzufangen. Bis Präsenzfortbildungen wieder stattfinden dürfen, laden wir die Hamburger Apothekerinnen und Apotheker sowie PTA und die bereits eingeplanten Referentinnen und Referenten zu uns in den Webinarraum ein. Das Angebot erfreut sich großer – und noch steigender – Beliebtheit.

Das nächste moderierte Online-Seminar:Medizinische Literaturrecherche und Arzneimittelinformation“ läuft wieder vom 03. bis 30. September. Orts- und zeitflexibel, praxisorientiert und industrieunabhängig. Die Akkreditierung in der Weiterbildung ist beantragt. Melden Sie sich an.

Allen Kolleginnen und Kollegen wünschen wir eine unbeschwerte und erholsame Ferienzeit. Bleiben Sie gesund!

Jasmin Hamadeh ——Dr. Dorothee Dartsch
(Mediendidaktik)-__—-(Klinische Pharmazie)
mit dem Campus-Team

Hier können Sie unseren Newsletter herunterladen: PDF-Datei

Newsletter Nr. 01/2017

Hand einer jungen Frau vor weißem Hintergrund - Hand of a young woman isolated on white

Etabliert und gut vernetzt: Der Campus freut sich in seinem fünften Jahr über die zahlreichen mittlerweile fest etablierten Partnerschaften im offiziellen Netzwerk, über den intensiven und regelmäßigen Austausch mit Apotheken, Ärzten und vor allem natürlich mit den engagierten Apothekerinnen und Apothekern. Sie zeigen in unseren Online-Seminaren und sonstigen Veranstaltungen immer wieder, wie unverzichtbar kompetent unser Berufsstand agiert. Unser Jubiläumsjahr stellen wir daher ganz ins Zeichen dieser Unverzichtbarkeit. Mehr dazu im nächsten Newsletter.

 

Herzinsuffizienz und Eisenmangel treten gar nicht so selten gemeinsam auf und addieren sich in ihren ungünstigen Auswirkungen auf die Sauerstoffversorgung. Wie man Eisenmangel an Laborparametern erkennen kann, erfahren Sie auf unserer Website, was bei der Interpretation von Laborparametern allgemein wichtig ist, in unserem Seminar. Start: 25.05.2017; Last-Minute-Anmeldungen noch möglich.

 

Betablocker bei Asthma? Wann sollten Betablocker leitliniengemäß eingesetzt werden? Neue Studiendaten zum Risiko einer Verschlechterung des Asthmas durch Betablocker zeigen, in welchen Fällen die Kontraindikation in den Hintergrund treten darf. Die Verordnung kann aufgrund einer gut begründeten Nutzen-Risiko-Abwägung durchaus auch befürwortet werden. Wir haben für Sie die Erkenntnisse aus neun relevanten Quellen zusammengestellt.

 

Medikationsanalyse: Zum 4. Mal startet im Juli die gemeinsame Fortbildung mit unserem Netzwerkpartner Apothekerkammer Hamburg: „Medikationsanalyse, die Basis für das Medikationsmanagement“. Sie deckt die „Medikationsanalyse als Prozess“ gemäß BAK-Curriculum vollständig ab. Termine u.a. Details auf unserer Website.

 

Kompetenzkatalog: Was Apotheker in der direkten Patientenversorgung können sollen, hat das American College of Clinical Pharmacy neu formuliert. Der Kompetenzkatalog bezieht sich v. a. auf das Medikationsmanagement und beschreibt sehr gut, wie sich Apothekerinnen und Apotheker auch hierzulande nachhaltig als Heilberufler positionieren können. Für uns ist er eine kompakte Zusammenstellung der Ziele unserer Seminare und Case-Trainings. Wir haben den Katalog für Sie übersetzt und zusammengefasst.

 

Hypertonie-Therapie: ‚Je mehr, desto besser‘ gilt nicht. Eine sekundäre Auswertung zweier großer Studien zur Blutdrucksenkung mit Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Systems legt nahe, dass es ein Blutdruck-Optimum gibt, und zwar bei etwa 130/75mmHg. Die zentralen Ergebnisse haben wir für Sie zusammengefasst.

