Medikationsmanagement ist kosteneffektiv

In regelmäßigen 5-8-Jahres-Abständen werden systematische Reviews zur Kosteneffektivität klinisch-pharmazeutischer Dienstleistungen im Bereich des Medikationsmanagements veröffentlicht [1-5]. Der aktuelle Überblick über die Jahre 2011 bis 2017 [5] ist gerade erschienen.

Studien zum Medikationsmanagement

Bei der Literaturrecherche fanden sich 214 Treffer, die nach Sichtung der Titel, Abstracts und Artikel die Ein- und Ausschlusskriterien für den Review erfüllten. Wegen der unterschiedlichen Rahmenbedingungen beschränkten die Autoren sich außerdem auf die 115 US-amerikanischen Treffer. Studien zum pharmakotherapeutischen Management machten 41% der eingeschlossenen Artikel aus. Sie zeigten in der Regel Kosteneinsparungen durch die Intervention durch die Vermeidung von arzneimittelbezogenen Problemen und Reduktion von Ausgaben für medizinischen oder pharmazeutische Maßnahmen.

Unter diesen Studien waren zwei mit als gering klassifiziertem Risiko für Bias: Die erste zeigte, dass das Medikationsmanagement in der öffentlichen Apotheke die Arzneimittelkosten eines Jahres für den Patienten (die in den USA sehr hoch sind) um 17% senken konnte. In der Kontrollgruppe waren es nur 13%, und der Unterschied war nicht signifikant.

Die zweite untersuchte ein zwischen öffentlicher und Krankenhausapotheke abgestimmtes Medikationsmanagement. Diese Intervention senkte die Häufigkeit arzneimittelbezogener Krankenhausaufnahmen im Vergleich zu Einrichtungen ohne die Intervention um 36,5%. Bei jährlichen Kosten für das Programm in Höhe von ca. 1,8 Mio $ und einer berechneten jährlichen Einsparsumme von 6,6 Mio $ betrug der Return on Investment 2,64.

Insgesamt: Kosteneffektivität und große Heterogenität

Wie schon in den vorangegangenen Reviews belegte die Mehrzahl der eingeschlossenen Studien einen gesundheitsökonomischen Nutzen durch die klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen. Die Robustheit der Methodik und die Arten der untersuchten Kosten und Outcomes waren sehr unterschiedlich. Daher war es auch nicht möglich, die Studienergebnisse zu aggregieren und einen Gesamtnutzen zu berechnen. Ein Grund für die Variabilität mag der Umstand sein, dass die Dienstleistungen in der Regel auf die jeweilige Situation in der Patientenversorgung zugeschnitten und insofern kaum zu standardisieren sind.

Was ist ‚Klinische Pharmazie‘?

Das American College of Clinical Pharmacy definiert ‘Klinische Pharmazie’ als individualisierte Versorgung von PatientInnen durch ApothekerInnen, in der die Arzneimitteltherapie optimiert und die Gesundheit gefördert wird. Ferner setzt sie sich für die Prävention von Krankheiten ein. Sie erstreckt sich inzwischen auf das Management chronischer Erkrankungen im ambulanten Bereich, also in der öffentlichen Apotheke, Prävention durch Impfungen und Integration in Team-basierte Versorgungsmodelle [5].

Quellen:

[1] Schumock GT et al.: Economic evaluations of clinical pharmacy services—1988-1995. The Publications Committee of the American College of Clinical Pharmacy. Pharmacotherapy 1996; 16(6):1188–1208

[2] Schumock GT et al.: Evidence of the economic benefit of clinical pharmacy services: 1996-2000. Pharmacotherapy 2003; 23(1):113–132

[3] Perez A et al.: American College of Clinical Pharmacy. ACCP: economic evaluations of clinical pharmacy services: 001–2005. Pharmacotherapy 2009; 29(1):128

[4] Touchette DR et al.: Economic evaluations of clinical pharmacy services: 2006-2010. Pharmacother J Hum Pharmacol Drug Ther 2014; 34(8):771–793

[5] Talon B et al.: Economic evaluations of clinical pharmacy services in the United States: 2011-2017. J Am Coll Clin Pharm 2020; 3:793–806

Bildnachweis: © mohamed hassan / pixabay

Newsletter Nr. 03/2015

Mit campus Pharmazie in den Sommer

 

Und es nützt doch! Frische Studien zum Medikationsmanagement aus Deutschland und Spanien belegen den klinischen Nutzen (s.u.). Das ist eine Honorierung des Aufwands wert.

 

Medikationsmanagement bei jugendlichen Diabetikern: In unserem Blog stellen wir Ihnen die aktuelle Veröffentlichung zur Diadema-Studie und ihre Ergebnisse vor. Die Studie zeigt: Der Apotheker in der medizinischen Versorgung von Diabetikern optimiert den HbA1c deutlich.

 

Medikationsmanagement für Chroniker: Aus einer Studie spanischer Kollegen erfahren wir: Klinisches Medikationsmanagement verbessert klinische Parameter bei chronisch Kranken. Die Ergebnisse sind deutlich und beeindruckend: Details dazu finden Sie hier.

