Therapeutisches Drug Monitoring für Betalaktam-Antibiotika?

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Bei Betalaktam-Antibiotika korreliert die antibiotische Wirkung mit der Zeit innerhalb des Dosierungsintervalls, in der die Plasmakonzentration oberhalb der minimalen Hemmkonzentration (MIC) liegt. Mit einer verlängerten Infusionsdauer bleibt der Plasmaspiegel länger hoch, aber bei gleicher Tagesdosis nimmt die erreichte Maximalkonzentration zugleich ab. Es ist dann also die Frage, ob die MIC überhaupt erreicht wird.

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) kann die Frage beantworten und Sicherheit bringen. Aber es ist kein Standard und nicht überall implementiert. Zudem muss jeweils auch die Sensibilität des Erregers berücksichtigt werden.

Die Evidenz dafür, dass das TDM zu verbesserten klinischen Outcomes führt, ist noch begrenzt. Dies ist allerdings die Voraussetzung für die Verwendung von Ressourcen auf das Monitoring.

Eine Diskussion des Betalaktam-TDM, der bisher verfügbaren Evidenz und Empfehlungen zur Implementierung für bestimmte Patientengruppen findet sich in einem aktuellen Review [1].

Patienten, die speziell vom TDM profitieren könnten, sind demnach solche, die mit einem Erreger infiziert sind, dessen MIK nahe am Sensibilitäts-Grenzwert liegt, bei denen ein Organversagen vorliegt oder bei denen andere Umstände die Pharmakokinetik der Betalaktame verändern.

So kann beispielsweise das Verteilungsvolumen im Rahmen einer systemischen Entzündungsreaktion für hydrophile Wirkstoffe, wie es die Betalaktame sind, deutlich vergrößert sein. Die erhöhte renale Clearance bei Patienten mit Verbrennungen, Sepsis, physischem Trauma, hämatologischen Krebserkrankungen oder Pankreatitis führt in vielen Fällen zu niedrigeren Plasmaspiegeln der Betalaktame und kann eine Dosiserhöhung erfordern. Zusätzliche Variabilität in der Pharmakokinetik tritt bei organunterstützenden Verfahren wie ECMO oder Dialyse auf. Oft ist es in solchen Fällen schwierig, vorherzusagen welches Dosierungsschema zu welchen Plasmaspiegeln führt. Eine Dosisanpassung via TDM kann dann hilfreich sein.

Quellen

[1] Fratoni et al.: A guide to therapeutic drug monitoring of β-lactam antibiotics. Pharmacotherapy 202; 41(2):220-233

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