 

Mit Hoffnung auf einen unverzichtbaren Sommer grüßen

Jasmin Hamadeh         Dr. Dorothee Dartsch

(Mediendidaktik)           (Klinische Pharmazie)

 

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Betablocker bei Asthma – geht das?

Betablocker werden bei einer Reihe von Herz- und Gefäßerkrankungen empfohlen, sind aber bei Asthma bzw. bronchialer Hyperreagibilität kontraindiziert. Ist das Risiko, dass der Betablocker das Asthma verschlechtert aber tatsächlich so groß, dass man den Asthmatikern den Nutzen der Betablocker per se vorenthalten muss?

Wann sollten Betablocker nach aktuellem Stand der Leitlinien eingesetzt werden?

  • Bei linksventrikulärer systolischer Dysfunktion nach Myokardinfarkt, um die Entwicklung einer Herzinsuffizienz zu vermeiden [1].
  • Bei bestehender Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurfleistung senken Betablocker das Risiko für die Entwicklung von Vorhofflimmern um 33%. Auch das Risiko der Hospitalisierung und Mortalität wird vermindert, Ebenfalls empfohlen sind sie, wenn eine Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurfleistung in Kombination mit VHF, Angina pectoris oder Hypertonie besteht [1].
  • Betablocker senken nach Herz-OPs das Risikofür Vorhofflimmern [2].
  • Bei bereits bestehendem Vorhofflimmern sind Betablocker die erste Wahl zur Frequenzkontrolle [2].
  • Nach Myokardinfarkt und akutem Koronarsyndrom senken Betablocker das relative Risiko des plötzlichen Herztods um 13% [3,4].
  • Weitere leitliniengerechte Einsatzbereiche sind Obstruktion des linksventrikulären (aortalen) Ausflusstrakts [5], nach CABG zur Reduktion des Risikos für Vorhofflimmern [6], bei abdominellem Aortenaneurysma in Verbindung mit Hypertonie [7] sowie bei stabiler koronarer Herzkrankheit [8].

Was gibt es Neues zum Risiko bei Asthmatikern?

Eine aktuelle Fall-Kontroll-Auswertung von britischen Registerdaten [9] von gut 35.500 Patienten mit Asthma und kardiovaskulärer Erkrankung zeigt:

Bei Verwendung von beta-1-selektiven Blockern bestand selbst im oberen Dosisbereich* kein erhöhtes Risiko für Asthmaanfälle. Die Verwendung von nicht-selektiven Betablockern erhöhte dagegen dosisabhängig das Risiko für moderate Asthmaanfälle um den Faktor 2,7 und für schwere Asthmaanfälle um den Faktor 12,1, wenn die Betablocker im oberen Dosisbereich eingesetzt wurden. Das entsprach 63,2 bzw. 27 zusätzliche Asthmaanfällen pro 1000 Personenjahre.

Die Patienten teilten sich auf in 608 Patienten mit schwerer Asthma-Exazerbation und 6048 zugeordneten Kontrollen ohne Exazerbation sowie 4234 Patienten mit moderater Asthma-Exazerbation und 41.881 zugeordneten Kontrollen ohne Exazerbation. Insgesamt 5017 Patienten (14,1%) erhielten kardioselektive Betablocker, 407 Patienten (1,2%) nichtselektive Betablocker (meistens Sotalol oder Carvedilol) und die große Mehrheit (84,7%) keine Betablocker.

Fazit

Kardioselektive Betablocker sollten Asthmatikern nicht vorenthalten werden, sofern a) eine Indikation für Betablocker vorliegt und b) der Patient nicht zuvor bereits eine Unverträglichkeit gegen Betablocker gezeigt hat.