 

Medikationsanalyse-Fortbildung mit der Apothekerkammer HH: Zum 2. Mal gab es ein Blended-Learning mit der Apothekerkammer HH zu diesem Thema. Ablauf und Bewertung haben wir auf unserer Website zusammengestellt. Ein O-Ton für Sie:

„Gefallen hat mir das Lernen durch Beiträge anderer Teilnehmer und die Moderation, das gemeinsame Ideen sammeln, die sich aufbauenden Fragestellungen.“

So soll es sein und das freut uns sehr. Vielleicht in der nächsten Runde mit Ihnen?

 

Paracetamol – nicht so sicher wie gedacht? Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zeigt: auch PCM scheint kardiovaskuläre, gastrointestinale und renale unerwünschte Wirkungen auszulösen.

 

Evaluation der Seminare 2014: Auch in diesem Jahr hatten wir auf der ADKA-Tagung Gelegenheit, unsere Evaluationsergebnisse zu präsentieren. Lesen Sie auch online, wie die Teilnehmerschaft unserer Online-Seminare 2014 aussah und wie sie die einzelnen Seminar-Bestandteile, die Moderation und nicht zuletzt ihren Lernerfolg einschätzt.

 

Online-Seminare in der 2. Jahreshälfte: Sie wollen noch 2015 Ihre Fähigkeiten im Medikationsmanagement ausbauen? Da haben wir drei gute Nachrichten für Sie:

„Unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Pharmakovigilanz“ 03.09.- 30.09.2015
„Medizinische Literaturrecherche und Arzneimittelinformation“ 05.11.- 02.12.2015
„Arzneimitteltherapie bei Patienten besonderer Altersgruppen“ 05.11.- 02.12.2015

Weiterführende Informationen und Anmeldung finden Sie hier.

Wir freuen uns auf Sie!

 

Kollegial grüßen in die Sommerferien

Dr. Dorothee Dartsch (Klinische Pharmazie)
Jasmin Hamadeh (Mediendidaktik und Lernorganisation)

Medikationsmanagement für psychiatrische Patienten

Studie zeigt Kosteneffektivität:

Patienten: 154 psychiatrische Patienten in den USA, die in einem Zeitraum von 28 Monaten (2011-2013) durch Ärzte, Therapeuten, Berater, Freunde oder Familie zum Medikationsmanagement veranlasst wurden.

AMTS-ExperteMedikationsmanagement: Analyse aller verschreibungspflichtigen und OTC-Arzneimittel sowie Nahrungsergänzungsmittel unter Berücksichtigung der Therapieziele, Laborparameter, Lebensweise und Einstellung der Patienten zu ihrer Therapie durch Apotheker mit zusätzlicher Fortbildung in Medikationsmanagement und Pharmakotherapie psychiatrischer Erkrankungen. Berücksichtigte arzneimittelbezogene Probleme: unerwünschte Wirkungen, Interaktionen, Arzneimittel ohne Indikation, Indikation ohne Arzneimittel, suboptimale Arzneimittelwahl, inadäquate Einnahmevorschriften, falsche Dosierung, geringe Adhärenz. Intervention: Schriftliche Information der Ärzte und Patienten über die gefundenen Probleme und die Lösungsvorschläge.

Unterstützt wurden die Apotheker durch PTA (Terminvereinbarungen mit den Patienten,
Erinnerungsanrufe, Dateneingabe in die Software und Versand der Berichte).

Medikationsmanagement-Gespräche: Initial einstündiges Gespräch an einem vom Patienten präferierten Ort (Apotheke, Arztpraxis, Seniorenheim, zu hause); nach 4-6 Wochen Angebot für Follow-up-Gespräch, weitere Treffen nach Bedarf bis zur Lösung der gefundenen Probleme.

Ergebnisse (Mittelwerte): pro Patient erfolgten 1,7 Gespräche, wurden 13,7 Präparate analysiert (Range 2-33), 5,6 arzneimittelbezogene Probleme identifiziert (Range 1-20) und 586,55 US$ eingespart (für Arzneimittel, Arztbesuche, Notfallbehandlungen und Klinikeinweisungen). Das Medikationsmanagement kostete pro Patient 208,99 US$ an bezahlter Arbeitszeit. Für 52% verbesserte sich der Gesundheitszustand, bei 33% blieb er gleich, bei 14% verschlechterte er sich. 93% der Patienten bezeichneten das Medikationsmanagement als ‚extrem‘ oder ’sehr‘ hilfreich.

Schlussfolgerung der Autorin: Medikationsmanagement durch geschulte Apotheker kann in dieser Patientengruppe das Therapieergebnis verbessern und Kosten einsparen.

Quelle:

CD Cobb: Optimizing Medication Use with a Pharmacist-Provided Comprehensive Medication Management Service for Patients with Psychiatric Disorders. Pharmacotherapy 2014;**(**):**–**) doi: 10.1002/phar.1503 (early online view)