Medikationsmanagement im Krankenhaus: Stationsapotheker können Weiterbildung beginnen

Mit dem moderierten Online-Seminar „Arzneimitteltherapie für Patienten besonderer Altersgruppen“ eröffnen wir die neu konzipierte Weiterbildung für Apothekerinnen und Apotheker auf Station: „Medikationsmanagement im Krankenhaus“. Das Seminar behandelt die klinisch-pharmazeutische Betreuung geriatrischer, pädiatrischer, neurologischer und psychiatrischer Patienten und ist als Seminar 6 der Weiterbildung anerkannt (s. Weiterbildungskalender).

Das bereits länger bestehende Campus Pharmazie-Seminar umfasst in der klassischen Variante die Arzneimitteltherapie für Senioren und Kinder sowie Schwangere und Stillende. Wer sich für die Weiterbildung anmeldet, absolviert das klassische Seminar zusammen mit denjenigen, die sich außerhalb der Weiterbildung fortbilden, erhält aber statt der Seminarelemente Schwangerschaft und Stillzeit Skript und Aufgaben zur Neurologie und Psychiatrie.

Das Seminar beginnt aktuell am 11. April und endet am 08. Mai 2019. Wie alle unsere Seminare läuft es komplett online und ohne festgelegte Termine ab. Das heißt, alle Aufgaben werden auf einer Lernplattform und innerhalb von Zeitfenstern von mindestens einer Woche bearbeitet. Dabei werden die Teilnehmenden lernorganisatorisch und fachlich engmaschig tutoriell begleitet und erhalten für ihre Aufgabenlösungen Feedback. Die maximale Teilnehmerzahl beträgt 20. Anmeldung ist jederzeit möglich, momentan sind noch Plätze im Seminar frei.

Achtung: Teilnehmer, die sich das Seminar als WB-Seminar anrechnen lassen möchten, müssen sich zum Zeitpunkt der Teilnahme in der Weiterbildung „Klinische Pharmazie“ befinden oder diesen Fachapothekertitel bereits besitzen.

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Hilfestellung zum Wechseln von Psychopharmaka

Direkt absetzen oder ausschleichen, direkt ansetzen oder aufdosieren? Was passiert dabei auf pharmakokinetischer Ebene? Gibt es pharmakodynamische Interferenzen zu beachten? Wenn es um den Wechsel von einem Antidepressivum oder einem Antipsychotikum auf ein anderes geht, müssen diese Fragen beantwortet werden.

Hilfestellung dabei kann die niederländische Website „Psychiatrienet“ mit ihren Switchtabellen geben. Davon gibt es eine für Stimmungsstabilisierer / Phasenprophylaktika, eine für Antipsychotika und eine für Antidepressiva.

Die Information, die die Tabellen bereit halten, sieht am Beispiel des Wechsels von Amitriptylin zu Escitalopram folgendermaßen aus:

Stop Amitriptylin:

  • Vor Tag 1: Amitriptylindosis stufenweise auf max. 50 mg/d reduzieren
  • Tag 1: Amitriptylindosis auf 25 mg/d reduzieren
  • Tag 8: Amitriptylin ganz absetzen

Start Escitalopram:

  • Tag 8: Escitalopram mit 10 mg/d starten
  • Tag15: Escitalopramdosis erhöhen, wenn nötig

Zusatzinfo:

  • Additives Serotoninsyndrom nicht wahrscheinlich, aber theoretisch möglich, Symptome beachten.

Die Informationen werden von dem medizisch-wissenschaftlichen Verlag „De Tijdstroom“ in englischer Sprache zusammengestellt und kostenfrei zur Verfügung gestellt. Verwendung wie immer „auf eigene Gefahr“.

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Psychopharmaka-Wechsel

Psychopharmaka-Wechsel

Bei der Umstellung eines Patienten von einem Psychopharmakon auf ein anderes stellt sich nicht nur die Frage nach der äquivalenten Dosis, sondern auch nach einer Washout-Phase und ihrer Dauer.

Gute Antworten darauf gibt kurz und bündig das niederländische Psychiatrie-Net.

Wer sich beispielsweise die Frage stellt, wie von Citalopram auf Escitalopram gewechselt werden sollte, rufe die Tabelle „Switching betweeen antidepressants“ auf und suche die „Kreuzung“ Citalopram – Escitalopram.

Ein Klick, und schon ist klar, dass keine Washout-Phase benötigt wird und dass von Escitalopram halb so viele Milligramm pro Tag genommen werden wie von Citalopram.

Bild: © Dmitry Guzhanin / Fotolia

Medikationsmanagement für psychiatrische Patienten

Studie zeigt Kosteneffektivität:

Patienten: 154 psychiatrische Patienten in den USA, die in einem Zeitraum von 28 Monaten (2011-2013) durch Ärzte, Therapeuten, Berater, Freunde oder Familie zum Medikationsmanagement veranlasst wurden.

AMTS-ExperteMedikationsmanagement: Analyse aller verschreibungspflichtigen und OTC-Arzneimittel sowie Nahrungsergänzungsmittel unter Berücksichtigung der Therapieziele, Laborparameter, Lebensweise und Einstellung der Patienten zu ihrer Therapie durch Apotheker mit zusätzlicher Fortbildung in Medikationsmanagement und Pharmakotherapie psychiatrischer Erkrankungen. Berücksichtigte arzneimittelbezogene Probleme: unerwünschte Wirkungen, Interaktionen, Arzneimittel ohne Indikation, Indikation ohne Arzneimittel, suboptimale Arzneimittelwahl, inadäquate Einnahmevorschriften, falsche Dosierung, geringe Adhärenz. Intervention: Schriftliche Information der Ärzte und Patienten über die gefundenen Probleme und die Lösungsvorschläge.

Unterstützt wurden die Apotheker durch PTA (Terminvereinbarungen mit den Patienten,
Erinnerungsanrufe, Dateneingabe in die Software und Versand der Berichte).

Medikationsmanagement-Gespräche: Initial einstündiges Gespräch an einem vom Patienten präferierten Ort (Apotheke, Arztpraxis, Seniorenheim, zu hause); nach 4-6 Wochen Angebot für Follow-up-Gespräch, weitere Treffen nach Bedarf bis zur Lösung der gefundenen Probleme.

Ergebnisse (Mittelwerte): pro Patient erfolgten 1,7 Gespräche, wurden 13,7 Präparate analysiert (Range 2-33), 5,6 arzneimittelbezogene Probleme identifiziert (Range 1-20) und 586,55 US$ eingespart (für Arzneimittel, Arztbesuche, Notfallbehandlungen und Klinikeinweisungen). Das Medikationsmanagement kostete pro Patient 208,99 US$ an bezahlter Arbeitszeit. Für 52% verbesserte sich der Gesundheitszustand, bei 33% blieb er gleich, bei 14% verschlechterte er sich. 93% der Patienten bezeichneten das Medikationsmanagement als ‚extrem‘ oder ’sehr‘ hilfreich.

Schlussfolgerung der Autorin: Medikationsmanagement durch geschulte Apotheker kann in dieser Patientengruppe das Therapieergebnis verbessern und Kosten einsparen.

Quelle:

CD Cobb: Optimizing Medication Use with a Pharmacist-Provided Comprehensive Medication Management Service for Patients with Psychiatric Disorders. Pharmacotherapy 2014;**(**):**–**) doi: 10.1002/phar.1503 (early online view)