Quellen

[1] 2016 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure

[2] 2016 ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation

[3] 2015 ESC Guidelines for the management of patients with ventricular arrhythmias and the prevention of sudden cardiac death

[4] 2015 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes in patients presenting without persistent ST-segment elevation

[5] 2014 ESC Guidelines on diagnosis and management of hypertrophic cardiomyopathy

[6] 2014 ESC/EACTS Guidelines on myocardial Revascularization

[7] 2014 ESC Guidelines on the diagnosis and treatment of aortic diseases

[8] 2013 ESC guidelines on the management of stable coronary artery disease

[9] DR Morales et al.: Respiratory effect of beta-blockers in people with asthma and cardiovascular disease: population-based nested case control study. BMC Med. 2017; 15(1):18. doi: 10.1186/s12916-017-0781-0

 

* Der obere Dosisbereich war wie folgt festgelegt:

  • Kardioselektive Betablocker: Acebutolol ab 200 mg/d, Atenolol ab 50 mg/d, Bisoprolol ab 5 mg/d, Celiprolol ab 200 mg/d, Metoprolol ab 100 mg/d.
  • Nicht kardioselektive Betablocker: Carvedilol ab 25 mg/d, Nadolol ab 80 mg/d, Oxprenolol ab 80 mg/d, Pindolol ab 10 mg/d, Sotalol ab 160 mg/d, Timolol ab 10 mg/d

 

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Betablocker bei COPD

Zuwenig Betablocker bei COPD

COPD-Patienten haben infolge des veränderten Strömungswiderstandes des Blutes im Lungenkreislauf und aufgrund des gemeinsamen Risikofaktors Tabakrauch nicht selten auch eine Herzinsuffizienz. Betablocker sind dafür ein etabliertes Therapieprinzip. Wegen der bronchienverengenden Wirkung von Inhibitoren des Beta2-Rezeptors waren sie lange kontraindiziert bei COPD und Asthma (bei Asthma sind sie es auch nach wie vor).

Selektive Beta1-Blocker erzeugen jedoch, außer bei sehr hoher Dosis, keine Bronchokonstriktion. Studien haben belegt, dass das auch klinisch so ist und dass ihr Nutzen bei Patienten mit COPD und Herzinsuffizienz die Risiken überwiegt. Entsprechend werden Beta1-Blocker inzwischen von den Herzinsuffizienz-Leitlinien empfohlen, sofern die kardiale Auswurfleistung (Ejektionsfraktion) unter 40% liegt, explizit auch dann, wenn der Patient eine COPD hat [1].

Dennoch werden Beta1-Blocker bei Patienten mit Herzinsuffizienz und COPD seltener verordnet als bei Patienten, die nur eine Herzinsuffizienz haben, zeigt aktuell eine schottische Studie [2]. Von den Patienten mit Herzinsuffizienz bekamen 41% einen Betablocker verordnet, bei den Patienten mit beiden Erkrankungen waren es nur 22%. Auch wenn es nicht ganz einfach ist, bei einem COPD-Patienten eine Therapie mit Betablocker zu beginnen (langsame Auftitration der Dosis, Beobachtung der Herzfrequenz, des Blutdrucks, Spirometrie), sollten die Wirkstoffe den Patienten nicht vorenthalten werden, so die Autoren.

Über die duale Bronchodilatation bei COPD hatten wir Sie bereits im November informiert, s. dort.

Quellen

[1] 2016 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure.

[2] B Lipworth et al., Underuse of β-blockers in heart failure and chronic obstructive pulmonary disease. Heart 2016; 102:1909–1914

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Medikationsanalyse: Fortsetzung der Detektivarbeit

Rena Clear, Apothekerin, und Distrib Volum, Pharmazeut im Praktikum, hatten den Auftrag bekommen, die Medikationsliste eines 75-jährigen Patienten zu analysieren. (Hier ist der Anfang.)

Diese Liste umfasste

  • Furosemid 80 mg 1-0-1
  • Hydrochlorothiazid 12,5 mg 1-0-0
  • Spironolacton 100 mg 1-0-0
  • Lisinopril 10 mg 1-0-0
  • Metoprolol 25 mg 1-0-1
  • Ibuprofen 400 mg 1-1-1-1 (bei Bedarf)
  • Ranitidin 150 mg 1-0-0
  • ASS 100 mg 1-0-0-0
  • Famotidin 20 mg 0-0-1
  • Capsaicin topisch zur Anw. am Knie nach Bedarf

Nachdem sich die Beiden Gedanken gemacht haben, treffen sie sich zum Austausch.

Volum: Weißt Du, was mir gleich zu Hause aufgefallen ist? RaniTIDIN und FamoTIDIN – die gleichen Endungen! Das sind doch beides H2-Blocker also eine Doppelverordnung. Ob das verschiedene Ärzte verordnen?

Clear: Ja, stimmt! Warum er wohl einen H2-Blocker nehmen soll und keinen PPI? Das ist doch heutzutage bloß noch zweite Wahl. Da müssen wir unbedingt mehr rausbekommen. Auch die Dosis, wenn man sich denn für einen Wirkstoff entscheidet, ist nicht üblich. Famotidin kann man ja einmal täglich nehmen, aber Ranitidin eigentlich zweimal täglich.

Was hast Du denn noch entdeckt?

Volum: Heute früh habe ich gleich alles in die Apo-Software eingegeben und einen Interaktionscheck durchgeführt. Eine rote Interaktion war dabei: Lisinopril und Spironolacton. Da stand „Gefahr einer schweren Hyperkaliämie“ und Symptome sind u.a. Muskelschwäche und Bradykardie und es kann sogar tödlich sein. Das klingt echt gefährlich, wir müssen ihn sofort anrufen!

Clear: Stopp! Das kann zwar wirklich schwerwiegende Folgen haben, und eigentlich soll Spironolacton nur bis 50mg pro Tag gegeben werden, wenn auch noch ein ACE-Hemmer an Bord ist; zumindest falls es sich um eine Herzinsuffizienz handelt [1]. Aber vielleicht ist es ein Patient mit Hyperaldosteronismus oder der Kaliumspiegel ist sehr niedrig. Dann wird das manchmal absichtlich gemacht. Wichtig dabei ist, dass der Kaliumspiegel gut überwacht wird und jemand das Ganze im Blick hat. Wir können uns ja gleich mal eine Monitoring-Spalte zu der Medikationsliste machen.

Volum: Okay, mache ich. Stimmt, die anderen beiden Diuretika führen ja zu verstärkter Kaliumausscheidung. Vielleicht ist alles so in der Balance.

Clear: Eigentlich müsste die ABDA-Datenbank dir noch ziemlich viele andere Interaktionen angezeigt haben. Die kannst du ja schon mal mitsamt deinen Interventionsvorschlägen in unsere Liste eintragen, die gucken wir uns später zusammen an. Jetzt bin ich im HV eingeteilt. Bis später!

-später-

Volum: Hier ist meine Liste:

 

MA-160701-Liste-kurz

Wir sollten ihm auf jeden Fall vom Ibuprofen abraten, da gibt es zu viele Wechselwirkungen. Er kann ja erstmal Paracetamol nehmen.

Clear: Außerdem wissen wir zu wenig über seine Nierenfunktion. Die andere Medikation – vor allem Kombination der drei Diuretika – macht mich da vorsichtig. Das wird eigentlich nur bei ausgeprägter Niereninsuffizienz zur so genannten sequenziellen Nephronblockade eingesetzt. Plus ACE-Hemmer und nichtsteroidales Analgetikum – da kann die Niere ganz schnell in die Knie gehen. Wenn er einverstanden ist, rufen wir den Hausarzt an und schlagen Paracetamol, Novaminsulfon oder Tilidin vor. Möglicherweise sollten die Knieschmerzen auch vom Orthopäden abgeklärt werden.

Volum: Warum nicht Tramadol?

Clear: Erstens hat Tramadol laut Priscus-Liste bei Älteren mehr unerwünschte Wirkungen wie Verwirrtheit und Schwindel als Tilidin [2] und zweitens braucht es laut Fachinfo bei eingeschränkter Nierenfunktion, wovon wir hier mit ziemlicher Sicherheit ausgehen können, keine Dosisreduktion.

Volum: Und dann ist die Metoprololdosis recht niedrig. Woran das wohl liegt?

Clear: Er könnte eine KHK oder Herzinsuffizienz haben, ASS bekommt er ja auch, allerdings kein Statin. Ohne Diagnose können wir die Dosis erstmal nicht erklären. Bei einer Herzinsuffizienz z.B. sollte es Metoprololsuccinat sein, und nicht das Tartrat. Da ist die Wirksamkeit besser belegt. Und man könnte mit einer retardierten Form sicher auf eine Einnahme verzichten.

Jedenfalls scheint er stärkere Ödeme zu haben, deshalb HCT und Furosemid und Spironolacton. Er sollte sich häufig wiegen – eventuell sogar täglich, um die Ödembildung zu kontrollieren. Manchmal kann das HCT dann auch in dieser Kombination entfallen, aber das ist erstmal nachrangig.

Volum: Wenn du mit dem Hausarzt telefonierst, kannst du ja auch mal fragen, ob er den Kaliumspiegel kontrolliert. Ich habe mal alles in die Liste eingefügt:

MA-160701-Liste

Clear: Okay, dann haben wir also:

  • Ibuprofen absetzen (alternativ PCM, Novaminsulfon oder Tilidin)
  • Ranitidin und Famotidin (für eins entscheiden oder PPI; ggf. komplett absetzen falls Symptome durch Ibuprofen verursacht)
  • Monitoring: vorrangig Kaliumspiegel und Nierenfunktion
  • Dann könnte man noch überlegen, ob die abendliche Gabe von Furosemid zwingend erforderlich ist. Wir können den Patienten fragen, wie er denn schläft und ob er nachts häufig zur Toilette gehen muss. Eventuell kann man auf einmal täglich Torasemid wechseln.

Volum: Wo ist denn bloß die Doku vom Patientengespräch? Dann wüssten wir, was dem Patienten am wichtigsten ist und könnten uns gleich auf die wesentlichen Punkte konzentrieren. Dr. Kinet hat doch mit dem Patienten gesprochen und auch die Packungen gesehen? Wenn da schon was abgelaufen wäre, hätte sie uns das doch sicher gleich gesagt. Wenigsten das scheint also okay zu sein.

Clear: Gut. Dann besprechen wir das nachher mit Dr. Kinet. Falls nötig und uns noch Informationen fehlen, telefonierst du dann mit dem Patienten und ich rufe anschließend den Arzt an und kläre den Rest.

 

Quellen:

[1] ESC-Leitlinie Diagnose und Behandlung der akuten und chronischen Herzinsuffizienz 2016. European Heart Journal doi:10.1093/eurheartj/ehw128

[2] A Renom-Guiteras et al., The EU(7)-PIM list: a list of potentially inappropriate medications for older people consented by experts from seven European countries. Eur J Clin Pharmacol (2015) 71:861–875

 

Autorinnen: Dorothee Michel, Markt-Apotheke Eidelstedt, Dorothee Dartsch, Campus Pharmazie

Muss: ACE-Hemmer bei hypertonen Diabetikern

Ein systematischer Review[ 1] von 63 Studien mit insgesamt 36.917 Teilnehmern ergab, dass unter 11 verschiedenen antihypertensiven Strategien (inkl. Placebo) bei Gabe von ACE-Hemmern (ACEI) eine Verdopplung des Serumkreatinins signifikant seltener war als unter Placebo oder Betablockern. Hinsichtlich AT-Rezeptorblockern (ARB) gab es keinen Unterschied.

Die Kombination aus ACEI und Diuretika war hinsichtlich der Verdopplung des Serumkreatinins die Strategie mit dem durchschnittlich schlechtesten Outcome.

Hinsichtlich der Verhütung von terminalem Nierenversagen gab es keine signifikanten Unterschiede, sondern nur die Tendenz, dass ACEI und ARB mit einem besseren und ACEI + Diuretika mit einem schlechteren durchschnittlichen Outcome verbunden waren als andere Optionen.

Da die Patienten in der ACEI + Diuretika-Gruppe allerdings vermutlich diejenigen mit bereits eingeschränkter Nierenfunktion waren, wäre es voreilig, die Diuretika für den Anstieg des Serumskreatinins oder die größere Häufigkeit des terminalen Nierenversagens verantwortlich zu machen.

Hinsichtlich der Mortalität hatten ACEI + Calciumkanal-Blocker das beste durchschnittliche Outcome, gefolgt von ACEI + Diuretika, ACEI mono, Calciumkanal-Blocker mono und ARB. Alle diese Strategien waren nicht signifikant unterschiedlich. Unter Diuretika und Betablockern jeweils mono war die Mortalität tendenziell erhöht, stärker noch bei Kombinationen von ARB mit Calciumkanal-Blockern, Diuretika oder ACEI.

Auch hier gilt: Die Studiengruppen könnten unterschiedlich gewesen sein. Betablocker beispielsweise werden wegen des Risikos maskierter Hypoglykämien und Beeinträchtigung der glykämischen Stoffwechselkontrolle bei Diabetikern verhalten eingesetzt. Die Patienten unter Betablockertherapie könnten also diejenigen mit schlechter kontrollierbarem Blutdruck und höherem Risiko gewesen sein.

Die Studie ist spannend, weil sie eine so große Zahl von Patienten umfasst und eine spezielle Methodik verwendet, die einen Vergleich von Strategien ermöglicht, die in Studien nicht direkt nebeneinander untersucht wurden.

Ihre Schwäche ist allerdings, dass die erzielte Blutdrucksenkung in den unterschiedlichen Gruppen nicht mit untersucht wurde, obwohl sie ein relevanter Faktor für Nephropathie und Mortalität ist. Ebenso wenig wurden andere Risikofaktoren berücksichtigt, wie Schwere der kardiologischen Erkrankung, Alter oder Bias der eingeschlossenen Studien. Angesichts der Komplexität wäre das kaum möglich gewesen. Jedoch lässt sich nun, wie oben erwähnt, nicht ausschließen, dass die Vergleichsgruppen unterschiedlich gewesen sein könnten, z.B. Patienten mit Niereninsuffizienz in den Diuretika- oder Patienten mit schlechter kontrollierbarem Blutdruck in der Betablockergruppe.

Als gesichert und durch diese Studie bestätigt kann wohl als gesichert gelten, dass hypertone Diabetiker vorzugsweise mit ACE-Hemmern behandelt werden sollten.

[1] Wu HY et al.: Comparative effectiveness of renin-angiotensin system blockers and other antihypertensive drugs in patients with diabetes: systematic review and bayesian network meta-analysis. BMJ 2013;347:f6008 doi: 10.1136/bmj.f6008 (veröffentlicht am 24. Oktober 2013)

Newsletter Nr. 09/2013

Allen Newsletterlesern wünschen wir einen goldenen Herbst.

Fortbildungskalender 2014: Der Herbst läutet bei uns nicht das Jahresende ein, sondern das neue Jahr: Der neue Campus-Fortbildungskalender ist da. Hier zum Download als PDF für Sie.

Profitieren Sie von 20% Frühbucherrabatt bei Anmeldungen bis zum 31.10.2013.

Die Termine im Überblick finden Sie am Ende des Newsletters.

 

Optimale kardiovaskuläre Therapie bei Patienten über 85: Können Therapieempfehlungen, die auf Studien mit jüngeren Erwachsenen beruhen, auf Patienten jenseits der 80 angewandt werden? Für die Empfehlung, nach einem Herzinfarkt eine Kombination aus ASS, ACE-Hemmer / AT1-Blocker, Betablocker und Lipidsenker einzusetzen, scheint das zu gelten. Mehr Informationen hier.

 

„Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen“: In diesem Seminar betrachten wir die besonderen pharmazeutischen Herausforderungen bei der Therapie der Patientengruppen Kinder, Senioren und Schwangere sowie Stillende. Neben der Frage der Übertragbarkeit von Studienergebnissen aus anderen Patientengruppen (s.o.) sind hier eine Reihe von pharmakokinetischen, ‑dynamischen und funktionalen Unterschieden zu beachten, um eine sichere Arzneimitteltherapie zu gewährleisten. Nächster Lauf: 07.11.–04.12.13. Mehr Informationen hier.

 

Copeptin: ein neuer Herzinfarktparameter Gerade in kritischen Situationen wie dem Verdacht auf einen Herzinfarkt wünscht man sich einen sensitiven und spezifischen Laborparameter, der sofort messbar reagiert. Copeptin, ein Glykoprotein, könnte sich als ein solcher Parameter erweisen. Erste Studien wurden jüngst beim Kongress der Europäischen Kardiologen vorgestellt. Ein Kurzbericht dazu hier.

 

„Interpretation von Laborparametern: Dieses Seminar startet am kommenden Donnerstag mit Teilnehmenden aus öffentlichen und Krankenhausapotheken. Campus-Seminar-Erfahrene sowie „Neuzugänge“, Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind bereits dabei, sich miteinander und mit dem Seminarmaterial vertraut zu machen. Wir freuen uns auf einen regen Austausch.

 

„Angewandte Pharmakokinetik“ erfolgreich abgeschlossen: Noch drei Tage bis zum inhaltlichen Abschluss des Seminars „Angewandte Pharmakokinetik„, aber schon jetzt ist klar, dass alle Teilnehmerinnen sich weit mehr als im Rahmen der Mindestanforderungen für das Zertifikat im Seminar engagiert haben. Noch eine letzte Systematisierung und Abrundung des wichtigen Grundlagenthemas, dann versenden wir mit Freuden eine neue Runde Zertifikate.

 

Neues Bulletin zur Arzneimittelsicherheit des BfArM erschienen: mit Informationen zu Methylphenidat, Masern- und HPV-Impfung und den ersten Erfahrungen zur Meldung von UAW-Verdachtsfällen durch Verbraucher.

 

Patienten mit Schlaganfallrisiko erkennen: Wenn Sie wissen möchten, an welchen Indikatorarzneimitteln Sie Patienten mit Vorhofflimmern erkennen und wie Sie deren Schlaganfallrisiko einschätzen können, finden Sie hier mehr Informationen dazu. Diese Informationen könnten Sie auch gleich im Online-Case Training (s.u.) anwenden.

 

Online-Case Training: Soll Frau R. mit Vorhofflimmern und KHK ein Statin einnehmen? Herr D. bekommt Furosemid, Quinapril und Metformin und fühlt sich akut unwohl – was ist da los? Kann Herr M., der unter Schlafstörungen, Depression und KHK leidet, mit einem Benzodiazepin behandelt werden?

 

Im Online-Case-Training eine Woche lang mit KollegInnen drei knifflige Fälle diskutieren und lösen: 14.-20.11.2013. Jetzt anmelden!

 

Mit herbstlichen, kollegialen Grüßen,

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Der Campus Pharmazie-Fortbildungskalender 2014

„Arzneimitteltherapie bei Patienten bei Eliminationsstörungen“

16.01. – 12.02.2014

„Arzneimittelinteraktionen“

13.03. – 09.04.2014

„Angewandte Pharmakokinetik“

01.05. – 28.05.2014

„Unerwünschte Arzneimittelwirkungen“

01.05. – 28.05.2014

„Interpretation von Laborparametern“

04.09. – 01.10.2014

„Medizinische Literaturrecherche und Arzneimittelinformation“

13.11. – 10.12.2014

„Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen“

13.11. – 10.12.2014

„Case Training“:  23. – 29.01.  |  03. – 09.04.  |  12. – 18.06.  |  18. – 24.09.2014

 

Newsletter Nr. 06/2013

Online-Seminare - im Sommer auf der Wiese...

Kardioprotektion bei Krebstherapie: Nicht nur Dexrazoxan, sondern auch ACE-Hemmer, Statine und Betablocker könnten der Beeinträchtigung der Herzfunktion durch kardiotoxische Krebsmedikamente vorbeugen, wenn sie vor der Chemotherapie verabreicht werden. Darauf deutet eine [EXPAND eine australische Meta-Analyse hin.]K Kalam, TH Marwick: Role of cardioprotective therapy for prevention of cardiotoxicity with chemotherapy: A systematic review and meta-analysis. Eur J Cancer. 2013, Online-Veröffentlichung 25.05.2013[/EXPAND]

 

10% Frühbucherrabatt auf unser Angebot für Sie im 2. Halbjahr 2013:

Moderierte Online-Seminare

12.09. – 09.10. Angewandte Pharmakokinetik
10.10. – 06.11. Interpretation von Laborparametern
10.10. – 06.11. Arzneimitteltherapie bei Patienten mit Eliminationsstörungen
07.11. – 04.12. Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen

Angewandte Pharmakokinetik ist die ideale Grundlage für die Seminare um Eliminationsstörungen und Altersgruppen, weil viele Aspekte der Arzneimitteltherapie für diese Patientengruppen auf einer veränderten Pharmakokinetik beruhen.

Online-Case-Trainings
19.09. – 25.09. Fälle 01, 02, 03
14.11. – 20.11. Fälle 04, 05, 06Von den themenübergreifenden Case-Trainings profitieren Sie sowohl als Einstieg in die Seminare als auch zur vertiefenden Anwendung, wenn Sie Seminare abgeschlossen haben. Werden beide Formate gebucht, reduzieren sich die Teilnahmegebühren um bis zu 125,- €.

Bei Anmeldung bis zum 31.07.2013 erhalten Sie für alle Seminare und Case-Trainings 10% Frühbucherrabatt. Nähere Informationen zu den Inhalten, Zielen, Kosten, Nutzen und Rabatten auf der Website.

 

Was ist E-Learning? In der aktuellen Ausgabe der DAZ (Nr. 26 v. 27.6.13) beschreiben wir, was E-Learning ist, aus welchen Bausteinen es sich zusammensetzen kann und welche Szenarien sich für welche Ziele eignen. Wir haben außerdem einen Überblick über die aktuellen deutschsprachigen E-Learning-Angebote zu Themen der Patientenberatung für Sie zusammengestellt.

 

Gliflozine[EXPAND Eine neue Übersichtsarbeit] – SR Taylor, KB Harris: The Clinical Efficacy and Safety of Sodium Glucose Cotransporter-2 Inhibitors in Adults with Type 2 Diabe-tes Mellitus. Pharmacotherapy 2013, Online-Veröffentlichung 06.06.2013 – [/EXPAND] fasst die Erkenntnisse der Zulassungsstudien zusammen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Wirksamkeit der Gliflozine der des Metformins entspricht. Anlass zur Sorge gibt jedoch das vielleicht erhöhte Krebsrisiko unter Dapagliflozin. Mehr Informationen hier.

 

Kongress für Patientensicherheit: Am 13. und 14.06 fand in Berlin der 4. Kongress zur Patientensicherheit unter medikamentöser Therapie statt. Die Tatsache, dass die Teilnehmerschaft zum Großteil aus Apothekern bestand, ist erfreulich, da die Patientensicherheit auch aus politischer Sicht ein beachtetes Thema ist. Sie darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass einige Krankenkassen gerade dabei sind, die pharmazeutische Kernkompetenz der Patientenberatung in die eigenen Hände zu nehmen. Ein Alarmsignal! Mehr Informationen hier.

 

Glückwunsch den Absolventen des Seminars Unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Pharmakovigilanz: Alle Teilnehmenden haben die Anforderungen glänzend erfüllt – und gehen der Abschlussbefragung nach sehr zufrieden aus dem Seminar: „Es ist eine hervorragende Möglichkeit, berufsbegleitend auf hohem Niveau Kenntnisse aufzufrischen und zu erweitern. Die Dauer von vier Wochen bewirkt eine Festigung der (neuen und alten) Kenntnisse, die in Tages- oder Wochenendseminaren so nicht zu erreichen ist“.

Die Zertifikate und Teilnahmebescheinigungen für die 26 Fortbildungspunkte der Kammer sind sehr verdient. Wir freuen uns über den Zuwachs im Alumni-Netzwerk.

 

Wir wünschen Ihnen
schöne Sommerwochen!

Prof. Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

genannte Studien:
Kalam, TH Marwick: Role of cardioprotective therapy for prevention of cardiotoxicity with chemotherapy: A systematic review and meta-analysis. Eur J Cancer. 2013, Online-Veröffentlichung 25.05.2013

SR Taylor, KB Harris: The Clinical Efficacy and Safety of Sodium Glucose Cotransporter-2 Inhibitors in Adults with Type 2 Diabetes Mellitus. Pharmacotherapy 2013, Online-Veröffentlichung 06.06.2013